Iran: Das Ende der Scheinreformer?

Nach der Niederschlagung der Proteste gegen die Wahlfälschung im Juni 2009, nach der Verhaftung vieler Anhänger der Grünen Bewegung im Iran sind viele Anhänger von Mussawi und Karubi ins Ausland gegangen. Dort versuchten sie, die im Exil lebenden Iraner um sich zu vereinen, wozu ihnen im Westen reichlich Gelegenheit geboten wurde. Sie wollten keinen Sturz der Islamischen Republik sondern forderten eine Reform des Systems. Nur die Auswüchse seien schlecht, aber die Islamische Republik solle erhalten bleiben, die Verfassung ebenfalls, man solle zurückkehren zu den „Goldenen Zeiten“ unter Ajatollah Chomeini.

Karubi und sein bisheriger Vertreter im Ausland, Modschtaba Wahedi

Modschtaba Wahedi sagt sich los
Einer, der bislang immer als Anhänger von Karubi in Westeuropa auftrat, hat sich nun in einem offenen Brief von Karubis Thesen losgesagt – Modschtaba Wahedi. Er erklärte klipp und klar, dass er nach wie vor ein gläubiger Muslim sei, aber zur Auffassung gelangt sei, dass Staat und Religion getrennt werden müssen. Er betrachte Karubi nach wie vor als seinen Lehrer, aber könne seine Vorstellungen nicht mehr vertreten. Auch von den „Goldenen Zeiten“ Chomeinis wollte er nichts wissen, die habe es nicht gegeben. Ein mutiger Schritt.
Auffällig ist nur, dass Modschtaba nicht der einzige ist. Unter den Anhängern der Reformisten im Ausland scheint die Erkenntnis zu reifen, dass sie mit einem weiteren Beharren auf dem Modell der Islamischen Republik weder im Iran noch im Ausland Anhänger sammeln können. Wenn sie darauf nicht reagieren, wird bei der nächsten Protestwelle niemand mehr von ihnen Kenntnis nehmen.

Alternativen von oben

Deshalb versuchen sie, jetzt Alternativen aufzubauen, die in der Regel von folgendem Szenario ausgehen. Nicht die iranische Bevölkerung stürzt die Machthaber, sondern eine Fraktion innerhalb der militärischen Organe (Pasdaran) spaltet sich ab und übernimmt die Macht. Diese sogenannten fortschrittlichen Militärs sollen dann dafür sorgen, dass bestimmte von den Exil-Reformisten unterstützte Politiker – wie Ajatollah Rafsandschani – bei so einem Wechsel an die Macht kommen, was letztlich bedeutet, dass der Bevölkerung wiederum keine Chance gelassen wird, eine eigene, demokratische Alternative zu entwickeln. Am Schluss mag eine Militärdiktatur wie in Ägypten herauskommen, wer weiß?
Diese Zweifel mögen nicht auf jeden zutreffen, der im Ausland seine Überzeugung geändert hat, da täte man den Menschen Unrecht, aber man sollte nicht so naiv sein, und jeden Seitenwechsel für bare Münze nehmen.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email