Archiv für Juli 2012

Iran: das zweite Gesicht der Helden

Zwischen Iran und Irak herrschte von 1980-1987 – also acht Jahre lang – Krieg. Wen Regierende von Krieg reden, reden sie gern von Helden und Opfern, die Toten sind willkommen, denn sie können sich nicht wehren, und man kann stets behaupten, für sie zu sprechen. Eher beiläufig erwähnt werden diejenigen, die durch den Krieg verstümmelt wurden. Das waren im iranisch-irakischen Krieg viele, auf iranischer Seite unter anderem auch deshalb, weil die Ajatollahs damals Menschen statt Minensuchgeräten einsetzten. Viele Menschen verloren in blindem Gottvertrauen damals ihre Gliedmaßen. In der ersten Zeit hatte das Regime noch ein Interesse, so zu tun, als interessiere es sich für deren Schicksal und verteilte viele Posten an die Kriegsbehinderten. Aber 300.000 Menschen konnte es auf die Art nicht unterbringen. Was ist mit der Mehrheit passiert? Anfänglich gab es zumindest eine finanzielle Unterstützung für die Opfer, aber mit der zunehmenden Finanzkrise im Iran bleibt nur noch etwas Geld für die Diebe an der Spitze des Staates übrig, für die Behinderten und andere bedürftigen Gruppen ist nichts mehr übrig. Schon früher gab es hin und wieder Kundgebungen von Behinderten, die eine Erhöhung der staatlichen Unterstützung forderten. Es waren unpolitische Kundgebungen, die sich nicht gegen die Regierenden richteten, und für gewöhnlich ließ man sie gewähren. Diese Zeiten sind vorbei: Jetzt geht die Polizei auch knüppelnd gegen Behinderte vor, wenn sie vor öffentlichen Gebäuden demonstrieren.
Heute, 25 Jahre nach Kriegsende, bleibt den iranischen Behinderten nur Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit und das ständige Gefühl, überflüssig zu sein, den Angehörigen auf der Tasche zu liegen. Viele wünschen sich lieber den Tod.

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Iran: Mohammad Sadiq Kabudwand – 50 Tage Hungerstreik

Der Begründer der Menschenrechtsgesellschaft Kurdistans im Iran, Mohammad Sadiq Kabudwand, ist seit 5 Jahren im Gefängnis. Er war zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil er die kurdische Menschenrechtsvereinigung gegründet hatte. Da sein Sohn so krank ist, dass er nicht zu Besuch ins Gefängnis kommen kann, bat Mohammad Sadiq Kabudwand darum, ihn besuchen zu dürfen. Die Gefängnisleitung verweigerte ihm die Erlaubnis. Darauf eröffnete er den Hungerstreik, den er schon seit 50 Tagen durchhält. Seine Frau, die ihn am 9. Juli 2012 in Haft besuchte, berichtet, dass er schlecht aussehe und auch seine Nieren nicht mehr richtig arbeiteten. Aber solange seine Forderung nicht erfüllt wird, wolle er weiter hungern.
Amnesty International hat auch folgende Aktion zugunsten des Gefangenen initiiert.

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Iran: Narges Mohammadi im Krankenhaus

Narges Mohammadi, eine Menschenrechtsaktivistin, war vor über 2 Jahren aus politischen Gründen zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden. In der Haft entwickelte sich ein Nervenleiden, das zu Muskellähmungen führt. Zuerst war sie im Ewin-Gefängnis in Teheran in Haft, dann wurde sie gegen ihren Wunsch in das Gefängnis von Sandschan verlegt, was die Besuche der Angehörigen deutlich erschwert. Die Gefangene eröffnete darauf einen Hungerstreik, der ihre Gesundheitszustand noch verschlechterte. Die Muskellähmungen treten plötzlich auf, so dass die Gefangene sich nicht darauf vorbereiten kann. Die Folge: Kürzlich erlitt sie im Bad des Gefängnisses eine solche Lähmung, worauf sie kopfüber mit dem Gesicht auf den Boden prallte. Sie wurde darauf in ein Krankenhaus verlegt, hat aber Besuchsverbot, so dass die Angehörigen sie selbst dort nicht besuchen können.

