Erheben die Iraner und Iranerinnen ihre Stimme nochmal zum Protest?

Nach seinem Amtsantritt in der ersten Legislaturperiode als Präsidentschaft versprach Ahmadinejad, dass er zusammen mit seinen Ministern allen Städten einen Besuch abstatten würde um von den Problemen der Menschen vor Ort zu erfahren. Auf seinen vielen Reisen hat er viele Versprechungen gemacht und alle diese Versprechungen haben sich in Luft aufgelöst. Am 10. April 2012 unternahm Ahmadinejad wieder einmal eine derartige Reise nach Bandarabas, Südiran.

Wie üblich war mit seinem Empfang ein enormer (Sicherheits-)Aufwand für die Stadt verbunden. Trotzdem gelang es einem älteren Mann und einer Frau bis zu dem von Bodyguards umgebenen Auto, das Ahmadinejad transportierte, vorzustoßen.


Ahmadinejad in Bandarabas, hier mit erhobener Faust

Der pensionierte Mann, der auf den Bilder unten zu sehen ist, rief lautsark ununterbrochen „Ahmadinejad, man gushname“ (Übers.: Ahmadnejad, ich habe Hunger). Die Bodyguards von Ahmadinejad riefen laute Jubelparolen, die die Stimme des alten Mannes übertönen sollten. Trotzdem hat der Mann seinen Protest fortgesetzt und seine Stimme ist nicht zu überhören. (siehe Video am Ende) .


Ich habe Hunger!

Die Bodyguards versuchten kurz danach eine laut protestierende Frau davon abzuhalten, sich dem Fahrzeug von Ahmadinejad zu nähern.

Doch auch sie setzte sich durch und kletterte plötzlich über die Kühlerhabe bis auf das Dach des Autos. Die Bodyguads versuchten noch sie wieder herunterzuziehen, doch sie konnte alle abwehren. Womöglich war in dieser Situation das Verbot für Männer Frauen anzufassen ein Vorteil für sie.

Oben bei Ahmadinejad angekommen sprach sich mit heftigen Worten und dramatischen Gesten auf ihn ein.

Hier das gesamte Video, dass die etwa 3 minütige Szene einfängt:

Kommentar: Bandarabas ist eine bedeutende Hafenstadt am Golf, mit einer wichtigen Rolle für den iranischen Im- und Export. Eigentlich müsste es eine reiche Stadt sein, mit vielen Arbeitsplätzen. Wenn schon ein pensionierte Mann Hunger leiden muss, fragt man sich wie es denjenigen geht, die keinen Arbeitsplatz haben. Auch fragt man sich, was die Frau Ahmadinejad an den Kopf geworfen hat. Offensichtlich ist sie mit ihrem Anliegen bei keiner offiziellen Stelle auf Gehör gestoßen. Sowohl der Mann als auch die Frau haben genug Erfahrung um zu wissen, welches Risiko sie mit ihrer Aktion eingegangen sind. Sie riskieren eine Verhaftung, ein Verhör und sogar Folter. Gerade die Tatsache, dass diese Aktion mitten in der Öffentlichkeit und im Zentrum der medialen Aufmerksamkeit stattfand, wird ihnen bei einem späteren Gerichtsverfahren zum Vorwurf gemacht werden. Man wird ihnen vorwerfen, dass sie das Ansehen des Staates beschmutzt haben. Mögliche Strafen sind bei einer Veruteilung langjährige Haft oder gar eine Hinrichtung.

Dies sind nicht die einzigen Aktionen, die Anfang April geschahen. Auch der ehemalige hochrangige Geheimdienstoffizier Resa Malek riskierte viel als er, noch während er ausgepeitscht wurde, „Tod dem Chamenei“ rief. Und es gibt weitere Proteste.

Diese Stimmen, die trotz der allgegenwärtigen Unterdrückung im Iran erklingen, sind wie die Sterne in rabenschwarzer Nacht.

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