Iran: Kalte Verstaatlichung der Privatunis

Der iranische Präsident Ahmadineschad tritt gern als Kritiker der Pfründewirtschaft der Geistlichkeit auf. Darum sei die Frage erlaubt, wie er es denn selbst damit hält. Schon in seiner ersten Amtszeit hat er die Gelegenheit genutzt und alle Posten an den staatlichen Universitäten mit seinen Leuten besetzt, Qualifikation spielte dabei keine Rolle. Aber das genügte ihm nicht. Schon damals versuchte er, auch die privaten Universitäten im Iran unter seine Kontrolle zu bringen. Diese Privatunis waren nach der iranischen Revolution 1979 entstanden und wurden von den religiösen Stiftungen finanziert. Für diejenigen, die sich die Studiengebühren leisten konnten, waren sie eine Chance, zu einem Studienplatz zu kommen, denn die Studienplätze an den staatlichen Unis reichten bei weitem nicht aus. Diese privaten Hochschulen haben ein Leitungsgremium, nennen wir es Rektorenrat, dessen Vorsitz Ajatollah Rafsandschani innehat. Und das ist Ahmadineschads Problem. Solange er Rafsandschani nicht loswird, kann er auch die Posten im Bereich der Privatuniversitäten nicht verschachern. Also ging er hin, berief den Rektorenrat ein, schüchterte die Teilnehmer so ein, dass sie sich nicht mehr trauten, anders abzustimmen als ihm genehm war, und ließ einen Nachfolger für den Vorsitzenden Rafsandschani wählen. Coup geglückt, Unis verstaatlicht, könnte man meinen. Die Sache hat nur einen Haken. Die Ernennungsurkunde des Nachfolgers benötigt die Unterschrift von Rafsandschani. Und der gibt sie nicht, sondern verlangt eine neue Versammlung in einer freien Atmosphäre.
Der Streit geht in die nächste Runde.

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