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Iran: Verfolgte Rechtsanwältin

Die iranische Rechtsanwältin Nasrin Sotude wurde vor zwei Jahren zu 6 Jahren Gefängnis wegen „Verletzung der Sicherheit des Staates“ verurteilt. Damit sollte sie für ihre Tätigkeit als Rechtsanwältin bestraft werden, denn sie hatte vor allem politische Gefangene vor Gericht verteidigt. Jetzt unternimmt der Staat den nächsten Schritt: Derzeit läuft gegen sie ein Verfahren, ihr die Lizenz als Rechtsanwältin zu entziehen. Zu den vom Gericht angesetzten Termin durfte sie bis jetzt nicht erscheinen. Das Gefängnis verweigerte ihr die Erlaubnis.
Außerdem erhielten ihr Ehemann und ihre 12-jährige Tochter kürzlich eine gerichtliche Vorladung. Beiden wurde beschieden, dass sie ein Ausreiseverbot hätten, also den Iran nicht verlassen dürfen.
Nasrin Sotude muss eine gute Anwältin sein, dass der Staat soviel Angst vor ihr hat…

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Jamkaran-Moschee: Mischung aus schiitischem Islam, Geschäftemacherei und Aberglauben im Iran

Vor etwa 100 Jahren hat ein iranischer Bauer behauptet, an einer bestimmten Stelle in der Nähe der Heiligen Stadt Ghom (Qom) eine Erscheinung von Mehdi, dem vor 1200 Jahren verschwundenen 12. Imam, gesehen zu haben. Sogleich wurde an genau dieser Stelle eine Moschee errichtet. Aufgrund mangelnder Instandhaltungsarbeiten verfiel dieses Gebäude und geriet mit der Zeit in Vergessenheit. Reisende kamen nur noch selten in die Nähe der religiösen Stätte.

Doch hin und wieder machten Berichte von neuen Erscheinungen an der gleichen Stelle die Runde. Kurz nach der Islamischen Revolution erinnerte man sich an den Ort und begann damit, eine neue Moschee zu errichten.

Während der Amtszeit von Ahmadinejad flossen die Gelder reichlich und es wurde immer mehr Infrastruktur aufgebaut, um die Pilger mit Unterkünften und allem zu versorgen, was das Herz begehrt. Es wurden Hotels, Restaurants und Geschäfte gebaut. Finanziert wurde das von Geistlichen, insbesondere von Chamenei, von Anhängern Ahmadinejads und den Basaris.

Die Zufahrtsstraße wurde breit ausgebaut um der nur strömenden Menschenmassen Herr zu werden.

Verdiente Funktionäre der Bassiji oder Pasdaran können sich hier erholen und brauchen noch nicht mal zu bezahlen.

Der ganze Prunk ist heute eine Mischung aus Basar und Heilgtum, das viel Tourismus anzieht.

Aus einer ehemals kleinen und heruntergekommenen Moschee wurde eine der größten schiitischen Wallfahrtsstätten im Iran. Sie trägt den Namen Jamkaran-Moschee (Dschamkaran ).

Es gehört zu dem abergläubischen Ritual der Pilger, an den Imam gerichtete Briefe in ein Erdloch zu werfen, um dessen Segen zu erbitten. (Vgl. Iran: Die wackeren Kämpfer gegen den Aberglauben). Mittlerweile werden Briefe in zwei Erdlöcher geworfen: eines für Männer und eines für Frauen.

Während viele Dörfer und Städte im Iran noch heute die Ruinen aus dem Krieg (Iranisch-Irakischer Krieg von 1980-1988) aufweisen, erstrahlt dieses Erdloch in der Wüste in unglaublichem Glanz.

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Iranischer Faschismus: Afghanen füttern verboten

Je mehr sich die Wirtschaftskrise im Iran verschärft, desto mehr scheinen die iranischen Amtsstellen ihre Rettung im Entfachen nationalistischer Denkweisen zu suchen. So hat Gholamresa Gholami, der Generaldirektor der Behörde für ausländische Staatsbürger und Migranten in der Region Fars, gegenüber der in Schiras erscheinenden Zeitung „Asr-e Mardom“ erklärt, dass alle Iraner das Recht hätten, von ausländisch erscheinenden Menschen, die vor Bäckereien, an Bushaltestellen oder anderen öffentlichen Orten Schlange stehen, den Ausweis zu verlangen, um zu sehen, ob sie eine Aufenthaltsgenehmigung für den Iran besitzen. Arbeitgeber, die Menschen beschäftigen, ohne dass diese eine Aufenthaltsgenehmigung besitzen, Hotels, die diesen Menschen Unterkunft geben, oder Geschäfte, die diesen Menschen Essen verkaufen, müssen damit rechnen, dass ihr Geschäft geschlossen und verplombt wird. De facto richtet sich dieser Erlass gegen im Iran lebende Afghanen. Zugleich rechtfertigen die iranischen Behörden auch die jüngsten pogromartigen Überfälle auf afghanische Siedlungen mit der Behauptung, die Afghaner hätten eine Iranerin vergewaltigt… An den Überfällen nahmen weit über 100 Menschen teil!

