Archiv für September 2012

Mehrheit der iranischen Bevölkerung gegen Atomenergie


Karte mit den wichtigsten Standorten der iranischen Atompolitik (Wikipedia)

Ali Asghar Soltanieh, der iranische Verhandlungsführer bei den 5+1 Gesprächen mit der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA) in Wien und Teheran, hat festgestellt, dass es unmöglich sei, die unterirdische Urananreicherungsanlage bei Fordow zu schließen.

Fordow liegt in der Nähe der Stadt Qom und wurde aufgrund der Drohungen der USA und Israel gegen das iranische Atomprogramm zum Schutz vor Bomben unter Tage verlegt.

Der Iran hat einen Teil seiner Zentrifugen an diesen Ort verlegt, um dort Uran zu 20% anreichern zu können. Laut Ali Asghar Soltanieh wäre der Iran bereit, auf die 20-prozentige Anreicherung zu verzichten, wenn die Sanktionen gegen den Iran eingestellt würden.

Die IAEA hatte jüngst Berichte veröffentlicht, nach denen in Fordow Uran auf bis zu 27% angereichert würde. Das hat zu verstärkten Sorgen bei den 5+1 Partnern geführt, dass die Atomenergie im Iran auch zu militärischen Zwecken verwendet werden soll.

Kommentar:

Der iranische Atomwissenschaftler Ahmad Shirzad hat errechnet, dass eine zivile Nutzung der Atomenergie für die Herstellung von Strom im Iran nicht rentabel ist. Es wäre wesentlich günstiger, den Strom aus dem Ausland zu importieren. Außerdem würde die iranischen Uranvorkommen nur noch 4 Jahre ausreichen, danach müsste Uran iportiert werden.

Die iranische Bevölkerung ist immer weniger von der Atomenergienutzung im Iran – egal ob zivil oder militärisch – überzeugt. Der Iran verfügt ausreichende Vorkommen von Sonne, Öl und Gas um seinen Bedarf zu decken. Eine Fernsehumfrage im letzten Monat beim staatlichen TV-Sender Sedar & Sima hatte eine Mehrheit von 63% gegen die Atomenergie im Iran ergeben. 35% waren für die Atomenergie nur für den Zweck der Stromproduktion und für medizinische Zwecke. Die Sendungsmacher wurden in den darauf folgenden Tagen festgenommen und die Statistik verschwand wieder in der Versenkung.

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Wie behalten die iranischen Machthaber in Zukunft die Kontrolle über Millionen unzufriedener Arbeiter?

Die staatliche Nachrichtenagentur ILNA hat berichtet, dass mehr als 20.000 Arbeiter einen Offenen Brief an das Arbeitsministerium geschrieben haben. In diesem Brief haben sie kritisch ihre Situation dargelegt.

Es geht ihnen um den monatlich oder täglich ausbezahlten Lohn, der unterhalb der Armutsgrenze liegt. Sie zeigen, wie die Preise für Lebensmittel und sonstige Waren des täglichen Bedarfs in unvorstellbare Höhen gestiegen sind. 1

Die Arbeiter, die den Brief unterschrieben haben, betonen, dass ein hochrangiger Rat des Arbeitsministeriums im letzten Jahr die Mindesteinkommensgrenze für Arbeiter auf 390.000 Toman festgesetzt hatte. Just zu diesem Zeitpunkt lag die Armutsgrenze aber bereits bei 1.000.000 Toman. 2

Außerdem seien in großen und kleinen Betrieben kostenlose Mittagessen und andere nichtmonetäre Lohnbestandteile gestrichen worden. Immer öfter würde lediglich der Basislohn bezahlt. Das sei der Grund dafür, dass die Arbeiter vom Ministerium nun verlangen, dass ihr Lohn dringend erhöht werden muss.

Ebenfalls wird im Brief das Problem der hohen Zahl von Entlassungen in die Arbeitslosigkeit und den mit über 80% hohen Anteil an befristeten Arbeitsverträgen, was zu insgesamt unsicheren Beschäftigungsverhältnissen führt, angesprochen.

Weiter schrieben sie: „Herr Minister, in dieser schlimmen Situation haben Sie überhaupt nicht reagiert und auch nicht auf unseren Brief vom 16. Juni 2012 geantwortet, der von mehr als 10.000 Arbeitern unterschrieben worden war. Man könnte meinen, dass Ihr Ministerium mit den Arbeitern und dem Leben nichts zu tun hat.“

Sie verlangen, dass ihre Löhne dem Anstieg der Inflation und dem Minimum für die Unterhaltung einer vierköpfigen Familie angepasst werden. Die Vertreter der Arbeiter im Parlament müssten sich hierfür einsetzen. Ferner verlangen sie, dass die Löhne immer rechtzeitig ausbezahlt werden. Die Arbeitgeber, die Arbeiter ohne Arbeitsvertrag oder mit nicht unterschriebenem Arbeitsvertrag in ihrem Betrieb beschäftigen, sollen bestraft werden.

