Archiv für Juni 2012

Warum ist der Iran gescheitert?


Der Ajatollah und die Generäle

Um es vorweg zu nehmen: Gescheitert ist nicht der Iran, sondern das islamistische Herrschaftssystem mit seiner Ideologie, die sich in ein paar Worten zusammenfassen lässt: Angriff ist besser als Verteidigung und besser als Frieden.

Mord am politischen Gegner
Wir erinnern uns: In den 1990-er Jahren haben die iranischen Machthaber ihre Gegner in ganz Europa ermordet, den Bruder von Radschawi in Genf, die Führung der Demokratischen Partei Kurdistans in Berlin (Mykonos-Anschlag), den Kurdenführer Qassemlu in Wien, Bachtiyar in Paris, und Gholam Keschawars, den Führer einer kommunistischen Partei des Irans, in Istanbul etc. Ajatollah Chomeini selbst hatte eine Mordfatwa gegen den Schriftsteller Salman Rushdie erlassen.
Und heute? Mordfatwas gibt es weiter, aber offensichtlich sind die westlichen Regierung heute nicht mehr bereit, solche Morde zuzulassen. Deshalb sind die Planer dieser Morde auf Länder ausgewichen, wo sie glaubten, leichteres Spiel zu haben. Sie organisierten Bombenanschläge vor der israelischen Botschaft in Neu Delhi in Indien und in Tiflis in Georgien. Aber die Bombe in Tiflis wurde entdeckt, bevor sie explodierte, und der iranischen Regierung bescherten diese Versuche weltweit eine negative Presse.

Wir schließen den Golf von Hormus (Tange-ye Hormoz)
Wir erinnern uns noch an die vollmundigen Drohungen der iranischen Militärs, sie würden die Meerenge von Hormus schließen und verminen, wenn der Westen sein Embargo gegen den Iran durchsetze. Das Embargo steht, der Handel durch den Persischen Golf geht weiter.

Der Bau der Atombombe ist unser Menschenrecht
Und gerade die iranische Regierung, die eh nichts von Menschenrechten hält, sondern überall den angeblichen Willen des Lieben Gottes bemüht, wenn es darum geht, ihre Macht durchzusetzen, berief sich auf das Recht, ein eigenes System zur Anreicherung von Uran aufzubauen – die Stelle im Koran, wo das Wort Uran vorkommt, haben wir allerdings noch nicht gefunden. Die iranische Regierung bekam viele Angebote aus dem Westen, man würde ihr helfen, im Iran Atomenergie zu erzeugen und sogar in diesem Sektor investieren, wenn sie nur zu Kontrolle bereit sei – sie schlug die Angebote in den Wind und beharrte auf ihren Drohungen. Heute hat sie nicht einmal mehr das, und das Atomkraftwerk in Buschehr, deren Bau von der deutschen Kraftwerksunion (Siemens) noch zu Schahzeiten begonnen wurde und nun von Russland vollendet werden soll, scheint davon zu leben, dass alle sechs Monate seine baldige Inbetriebnahme verkündet wird.

Von der islamischen Weltrevolution über Brasilien bis Syrien

Chomeini wollte den Islam noch in alle Welt exportieren, und als der Krieg in Jugoslawien ausbrach, waren auch die iranischen Pasdaran dabei, die hofften, Bosnien zu ihrem Bollwerk in Europa auszubauen. Sie hatten keinen Erfolg, und den Bosniern hat diese Hilfe viel Feindschaft in Ex-Jugoslawien eingebracht. Der iranische Außenminister besuchte Lula in Brasilien und versuchte, eine Front der aufsteigenden Staaten gegen den Westen aufzubauen. Ein einfacher Regierungswechsel in Brasilien genügte und auch diese Versuche sind gescheitert. Und jetzt Syrien: Lange Jahre war Iran der engste Verbündete von Assad, Vater wie Sohn, der Iran stellte Geld und Waffen, nutzte Syrien als Ausbildungslager, und heute? Heute droht in Syrien ein Bürgerkrieg, von dem die iranischen Machthaber sich nichts erhoffen können.

Eine ernüchternde Bilanz,
kann man sagen, und es stellt sich die Frage, warum die iranischen Machthaber, die lieber Krieg wollten als in irgendeinem Punkt ihrer Außenpolitik nachzugeben, so gefügig geworden sind? Die Kriegsdrohung von Seiten der israelischen Regierung kann es nicht sein, das würde die Ajatollahs nicht beeindrucken. Was also ist es dann?