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Iran: Heirat von 10-Jährigen

Der Generaldirektor des Standesamts für die Region Teheran hat auf einem Runden Tisch bekannt gegeben, dass im Vorjahr (Das iranische Jahr geht vom 21. März bis zum 20. März des Folgejahrs) 75 Jugendliche unter 10 Jahren in der Region Teheran verheiratet wurden, im gleichen Zeitraum seien rund 4000 Jugendliche zwischen 10 und 14 Jahren verheiratet worden.
Die iranische Geistlichkeit, die stets die moralische Überlegenheit des Islams gegenüber dem verdorbenen Westen betont, ist für diesen Zustand direkt verantwortlich, da sie die Scharia so auslegt, dass selbst im Alter von 9-10 Jahren schon eine Heirat zulässig ist.

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Iran: Umweltschützer kann man verhaften, Salzstürme nicht


Salzsturm vom austrocknenden Urumije-See

Wie schon berichtet, haben in Tabris und vor Ort in Urumije und anderen Orten, die am Urumije-See liegen, schon mehrfach Demonstrationen stattgefunden, um die Behörden aufzufordern, etwas gegen das Austrocknen des Urumije-Sees zu unternehmen. Es ging namentlich darum, dass das Wasser, das in Staudämmen zurückgehalten wird, freigelassen wird, damit der See nicht austrocknet. Außer Verhaftungen unternahmen die Behörden weiter nichts.

Jetzt tritt das ein, wovor die Bevölkerung sich gefürchtet und gewarnt hatte. Die ausgetrockneten Flächen des stark salzhaltigen Urumije-Sees bilden die Grundlage für Salzstürme. Salzstürme hinterlassen auf weiten Flächen solche Salzmengen, dass ein landwirtschaftlicher Anbau vielerorts unmöglich wird. Eine regionale Zeitung aus dem iranischen Westaserbaidschan hat einige Fotos vom ersten Salzsturm veröffentlicht. Wenn es so weiter geht, wird selbst Teheran von diesen Salzstürmen nicht verschont bleiben.

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Deutschland: Vorwürfe gegen iranischen Diplomaten

Ein iranischer Diplomat in Frankfurt am Main soll ein 10-jähriges Kind belästigt haben.
Zu diesem Thema zwei Links auf die Frankfurter Rundschau, die bislang ausführlicher als die Frankfurter Allgemeine Zeitung über den Vorfall berichtete. (6. und 9. Juli 2012)
FR 06.07.2012
FR 09.07.2012
Die Urheberrechte für diese Artikel liegen bei der Frankfurter Rundschau.

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Iran: 4000 Ziegeleiarbeiter entlassen

In der Ziegelei Pakdascht 50 km östlich von Teheran sind jetzt 4000 Arbeiter entlassen worden, von 6000, die dort vor einem Jahr noch beschäftigt waren. Der Hintergrund sind die gestiegenen Preise für Brennstoffe und Strom, die ja eine Folge der Abschaffung der staatlichen Subventionen für Energieträger waren. Als Ersatz hatte der Staat eine Art Sozialhilfe (Yarane) für die armen Familie geschaffen, aber nicht nur für diese. Energieintensive Betriebe, und dazu zählen auch Ziegelbrennereien, bekamen ebenfalls staatliche Unterstützung. Diese Unterstützung ist im Laufe der Zeit immer geringer geworden, so dass die Arbeiter zuvor nicht etwa für höhere Löhne, sondern vor dem Parlament für eine verstärkte Unterstützung des Arbeitgebers demonstriert hatten, damit ihr Arbeitsplatz erhalten bleibt. Es nützte nichts. 4000 sind jetzt auf der Straße, die Fabrik kann nur noch zu 20 Prozent ihrer Kapazität arbeiten. Auch aus kurdischen Gebieten und der Region Süd-Chorassan wird von Entlassungen aus Ziegeleien berichtet.

