Der Iran steht in Syrien

Auch die iranischen Machthaber sind lernfähig. So wie im Westen üblich, ummänteln auch sie ihre militärische Intervention in anderen Staaten nunmehr mit humanitären Motiven. So bestätigen hochrangige iranische Offiziere jetzt öffentlich, dass der Iran an den Kämpfen in Syrien beteiligt ist, begründen dies aber mit der Verhinderung von Massakern.


Esma‘il Qa-Ani, stellvertretender Oberbefehlshaber der Qods-Streitkräfte

Esma‘il Qa-Ani, stellvertretender Oberbefehlshaber der Qods-Streitkräfte der iranischen Revolutionswächter (Pasdaran), hat öffentlich bestätigt, dass die bewaffneten Kräfte der Islamischen Republik Iran in Syrien kämpfen. In einem Interview mit der iranischen Nachrichtenagentur ISNA rechtfertigte er diese militärische Intervention mit den Worten: „Solange wir nicht in Syrien waren, kam es zu zahlreichen Massakern an der Bevölkerung durch die Oppositionellen, aber mit der physischen und nicht-physischen Anwesenheit der Islamischen Republik (Iran) wurden große Massaker in Syrien verhindert.“

Syrien – die Sparbüchse der Mollas und der Generäle
Und so, wie es ratsam ist, die Sprüche westlicher Politiker zu hinterfragen, die ihre Truppen in verschiedene Länder der Welt schicken, ist es auch in diesem Fall angebracht, die Frage zu stellen: „Was ist der eigentliche Grund für die iranische Einmischung?“
Darauf gibt es mehrere Antworten:
Erstens können sich die Mollas und Generäle im Iran nicht sicher sein, dass sie noch lange an der Macht bleiben. Deshalb ist es aus ihrer Sicht sinnvoll, ihr Geld ins sichere Ausland zu bringen, das heißt auch, an einen Ort, wo sie nicht mit Konfiszierung rechnen müssen. Syrien ist so ein Ort, und liegt zudem in der Nachbarschaft. Aus diesem Grund haben sie ihr Geld in zahlreichen Banken und Immobilien in Syrien angelegt. Eine Revolution in Syrien bedroht die Verfügbarkeit dieser Vermögen.
Zweitens ist Syrien ein wichtiges Zentrum für die iranische Außenpolitik im Untergrund. Die Krieger zahlreicher bewaffneter islamistischer Organisationen der arabischen Welt werden nicht nur im Iran, sondern auch in Syrien von iranischen Fachleuten ausgebildet. Auch die Versorgung dieser Organisationen mit Waffen und Geld läuft über Syrien. Diese Möglichkeiten entfallen, wenn in Syrien keine Regierung mehr an der Macht sein sollte, die der Regierung des Irans diese Möglichkeit einräumt.

Seynab – Gräber verbinden
Seynab, die Tochter von Imam Ali und zugleich die Schwester von Imam Hossein, ist in Syrien begraben. Zu Zeiten des iranischen Schahs war dieser Ort kaum einem Iraner einen Besuch wert, aber heute hat sich das geändert. Das Grab wurde restauriert, im Umkreis entstanden Hotel- und Basarkomplexe. Woche für Woche kommen jetzt iranische Besucher mit Bussen und Flugzeug.

und Schmuggel auch
Was ist passiert, dass die längst verstorbene Seynab auf einmal so attraktiv geworden ist? Nun, eine der Vergünstigungen, die Bassidschis, Pasdaran und andere treue Diener des iranischen Regimes erhalten, ist eine kostenlose Reise für die ganze Familie zum Grab von Seynab in Syrien. Egal ob mit Flugzeug oder Bus, die iranische Regierung übernimmt die Kosten. Nicht nur für die Fahrt, sondern auch für die Unterkunft und Verpflegung in Syrien. Aber es ist nicht die pure Reiselust, die die Iraner ans Grab von Seynab führt. Denn in Syrien sind zahlreiche westliche Konsumgüter (vom Kühlschrank bis zum neuesten Handy) um ein Mehrfaches billiger als im Iran. Die Reisenden nutzen den Besuch daher zum reichlichen Einkauf, und verkaufen die Ware dann um einiges teurer in der Heimat. Und natürlich sind solche vollgepackten Busse auch ein Paradies für Schmuggler. Ob Waffen für islamistische Organisationen, die in Syrien ihren Sitz haben, ob afghanisches Heroin, alles lässt sich dort unterbringen, und längst nicht alles wird bei Kontrollen gefunden. So kommen auch die iranischen Machthaber, die diese Reisen finanzieren, auf ihre Kosten…

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