Iran: Die Schlangen sind aus dem Korb

Zweimal wöchentlich finden vor der 1. Kammer des Revolutionstribunals von Teheran Gerichtsverhandlungen statt, auf denen verschiedene Amtsträger der Islamischen Republik Iran der Veruntreuung großer Geldbeträge angeklagt werden. Die Beamten lassen die Vorwürfe freilich nicht auf sich sitzen sondern sagen vor Gericht aus, welcher Abgeordnete, welcher Berater und welcher Anwalt sie angewiesen hat, die Gelder in dunkle Kanäle fließen zu lassen. Die Namen, die fallen, weisen in den engsten Umkreis von Ajatollah Chamene‘i und von Präsident Ahmadineschad, auch die Minister gehen nicht leer aus. Machtworte von Ajatollah Chamene‘i, die schmutzige Wäsche nicht an der Öffentlichkeit zu waschen, nützen nichts, denn er ist selbst Beteiligter an dieser Schlammschlacht. Die Bevölkerung, die u.a. von der Veruntreuung von rund 3 Milliarden US-Dollar über das iranische Bankensystem weiß, muss die Rechnung bezahlen, Hunderttausende sind in den letzten Wochen arbeitslos geworden. Die Aufforderung des religiösen Führers Chamene‘i, die Gerichtsverfahren nicht weiter auszudehnen, sprich, in der Versenkung verschwinden zu lassen, kann die Fakten nicht mehr verbergen, die bis jetzt an die Öffentlichkeit gedrungen sind. Die Schlangen sind ihren Beschwörern entkommen, und ihr Gift zersetzt das Innerste dieses Regimes, das sich nach außen so sehr auf „Moral“ und „islamische Sitten“ stützt.
Was fehlt, ist eine Opposition, die diese Gelegenheit nutzen kann. Und das ist auch der einzige politische Erfolg der Herrschenden. 30 Jahre Unterdrückung und Hinrichtungen haben bislang verhindern können, dass eine stabile Opposition entsteht, die dieses Regime ablösen könnte.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email