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Iran: Streik in den Schlachthöfen

Nein, hier ist leider nicht die Rede von den Gefängnissen und Hinrichtungsstätten, sondern von den Arbeitern der Schlachthöfe in Soume‘e-Sara und in Kermanschah. Die staatliche Preispolitik hat dazu geführt, dass die Schlachthöfe jetzt ihre Hühner – das einzige Fleisch, das sich die Bevölkerung noch leisten kann, zu derart billigen Preisen an den Staat abtreten müssen, dass es ihre eigenen Kosten nicht deckt. Daher der Streik der Arbeiter, der natürlich zu einer weiteren Verknappung des Angebots führt.

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Iran: Streik der Leiharbeiter


Streik in der Zementfabrik Sepahan in Isfahan

Die Lage der Leiharbeiter ist keineswegs nur im Iran kritisch, wie jeder sieht, der sich in Deutschland ein wenig umschaut. Aber im Iran ist es in den letzten Tagen zu Protesten von Hunderten von Leiharbeitern gekommen, und das ohne die Existenz freier Gewerkschaften. Das für sich ist schon eine Leistung!
So versammelten sich in der Zementfabrik „Sepahan“ in Isfahan 800 Leiharbeiter, um gegen die Vertragsbedingungen zu protestieren. Auch 100 Mitarbeiter der iranischen Telefonauskunft (Nr. 118) sind in den Ausstand getreten, nachdem die Leiharbeitsfirma die Vertragsbedingungen änderte. Die Firma bietet jetzt keinen festen Lohn mehr, der soll vielmehr davon abhängen, wieviel Geld durch die Anrufe reingekommen ist. Für die Arbeiter, die sich das Ergebnis ausgerechnet haben, ein herber Verlust.
Während die staatliche iranische Nachrichtenagentur ILNA über die Streiks berichtete, bleiben die Leiharbeitsfirmen außen vor. Das hat einen Grund: Hinter der Gründung dieser Firmen stehen die Pasdaran und die Geheimdienste. Ein Selbstläufer! Denn die Regierung sorgt dafür, dass immer mehr Arbeitsplätze vernichtet werden, und für die wenigen Arbeitsplätze, die übrig bleiben, kassieren wiederum die Machthaber Geld durch die Vermittlung an die Arbeitslosen.

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Iran: Das Geheimnis des Schleiers

Die Verschleierung der Frau im Iran ist so offensichtlich, dass sie stets eines der Themen ist, mit dem sich ausländische Medien beschäftigen, wenn sie über den Iran berichten. Es ist genug darüber geschrieben und berichtet worden, könnte man meinen, und sich gelangweilt abwenden.
Ja, der westliche Medienkonsument kann sich abwenden, weil für viele die Nachrichten ein Konsumgut sind wie eine Banane oder ein Waffeleis.
Aber die Iranerinnen können sich nicht abwenden, sie müssen damit und darin leben.

Wie macht das Regime seine Gegner zu Komplizen?

Wenn man bedenkt, wie viele Millionen Menschen in den 1990-er Jahren Chatami die Stimme gaben, weil sie aufgrund seiner Reformversprechen hofften, dass er ihr Leben erleichtern werde, wenn man bedenkt, wieviele Millionen Menschen 2009 – nach der Fälschung der Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen – auf die Straße gingen und gegen das Regime protestierten und ihre Gesundheit und ihr Leben dabei aufs Spiel setzten, fragt man sich immer wieder, wieso die Menschen sich dann so „brav“ an die Kleidervorschriften des Regimes halten. Wie schafft es ein Regime, das nicht einmal 10 Prozent Rückhalt in der Bevölkerung hat, seine Regeln den anderen 90 Prozent aufzuzwingen. Dies ist das Geheimnis des Schleiers, das wir lüften wollen.

Die Kinder als Geiseln
Die ersten, die gegen den Kleidungszwang aufbegehren, sind die Kinder, wenn sie heranwachsen. Wer in eine Gesellschaft hineinwächst, stellt spätestens in der Pubertät die Frage, mit welchem Recht die Vorschriften gemacht werden, was gerecht ist, was ungerecht. In einer jungen, kinderreichen Gesellschaft wie dem Iran ist der Anteil dieser Rebellen potentiell sehr hoch. Da müsste es doch leicht sein, die Regeln über den Haufen zu werfen, denken wir. Aber dem ist nicht so. Die Eltern dieser Kinder, die mit einer Wahrscheinlichkeit von über 90 Prozent Gegner des Regimes sind, sind die ersten, ihre Töchter zu ermahnen, sich islamisch zu verschleiern. Auch Eltern, die einen religiösen Staat verabscheuen, auch Eltern, die Volksmudschahedin sind und das jetzige Regime hassen, auch Eltern, die selbst schon im iranischen Gefängnis gesessen haben, sie alle üben Druck auf ihre Töchter aus, die Regeln des Regimes einzuhalten. Warum?