Papp-Ajatollahs und andere Papiertiger
Der iranische „Präsident“ Ahmadineschad hat den Nagel auf den Kopf getroffen, als er anlässlich der diesjährigen Feiern zum 33. Jahrestag der iranischen Revolution das Konterfei von Ajatollah Chomeini als Pappkarton an verschiedenen markanten Stellen in Teheran aufstellen ließ. Genau das ist es: Außer ein paar hölzernen Stützen steht nichts mehr hinter den Ajatollahs.

Von Subventionen zum Freundschaftsdienst

Dass der religiöse Führer unter dem Volk keinen Rückhalt hat, hat er spätestens in den 1990-er Jahren bei den Wahlen von Chatami zum Präsidenten gemerkt. Die Studenten und die städtische Mittelschicht konnte er abschreiben, da war kein Rosenstrauß zu gewinnen. Also setzte er ganz auf die Unterstützung der ländlichen Bevölkerung, der Bauern, und der veramten Schichten am Rande der Großstädte. Die Subvention vieler Alltagsgüter war ein wichtiges Mittel, um diese Schichten an sich zu binden. Aber der Druck der Weltbank und anderer Institutionen, die Subventionen abzuschaffen, führte dazu, dass an ihrer Stelle eine Art Sozialhilfe eingeführt wurde, Yarane – also Freundschaftsdienst – genannt. Am Anfang profitierten 48 Millionen Iraner davon, bei einer Bevölkerung von 70 Millionen!
Aber die Weltwirtschaftskrise und dann die konfrontative Außenpolitik mit den dadurch ausgelösten Sanktionen führte dazu, dass die Machthaber immer weniger Erdölerlöse hatten, um den Teil, der nach der Selbstbedienung verblieb, an die Bevölkerung zu verteilen. Schritt für Schritt wurde der Kreis der Empfänger des Yarane eingeengt, heute sind es offiziell 35 Millionen Empfänger. Das Problem ist allerdings, dass selbst die Empfänger es längst nicht immer erhalten und dass der Wert dieser Hilfe drastisch gefallen ist, weil die Preise für viele wichtigen Güte um das 20-Fache gestiegen sind. Das heißt, selbst wer das Geld erhält, kann damit nur noch wenig kaufen.

Importwirtschaft zerstört eigene Produktion

Parallel zum Aufheben der Subventionen und zum Wertverlust der „Sozialhilfe“ ist die Zahl derer, die diese Hilfe dringend benötigen, immer mehr gestiegen. Die staatliche Politik, Billig-Importe aus China und anderen Ländern zu bevorzugen und die eigene Produktion eingehen zu lassen, hat dazu geführt, dass viele Bauern, die bislang ein Auskommen hatten, und viele Fabrikarbeiter immer weiter in die Armut absinken. Inzwischen ist es soweit, dass Ne‘matollah Turki, ein hoher Beamter der Verwaltung der Großregion Teheran, schon vor Brotrevolten gewarnt hat.

Pasdaran gegen Mollas
Auch die Politik von Ajatollah Chamene‘i, die konkurrierenden Geistlichen dadurch in Schach zu halten, dass er den Revolutionswächtern immer mehr Macht einräumt und ihnen auch Zugang zu den religiösen Stiftungen gewährt, hat dazu geführt, dass er einerseits zunehmend Rückhalt unter den Geistlichen verliert, andererseits die bewaffneten Organe als derart korrupt wahrgenommen werden, dass kein Bürger sie mehr als neutralen Garant der Ordnung wahrnimmt. Ursprünglich waren die Revolutionswächter mit dem Anspruch angetreten, die Rechte des Volks zu verteidigen, das die Revolution getragen hatte. Heute nimmt diesen Anspruch niemand mehr ernst.

Der Thron wankt

Wir sehen, die Nachgiebigkeit der iranischen Machthaber beruht nicht auf Einsicht in die Mängel ihrer Ideologie, sondern auf der Nachgiebigkeit des Bodens, auf dem sie stehen. Der Thron wankt.

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Iranisch-Aserbaidschan: Umweltdemo in Tabris

Zum internationalen Tag der Umwelt fand in Tabris eine Demo gegen das Austrocknen des Urumije-Sees statt. Die Demonstration begann im A‘el Goli-Park in Tabris, es versammelten sich mehrere Hundert Bürger, die dann einen Protestzug durch die Stadt bildeten.
Ihre Parole lautete – „Urumiye Gölü susuzdu – Azerbayjan uyanmasa otuzdi“ (Der Urumije-See hat kein Wasser, wenn Aserbaidschan nicht aufwacht, ist es der Verlierer, zweiter Teil der Übersetzung unsicher??).
Ein Teil der Demonstranten hatte Fotos von den Verhafteten der vorigen Demo für den Urumije-See in der Hand.

