Archiv für Mai 2012

Iran: Ask – oder wie man der Dürre ein Schnippchen schlägt

Vor 500 Jahren gab es ein Jahr lang eine schwere Zeit. Die Menschen hatten im ganzen Iran große Probleme mit ihrer Wasserversorgung. In der Umgebung des über 5600 m hohen Berges Damavand, hatte man jedoch eine Lösung für dieses Problem gefunden: Schnee.

In dem Dorf Ask, in der Provinz Larijan, Nordiran wurde zum Ende des Winters Wasser in Form von Schnee „geerntet“ und gespeichert. So hatten die Menschen und Tiere Monate später und selbst in der Trockenzeit noch genügend zu trinken.

Jedes Jahr kann man in der Nähe des Dorfes auch heute noch Mitte April Zeuge eines aussergewöhnlichen Schauspiels werden.

Hunderte männliche Bewohner des Dorfes Ask und der anderern Dörfer in der Umgebung versammeln sich in der Nähe eines Schneefeldes…

… und feiern die fünfhundert Jahre alte Tradition des Abbaus von Schnee.

Teilweise kommen die Leute sogar von weit her aus Großstädten angereist und nehmen aktiv oder als Zuschauer teil.

Jeder Teilnehmer muss ein großes und schweres Stück komprimierten Schnees auf seinen Schulter einige hundert Meter weit tragen …

… und am Ende des Weges in eine alte Zisterne werfen.

Bereits am frühen Morgen mussten die Männer, ausgerüstet mit Frühstück, Mittagessen und Obst für zwischendurch, das Dorf verlassen.

Es gehört zu dieser Tradition, dass die Frauen an diesem Tag die Alleinherrschaft in ihrem Dorf übernehmen.

Frauen passen auf, dass kein Mann das Dorf betritt.

Die Frauen machen unter sich aus, wer die Rolle der Königin oder der Ministerin übernimmt.

Am Ende des Tages wird mit Süssigkeiten und festlichen Tafeln gefeiert.

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Irans Richter – Revolverhelden?

Der scheidende Leiter der Geheimdienstabteilung der iranischen Justiz, Asghar Dschahangiri, erklärte auf seiner Verabschiedung am 15. Mai 2012, dass seine Abteilung dafür gesorgt habe, dass jetzt mehr als 4000 iranische Richter eine Schusswaffe besitzen. Es stellt sich die Frage: Wofür?

Der Nachfolger von Asghar Dschahangiri als Chef des Geheimdienstes der Justiz ist Hodschatoleslam Esmail Chatib, der zuvor im Sekretariat des Religiösen Führers Ajatollah Chamene‘i arbeitete. Auch dieses kleine Detail zeigt, wie Chamene‘i der Reihe nach wieder seine Leute in wichtige Posten einsetzt und so die Leute von Ahmadineschad zurückdrängt.

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Iran: Und wer erlässt Haftbefehl gegen die Ajatollahs?


Ajatollah Nuri Hamedani

Ajatollah Nuri Hamedani unterstützt Mordfatwa an Schahin Nadschafi
Nun hat ein dritter Ajatollah mit einem eigenen „Gutachten“ die Ermordung des in Köln lebenden iranischen Rappers Schahin Nadschafi (Shahin Najafi) unterstützt. Es handelt sich um Ajatollah Nuri Hamedani, auch er ein ergebener Diener von Ajatollah Chamene‘i.

Iranischer Justizbeamter lobt Mordaufruf
Der Hodschatoleslam wa-l-moslemin Montaseri, Leiter des Sekretariats der Abteilung für Arbeitsrecht der iranischen Justizbehörde, hat gegenüber der iranischen Nachrichtenagentur ISNA erklärt, er hoffe dass die „Löwenmänner, die immer bereit sind, sich für die Verteidigung der Heiligkeit der Imame und der Herrschaft des Rechtsgelehrten zu opfern“, dieses „gemeine Element“ (so bezeichnet er Schahin Nadschafi) sobald als möglich der verdienten Strafe zuführen.

Generalstaatsanwalt ermittelt gegen Schahin Nadschafi
Mohseni Esche‘i (Ezhe‘i), ehemaliger iranischer Geheimdienstminister und jetziger Generalstaatsanwalt, erklärte in einem Interview gegenüber Journalisten, dass der Staatsanwalt derzeit gegen Schahin Nadschafi wegen „Verrats an Imam Hadi“ (also an Imam Naqi) ermittle.