Gebückt in die Freiheit
Darauf gibt es mehrere antworten. Nehmen wir an, die Tochter hat sich nicht so verschleiert, wie die Sittenstreifen es wünschen. Die Tochter wird also von der Straße weg verhaftet. Wo ist sie jetzt? Die Eltern wissen es nicht. Denn eine üble Praxis lateinamerikanischer Diktaturen, sei es die von Pinochet, sei es die von Videla, war es die Menschen zu verhaften und verschwinden zu lassen, die Angehörigen völlig im Ungewissen zu lassen. Das gleiche im heutigen Iran. Also müssen die Eltern – häufig die Mutter, die möglichen Haftorte absuchen. In Großstädten wie Teheran geht das nicht zu Fuß, man braucht ein Auto, das heißt meist – ein Taxi. Und das kostet Geld. Und jetzt gehe von einer Wache zur nächsten und frage nach und lasse dich beleidigen und demütigen, denn darin sind die Machthaber Meister. Schon einem unpolitischen Bürger kann da der Kragen platzen, wie viel mehr einem, der selbst schon die Kerker dieses Staates von innen kennen gelernt hat.
Jetzt nehmen wir an, dass die Eltern nach mehrwöchiger Suche herausgefunden haben, wo ihre Tochter ist. Damit ist sie noch nicht frei. Jetzt heißt es, jemanden zu finden, der sich für die Freilassung einsetzt. Den Geistlichen anflehen, diesen Pasdar, jenen Beamten. Jeder ist ein König für sich. Und wer fleht schon gerne jemanden an, den er von Herzen hasst? Nehmen wir an, auch diese Hürde ist überwunden, die Eltern haben einen einflussreichen Fürsprecher gefunden. Umsonst ist nichts. Die Tochter wird nicht einfach freigelassen, sie muss zumindest eine Strafe zahlen, eventuell auch eine Kaution. Kann sie das? Sie hat kein Geld. Können die Eltern das? Wahrscheinlich auch nicht, je nachdem, wie hoch der Betrag ist. Die Eltern müssen also bei Freunden und Bekannten Schulden machen, um die Tochter freizukaufen. Und das wie oft? Auch die Bekannten sind keine Goldesel. Einmal mag das gehen, aber nicht ständig.
Und damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende. Wenn ein Elternteil das Glück hat, einen festen Arbeitsplatz zu haben, bedeutet dies im Iran, dass er oder sie in einer Abhängigkeit vom Staat steht. Der Arbeitsplatz untersteht entweder direkt dem Staat oder der Staat kann über seine Kontrollmöglichkeiten Druck auf den Arbeitgeber ausüben. In diesem Punkt unterscheidet sich die Islamische Republik Iran nicht von der frühren Deutschen Demokratischen Republik. Dein Kind ist ein Regimefeind? Dann ist die Familie ein Regimefeind. Und Regimefeinden geben wir keine Arbeit. Kündigung!
Die Folge: Die Eltern sind die ersten, die Druck auf ihre Töchter ausüben, die Regeln der Verschleierung einzuhalten, obwohl sie entschiedene Gegner dieses Schleiers sind. Hinzu kommt, dass besonders hübsche Mädchen immer Gefahr laufen, dass die Pasdaran oder Bassidschis aus ihrer Umgebung auf einen Vorwand lauern, sie wegen unislamischer Kleidung zu verhaften, um sie dann in Haft zu vergewaltigen. Dagegen gibt es keinen Richter und keinen Gottt, der hilft, das wissen auch die Eltern. Und es ist nachempfindbar, dass die Mädchen, die solchen Vergewaltigungen ausgesetzt waren, Selbstmord begehen. Auch das wissen die Eltern. Was sollen sie tun?

