Iran: Mehdi Chas‘ali auf freiem Fuß

Der Arzt Mehdi Chas‘ali, der Sohn des bekannten Ajatollahs Abulqassem Chas‘ali, war vor über zwei Monaten verhaftet und dabei so brutal behandelt worden, dass ihm die Hand und ein Zahn brachen. Er wurde aus politischen Gründen zu viereinhalb Jahren Gefängnis und zehn Jahren Verbannung verurteilt worden, die Strafe sollte er in Borasdschan antreten, einem heißen Ort im Süden des Irans, der für sein ungesundes Klima berüchtigt ist.
Mehdi Chas‘ali war aus Protest gegen seine Inhaftierung in Hungerstreik getreten – erst verweigerte er feste Nahrungsmittel, dann auch Flüssigkeiten. So nahm er in der Haft über 30 kg ab. Sein Tod wäre für das Regime nicht sehr rühmlich gewesen, deshalb suchte es nach Wegen, ihn vom Hungerstreik abzubrechen. Während weder Mehdis Frau noch Mehdis Kinder das Recht erhielten, ihn in Haft zu besuchen, durfte seine Mutter ihn besuchen. Das Regime nutzte den Kontakt zu seiner Mutter dazu, um auf ihn psychischen Druck auszuüben und ihn zur Aufgabe des Hungerstreiks zu drängen. Als das Flehen der Mutter nicht half, drohte sie: „shiram-raa halaalat nemikonam.“ – „Ich erkläre meine Muttermilch, (die ich dir gegeben habe), nicht für rechtmäßig.“ Das bedeutet, dass er diese Milch unrechtmäßig erhalten hätte und folglich auch nicht ins Paradies käme. Unter Muslimen ist das eine der schlimmsten möglichen Drohungen. Zugleich ist es auch eine Art Aufkündigung der Beziehung Mutter-Sohn.
Unter diesem Druck ließ Mehdi Chas‘ali vom „trockenen Hungerstreik“ ab und nahm wieder Flüssigkeit zu sich. Das Regime dagegen hatte sein Gesicht gewahrt und in keinem Punkt nachgegeben.
Jetzt wurde Mehdi Chas‘ali aufgrund der „großzügigen Gnade“ von Ajatollah Chamene‘i gegen Kaution auf freien Fuß gelassen. Nicht, weil das Urteil ungerecht war und nicht weil seine Inhaftierung illegal war, sondern weil der Religiöse Führer eben so ein toleranter Mensch ist…
Eine solche Freilassung kann jederzeit widerrufen werden, es wird sich zeigen, ob die Freilassung wesentlich länger dauert als die 13 Tage des persischen Neujahrsfestes.

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