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Iran: Über 100 Umweltschützer verhaftet

Am Dienstag, den 22. Mai 2012, kam es in den Städten Urumije und Tabris, die im aserbaidschanischen Teil des Irans liegen, zu Protestkundgebungen gegen die Untätigkeit des Staates angesichts des Austrocknens des Urumije-Sees. In den beiden Großstädten wimmelte es von Polizeikräften. Laut Angaben iranisch-aserbaidschanischer Menschenrechtler wurden bei den Kundgebungen über 100 Menschen verhaftet. Schon im Vorjahr hatte es aus dem gleichen Grund Proteste gegeben. Die damals Verhafteten wurden zum Teil zu langen Gefängnisstrafen, zum Teil zur Auspeitschung, zum Teil zu Geldstrafen verurteilt.
Der iranische Präsident Ahmadineschad wusste zu diesen Demonstrationen nichts Besseres zu sagen als:
Das Austrocknen des Urumije-Sees ist ganz natürlich, das geschieht alle 500 Jahre. Aber dann erholt sich der See wieder.“
Zum Vergleich:
Der Urumije-See ist 140 km lang, 55 km breit, hat eine Oberfläche von 5200 km2 und ist maximal 52 m tief.
Der Bodensee ist 63 km lang, 14 km breit, hat 536 km2 Oberfläche und ist maximal 254 m tief.

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Iran: Binnenkolonialismus in Balutschistan


der ermordete Moulawi Mostafa Dschangi-Sehi

Moulawi Mostafa Dschangi-Sehi, Freitagsprediger der sunnitischen Chasra-Moschee in Rask, war im Januar 2012 von der Gruppe „Dschond-ollah“ (Soldat Gottes) ermordet worden. Moulawi Mostafa Dschangi-Sehi galt als Vertreter von Ajatollah Chamene‘i, war ein Befehlshaber einer regionalen Basis der paramilitärischen Bassidschis, warb jugendliche Balutschen für die Bassidschi-Milizen an und verteidigte in seinen Predigten die Politik der Zentralmacht. Dadurch machte er sich in der mehrheitlich sunnitischen Region viele Feinde und er wurde wiederholt von der „Dschond-ollah“ bedroht. Obwohl die bewaffnete Gruppe „Dschond-ollah“ (Soldat Gottes) die Verantwortung für den Terroranschlag übernommen hat, haben die Sicherheitsorgane der Region den Mord als Vorwand genutzt, um sunnitische Geistliche in der Region als Unterstützer zu verhaften und von ihnen gewünschte Geständnisse zu erpressen. So erklärte das Geheimdienstministerium am 23. Farwardin 1391 (Anfang April 2012), dass 15 Personen aus dem „Unterstützerumfeld“ der Dschond-ollah verhaftet worden seien.

Feindliche Übernahme von religiösen Schulen
Die inhaftierten sunnitischen Geistlichen sollten sich öffentlich im Fernsehen für das Attentat als mitschuldig bekennen, die Regierungspolitik unterstützen und einwilligen, dass die sunnitischen Glaubensschulen unter staatliche Kontrolle gestellt werden. Die verhafteten Sunniten ließen sich auf diese Forderungen nicht ein.

Verschwindenlassen – alte Diktatorenpraxis
Unter den Verhafteten befindet sich auch der Freitagsprediger der Stadt Rask, Moulawi Fathi Mohammad Naqschbandi, dessen Haftort die Behörden bis heute geheimhalten. Als sich sein Sohn Moulawi Abdolghaffor Naqschbandi vergangenen Montag (14.05.2012) auf die Suche machte und mehr über die Vorwürfe und den Haftort seines Vaters erfahren wollte, wurde er bei der Rückkehr aus der Provinzhauptstadt Sahedan vor den Toren von Rask ebenfalls verhaftet. Frauen, die diesen Vorfall beobachteten, mobilisierten darauf die Bevölkerung, die sunnitischen Geistlichen der ganzen Region riefen zu Kundgebungen gegen diese Verhaftung auf. Die Menschen versammelten sich aus Protest vor der zentralen Sicherheitsbehörde in Rask. Darauf schossen die „Sicherheits“beamten in die Menge und erschossen dabei Dschan-Mohammad Dehqani. Bei seinem Begräbnis am folgenden Tag kam es zu weiteren Protesten gegen die Willkür der Zentralregierung.

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Teheran: Buchmesse


Festnahme vor dem Eingang zur Teheraner Buchmesse – da kommt Lust zum Lesen auf…

Wie üblich, werden im Iran vor den Wahlen die Kontrollen der „Sitten“polizei etwas gelockert, um die Bevölkerung dafür an die Urnen zu locken. Sobald die Wahlen vorbei sind, geht der Straßenterror wieder los. Das Foto zeigt eine Frau, die sich gegen die Festnahme wegen „unislamischer Kopfbedeckung“ zur Wehr gesetzt hat und nun am Boden liegt. Um sie herum sind einige Vertreter der staatlichen Organe, Passanten, und Zuschauer, die sich weiter hinten bedeckt halten. Von einem Eingreifen der Zuschauer ist hier nichts zu sehen.

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Iran: Unruhen in Balutschistan


Rask, Ortschaft nahe der Grenze zu Pakistan (der rote Marker weist auf die Lage des Orts hin)

Nachdem in der Stadt Rask in Balutschistan (Südiran) der Sohn von Mulawi Naqschbandi, des Freitagspredigers der dortigen Moschee, verhaftet worden war, kam es am Montag, den 14. Mai 2012 zu massiven Unruhen in der Stadt. Dabei soll eine Person ums Leben gekommen sein, weitere Personen wurden verhaftet. Die Busverbindung zwischen Sahedan und Iranschahr wurde am Nachmittag eingestellt, die Krankenhäuser in der Umgebung in Alarmbereitschaft versetzt.
Gerade der letztgenannte Umstand und die großräumige Absperrung der Region weisen darauf hin, dass die Bevölkerung in Rask in großer Zahl protestiert hat. Leider sind bis jetzt noch keine zusätzlichen Details über das Geschehen bekannt geworden.