Der Fluch des Islam – die schrumpfende Frau
Die Art, wie die Geistlichen die Scharia, die islamischen Regeln, auslegen, führt dazu, dass die Frau zusammenschrumpft. Ihr ganzer Körper wird nichts, löst sich in schwarzem Tuch auf, wird eine unsichtbare Masse, übrig bleibt das Gesicht. Die Frau wird zum Gesicht. Will sie in dieser Gesellschaft bestehen, ist sie dazu verurteilt, sich auf ihr Gesicht zu konzentrieren. Das Gesicht ist ihr Ausweis, ist ihre Persönlichkeit. Wenn’s hoch kommt, vielleicht noch die Farbe des Kopftuchs und des Mantels. Wir kennen die verheerende Wirkung von Schönheitsidealen im „freien Westen“, wo neben Fettleibigkeit auch Magersucht vielen Menschen das Leben vergällt. Wenn nur noch eine Handvoll Mensch – sein Gesicht – übrig bleibt, wirken sich solche Ideale noch viel konzentrierter aus. Um den iranischen Idealen zu entsprechen, wird jede Frau – egal ob im Haushalt eines Pasdaran, eines Hisbullahis oder einer reichen Familie im Norden Teherans – alles tun, um ihr Gesicht zu schminken, ihre Augenlider zu färben, ihre Augenbrauen zu stylen, ihre Augenfarbe mit Linsen zu verändern, ihre Haarfarbe zu ändern, und das Aussehen der Nase dem herrschenden Schönheitsideal anzupassen. Nasenoperationen gehören zu den wenigen boomenden Handwerken im Iran. Und obwohl solche Operationen teuer sind, wird sich auch eine ärmere Familie anstrengen, ihrer Tochter eine solche Operation zu ermöglichen, denn wenn ihre Tochter deswegen keinen Mann bekommt und zu Hause bleibt, wird das für die Familie noch teurer. Also verschuldet man sich lieber.

Schönheit macht krank
Es versteht sich, dass die Schminke, die Haarfärbemittel, die Lidstifte, die Tätowierungen, die Augenlinsen etc. Geld kosten. Und was für Ware gibt es günstig auf dem iranischen Markt? Das, was die Pasdaran über ihre illegalen Importhäfen gegen Gebühr ins Land lassen. Und das ist inzwischen meist Ware aus China. Dass es nicht zu den Stärken der chinesischen Industrie gehört, gesundheitliche einwandfreie Ware auf den Markt zu bringen, ist bekannt. Hinzu kommt, dass die chinesische Industrie ihre Waren je nach Absatzmarkt in verschiedene Kategorien einteilt, und der iranische Markt gehört nicht zu denen, die die beste Qualität bekommen. Und auch die anderen asiatischen Lieferanten zeichnen sich nicht durch eine hohe Qualitätskontrolle aus. Die Folge: Viele Iranerinnen, die solche Mittel benutzen, haben bald eine geschädigte Haut, die den Kauf zusätzlicher Mittel erfordert, um diese Schäden zu übertünchen. Hinzu kommt vor allem bei Städterinnen, dass die völlige Körperbekleidung zu einem Mangel an Vitamin D führt, das ja durch Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet wird. Das hat weitere Gesundheitsschäden zur Folge.

Schleier sind Ketten
Wer sich an deutschen Arbeitsplätzen umschaut, sieht schnell, dass man für die verschiedensten Arbeiten eine gewisse Beweglichkeit benötigt. Bei Arbeiten an Maschinen mit sich bewegenden Teilen ist es erforderlich, dass man nichts am Körper habt, was an diesen bewegten Teilen festhaken könnte und zu Arbeitsunfällen führen könnte. Das mögen Halsketten sein, das mögen lange Ärmel sein, das mögen Tücher sein. Die Tuchverhüllung der Frau führt dazu, dass sie viele Arbeiten nicht ausführen kann, nicht, weil die Männer es besser können, sondern, weil die Kleidung der Männer mehr Bewegungsfreiheit gibt. Die jungen Frauen, die gerade eine Ausbildung abgeschlossen haben, sehen, dass ihre männlichen Kollegen, die nicht besser sind, einen Job bekommen, sie selber aber nicht. Wegen dieser Verschleierung. Klar, dass sie das als ungerecht empfinden.

