Iran: Im Krieg wird nicht Brot und Helwa verteilt


Regierungs-Demo zum Jersulem-Tag in Teheran

Ajatollah Chamene‘i: Israel – verlogene und falsche Neubildung
Am Mittwoch, den 15. August 2012, zwei Tage vor dem „Rus-e Qods“ (Jerusalem-Tag), den das iranische Regime seit der Revolution feiert, um damit den Anspruch auf dieses Gebiet für die Muslime zu unterstreichen, trat der religiöse Führer des Irans, Ajatollah Chamene‘i, mit folgender Bemerkung an die Öffentlichkeit. Er bezeichnete Israel als „zayede-ye dorughin wa ja‘li“, als „verlogene und falsche Neubildung“, die „von der Bühne der Geographie verschwinden wird“ („ke az sahne-ye joghrafiya mahw xahad shod“).

Präsident Ahmadineschad: Israel – ein Krebsgeschwür
Zwei Tage später, am Freitag, den 17. August 2012, legte Präsident Ahmadineschad noch eins drauf, indem er erklärte, die Existenz von Israel sei „eine Beleidigung für die Menschheit“ („touhin be bashariyat“). Israel sei ein „Krebsgeschwür, und wenn auch nur eine Zelle davon im Gebiet verbleibt, wird sie gefährlich sein“ („ghodde-ye saratani ast, ke agar yek selul-e an dar mantaqe bemanad, xatarnak xahad bud“).

Reaktionen im Ausland
Das hat nicht nur Tadel seitens der Europäischen Union eingebracht, sondern auch die israelische Regierung auf den Plan gerufen. So erklärte der scheidende israelische Heimatschutzminister Matan Vilnai am 15. August 2012 gegenüber der israelischen Zeitung „Maariv“, sein Land sei niemals zuvor so gut vorbereitet gewesen. „Israel hat sich auf das Szenario eines 30-tägigen Kriegs an mehreren Fronten vorbereitet“, sagte er. Dabei rechne das Land mit etwa 500 Toten. „Heute weiß jeder genau, was er zu tun hat“, sagte Vilnai. Für mehr als die Hälfte der Bevölkerung gebe es Schutzausrüstung gegen Chemie- und Biowaffen. „Es gibt keinen Anlass zur Hysterie.“
Diese Worte waren Öl ins Feuer der iranischen Militärs, Politiker und Ajatollahs.

Mohsen Resa‘i: Wenn die Zionisten so verrückt sein sollten…
Der iranische Verteidigungsminister General Ahmad Wahidi entgegnete am Montag, den 20. August 2012, Israel sei ein aggressives Land und die iranische Armee sei auf eventuelle Angriffe gut vorbereitet.
Mohsen Resa‘i, der Generalsekretär der Versammlung zur Wahrung der Interessen des Systems, erklärte ebenfalls am 20. August 2012 gegenüber der iranischen Nachrichtenagentur Mehr: „Wenn die Zionisten so verrückt sein sollten, den Iran anzugreifen, werden sie seitens der bewaffneten Streitkräften der Islamischen Republik Iran eine niederschmetternde Antwort erhalten, die zu ihrem Sturz führen wird.“

Ajatollah Chamene‘i: Zionistisches Krebsgeschwür im Herzen des Islam
Und vor den versammelten Botschaftern islamischer Staaten in Teheran versäumte Ajatollah Chamene‘i nicht, sich noch einmal als Israel-Gegner zu profilieren. Er bezeichnete Israel nun wie Ahmadineschad als zionistisches Krebsgeschwür (ghodde-ye saratani-ye seyhunisti), das „ins Herz des Islams verpflanzt worden“ sei. „Viele Probleme der islamischen Welt (seien) durch die Existenz des nachgemachten Zionistenregimes verursacht“.
Auch der Befehlshaber der iranischen Landstreitkräfte, Ahmad Resa Purdastan, äußerte sich zum Thema. Er meinte, Israel sei gar nicht in der Lage, eine neue Front zu eröffnen und schwächer als vor dreißig Jahren.


Ajatollah Sane‘i in Qom, zum Fest des Fastenbrechens

Ajatollah Sane‘i: Wir sollten nicht den Zündfunken für einen Krieg mit Israel liefern
Ajatollah Sane‘i, ein gewiefter Fuchs, wählte für diese Situation eine mehrdeutige Formulierung. Auf einer Ansprache am Sonntag, dem Eid ul-Fitr, dem Fest zum Abschluss des islamischen Fastenmonats Ramadan, verurteilte er zum einen die Äußerungen israelischer Politiker, die die Stimmung anheizten, nahm aber auch seine iranischen Kollegen ins Gebet:
„Wir sollten nicht im Landesinnern (= im Iran) den Zündfunken für einen Krieg mit Israel liefern“.
Er sagte: „Wenn das zionistische Regime einen militärischen Krieg gegen den Iran eröffnet, begeht es damit das größte Verbrechen gegen das iranische Volk.“ Wenn es auf diesem Weg „Rache an der islamischen Republik“ üben wolle, bedeute dies, „die hundertjährigen Bemühungen der freiheitsliebenden Menschen im Iran zunichte zu machen“. „Ich warne hiermit das zionistische Regime und sage ihm, wenn es militärische Maßnahmen gegen den Iran ergreift, dann spielt es mit Schießpulver, und dann werden Gegenmaßnahmen beschlossen, dass es sich danach nicht mehr aufrichten kann. Da geht es dann nicht mehr um die Frage der Menschenrechte.“ Ajatollah Sane‘i fuhr fort: „Ich bin selbst ein Anhänger der menschlichen Freiheit und der Menschenrechte und ihrer Einhaltung, aber im Falle eines möglichen Angriffs des zionistischen Regimes auf den Iran sind wir zur Reaktion verpflichtet.“
Auf seine iranischen Kollegen gemünzt ist der Satz: „Gott möge es nicht zulassen, dass wir auch im Land selbst den Zündfunken liefern und Grund dafür sind, dass dieser mögliche Krieg – Gott verhüte- doch ausbricht.“
Denn, und das hat der Ajatollah schön gesagt:
„Alle müssen in jeder Hinsicht bemüht sein, diesen möglichen Krieg des zionistischen Regimes gegen den Iran zu vermeiden, denn auch der Iran wird dabei Schaden nehmen… Denn im Krieg wird nicht Brot und Helwa verteilt.“
Der heftige Wortwechsel kann allerdings nicht verdecken, dass der Jerusalem-Tag, der früher Massen von Iranern auf die Straßen brachte, heute nur noch trübe Rinnsale zum Laufen bringt.


Das sind die Massen, die hinter der Regierung stehen: Jerusalem-Tag 17.08.2012

In Teheran leere Straßen zum Jerusalem-Tag
Die heftigen Reaktionen aus dem Ausland mögen den iranischen Herrschern zwar noch das Gefühl vermitteln, sie seien wichtige Personen, im Land selbst werden sie dagegen nicht einmal mehr von ihren ehemaligen und heutigen Anhängern ernst genommen. Das Thema ist so langweilig, dass es nicht einmal Gegendemonstrationen gibt, wie noch im Jahr 2010, als die Gegner der Mollas auf den Straßen riefen:
„Nicht für Ghasa und nicht für Libanon, meine Seele opfere ich nur für den Iran.“
Diese Worte werden heute von den Geistlichen als Verrat am Islam ausgelegt, aber wen interessiert es?


Wenn die beiden mit ihrer Verkleidung beim Konstanzer Fasnachtsumzug aufträten, hätten sie mehr Publikum..

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email