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Mordfatwa gegen den Rapper Schahin Nadschafi (Shahin Najafi) in Deutschland


Tödlicher als die Pest – der Islam nach Ajatollah Golpayegani

Religiöse Dekrete im Iran: Fatwas
Die amtliche Version des Islam in der Islamischen Republik Iran hat einige Besonderheiten, die wir in Erinnerung rufen wollen. So gibt es im Schiitentum, das im Iran die Macht hat, einen auf den ersten Blick positiv erscheinenden Zug: den Pluralismus von Meinungen. Und zwar hat jeder Ajatollah, also ein in Jahrzehnten ausgebildeter und anerkannter Rechtsgelehrter, das Recht, den Koran nach seinem Verständnis auszulegen. Es gibt keinen Papst, der eine einheitliche Doktrin erzwingt. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Sobald nämlich ein Ajatollah – egal welcher – seine Meinung verbindlich in einem religiösen Dekret (Fatwa) zu einem Thema geäußert hat, haben alle anderen Ajatollahs zwar das Recht zu schweigen (das nennt man Taghiye), sie können sogar sagen, dass sie selbst in einem konkreten Punkt etwas anderes praktizieren, aber sie haben kein Recht, ein religiöses Dekret (Fatwa) zu erlassen, das das Gegenteil der zuerst veröffentlichten Meinung beinhaltet.

Salman Rushdie
Die Folgen konnte man zum Beispiel im Fall des britisch-indischen Schriftstellers Salman Rushdie erleben. Ajatollah Chomeini hatte damals wegen seines Buchs „Satanische Verse“ eine Fatwa gegen ihn erlassen, die es jedem Muslim zur Pflicht machte, Salman Rushdie zu ermorden. Sogar eine Stiftung wurde gegründet, die dem Mörder eine Belohnung in Millionenhöhe in Aussicht stellte. Es gab einige Ajatollahs im Iran, die diese Todesfatwa missbilligten, aber eingedenk der schiitischen Tradition hüteten sie sich, in einer Fatwa gegen Ajatollah Chomeini’s Fatwa Position zu beziehen. Das Höchste war schweigen.


Salman Rushdi und sein Buch

Das Gefängnismassaker von 1988
Es gibt ein weiteres Beispiel für diese tödliche Praxis – das Gefängnismassaker von 1988. Nachdem Ajatollah Chomeini den iranisch-irakischen Krieg verloren hatte und gezwungen war, einen Waffenstillstand mit dem Irak zu akzeptieren, wollte er sich zumindest seine innenpolitischen Gegner noch rasch vom Hals schaffen. Er erließ eine Fatwa, dass alle Gefangenen, selbst diejenigen, die ihre Strafe verbüßt hatten, die Frage beantworten müssten: „Akzeptierst du die Islamische Republik Iran?“ Wer mit Nein antwortete, wurde hingerichtet. Fünftausend Opfer dieser Frage sind namentlich bekannt, es mögen 15.000 Gefangene sein, die damals aus diesem Grund in den iranischen Gefängnis ermordet wurden. Auch in diesem Punkt hat kein Ajatollah öffentlich in einer Fatwa eine Gegenposition eingenommen. Der einzige, der sich damals überhaupt in Form eines Briefs äußerte, war Ajatollah Montaseri. Und die Rechnung kam postwendend. Er, der damals Stellvertreter von Ajatollah Chomeini war und als sein sicherer Nachfolger galt, wurde von seinen Ämtern verbannt und lebte bis zu seinem Tod in einer Art von Hausarrest. Wer dagegen schwieg und später als Führer der „Grünen Bewegung“ öffentlich erklärte, man müsse zu den Lehren von Ajatollah Chomeini zurückkehren, war Mirhossein Mussawi.