Ketten für die einen, Stützen für die andern
Indem das iranische Regime die Frauen in Ketten fesselt und die Familien, aus denen diese Frauen kommen, in Geiselhaft nimmt, wenn die Frau die Regeln nicht einhält, hält es sich selbst am Leben. Die Mechanismen haben wir oben gesehen. Und dabei kennt die Schamlosigkeit der Machthaber keine Grenzen. Selbst wenn eine Frau am Friedhof als Zeichen der Trauer über den Tod des Nächsten ihr Kopftuch wegreißt, kann es ihr passieren, dass die sogenannten Ordnungshüter zur Stelle sind und sie verhaften: Wegen Verletzung der Regeln sittlicher Bekleidung.
Das Kopftuch, die Körperverhüllung, ist etwas Oberflächliches. Aber gerade, weil es oberflächlich ist, eignet es sich hervorragend zur Machtdemonstration. Mit dem Tuch kann die iranische Regierung mehr Terror ausüben als mit jeder Maschinenpistole.

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Steht es in der Macht der iranischen Regierung, die Meerenge von Hormus zu schließen?

Die Atomgespräche mit dem Iran hatten bis jetzt kein Ergebnis. Derzeit finden noch geheime Nachgespräche auf einer „technischen Ebene“ statt aber eigentlich sind die Verhandlungen in Istanbul, Bagdad und Moskau zwischen den 5+1-Ländern der Vereinten Nationen (also USA, England, Frankreich, Russland, China und Deutschland) und dem Iran erfolglos geblieben.


Meerenge von Hormus

Durch Vergleich vieler Berichte aus verschiedenen westlichen Medien konnte man erfahren, dass der Iran eigentlich allen bisherigen Forderungen nachkommen wollte: Er wollte Kontrollen der Internationalen Atomenergiebehörde jederzeit zulassen und darauf verzichten, hochangereichertes Uran zu produzieren, wenn zeitgleich der EU-Boykott des iranischen Öls und der Boykott der iranischen Zentralbank beendet würden. Die 5+1-Länder beharrten indes darauf, dass zuerst die Zugeständnisse umgesetzt werden müssten, und dann der Boykott Schritt für Schritt beendet würde.

Die iranische Medien und Verhandlungsführer berichten jedoch ganz anders über die Verhandlungen. Von den weitgehenden iranischen Zugeständnissen ist keine Rede und von den Bedingungen, die erfüllt sein müssen, damit der Boykott beendet wird, schon gar nicht. Dagegen behaupten sie wieder lautstark, dass es das gute Recht des Irans ist, zivile Atomnutzung zu betreiben und dass dieses Recht dem Iran nicht genommen werden dürfe.

Welche Seite liegt näher an der Wahrheit? Das kann dahingestellt bleiben. Wir brauchen weder die genaue Darstellung der westlichen Medien noch die Erklärungen der iranischen Regierung nachzuzeichnen. Es soll hier nur noch die Aussage von zwei wichtigen iranischer Politiker wiedergegeben werden: Hashemi Rafsandschani (ehemaliger Iranischer Staatspräsident und heute Vorsitzender des Schlichtungsrates) und Mohammed Chatami (ehemaliger Staatspräsident) . Beide blasen ins gleiche Horn und schimpfen gegen die westlichen Länder. Diese seien bei den Verhandlungen nicht zu den allerkleinsten Zugeständnissen bereit und würden alles haben wollen was sie kriegen können.

In den letzten sechs Monaten während der Verhandlungen mussten sich offizielle Medien, Regierungsvertreter, Generäle der Pasdaran und Basiji sowie hohe Geheimdienstbeamte stark zurückhalten mit ihren üblichen Attacken gegen Israel, mit Drohungen, die Straße von Hormus zu schließen, etc. Nachdem die Moskauer Gespräche zu keinem Ergebnis geführt haben, schießen sie wieder aus allen Rohren und sprechen heftige Drohungen aus. Sie sind wieder zu ihrem alten Prinzip „Angriff ist besser als Verteidigung“ zurückgekehrt. Auch die aktuelle Gesetzesinitiative zur Blockade der Schiffe von Boykottländern in der Straße von Hormus, wofür bereits 100 Unterschriften im Parlament gesammelt wurden, ist so eine Drohung.

Die Drohungen richten sich nicht zuletzt auch gegen Israel, das, sobald es den Iran angreife, umgehend vernichtet werden könne oder gegen die Vereinigten Staaten, deren Stützpunkte in der ganzen Region dem iranischen Militär bekannt seien und die ebenfalls schnell vernichtet werden könnten. Zur Demonstration dieser Macht findet derzeit ein iranisches Manöver statt, von dem es heißt, dass Mittelstrecken mit einer Reichweite von bis zu 2000 km zum Einsatz gekommen seien.