Die 20.000 Arbeiter, die diesen Brief unterschrieben haben, stammen aus Betrieben in Isfahan, Teheran, Ghazvin, Kurdestan, Yazd, Khuzestan, Azerbeidschan, Mazendaran, Arak, usw.

Kommentar:

Die wirtschaftliche und politische Krise, die Sanktionen sowie die kriegerische Atmosphäre im Iran hat innerhalb der letzten Monate zu einem durchschnittlichen Anstieg der Preise um über 50% geführt. Das Phänomen der geringen Arbeitssicherheit und den damit einhergehend hohen Ausfällen unter den Belegschaften, bei anhaltend hohem Leistungsdruck, führten dazu, dass der allgemeine Druck der auf den Arbeitern lastet, immer weiter angestiegen ist.

Dieser Brief zeigt uns, dass bei Millionen iranischer Arbeiter Unzufriedenheit herrscht. Werden sie ihre Probleme allein mit Schreiben lösen können? Ein Vertreter des „Hauses der Arbeit“, der selbst Fabrikarbeiter ist, hat erklärt, dass der letzte Schritt für die Arbeiter darin bestünde, sich unabhängig zu organisieren. Sie müssten es schaffen, ihren Protest nicht nur isoliert jeweils in ihrer Fabrik auszuüben, sondern auf das ganze Land auszudehnen.

Können die Machthaber im Iran diese Probleme über Wirtschaftsmaßnahmen in den Griff bekommen? Nein, es bleibt ihnen nur ein Ausweg: Mit Hilfe bewaffneter Organisationen wie den Revolutionswächtern oder den Bassidschi zu verhindern, dass die Arbeiter ihren Protest auf die Straße tragen. Schon einmal hat dies im Iran jemand versucht, der Schah Mohammad Reza Pahlavi. Es ist ihm jedoch nicht gelungen.

Fußnoten

  1. Laut ILNA verdoppelte sich der Preis für den US-Dollar in einem Jahr und die Kaufkraft hat sich im selben Zeitraum halbiert. Die staatliche Nachrichtenagentur MEHR schreibt, dass aufgrund des Preisanstiegs bei Nahrungsmittel, Wohnkosten, Transportkosten, Kleidung, medizinische Versorgung und Schreibwaren, die Einkommen der normalen Arbeiter bereits nach 10 Tagen aufgebraucht sind. [zurück]
  2. Die staatlichen Institutionen, die islamischen Vereine in den Fabriken, das „Haus der Arbeiter“ (eine Art islamische Gewerkschaft) und einige Abgeordnete des iranischen Parlaments haben in den letzten sechs Monaten wiederholt vorgeschlagen, dass sich die Löhne der Arbeiter auf mindestens 1.300.000 Toman belaufen sollten. [zurück]
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Iran: Zwei Kinder von Ajatollah Haschemi Rafsandschani im Gefängnis


Der beleibte Herr links ist Mehdi Haschemi, bei seiner Ankunft am Chomeini-Flughafen in Teheran.
Hier wurde er verhaftet.

Fa‘ese Haschemi, die ältere Tochter von Ajatollah Haschemi Rafsandschani, war schon früher wegen ihrer Beteiligung an den Protesten nach der Fälschung der Präsidentschaftswahlen von 2009 zu einer mehrmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Zwischenzeitlich war sie in Großbritannien, ist jetzt aber wieder zurückgekehrt und wurde aufgefordert, ihre noch ausstehende Haftstrafe anzutreten. Sie ist dieser Aufforderung nachgekommen und jetzt im Ewin-Gefängnis.
Am Sonntag, den 24. September 2012, ist auch Mehdi Haschemi, der jüngste Sohn von Ajatollah Haschemi Rafsandschani, in Begleitung seiner Schwester Fateme Haschemi, aus London zurück gekehrt. Er wurde gleich bei seiner Rückkehr verhaftet und ins Ewin-Gefängnis gebracht. Ihm werden politische und wirtschaftliche Delikte vorgeworfen.
Seine Schwester, Fateme Haschemi, erklärte gegenüber der reformistischen Webseite „Kalame“: „Die Diebe und Spione werden im Land auf freien Fuß gesetzt und haben kein Problem. Ein Problem für die ist aber Herr Haschemi (sie meint ihren Vater, den Ajatollah) und seine Familie, weil sie auf der Seite des Volkes stehen.“