Ajatollah Chomeini

Die Todesspirale
Diese schiitische Verhaltensnorm führt dazu, dass der radikalste Ajatollah, der am meisten vorprescht, seine Meinung religiös und politisch durchsetzen kann, und wenn auch alle anderen dagegen wären. Sie führt auch dazu, dass der Kreis derer, die an der Todesspirale drehen, immer enger wird. Am Anfang der Islamischen Republik Iran standen Leute wie Ajatollah Chomeini, Rafsandschani (später als Pragmatiker gefeiert), Chatami (später als Präsident der Reformer gepriesen) und Mirhossein Mussawi (der nominale Führer der Grünen Bewegung) alle auf derselben Seite. Alle unterstützten sie die Beseitigung der Nichtislamisten, die Verfolgung der Linken, der Demokraten, der Volksmudschahedin, der Baha‘is und der Juden. Es war Rafsandschanis Geheimdienstminister Ali Fallahian, der auf der Basis von Todesfatwas im Ausland Mordanschläge durchführte, so den Mord an iranischen Kurdenführern in Berlin im Jahre 1992. Es war Chatami, der zwar seine Karriere als Präsident mit einem lächelnden Gesicht antrat, aber nicht den Mund aufmachte, als die iranischen Organe politische Serienmorde verübten. Mehr noch, schon unter Chatamis Regierung begannen die Überfälle und Morde auf organisierte gläubige islamische (!) Studenten vom Daftar-e Tahkim-e Wahdat (Büro zur Festigung der Einheit). Es waren die reformorientierten Studenten, deren Liquidierung er wortlos zuschaute. Das Lächeln verging ihm später, als Ajatollah Chamene‘i Mahmud Ahmadineschad an die Macht brachte. Nun, nachdem die Kommunisten weg waren, die Demokraten, die Nationalisten und die Moschahedin, ging es den Reformern an den Kragen. Erst wurden sie von den Trögen der Macht vertrieben, Ahmadineschad setzte überall seine Leute ein – bei der Polizei, den Landratsämtern, in den Schulen und an den Universitäten, und später, nach der groben Wahlfälschung vom Juni 2009 und den Massendemonstrationen, kamen sie zu Tausenden ins Gefängnis. Die Verfolgungswelle gegen die Reformisten wurde damals mit der Bezeichnung „Fetnegaran“ (Unruhestifter, Aufwiegler) von Ajatollah Chamene‘i gutgeheißen.
Die gesamte Macht war in der Hand der Fundamentalisten.
Die Zeiten änderten sich, Ahmadineschad versuchte, sich gegenüber Ajatollah Chamene‘i durchzusetzen und setzte unter anderem auf die nationalistische Karte. Die Geistlichkeit um Chamene‘i sah ihre Stellung bedroht und schlug zurück. Das Lager um Ahmadineschad wurde als „Enherafiyun“ (Die Abweichler) tituliert, es begannen Gerichtsverhandlungen und Verhaftungen. Mit Vorsicht freilich, denn Ahmadineschads Leute haben Waffen und sitzen in den Revolutionswächtern, in den Geheimdiensten etc.
Diese Säuberung ist schon voll im Gange und bestätigte sich bei den letzten Scheinwahlen zum Parlament, als Ahmadineschad nur noch mit 30 Leuten statt mit 289 Abgeordneten einziehen konnte.


Rapper Schahin Nadschafi

Fatwa gegen Rapper
Das ist der geistige Hintergrund, vor dem die jüngsten Todesfatwas gegen den iranischen Rapper Schahin Nadschafi stehen. Schahin Nadschafi kam 2005 als Flüchtling nach Deutschland, nachdem er wegen seiner musikalischen Aktivitäten im Iran in Gefahr war. Er hatte seine Musik damals im Untergrund aufgeführt. In Deutschland schrieb er weiter an seinen Texten und brachte einige Alben heraus. Sein jüngstes Lied hat ihm mehr Öffentlichkeit beschert als er je erwartet hätte. Es heißt: Ay Naghi!
Hier der Link:
http://www.youtube.com/watch?v=4rDXhjIN030


Frauenbrust als Moscheenkuppel

Schahin Nadschafi, ein gläubiger Muslim, hat etwas getan, was unter Schiiten – nicht nur im Iran – weit verbreitet ist. Er hat einen der Imam angerufen, auf poetische Art, in der Sprache der Neuzeit. Und den Liedtext, den er auf youtube veröffentlicht hat, hat er zudem mit einer netten Karikatur verziert. Man sieht die Kuppel einer Moschee, etwas unsymmetrisch allerdings, denn es handelt sich um eine vergrößerte Frauenbrust. Daran haben einige iranische Islamisten Anstoß genommen, die von einem Ajatollah ihrer Wahl – Ajatollah Makarem Schirasi – eine Todesfatwa verlangten. Sie behaupteten, die Moscheekuppel sei die vom Heiligtum des Imam Resa.

Islam – Religion der Sexbesessenen?
Schahin Nadschafi wurde auf diesen Vorwurf angesprochen und erklärte, er habe keine konkrete Moschee dargestellt aber deutlich machen wollen, dass es kaum eine Religion gebe, die so von sexuellen Themen besessen sei wie der Islam. Und darin kann man ihm nur Recht geben.


Ajatollah Gilani, er hat persönlich das Todesurteil gegen seine zwei Söhne gefällt, die in den Volksfedayin (iranische Linke) aktiv waren

Ajatollah Gilanis Erdbeben
So kennen die älteren Iraner noch Ajatollah Gilani, der nach der Revolution von 1979 an zahlreichen Todesurteilen beteiligt war. Er hielt damals zahlreiche Predigten im Fernsehen. Fast immer sprach er über Sex, darüber was halal (religiös erlaubt) und haram (religiös verboten) sei. Dabei kam er auch darauf zu sprechen, dass Sex zwischen einer Tante und ihrem Neffen verboten (haram) sei. Sofern er absichtlich erfolge. Wenn aber der Fall eintrete, dass der Neffe in einem zweistöckigen Bett über der Tante schlafe und sich ein Erdbeben ereigne und er dabei auf seine Tante falle und der Neffe dabei unglücklicherweise so auf seine Tante falle, dass daraus ein Kind resultiere, dann sei das Kind halal – also religiös legitim. Dabei ist Ajatollah Gilani kein Einzelfall.

