Iran: „Blumen sind schlimmer als Handgranaten“


Mansure Behkisch

Viereinhalb Jahre Gefängnis für Grabbesuch
Mansure Behkisch, Menschenrechtsaktivistin, Unterstützerin der Mütter des Tulpen-Parks in Teheran, d.h. der Angehörigen der politischen Gefangenen, wurde am 3. April 2012 zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Sie war ans Grab ihrer Angehörigen gegangen, die im Jahre 1360 (1981) den politischen Massakern von Ajatollah Chomeinis Regierung zum Opfer gefallen waren. Damals hatte sie ihre Schwester, den Mann ihrer Schwester, und vier Brüder verloren. Das Regime hat den Angehörigen nicht einmal die Leichen ausgehändigt und auch nicht mitgeteilt, wo die Leichen bestattet waren. Das Grab hatte Mansure Behkisch erst durch eigene Bemühungen und Nachforschungen ausfindig gemacht.
Wegen dieses Grabbesuchs wurde Mansure Behkisch Anfang des Jahres verhaftet. Die zuständigen Verhörbeamten (=Folterer) wollten immer wieder von ihr wissen, wieso sie das Grab ihrer Angehörigen besuche. Die Beamten wollten Mansure Behkisch dazu zwingen, dem Regime darin Recht zu geben, dass es diese Menschen getötet habe. Die Beamten fragten Mansure Behkisch auch, wieso sie sich den „Trauernden Müttern“ angeschlossen habe. Sie hielten Mansure auch vor, dass sie das Grab von Neda (Agha-Soltan) besucht habe, eines der bekanntesten Opfer der gewaltsamen Unterdrückung nach Ahmadineschads Wahlfälschung vom Juni 2009.

Grabbesuch ist Aufhetzung der Bevölkerung
Die Beamten warfen Mansure vor, sie habe das Grab nur aufgesucht, um die anderen Menschen gegen das Regime aufzuhetzen.
Die Verhörenden fragten Mansure, wieso sie den Chawaran-Friedhof besucht habe – dort sind viele Opfer des Gewaltregimes anonym begraben worden. Als sie sagte, sie habe dort die Gräber ihrer Angehörigen besucht, fragten die Beamten, wieso sie dort Blumen niedergelegt habe. Mansure antwortete: „Was ist dabei. Ich habe schließlich Blumen mitgebracht und keine Handgranaten.“
Darauf die Verhörbeamten: „Blumen sind schlimmer als Handgranaten.“
Schließlich wurde Mansure Behkisch unter dem Vorwurf der „Propaganda gegen das System“, „Versammlung und Beihilfe zu Vergehen gegen die Sicherheit des Landes“ zu den besagten viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

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