Kommentar:
Diese Äußerung bringt etwas Licht ins Dunkel. Denn die Verhaftungen werfen eine Reihe von Fragen auf:
1. Fa‘ese Haschemi wusste, dass ihre Haftstrafe jederzeit vollstreckbar ist, sie konnte aber aufgrund der gestärkten Position ihres Vaters kürzlich aus dem Iran ausreisen und nach London fliegen. Wieso ist sie zurückgekehrt?
2. Mehdi Haschemi lebte seit drei Jahren in London, angeblich zu Studienzwecken. Er wollte aber nicht zurückkehren, wohl, weil er dem Regime misstraute. Wieso ist er jetzt trotzdem zurückgekehrt?
3. Wieso ist Fateme Haschemi mit ihrem Bruder in den Iran zurückgekehrt, obwohl auch sie von seiner bevorstehenden Verhaftung wissen musste?
4. Im Zeitalter von SMS und e-mail kann ein Vater wie Ajatollah Haschemi Rafsandschani seine Kinder in Sekundenschnelle informieren, wenn er etwas Bedrohliches für sie feststellt. Er hat als ehemaliger Präsident und als eine der wichtigsten Personen des Regimes derart viele Kontaktleute unter sämtlichen Staatsorganen, dass ihm Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nicht geheim geblieben sein können.
Es spricht alles dafür, dass die Beteiligten wussten, dass eine Verhaftung bevorsteht, und angesichts der iranischen Verhältnisse liegt der Verdacht nahe, dass die Kinder des Ajatollahs zu „Helden“ hochstilisiert werden sollen, um so einen scheinbaren Wechsel an der Spitze vorzubereiten und Ajatollah Chamene‘i abzulösen. Das spricht dafür, dass beide Seiten sich vorher abgesprochen haben. In einem Staat der Geschlechterapartheid ist es auch ein Vorteil, dass ein Mann und eine Frau ins Gefängnis kommen, damit sie jeweils unter den Mitgefangenen entsprechend Werbung machen können. Denn eins darf man nicht vergessen: Die iranische Elite ist im Gefängnis oder hat es durchlaufen, es ist der politischste Ort des Landes.

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Iran – Syrien: General Abedin Chorram in Syrien verhaftet

Die Gegner der syrischen Regierung haben vor etwa einem Monat einen Bus entführt, in dem sich iranische Pasdaran befanden. Zu den Entführten – oder Verhafteten, je nach Perspektive – gehört General Abidin Chorram, der den iranischen Revolutionswächtern (Pasdaran) angehört. Während der Oberbefehlshaber der Pasdaran, General Mohammad-Ali Dscha‘fari kürzlich öffentlich bestätigte, dass iranische Einheiten in Syrien und im Libanon tätig seien, behaupteten iranische Regierungsvertreter, es habe sich bei den betroffenen Personen um pensionierte Militärs gehandelt.

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Iranischer Kriegsverbrecher am Werk

Der Oberbefehlshaber der Pasdaran (Revolutionswächter) General Mohammad-Ali Dscha‘fari machte am 22. September 2012 gegenüber der iranischen Nachrichtenagentur ISNA folgende Äußerungen:
„Niemand traut sich, den Iran anzugreifen. Wann es dazu kommt, ist nicht klar. Die Islamische Revolution kennt keine Grenzen und unsere Erfahrungen sind nicht nur auf uns selbst beschränkt, vielmehr müssen wir die Erfahrungen, die wir während der Revolution und besonders in den acht Jahren heiliger Verteidigung (gemeint ist der irakisch-iranische Krieg) gemacht haben, aktualisieren und auch auf andere übertragen.“
„Der Schandflecken (lakke-ye nang) und das Krebsgeschwür (ghodde-ye saratani), sprich Israel, haben einen Krieg gegen uns im Sinn, aber wann es zum Krieg kommt, ist nicht klar.“
„Derzeit kennen sie nur den Krieg als Mittel zur Bekämpfung, aber sie sind so dumm, dass ihre Herren sie zurückhalten müssen.“
„Wenn sie etwas vom Zaun brechen, wird das der Punkt ihrer Vernichtung und der Abschluss ihres Abenteuers sein. Es wird schließlich dazu kommen, denn die Revolution eilt mit schnellen Schritten auf ihre Ziele zu. Das werden sie nicht ertragen, und ein Tag wird schließlich die Bedingungen für einen Krieg schaffen.“
„Auch beim Einsatz des Verstandes wird es dazu kommen. Alle wissen, dass sie gegen die Stärke des Systems der Islamischen Republik, die insbesondere in den 30 Jahren seit der Revolution entstanden ist, nicht ankommen, aber es gibt keine Garantie, dass sie den Verstand anwenden, und es ist möglich, dass schließlich Wahn und Verrücktheit die Oberhand gewinnen.“

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Islamisches Paradies im Iran