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Iran: Hinrichtung von politischen Gefangenen bevorstehend

Am 9. Juni 2012 wurden im Karun-Gefängnis von Ahwas fünf politische Gefangene aus ihren Zellen an einen unbekannten Ort verlegt. Laut Auskunft der Gefängnisbeamten sollen sie demnächst hingerichtet werden. Es handelt sich um: Abdurahman Heydari, Tah Heydari, Dschamschid Heydari, Mansur Heydari und Amir Mo‘awi. Ins Gefängnis wurden Sondereinheiten beordert, die jegliche Proteste der Gefangenen niederschlagen sollen. Bei den fünf Gefangenen handelt es sich um Menschen arabischer Volkszugehörigkeit, die in Zusammenhang mit den Unruhen in Ahwas verhaftet wurden.

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Iran:Iranisch-Aserbaidschan: Am Fuße des Sahand

Der Sahand ist eine Bergkette und zugleich der Name des höchsten Berges dieser Kette, der 3707 m über dem Meeresspiegel liegt. Er befindet sich im Zentrum der iranischen Provinz Ost-Aserbaidschan, südlich von Tabris. Der Sahand selbst ist ein Vulkan.

Die Gegend ist für ihr Grün beliebt und deshalb oft Ziel von Ausflügen.


Dort kann man zelten, ohne dass irgendwelche Sittenwächter oder Rowdys einen überfallen.


Schafe und Ziegen am Bach, hier gibt es noch Wasser.


Landwirtschaft auf Terrassen


Ausflug in die Berge, auch das Radio ist dabei.


Sahand, schneebedeckter Vulkan


Bergbach

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Iran: zwei Gesichter der Staatsgewalt

Der Taleqani-Park in Teheran ist besonders unter Familien beliebt, die in der warmen Sommerzeit oft bis in die späten Stunden dort bleiben. Dies ist den Machthabern besonders an Freitagen ein Dorn im Auge – denn der Freitag ist der Tag, an die die gläubigen Moslems in die Moschee gehen sollen. Die Menschen haben besseres zu tun als sich die ewige Regierungspropaganda der Freitagsprediger anzuhören und gehen lieber spazieren.
Im Taleqani-Park gibt es deshalb immer wieder Polizeikontrollen, ob die Frauen auch richtig verschleiert sind etc. Offensichtlich genügt das nicht, um die Bevölkerung einzuschüchtern. Deshalb haben die Machthaber wieder sogenannte „Rowdys“ herangezogen, um für Ordnung in ihrem Sinn zu sorgen. Sie schickten eine Bande von etwa zwanzig jungen Männern in „Zivil“, die die Scheiben zahlreicher beim Park stehenden Autos zerschlugen und Menschen verprügelten, ehe sie wieder unerkannt verschwanden. Die Polizei, die in der Nähe stationiert war, fühlte sich nicht bemüßigt, einzugreifen. Wahrscheinlich wussten sie, dass sie ihre Helfer ungestört arbeiten lassen sollten.
Link:
http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=49101

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Iran: Sakines Anwalt muss weiter leiden


Rechtsanwalt Dschawid Hutan-Kian

Dschawid Hutan-Kian (Jawid Houtan-Kian), der Rechtsanwalt von Sakine Mohammadi Aschtiani, die zur Steinigung verurteilt worden war und deren Fall viel Aufsehen erregte, weil er auch zur Inhaftierung der zwei Reporter der „Bild am Sonntag“, Marcus Hellwig und Jens Koch, führte, ist weiter in Haft. Während Marcus Hellwig und Jens Koch, die am 10. Oktober 2010 verhaftet wurden, als sie mit Dschawid Hutan-Kian und dem Sohn von Sakine Mohammadi Aschtiani sprechen wollten, nach vielen Protesten am 19.02.2011 freigelassen wurden, ist Dschawid Hutan-Kian wegen seines Interviews mit den beiden Reportern weiter im Gefängnis. Er wurde jetzt in eine Abteilung von Drogensüchtigen verlegt, wo die Zustände besonders schrecklich sind, da die iranischen Gefängnisse so etwas wie Drogentherapie nicht kennen und die Süchtigen in ihrem Elend belassen.