Ajatollah Chomeini kommt auf den Hund
Sein inzwischen ebenfalls verstorbener Kollege Ajatollah Chomeini hat sich in seinen religiösen Schriften mit vielen Dingen befasst, z.B. mit der Frage der Wiederherstellung der religiösen Reinheit des Mannes, wenn dieser Geschlechtsverkehr mit einem Huhn oder einem Hund hatte. Die religiösen Schriften der Ajatollahs sind voll davon, in welcher Form Geschlechtsverkehr zwischen Mann und Frau, zwischen Mann und Mann, zwischen Mann und Junge, zwischen Mann und Tier erlaubt sind oder was zu tun ist, um die religiöse Reinheit herzustellen, wenn sie verloren gegangen ist. (Details kann man z.B. im Buch „Resaale“ von Ajatollah Chomeini finden).


Schreibtischtäter Nummer 2 – Ajatollah Makarem Schirasi

Gleich zwei Todesfatwas
Schahin Nadschafi beleidigt keine Imame und keinen Propheten, er schreibt in seinem Rapp-Gedicht über die Wirklichkeit der Islamischen Republik Iran. Und das ist auch der Grund, warum die Ajatollahs so aufgebracht sind. Als erster hat Ajatollah Safi Golpayegani eine Todesfatwa erlassen, als zweiter Ajatollah Makarem Schirasi. Beides sind enge Vertraute von Ajatollah Chamene‘i, das heißt, der religiöse Führer des Irans steht im Hintergrund dieser Aktivitäten. Die Ajatollahs haben es gelernt, sich versteckt auszudrücken. Den Namen von Schahin Nadschafi braucht man in ihren Fatwas nicht zu suchen. Sie sagen, wenn ein Muslim einen Imam beleidigt, dann ist er ein Mortad (Abtrünniger, einer der vom Glauben abfällt), und darauf steht – ohne dass der Ajatollah das aussprechen muss, die Todesstrafe. Jeder gläubige Muslim ist verpflichtet, diesen Spruch auszuführen. Und zudem winkt eine Belohnung von 100.000 Dollar, vielleicht wird sie ja noch aufgestockt…

Was schreibt Schahin Nadschafi?
Es ist bedauerlich, dass einige westliche Presseorgane die Behauptung der Ajatollahs übernehmen, ohne den Text selbst gelesen oder verstanden zu haben. Denn an keiner Stelle beleidigt Schahin Nadschafi den Imam Naghi, der nach dem Glauben der Schiiten der zehnte Nachfolger nach dem Propheten Mohammad ist. Er soll im 9. Jahrhundert nach Christus gelebt haben, der letzte – und zwölfte – Imam, der Mahdi, gilt als verschwunden und die Schiiten warten auf seine Wiederkehr. Dann ist es nicht mehr weit zum jüngsten Gericht. Auch Präsident Ahmadineschad hat versucht, sich diese Legende zunutze zu machen, obwohl er selbst kein Geistlicher ist
Schahin Nadschafi kritisiert in seinem Lied die scheinheiligen Interpreten der religiösen Texte, die Machthaber, die korrupte Islamische Republik.

