Iran nach dem Erdbeben: die Zivilgesellschaft lebt


Nach dem Erdbeben – Menschen übernachten im Freien

Wie berichtet, hatte es im Iran zwei größere Erdbeben gegeben. Inzwischen hat sich auch Ajatollah Chamene‘i bequemt, die Erdbebenopfer zu besuchen. Die Opfer hatten nichts davon, die sollen angeblich sogar Schafe zu seinen Ehren geschlachtet haben, wie das staatliche Fernsehen berichtet, und im wesentlichen hielt der Herr dank seiner Leibwächter Abstand von diesem Volk.

Kein Schutz vor den Wölfen
Der folgende, privat aufgenommene Film bringt Interviews mit der betroffenen Bevölkerung.


http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=51852 (Film oben)

Der erste Bauer klagt darüber, dass die Regierung für das gesamte zerstörte Dorf gerade mal zwei Zelte geliefert habe, das sei die Hilfe gewesen. Es sei die Bevölkerung gewesen, z.B. aus Tabris, die gekommen sei und geholfen habe, die Opfer aus den Trümmern zu ziehen. Durch das Erdbeben seien die Schafpferche zerstört, jetzt kämen die Wölfe, um sich Schafe zu holen. Eine Frau aus einem anderen Ort klagt im Interview, der Staat habe ihnen überhaupt nicht geholfen, auch nicht der staatliche Rote Halbmond (Helal-e Ahmar), sie habe ihr verletztes Kind nicht ins Krankenhaus bringen können. Auch die Hilfe, die vor der Kamera verteilt wird, stammt von privaten Helfern aus Urumije.
Das nationale iranische Fernsehen brachte am 15.08.2012 ein Interview mit einem Vertreter der Erdbebenopfer, dem gegenüber der Chef der Regionalverwaltung (rechts im Bild) steht. Der türkisch sprechende Mann mit Hut beschwert sich und wird mitten im Wort vom staatlichen Sender ausgeblendet, offensichtlich wollte man die Wahrheit dem iranischen Zuschauer nicht zumuten.


http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=51852 (Mitte)

Ein weiteres, privat aufgenommenes Interview mit einem Mann aus Karadsch enthüllt folgendes Vorgehen der Revolutionswächter.
Der Mann war mit einer Hilfsladung aufgebrochen und wurde auf dem Weg zu den Erdbebenopfern von einer Pasdaran-Kontrolle angehalten. Die Pasdaran verlangten von ihm, er solle die Hilfsgüter an sie übergeben, die Bauern hätten schon viel zu viel Hilfe, die könnten das jetzt nicht gebrauchen, sie würden die Güter dann im Laufe eines Monats an die Bedürftigen verteilen.
Der Helfer ließ sich nicht abwimmeln und bestand darauf, die Hilfe selbst an die Opfer zu übergeben. Darauf warnten ihn die Pasdaran, er würde schon im ersten Dorf überfallen und ausgeraubt. Als der Helfer dann bei den Opfern eintraf, sah er, dass sie noch keine staatliche Hilfe erhalten hatten für seinen Transport dankbar waren.


http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=51852 (Film unten)

Hilfe kommt auch aus Gilan, die Menschen spenden Blut, kurz, in der Bevölkerung ist nicht nur eine große Hilfsbereitschaft festzustellen, die Menschen werden auch selbst aktiv.

Iranischer Roter Halbmond schickt Prediger statt Zelte
Mohammad Dschawad Dschafarian, der Präsident des iranischen Roten Halbmonds erklärte gegenüber der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur ISNA, dass sie vierzehn Teams mit jungen Leuten aufgestellt hätten, die die 220 Dörfer von Erdbebenopfern besuchen und dort Trauerfeiern und Gebetsveranstaltungen abhalten sollen. Auch von 2500 Sammelpunkten, die der Rote Halbmond in Teheran dafür eingerichtet habe, damit die Bevölkerung für die Opfer Spenden abgeben kann, berichtet Dschafarian, aber ob und wann das bei den Opfern ankommt, wird sich noch zeigen. Die Prediger werden wahrscheinlich zuerst eintreffen, und wer bewirtet sie dort?
http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=51894

Olympiasieger sammelt Spenden
Hamid Suriyan, der bei den Olympischen Spielen 2012 die Goldmedaille im Ringen gewonnen hat und bei seiner Rückkehr nach Teheran von einer 40 Kilometer langen Menschenschlange empfangen wurde, hat in seiner Heimatstadt Rey alle Menschen, die ihn so empfangen hatten, aufgefordert, für die Erdbebenopfer zu spenden. Er verbürgte sich selbst dafür, dass die Hilfe, die bis zum 17. August bei ihm eingetroffen ist, noch am selben Tag zu den Erdbebenopfern gebracht wird. Es waren mehrere Autobusse voll Hilfsleistungen, und während kaum einer den staatlichen Spendenaufrufen traut, haben die Menschen ihm soviel Geldspenden übergeben, dass damit einige Dörfer wieder aufgebaut werden können.
Während das Regime den 17. August als „Jerusalem-Tag“ feierte und keine Gelegenheit ausließ, Verbalkriege mit Israel auszutragen, schlug Suriyan vor, diesen Tag als „Tag der Hilfe für die Erdbebenopfer“ zu bezeichnen.
http://www.shafaf.ir/fa/news/131877/ …

60 Ambulanzwägen für Syrien, 0 für den Iran
Das iranische Regime ist derzeit damit beschäftigt, 60 Ambulanzautos nach Syrien zu schicken, das ist ihm wichtiger als die Erdbebenopfer im eigenen Lande…

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