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Iran: Toter aus dem Gefängnis von Gohardascht

Der iranische Kurde Mohammad Mehdi Zaliye Naqshbandiyan ist nach 21 Jahren (!) politischer Haft in den Gefängnissen der Islamischen Republik Iran am 5. Juni 2012 an den Folgen der verweigerten Behandlung seiner Leiden gestorben. Er war zuletzt im Raum Nr. 12 des Trakts Nr. 4 des Gohardascht-Gefängnisses in Karadsch in Haft. Die Folterer des iranischen Geheimdienstes warteten, bis er nicht mehr zu retten war, und schickten ihn dann ins Krankenhaus, wo er verstarb.

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Iran:Taxifahrerstreik in iranisch-Kurdistan

90 Taxifahrer in iranisch-Kurdistan, die regelmäßig auf der Strecke zwischen Sanandadsch und Mariwan fahren, haben ihre Arbeit niedergelegt. Es ist für sie kein wirtschaftliches Überleben mehr möglich, seit die Benzin, Öl und andere Kostenfaktoren stark im Preis gestiegen sind, ohne dass die staatlich regulierten Fahrpreise ebenfalls angehoben wurden.

Auf einer Kundgebung vor dem Gouverneursgebäude von Sanandasch forderten sie die Erhöhung der Fahrpreise in einer Größenordnung, die den gestiegenen Kosten entspricht. Falls dieses Problem in den nächsten Tagen nicht gelöst würde, würden sich auch die etwa 60 Minibusfahrer der Strecke an dem Streik beteiligen.

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Iran: Akrobatik ohne Sportförderung

Die folgenden Aufnahmen von akrobatischen Jugendlichen entstanden in Sari, Nordiran.

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Iran: Wofür haben wir Revolution gemacht?

Nach den jüngsten Parlamentswahlen im Iran wurde die 9. Sitzungsperiode eröffnet. Im neuen Parlament sitzen wenig mehr als zwei Dutzend Geistliche, eine bescheidene Zahl im Vergleich zu den 168 in den Anfangszeiten der iranischen Revolution. Aber auch der Präsident Ahmadineschad konnte nicht mehr viele seiner Anhänger ins neue Parlament hinüberretten. Umso überraschender ist, dass auch Ajatollah Chamene‘i nicht als der große Sieger dasteht, wie man annehmen sollte. So bekam Haddad Adel, der Schwiegervater von Modschtaba Chamene‘i, also des Sohns von Ajatollah Chamene‘i, der in alle Familiengeheimnisse eingeweiht ist, deutlich weniger Stimmen als Ali Laridschani, als das neue Parlament seinen Parlamentsvorsitzenden wählte. Das heißt, dass auch unter denen, die als Vertreter oder Anhänger Chamene‘is ins Parlament gekommen sind, genügend unsichere Kandidaten zu finden sind, die noch andere Interessen verfolgen.
Aufschlussreich war auch der Auftritt des „Präsidenten“ Ahmadineschad vor dem neuen Parlament. Nachdem er nicht mehr den Rückhalt des religiösen Führers genießt, scheint er zu glauben, dass er mit einer faschistischen Rhetorik in der Bevölkerung Anklang finden kann, und so waren von ihm nicht nur großmäulige Versprechen zu hören wie etwa, er würde die Arbeitslosigkeit in zwei Jahren beseitigen, wenn ihm das Parlament keine Steine in den Weg legen würde, sondern auch eine massive Kritik am herrschenden System. Es ist zwar nicht erbaulich, dass ein Herr, der selbst sehr viel dazu beigetragen hat, dass der Iran zu dem geworden ist, was er heute ist, sich zum Kritiker aufspielt, aber er hat mit seinen Worten den wunden Punkt getroffen:
„Wozu ist es überhaupt zur Revolution gekommen? Warum habt ihr euch an der Revolution beteiligt? Haben die Menschen eine Revolution gemacht, damit wir einen neuen Staat gründen und dann Parteienvielfalt spielen und uns gegenseitig bekämpfen, damit der eine den anderen fertig macht und an die Macht kommt? Damit jeder, der an die Macht gekommen ist, seine eigenen Taschen und die seiner Familie vollstopft und dann alle möglichen Nebensächlichkeiten anspricht, damit die Hauptsache aus dem Blickfeld gerät? Haben wir dafür eine Revolution gemacht? Haben wir dafür Revolution gemacht, damit der Hauptteil der obersten Leiter des Landes aus dem (armen) Süden von Teheran, aus den Dörfern und aus fernen Regionen, aufbrechen, um sich dann im (reichen) Norden von Teheran niederzulassen? Als diese Leute ihre Posten antraten, hatten sie sie nicht mal einen Pfennig in der Tasche, um ihre Kosten damit zu bestreiten, und jetzt sind sie Milliardäre und Fabrikbesitzer und betreiben Handelshäuser! Haben wir dafür Revolution gemacht, damit die Leute zum Ergattern von Posten einander die Köpfe einschlagen und sich dabei auf Gott, den Propheten und alles, was uns heilig ist, berufen?“