Der Text
Naghi, ich schwöre auf deine lustige Natur,
auf den, der aus der Grube (=Iran) ins Exil geflüchtet ist,
auf den großen Penis des Lebens
der hinter uns sitzt, drohend bereit,
Naghi, ich schwöre auf dich, auf den Boykott in aller Länge und Breite (gemeint ist der US-/EU-Wirtschaftsboykott),
auf den steigenden Dollarkurs, auf das Gefühl der Erniedrigung,
Naghi, ich schwöre auf den Imam aus Pappe (Ahmadineschad hatte dieses Jahr zum Jahrestag der Revolution an verschiedenen Orten ein Pappbild von Chomeini aufstellen lassen)
ich schwöre auf das Ali-rufende Kind, das noch in der Gebärmutter steckt (Anspielung auf Legenden zu Ajatollah Chamene‘i, der angeblich schon als Kind im Mutterleib Ali angerufen habe),
ich schwöre auf die Lektion in Gelehrsamkeit im Nasenoperationssaal (Nasenoperationen sind im Iran der letzte Chic der Oberschicht),
auf den Agha (Bezeichnung für den Religiösen Führer), auf den Rosenkranz und das Gebetstuch made in China,
Naghi, ich schwöre auf den Finger von Schit Resa‘i (gemeint ist der Fußballer, der eine obszöne Geste mit dem Finger machte, als sich mehrere Fußballer in ihrer Freude über einen Sieg umarmten),
ich schwöre auf eine Religion, die ins Aus geschossen ist,
auf einen Fußball, der religiös geworden ist (wo nur Männer zuschauen dürfen, wenn Männer spielen)
Ach, Naghi, nun da Mahdi schläft (der entschwundene Mahdi, der nicht erscheint, obwohl ihn so viele anrufen), rufen wir dich an, Naghi!
Erscheine uns, wir warten schon auf dich im Leichentuch, Naghi! (2x)
Naghi, ich schwöre auf die Liebe und Viagra,
ich schwöre auf die in die Luft gestreckten Beine und die Chakra,
ich schwöre auf das Sangak-Brot, auf Hühnchen, auf Fleisch und Fisch (was sich kein Iraner mehr leisten kann)
auf die Silikonbrüste und die genähte Jungfräulichkeit,
Naghi, ich schwöre auf die Brüste von Golschifte (einer Iranerin in Frankreich, die mit ihrer Nacktheit gegen die islamistische Prüderie an die Öffentlichkeit getreten ist),
ich schwöre auf das nie besessene Ansehen, das wir verloren haben, (als Iraner im Ausland dank dieses Systems)
ich schwöre auf die Rasse der Arier (Anspielung auf Anhänger, die nationalistische Iraner sich umhängen)
auf die am Hals hängende Plakette,
Naghi, lieber Naghi, ich schwöre auf den Pipi von Farnud, (auf den der kleine Farnud im Fernseher angesprochen wurde)
auf die 3000 Milliarden unter dem blauen Himmel (gemeint sind die veruntreuten 3000 Mia Tuman /3 Milliarden Dollar, die im iranischen Banksystem „verschwunden“ sind)
der Persische Golf und Urumijeh war auch so ein Märchen (d.h., was die Regierung dazu veranstaltet hat)
ach, und übrigens, wie hieß doch der Führer der Grünen Bewegung?
Ach, Naghi, nun da Mahdi schläft (der entschwundene Mahdi, der nicht erscheint, obwohl ihn so viele anrufen), rufen wir dich an, Naghi!
Erscheine uns, wir warten schon auf dich im Leichentuch, Naghi! (2x)
Ach Naghi, ach Naghi, ach Naghi! (2x)
Ich schwöre auf den seelenfurzenden Abgang des Imams der islamischen Umma (Anspielung auf einen Versprecher von Ajatollah Dschannati, der beim Freitag-Gebet statt rehlat-e ja:ngoda:z das Wort rehlat-e ja:nguz verwendete und damit im ganzen Lande ein riesiges Gelächter auslöste. ja:ngoda:z bedeutet herzerweichend, Dschannati wollte eigentlich vom herzerweichenden Abgang des Imams (Chomeini) sprechen)
Ich schwöre auf die fossilen Politiker im Exil,
auf die Witwen in den teuren Discos,
auf die Diskussionen der Intellektuellen in den Chat-rooms (die nur reden und nicht handeln)
auf die Ehre der Männer (die sich anbieten) (im Iran sehr schlecht angesehen)
auf die Frauen, die die Rechte der Männer verteidigen,
auf die bunte Revolution, die im Fernseher gezeigt wird,
auf die drei Prozent der Gesellschaft, die Bücher liest, (im Iran)
ich schwöre auf wässrige Parolen, die innen hohl sind, (Versprechungen der Politiker wie Ahmadineschad)
auf diese Gemeinschaft, die mal hier ist, mal da,
am Morgen rufen sie noch „Hoch lebe..“, am Abend „Tod dem..“
auf die Helden von virtuellen Erzählungen
Ach, Naghi, nun da Mahdi schläft (der entschwundene Mahdi, der nicht erscheint, obwohl ihn so viele anrufen), rufen wir dich an, Naghi!
Erscheine uns, wir warten schon auf dich im Leichentuch, Naghi! (2x)
Ach Naghi, ach Naghi, ach Naghi! (2x)
(die Übersetzung ist nicht ausgefeilt, gibt aber Sinn und Zielrichtung wieder)