Allerding flogen die Testraketen nur 800km weit, woraufhin die Militärs beteuerten, dass dies eben nur ein Test gewesen sei und sie grundsätzlich schon die Fähigkeit hätten, Raketen auch über 2000km weit zu schießen.

Man muss nicht viel vom Militär verstehen, um zu erkennen, dass sich die militärische Macht des Irans im Vergleich zu der geballten Militärmacht der Vereinigten Staaten und Europa bescheiden ausmacht. Sollte es tatsächlich zu einer militärischen Auseinandersetzung zwischen den beiden ungleichen Parteien kommen, würde die iranische Regierung alles verlieren. Darüber hinaus würde natürlich die iranische Bevölkerung große Probleme bekommen. Sie müssten für diese „Außenpolitik“ bitter bezahlen.

Um Krieg zu führen, braucht man Geld. Und das ist derzeit Mangelware im Iran angesichts der hohe Inflationsrate und der am Boden liegenden Wirtschaft. Wie könnte sich die iranische Regierung gerade jetzt einen Krieg leisten?

An dieser Stelle rufen wir uns das jüngste Zitat von Großajatollah Dschawadi-Amoli in Erinnerung: „Lügen wir uns nicht in die Tasche. Wir gleichen einem Menschen, dessen Herz zu 80% nicht mehr funktioniert und mit den restlichen 20% weiter arbeitet. Wir wollen nichts beschönigen. Wir sind mit 20% am Leben, die übrigen 80% bringen wir mit Wucherzins und dergleichen rein. Nehmen wir nur die Veruntreuung von 3000 Milliarden Tuman in der Export-Bank und das Verfahren wegen Korruption bei der Angestellten- und Beamtenversicherung des Irans. (…)“. Wenn dann noch die Iranische Zentralbank verlautbart, dass die Preise von Konsumgütern, die für Familien wichtig sind (also namentlich Nahrungsmittel), innerhalb eines Monats um 80 Prozent gestiegen sind, dann können das, was die Generäle von sich geben, nur leere Worte sein.

Es ist heute auch nicht mehr die gleiche Situation wie vor 30 Jahren während des Irakisch-Iranischen Krieg als sich die Militärs anfangs noch auf einen großen Rückhalt in der Bevölkerung verlassen konnten. Seit der gefälschten Präsidentenwahl des Jahres 2009 hat die iranische Regierung ihre Glaubwürdigkeit vollends verloren. Während der reformistische Flügel im Iran im Jahr 2009 noch glaubte, dass das herrschende islamische Modell der Prinzipialisten unter Beibehaltung der Verfassung der Islamischen Republik des Irans reformiert werden könne, hört man neuerdings Stimmen von Vertretern der Reformisten, die von einem mehr oder weniger säkularen Gegenmodell sprechen.

Im Übrigen steht dem Iran schon aus eigenem Interesse, die Option, die Straße von Hormus zu schließen, nicht ernsthaft zur Verfügung. Die gesamte iranische Wirtschaft steht und fällt mit den Öleinnahmen, die wiederum von einer schiffbaren Straße von Hormus abhängen. Zahlreiche Länder, neben den arabischen ölexportierenden Staaten auch die Abnehmerstaaten wie Indien, China, Japan, etc. haben ein vitales Interesse daran, dass dieser internationale Schifffahrtsweg offen bleibt. Laut Spiegel werden rund 35 Prozent des per Schiff abgewickelten Ölhandels weltweit über diese Meerenge transportiert.

Sollte hinter den Drohungen mehr sein als heiße Luft, bedeutet das, dass die iranische Regierung Selbstmord begehen will.

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Yasd (Iran): Verfolgte Afghanen

Die staatlich geförderte Verfolgung afghanischer Flüchtlinge im Iran nimmt immer gewalttätigere Ausmaße an. So wurde jetzt bekannt, dass in der Stadt Jasd sogenannte Rowdies Wohnsiedlungen von afghanischen Familien überfallen, Afghanen mit Knüppeln verprügelt und Benzin über die Häuser gegossen und angezündet haben sollen. Dabei wurden mehrere Menschen Opfer der Flammen. Die Polizei schritt gegen die die Täter, die mehrere Hundert (!) betragen haben sollen, nicht ein.
Diese Angriffe sind offensichtlich Teil der Regierungspolitik, die afghanischen Flüchtlinge gewaltsam aus dem Lande zu vertreiben, auch diejenigen, die schon längst integriert sind und eingeheiratet haben.

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