Iran: Die wackeren Kämpfer gegen den Aberglauben

Bekanntlich ist der Iran seit 32 Jahren eine „Islamische Republik“. Ihr Präsident sieht in New York göttliches Licht in der UNO-Vollversammlung, die Mitglieder seines Kabinett werfen Briefe in ein Erdloch, das mal als Brunnen gedient haben mag, um den Segen des (vor rund 1200 Jahren!) „Verschwundenen 12. Imams“, des Mahdi, für Ihre Arbeit zu erbitten, und der religiöse Führer Ajatollah Chamene‘i hat in seiner Amtszeit viel Mühe darauf verwendet, dieses Brunnenloch in der Nähe des religiösen Zentrums Qom – bekannt unter dem Namen Dschamkaran – zu einem Pilger- und Basarzentrum aufzuwerten. Jetzt steht dort eine große Moschee, und die Basarhändler wissen es ihm zu danken. Der Hintergrund für dieses iranische Lourdes ist ein Traum, den ein Geistlicher vor etwa 100 Jahre hatte, der angeblich den verschwundenen 12. Imam in diesem Loch gesehen haben will. Heute werden Pasdaran und Bassidschi in Bussen angekarrt, damit sie in das Loch ihre Bittschriften werfen können (müsste eigentlich schon voll sein, aber wer weiß, was für „Heilige Geister“ diese Briefe wieder davontragen).


Darf man soviel Spaß haben?

Die Geistlichkeit hat zwischenzeitlich sogar schon eine e-mail-Adresse eingerichtet, die angeblich dem Mahdi gehört und den Kontakt mit ihm erleichtert.

Diese illustre Gesellschaft hat sich also entschlossen, den Aberglauben im Iran zu bekämpfen. Und den Aberglauben haben sie wo entdeckt? In der Jahrtausende alten Tradition der Iraner, den Vorabend des letzten Mittwochs vor dem iranischen Neujahrsfest (Tschahar-schanbeye suri), das iranische Neujahrsfest (Nourus, Frühlingsbeginn) und den 13. Neujahrstag, genannt Sisdah-be-dar, zu feiern. 32 Jahre schon kämpfen die Mollas und die Pasdaran gegen diesen Aberglauben.


Abergläubische Sportler?

Gestern (am 1. April), dem 13. Neujahrstag, konnten wir das Resultat sehen. Das Regime hat die Bezeichnung „Sisdah-be-dar“ (am 13. draußen vor der Tür) aus dem Kalender gestrichen, auch die Polizei und die Nachrichten benutzen den Namen nicht, statt dessen nennen sie diesen Tag „Ruse tabi‘at“ (Tag der Natur). An diesem Tag gehen die Menschen in Massen raus ins Grüne und machen Picknick.


Wobei gehen der falsche Ausdruck ist: Sie fahren. Gestern waren das annähernd 10 Millionen Menschen. Das ist allein die Zahl der Menschen, die die Großstädte mit dem Auto verlassen haben. Diejenigen, die in den städtischen Parks ihr Zelt aufschlagen oder in den Dörfern leben, sind nicht mitgerechnet.


Tabris


Die Heilige Stadt Qom, wie man sieht, gedeiht hier der Aberglauben


Kermanschah, bei den Kurden – ist Schachspielen auch ein Zeichen des Aberglaubens?


Esfahan


bei Esfahan – mit Bergsteigen hat im Iran die Revolution begonnen


Tag der Umwelt, wie gesagt

Das sind nur ein paar Fotos, die zeigen, wie sie die Straßen und Parks füllen. Chamene‘i und Ahmadineschad können nur davon träumen, so viele Menschen für sich auf die Straße zu bringen…

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