Hier ist das persische Original:
نقی تو رو قسم به شوخ طبعیت
به این بیرون از گود تو تبعید
به آلت بزرگ زندگانی
که پشت ما نشسته رو به تهدید
نقی تو رو به تو به طول و عرض تحریم
دلار رو به رشد و حس تحقیر
نقی تو رو به امام مقوایی
به طفل علی گوی توی رحم گیر
به درس فقه تو اتاق عمل بینی
به آقا و تسبیح و جا نماز چینی
نقی تو رو به انگشت شیث رضایی
به دینی که اوت شده و فوتبال دینی
آی نقی حالا که مهدی خوابه ما تو رو صدا میزنیم آی نقی
تو ظهور کن که ما آماده تو کفنیم آی نقی
آی نقی حالا که مهدی خوابه ما تو رو صدا میزنیم آی نقی
تو ظهور کن که ما اماده تو کفنیم آی نقی
نقی تو رو قسم به عشق و ویاگرا
تو رو به لنگ های هوا شده و چاکرا
تو رو به سنگک و مرغ و گوشت و ماهی
سینه ی سیلیکونی و بکارت راه راه
نقی تو رو به ممه های گلشیفته
به ابروی نداشته که از ما ریخته
نقی تو رو به نژاد آریایی
به پلاکی که به گردن آویخته
نقی جون من تو رو به شوشول فرنود
سه هزار میلیارد زیر گنبد کبود
خلیج فارس و ارومیه هم قصه بود
راستی اسم رهبر جنبش سبز چی بود؟
آی نقی حالا که مهدی خوابه ما تو رو صدا میزنیم آی نقی
تو ظهور کن که ما آماده تو کفنیم آی نقی
آی نقی حالا که مهدی خوابه ما تو رو صدا میزنیم آی نقی
تو ظهور کن که ما آماده تو کفنیم آی نقی
آی نقی آی نقی آی نقی
آی نقی آی نقی آی نقی
به رحلت جان گوز امام امت
به سیاسیون فسیلی تو غربت
به بیوه های باکلاس پلاس دیسکو
به بحث های روشن فکری تو چت
به غیرت مرد های اون کاره
به زنان مدافع حقوق مرد
به انقلاب رنگی از تو تلویزیون
به سه درصد جمعیت کتاب خون
تو رو به شعار های آبکی و توخالی
نقی تو رو به این جماعت حالی به حالی
صبح زنده باد میگن و شب مرده باد
به قهرمونای قصه های خیالی
آی نقی حالا که مهدی خوابه ما تو رو صدا میزنیم آی نقی
تو ظهور کن که ما آماده تو کفنیم آی نقی
آی نقی حالا که مهدی خوابه ما تو رو صدا میزنیم آی نقی
تو ظهور کن که ما آماده تو کفنیم آی نقی
آی نقی آی نقی آی نقی
آی نقی آی نقی آی نقی

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Iran: Die Schlangen sind aus dem Korb

Zweimal wöchentlich finden vor der 1. Kammer des Revolutionstribunals von Teheran Gerichtsverhandlungen statt, auf denen verschiedene Amtsträger der Islamischen Republik Iran der Veruntreuung großer Geldbeträge angeklagt werden. Die Beamten lassen die Vorwürfe freilich nicht auf sich sitzen sondern sagen vor Gericht aus, welcher Abgeordnete, welcher Berater und welcher Anwalt sie angewiesen hat, die Gelder in dunkle Kanäle fließen zu lassen. Die Namen, die fallen, weisen in den engsten Umkreis von Ajatollah Chamene‘i und von Präsident Ahmadineschad, auch die Minister gehen nicht leer aus. Machtworte von Ajatollah Chamene‘i, die schmutzige Wäsche nicht an der Öffentlichkeit zu waschen, nützen nichts, denn er ist selbst Beteiligter an dieser Schlammschlacht. Die Bevölkerung, die u.a. von der Veruntreuung von rund 3 Milliarden US-Dollar über das iranische Bankensystem weiß, muss die Rechnung bezahlen, Hunderttausende sind in den letzten Wochen arbeitslos geworden. Die Aufforderung des religiösen Führers Chamene‘i, die Gerichtsverfahren nicht weiter auszudehnen, sprich, in der Versenkung verschwinden zu lassen, kann die Fakten nicht mehr verbergen, die bis jetzt an die Öffentlichkeit gedrungen sind. Die Schlangen sind ihren Beschwörern entkommen, und ihr Gift zersetzt das Innerste dieses Regimes, das sich nach außen so sehr auf „Moral“ und „islamische Sitten“ stützt.
Was fehlt, ist eine Opposition, die diese Gelegenheit nutzen kann. Und das ist auch der einzige politische Erfolg der Herrschenden. 30 Jahre Unterdrückung und Hinrichtungen haben bislang verhindern können, dass eine stabile Opposition entsteht, die dieses Regime ablösen könnte.

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Iran: 30 Journalisten reichen die Kündigung ein

Bei der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur Fars haben 30 Journalisten gekündigt. Sie protestieren damit gegen die miserablen Arbeitsbedingungen. So waren diese Personen teilweise schon 3 Jahre angestellt, aber noch immer nicht versichert. Ihr Lohn – 500.000 Tuman, mit Überstunden u.a. anderen Zahlungen 800.000 Tuman, liegt unter der Armutsgrenze, die von der Iranischen Zentralbank mit 1.400.000 Tuman bezeichnet wird.
Die Journalisten protestieren zugleich auch gegen die Vetterleswirtschaft in der Nachrichtenagentur. So hat der Direktor der Agentur eine Reihe von Familienangehörigen in führenden Positionen eingestellt, die das Fünffache der Journalistenlöhne beziehen.

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Iran: Zwei Pasdar-Offiziere tödlich verunglückt

Bei einem Autounfall in der Region Lurestan, zwischen Chorramabad und Selsele, kamen zwei Oberste der Revolutionswächter ums Leben. Fünf weitere Personen wurden verletzt.
Die Pasdar-Obersten hatten führende Positionen bei den Geheimdienstorganen der Pasdaran in diesem Gebiet.

