Iran: Feuer im Bart des Ajatollahs


Hadschi Firus zwischen den Autos
Im Iran ist der letzte Dienstag vor Nourus, dem Frühlingsanfang und zugleich dem Beginn des iranischen Jahres, ein besonderer Tag. Am Abend dieses Dienstags machen die Jugendlichen an vielen öffentlichen Plätzen Feuer, springen darüber und sagen den Spruch „Zardiye man az to, sorxiye to az man“ (Mein Gelb für dich, dein Rot für mich. Gelb steht für Krankheit, Rot für Lebensfreude). Auch Feuerwerksraketen und Knaller werden an diesem Abend gezündet, und so manche verkleiden sich an diesem Tag als Hadschi Firus, mit rotem Anzug und geschwärztem Gesicht, singen, tanzen und sagen bestimmte Sprüche auf, wofür ihnen die Leute Geld geben. In heutiger Zeit kann das mitten auf der Straße zwischen den fahrenden Autos sein.

Die vier Bärtigen
Da es sich bei diesem Fest, das Tschahar-Schanbeje Suri genannt wird, um eine alte, vorislamische Tradition handelt, war es das stete Streben der herrschenden Ajatollahs, dem Volk diese Sitten auszutreiben. Das ist weder Chomeini gelungen noch seinem Nachfolger Chamene‘i. Dieses Jahr haben sich gleich vier Ajatollahs gemeinsam gegen diesen „Aberglauben“ ausgesprochen:
Ajatollah Naser Makarem Schirasi, Ajatollah Lotfollah Safi Golpajegani, Ajatollah Mesbah Jasdi, Ajatollah Mahdawi Kani.
Was das für Unsinn sei, dieser Spruch: Mein Gelb für dich, dein Rot für mich!
Aber das Wettern half nichts.

Selbst in Maschhad

Selbst in Maschhad, einem religiösen Zentrum, wo die Geistlichen wegen des Grabs von Imam Resa besonders großen Einfluss haben, wurde das Fest des Tschahar-Schanbeje Suri überall begangen. Da half auch keine Polizei. Die hatte zwar im ganzen Land scharfe Einsätze angekündigt, aber das Volk wusste ja, dass die Feuerwerkskörper, die vor dem Fest verkauft wurden, aus den Fabriken der Pasdaran stammten. Geschäft ist Geschäft.

So lebt diese Sitte weiter, Geistliche hin oder her.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email