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Der Iran steht in Syrien

Auch die iranischen Machthaber sind lernfähig. So wie im Westen üblich, ummänteln auch sie ihre militärische Intervention in anderen Staaten nunmehr mit humanitären Motiven. So bestätigen hochrangige iranische Offiziere jetzt öffentlich, dass der Iran an den Kämpfen in Syrien beteiligt ist, begründen dies aber mit der Verhinderung von Massakern.


Esma‘il Qa-Ani, stellvertretender Oberbefehlshaber der Qods-Streitkräfte

Esma‘il Qa-Ani, stellvertretender Oberbefehlshaber der Qods-Streitkräfte der iranischen Revolutionswächter (Pasdaran), hat öffentlich bestätigt, dass die bewaffneten Kräfte der Islamischen Republik Iran in Syrien kämpfen. In einem Interview mit der iranischen Nachrichtenagentur ISNA rechtfertigte er diese militärische Intervention mit den Worten: „Solange wir nicht in Syrien waren, kam es zu zahlreichen Massakern an der Bevölkerung durch die Oppositionellen, aber mit der physischen und nicht-physischen Anwesenheit der Islamischen Republik (Iran) wurden große Massaker in Syrien verhindert.“

Syrien – die Sparbüchse der Mollas und der Generäle
Und so, wie es ratsam ist, die Sprüche westlicher Politiker zu hinterfragen, die ihre Truppen in verschiedene Länder der Welt schicken, ist es auch in diesem Fall angebracht, die Frage zu stellen: „Was ist der eigentliche Grund für die iranische Einmischung?“
Darauf gibt es mehrere Antworten:
Erstens können sich die Mollas und Generäle im Iran nicht sicher sein, dass sie noch lange an der Macht bleiben. Deshalb ist es aus ihrer Sicht sinnvoll, ihr Geld ins sichere Ausland zu bringen, das heißt auch, an einen Ort, wo sie nicht mit Konfiszierung rechnen müssen. Syrien ist so ein Ort, und liegt zudem in der Nachbarschaft. Aus diesem Grund haben sie ihr Geld in zahlreichen Banken und Immobilien in Syrien angelegt. Eine Revolution in Syrien bedroht die Verfügbarkeit dieser Vermögen.
Zweitens ist Syrien ein wichtiges Zentrum für die iranische Außenpolitik im Untergrund. Die Krieger zahlreicher bewaffneter islamistischer Organisationen der arabischen Welt werden nicht nur im Iran, sondern auch in Syrien von iranischen Fachleuten ausgebildet. Auch die Versorgung dieser Organisationen mit Waffen und Geld läuft über Syrien. Diese Möglichkeiten entfallen, wenn in Syrien keine Regierung mehr an der Macht sein sollte, die der Regierung des Irans diese Möglichkeit einräumt.

Seynab – Gräber verbinden
Seynab, die Tochter von Imam Ali und zugleich die Schwester von Imam Hossein, ist in Syrien begraben. Zu Zeiten des iranischen Schahs war dieser Ort kaum einem Iraner einen Besuch wert, aber heute hat sich das geändert. Das Grab wurde restauriert, im Umkreis entstanden Hotel- und Basarkomplexe. Woche für Woche kommen jetzt iranische Besucher mit Bussen und Flugzeug.