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Iran: Autounfall von zwei Experten der Atomkontrolle

In der Nähe von Chandab (im Großraum von Arak), kam es am 8. Mai 2012 zu einem Autounfall, bei dem ein Insasse, der Südkoreaner Ok Seok Seo tödlich verunglückte, sein Kollege aus der Slowakei kam mit Verletzungen davon, die derzeit im Krankenhaus behandelt werden.
Beide waren im Auftrag der Internationalen Atomenergie-Behörde tätig.

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Iran: 5 km Verwüstung in Dorud


In Dorud: Aufgebrochene Türen

Die iranische Stadt Dorud zählt etwa 110.000 Einwohner, sie liegt südwestlich von Teheran in der Region Lurestan.
Dort fanden am Tag der Teilwahlen zum iranischen Parlament, also am Freitag, den 4. Mai 2012, verheerende Ausschreitungen statt. Die Täter waren freilich keine betrunkenen Jugendlichen oder sonstiger Mob, sondern Anhänger von „Präsident Ahmadineschad“, die sich bei diesen Wahlen nicht gegen die Leute von Ajatollah Chamene‘i durchsetzen konnten. Diese gewalttätigen Schläger begannen noch vor dem Abschluss der Auszählung der Stimmen, sich vor dem Sitz des Chefs der Sicherheitsorgane der Region zu versammeln und wollten das Gebäude stürmen. Das gelang ihnen nicht.


Zerstörte Fahrzeuge

Darauf zogen sie marodierend durch die Straßen, schlugen Autoscheiben und Schaufenster ein, verwüsteten Geschäfte, verprügelten Passantinnen und zerrissen ihre Kleider, kurz, auf eine Länge von 5 Kilometer zerstörten sie, was ihnen in den Weg kam. Wer sich ihnen nicht in den Weg stellte war die Polizei! Auch die Bassidschi und die Revolutionswächter ließen sich nicht blicken, die können nur auf unbewaffnete Demonstranten schießen…


Eingeschlagene Scheiben

In diesem Konflikt geht es nicht um Ideologie, denn beide Flügel sind stockkonservativ und menschenfeindlich, sondern um die Verteilung von Posten. Den Verlierern geht es an die Existenz, und da sie bisher die Macht hatten, versuchen sie mit Gewalt, diese Macht zu behalten. Die staatlichen Medien haben diese Gewalttätigkeiten geheim gehalten.

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Iran: 25 Peitschenhiebe für 1 Karikatur


Der Abgeordnete Ahmad Lotfi Aschtiani, links gezeichnet und rechts im Original, versteht keinen Spass

Wie bekannt, verstehen islamische Fundamentalisten keinen Spass, wenn es um Karikaturen des Propheten Mohammad geht.
Aber sie verstehen auch sonst keinen Spass, zum Beispiel, wenn man von ihnen selbst eine Karikatur veröffentlicht. Der iranische Karikaturist Mahmud Schokraye, der in der Wochenzeitschrift „Name-ye Amir“ eine Karikatur des fundamentalistischen Abgeordneten Ahmad Lotfi Aschtiani aus Arak veröffentlicht hatte, wurde deshalb zu 25 Peitschenhieben verurteilt. Der Herausgeber der Zeitschrift, die im Raum Teheran erscheint, wurde ebenfalls für schuldig befunden, seine Strafe steht aber noch nicht fest.
Im Islam ist zwar Vielgötterei verboten, aber die Herren Abgeordneten scheinen sich wohl auch für kleine Götter zu halten, an denen man nichts kritisieren darf…

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Verhöre für angehende iranische PromotionsstudentInnen

Iranische Studentinnen und Studenten, die nach ihrem Diplomabschluss ein Promotionsstudium anhängen wollen, müssen im Iran eine Aufnahmeprüfung machen.


Studentenproteste an der Ghazvin Universität, 2011

Die 150 StudentInnen, die diese heuer Prüfung bestanden haben, mussten vor der Prüfungskommision antreten und ein Verhör über sich ergehen lassen. Sie saßen dabei bekannten Geheimdienstbeamten gegenüber.


Studentenproteste, 16. Adhar 1389 (7.12.2010), Ingenieurshochschule, Teheran


Grüne Bewegung 2009. Universität Teheran

Es ging bei dem Verhör um die zurückliegende und zukünftige Teilnahme an der studentischen Protestbewegung. Ausnahmslos alle verhörten StudentInnen mussten ein Schreiben abgeben, in dem sie zum einen die frühere Teilnahme an Studentenprotesten zugaben (egal ob das tatsächlich der Fall war) und zum anderen versprachen, in Zukunft nie wieder so etwas zu machen. Wer nicht unterschrieb, darf nicht weiter studieren. Wer als Anhänger der Grünen Bewegung polizeibekannt ist, hat sowieso keine Chance.


Proteste an der Universität Teheran im Mai 2006 „Die Universität ist keine Kaserne“, Die Universität ist keine Religionsschule“

Diese Verhöre fanden in Teheran, Schiraz und Isfahan statt.

Allein das Schuldeingeständnis der früheren Proteste belastet die StudentInnen politisch: es braucht dann nur noch ein kleines zusätzliches Vergehen, wie ein nicht getragener Schleier, und man fliegt raus.

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