Iran: Wer Wahlen fälscht, braucht einen Taschenrechner


Parwin Ahmadineschad, die Schwester des Präsidenten

Schwester des Präsidenten klagt über Wahlfälschung
Inzwischen wurden diverse Wahlergebnisse von den Parlamentswahlen im Iran (Freitag, 2.3.2012) bekannt gegeben.
So soll in Garmsar, dem Geburtsort von Präsident Ahmadineschad, der Kandidat von Ajatollah Chamene‘i 19.000 Stimmen erhalten haben, die Schwester des Präsidenten, Parwin Ahmadineschad, dagegen nur 17.000. Parwin hat sich schon beschwert, dass das Ergebnis gefälscht sei und die Gegenseite mit Hilfe gefälschter Stimmen zugelegt habe. Da mag sie Recht haben, zusammen machen die beiden jedenfalls nicht mal 40.000 Stimmen aus (Fälschung unberücksichtigt), bei einer Zahl von 200.000 Wahlberechtigten in Garmsar.

9% in Teheran
In Teheran betrug die Zahl der Wahlberechtigten 8 Millionen, laut amtlichen Behauptungen sollen 1,8 Millionen abgestimmt haben. An erster Stelle steht angeblich der Chamene‘i-Vertraute Haddad Adel mit angeblich knapp 400.000 Stimmen. Wahlhelfer berichten dagegen von nur 9% Wahlbeteiligung in Teheran, also 720.000 Stimmen.

Ein vielsagender Versprecher
Der Leiter der Obersten Wahlbehörde, Herr Mortasawi (nicht Said!), erklärte im Interview gegenüber dem staatlichen iranischen Fernsehen, dass 34 Prozent der Wähler an den Wahlen teilgenommen hätten. Er sprach mit ruhiger Stimme, von Aufregung keine Spur, aber dann ist ihm wohl aufgefallen, dass das nicht zur amtlichen Vorgabe von 64 Prozent passte und korrigierte sich.

Wenn’s dunkel wird
Ein großer Vorteil der dreifachen Verlängerung der Wahlzeiten auf zuletzt 23 Uhr war der, dass es dann dunkel und spät genug war, um die Ergebnisse nach den vorher an der Spitze vereinbarten Vorgaben zu korrigieren. So berichteten Wahlhelfer, dass zu später Stunde bewaffnete Bassidschi-Milizen und Revolutionswächter in die Wahllokale eindrangen und trotz ihrer Proteste die „Zählung“ der Stimmen übernahmen.

Rechnen sollte man schon können
Die Pasdaran mögen zwar mit der Waffe und dem Knüppel gut umgehen können, aber mit dem Rechnen haben sie’s wohl nicht so. So wurde aus einer Ortschaft berichtet, dass 73.000 Menschen Stimmrecht hatten, die Zahl der abgegebenen Stimmzettel war 80.000! Dergleichen Beispiele werden laufend aus verschiedenen Orten gemeldet.

Der Wolf und das Schaf
Doch wer wollte sie schon korrigieren. Das ist wie mit dem Märchen vom Wolf und dem Schaf. Der Wolf beschuldigte das Schaf, das unterhalb seiner Trinkstelle aus dem Bach trank, es habe sein Wasser verschmutzt. Das Schaf verteidigte sich, das sei gar nicht möglich, aber der Wolf frass es trotzdem zur Strafe.

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