und Schmuggel auch
Was ist passiert, dass die längst verstorbene Seynab auf einmal so attraktiv geworden ist? Nun, eine der Vergünstigungen, die Bassidschis, Pasdaran und andere treue Diener des iranischen Regimes erhalten, ist eine kostenlose Reise für die ganze Familie zum Grab von Seynab in Syrien. Egal ob mit Flugzeug oder Bus, die iranische Regierung übernimmt die Kosten. Nicht nur für die Fahrt, sondern auch für die Unterkunft und Verpflegung in Syrien. Aber es ist nicht die pure Reiselust, die die Iraner ans Grab von Seynab führt. Denn in Syrien sind zahlreiche westliche Konsumgüter (vom Kühlschrank bis zum neuesten Handy) um ein Mehrfaches billiger als im Iran. Die Reisenden nutzen den Besuch daher zum reichlichen Einkauf, und verkaufen die Ware dann um einiges teurer in der Heimat. Und natürlich sind solche vollgepackten Busse auch ein Paradies für Schmuggler. Ob Waffen für islamistische Organisationen, die in Syrien ihren Sitz haben, ob afghanisches Heroin, alles lässt sich dort unterbringen, und längst nicht alles wird bei Kontrollen gefunden. So kommen auch die iranischen Machthaber, die diese Reisen finanzieren, auf ihre Kosten…

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Iran: Wächterrat gegen Wählervotum

Wie die Demokratische Partei Kurdistans (Iran) berichtet, hat der iranische Wächterrat die Ergebnisse der zweiten Wahlrunde der Teilwahlen zum iranischen Parlament (Madschles) bezüglich der Wahl des Abgeordneten Ali Akbar Matin aufgehoben. Offenkundig war Ali Akbar Matin nicht der Wunschkandidat des Religiösen Führers. Die Bevölkerung von Arkwasi (Provinz Ilam) versammelte sich darauf am Dienstag, den 29. Mai 2012, vor der Sicherheitsbehörde der Stadt Arkwasi und verlangten eine Erklärung, wieso das Wahlergebnis annulliert wurde. Die Behörden ignorierten die Versammlung. Daraufhin griffen die Demonstrierenden einige Verwaltungsgebäude und Banken an, worauf sie von der Polizei auseinander getrieben wurden.
Am Mittwoch, den 30. Mai, kam es darauf zu weiteren Protesten gegen den Beschluss des Wächterrats, die brutal von den bewaffneten Organen niedergeschlagen wurden. Es kam zu zahlreichen Festnahmen. Als Reaktion versammelte sich die Bevölkerung der Umgebung, mehrheitlich Kurden vor der vorgesetzten Sicherheitsbehörde der Stadt Melikschah. Es kamen so viele Menschen, dass die örtlichen Organe sie nicht vertreiben konnten. Sie forderten Verstärkung aus Kermanschah und Ahwas an.
Bei dieser Kundgebung wurde ein angesehener Bürger der Region von einer explodierenden Tränengaspatrone getroffen und fiel in Ohnmacht. Darauf schlug die Stimmung um und es kam zu einer blutigen Auseinandersetzung, in deren Verlauf mehrere Bürger, aber auch einige Offiziere und Mitglieder der Sondereinheit aus Ahwas ums Leben kamen. Zahlreiche Demonstranten erlitten Körperverletzungen, Dutzende wurden festgenommen.

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Iran: Revolver-Richter bald vor Gericht?


Richter Heydari-Far

Der derzeit vom Dienst suspendierte iranische Richter Heydari-Far, ein enger Mitarbeiter von Said Mortasawi, hat laut einer Meldung der iranischen Zeitung „Bastab“ einiges auf dem Kerbholz.
Er war unangenehm aufgefallen, als er sich an der Warteschlange einer Tankstelle vorbeidrängelte und außer der Reihe tankte. Proteste der Umstehenden beantwortete er mit Revolverschüssen. Die Menge war so aufgebracht, dass die lokalen Sicherheitsbehörden sich gezwungen sahen, diesen Richter später anzuhalten und aus dem Verkehr zu ziehen.
Wie jetzt bekannt wurde, wird gegen ihn auch in Zusammenhang mit dem berüchtigten Foltergefängnis Kahrisak ermittelt, bei einer Durchsuchung seines Fahrzeugs soll darüber Rauschgift entdeckt und in seiner Wohnung sollen auch antike Gegenstände sowie eine große Zahl von Goldmünzen gefunden worden sein.
Die Kumpanen des Richters Heydari-Far versuchen jetzt, einen einflussreichen Ajatollah zu finden, um ihren „Freund“ der Justiz zu entziehen und eine Einstellung des Verfahrens zu erreichen.
Vorgeschichte zum Fall auf dieser Webseite: „Iranischer Rambo, ein Mitstreiter von Sa‘id Mortasawi“, 10. April 2012

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