Iran: Die Zirkel der Anständigen

General Naqdi, der Oberbefehlshaber der Bassidschi-Milizen, die inzwischen in die Struktur der Revolutionswächter (Pasdaran) integriert sind, stellte kürzlich ein neues Projekt von Ajatollah Chamene‘i vor. Nachdem die Machthaber feststellen mussten, dass auch auf die Bassidschi-Anhänger, die Dank ihrer Mitarbeit in dieser Miliz einen Posten beim Staat oder eine Anstellung bei einer Firma gefunden haben, kein Verlass ist, um die jetzigen Proteste von Arbeitslosen oder um ihren Lohn betrogenen Arbeitern zu unterdrücken, suchen sie neue Ansätze, um ihren bewaffneten Arm zu stärken.

Halqe-haye Salehin – Zirkel der Anständigen
Ein solcher Ansatz sind die Zirkel der Anständigen. Es handelt sich dabei um aus der Sicht der Herrschenden zuverlässige und überzeugte Bassidschis, die sich an der Basis, in Schulen, in den Vierteln und in den Moscheen, zu Gruppen von 15-20 Personen zusammentun sollen.
Diese Gruppen sollen von insgesamt 11.000 Trainern ausgebildet werden, was bedeutet, dass ein Bestand von rund 200.000 einsatzbereiten Radikalen vor Ort geplant ist. Die Trainer werden derzeit selbst ausgebildet. Die Rekrutierung erfolgt über drei Stufen:
Dschasb – Anwerbung, Tasbit – Festigung der Überzeugung und schließlich Roschd – Wachstum, sprich Karriere in diesem neuen System.
Die Anwerbung erfolgt zu diversen Anlässen auf lokaler Ebene, zum Beispiel beim Abendgebet.

Ideologische Grundlagen
Dann werden die Werke von Ajatollah Makarem Schirasi und des Geistlichen Mohsen Qaro‘ati behandelt, beides extreme Fundamentalisten. Mit Hilfe dieser Autoren wird wohl eine Art Gehirnwäsche erhofft, um die angeworbenen zu radikalisieren.

Der Lohn
Wer sich als zuverlässig herausstellt, erreicht die dritte Stufe des Wachstums. Diese Menschen können nun selbst Trainer werden, Trainer können zum Regionaltrainer aufsteigen, diese wieder auf Landesebene aufsteigen usw. Für die höheren Kommando-Ebenen dieser „Zirkel der Anständigen“ dient die Doktron von Ajatollah Mesbah Jasdi als Basis, ebenfalls einer aus dem radikalen Lager, der diese neue Struktur auch organisatorisch unterstützt. Die Finanzen für den Aufbau dieser Zirkel stammen aus den Geldern der Pasdaran, die ja am staatlichen Budget vorbei gelenkt werden, aber auch aus dem staatlichen Budget.
Die Frage ist, ob der Aufbau immer neuer Unterdrückungsapparate aus den Trümmern der zuvor aufgebauen Organisationen wie etwa der Bassidschis das Regime rettet. Denn auch der Unterhalt dieser 200.000 Personen wird eine Menge Geld kosten und wiederum Menschen anlocken, die des Geldes wegen in diese Strukturen eintreten.

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