Iran: Im Land der Flüche und Schläge

Man hört und liest viel über die alte iranische Kultur, zweitausend Jahre und so, aber man sollte sich hüten, daraus eine Vorstellung über den heutigen Iran zu gewinnen. 32 Jahre Herrschaft der Geistlichkeit sind 32 Jahre, in denen die Eltern ihre Kinder zum Lügen erzogen haben, zur Verstellung, damit man draußen nicht merkt, was man im Hause wirklich tut und denkt. Denn es wäre schlecht, wenn der Lehrer fragt, ob die Mutter gestern das Abendgebet gebetet hat und das Kind wahrheitsgemäß mit Nein antwortet. Hinzu kommt, dass nicht diejenigen beste Aussichten auf eine gut bezahlte Arbeit haben, die am besten gelernt haben und sich am korrektesten benehmen, sondern diejenigen, die die besten Beziehungen haben und die in den Machtorganen tätig sind, also direkt staatliche Gewalt ausüben. Wer einen Verwandten hat, der bei den Pasdaran oder bei den Bassidschis arbeitet, hat mehr Chancen, das zu erreichen, was er erstrebt. Nicht das Gesetz zählt, und erst recht nicht der Koran, sondern das Recht des Dschungels.
Wenn heute in Teheran zwei Autos zusammenstoßen, warten die Fahrer nicht, bis die Polizei kommt, sondern sie steigen erst einmal aus, beschimpfen sich wüst und beginnen, sich zu prügeln. Erst danach wird die Polizei gerufen, die feststellen soll, wer der Schuldige war.

Nicht anders ist es auch im Sport. Gewalttätige Fußballfans sind auch in Europa nichts Unbekanntes, aber in Europa gibt es zumindest Bemühungen der Sportvereine, ihre Fans in Vereine einzubinden, in denen sie ihr Verhalten zu zügeln lernen. Und zumindest für Ausfälligkeiten oder Gewalttätigkeiten der Sportler selbst gibt es in Europa kein Pardon. Wer sich daneben benimmt, bekommt die Rote Karte. Im Iran ist das Illusion. Die Sportler gehen mit schlechtestem Beispiel voran, und ihre Fans sind nicht besser.
Auch wenn die Ursachen dieser Gewalt, nämlich ein extrem gewalttätiges Regime, deutlich sichtbar sind, heißt das leider nicht, dass die Gewalt und die Grobheit verschwinden wird, wenn das Regime eines Tages stürzt. Denn die Generationen, die so aufgewachsen sind, werden sich deshalb nicht ändern. Ein neuer Iran wird erst nach langen Jahren mühsamer Erziehung entstehen.

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