Das Paradies im Iran hat längst begonnen: Vor den Läden für Grundnahrungsmittel Schlange stehen, verbilligte Waren gegen Coupons, und jetzt das – selbst eine eingefleischte Regierungszeitung wie „Dschomhurije Eslami“ (Islamische Republik), die stets die Position des Religiösen Führers und der Fundamentalisten vertreten hat, spart Papier. Seit dem 20. September 2012 erscheint die Zeitung Dschomhurije Eslami jeden Donnerstag nur in der halben Stärke mit 8 statt 16 Seiten. Der Grund: Die Papierproduktion im Iran ist zu gering, und mit Importen sieht es angesichts mangelnder Devisen auch nicht besser aus.
Wie sagte Ajatollah Chomeini doch zu Lebzeiten: Wirtschaft ist für die Esel! Und die lesen bekanntlich keine Zeitung.

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Ahwas (Iran): 1700 Arbeiter in Zwangsurlaub

Vor einem Jahr wurde in der iranischen Erdölstadt Ahwas mit dem Bau einer U-Bahn begonnen. Jetzt wurden 1700 Arbeiter vom Unternehmer nach Hause geschickt, weil der Nationale Entwicklungsfonds „Sanduq-e Melli-ye Tousse‘e“ ihm keine Kredite gab. Die Arbeiter haben den Lohn für die letzten fünf Monate Arbeit bis heute nicht gesehen!

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Iran: Lehrerinnen als Tagelöhner


Im Iran ist es eine verbreitete Unsitte geworden, Lehrerinnen und Erzieherinnen in staatlichen Kindergärten nicht fest einzustellen, sondern als Tagelöhner mit einem kleinen Betrag ohne Versicherung und Rente abzuspeisen. Es gibt viele, die schon seit 10 Jahren in dieser Situation leben. Aus diesem Grund versammelten sich Mitte September 50 Vertreterinnen dieser Berufsgruppen aus 50 verschiedenen iranischen Städten vor dem iranischen Parlament und forderten, ihre rechtliche Lage endlich zu klären. Die Frauen haben genug von den leeren Versprechen, die die Behörden bis jetzt immer abgaben.

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Persischer Teppich: Politik – Wirtschaft – Kultur

Was sagt Ihnen der Begriff „Persischer Teppich“ in wirtschaftlicher, sozialer, historischer und politischer Hinsicht?
Alle diese Punkte, die Sie aufgezählt haben, spielen beim Teppich eine Rolle.
Nach der Sprache und der Dichtkunst ist der Teppich eine der prägendsten Merkmale der persischen Kultur.
Architektur, Malerei, Farbe und Musik – alle sind in der persischen Teppichkunst vertreten.
Musik? Ja, ich habe mit Musikern gesprochen, die meinten, sie spürten die Musik, die in die Teppiche eingewoben ist. Die Struktur, die Knoten finden ihr Echo im Rhythmus der Musik und in den Noten.
Auch die Rohstoffe, aus denen die Teppiche hergestellt werden, spiegeln die wirtschaftliche Struktur und die Natur des Irans wieder. Schafwolle, Kamel- und Ziegenhaar, die Baumwolle, die mitunter für bestimmte Stellen des Teppichs eingesetzt wurde, die Pflanzen, aus denen die Teppichfarben gewonnen wurden, das Holz der Webrahmen, alles ist Teil der iranischen Landschaft und Lebensweise. Auch die Themen, die auf dem Teppich dargestellt werden, drücken die Eigenheiten des Landes aus.


Teppichreparatur

Der Teppich ist der Ausweis der verschiedenen Regionalkulturen und Völker im Iran. In ihm kommen die Geschichte und die verschiedenen Traditionen zum Ausdruck. So können Sie einen Teppich aus Bidschar problemlos von einem Teppich aus Kerman unterscheiden.

Die wirtschaftliche Bedeutung des iranischen Teppichs
Die wirtschaftliche Bedeutung des iranischen Teppichs kann man nicht unterschätzen. Viele Menschen haben mit dem Teppichweben ihr Auskommen verdient, sie tun es noch heute und werden es auch in Zukunft tun. So wichtig war der Teppich für das Überleben, dass in Zeiten des Krieges, wenn der Iran zum Beispiel von den Mongolen oder Arabern überfallen wurde, wenn die Städte und Dörfer zerstört wurden, das Teppichweben eine der Künste war, die das Weiterleben sicherten. Man baute an sicheren Orten Webstühle auf, mit dem Holz aus den Bäumen, die man zur Verfügung hatte, und fing wieder an Teppiche zu weben oder zu knüpfen und zu verkaufen. Der Teppich war der Ausdruck des Überlebenswillens. Der Rhythmus des Webens hatte auch etwas Beruhigendes an sich, ein Gegengewicht zur Unsicherheit und den Schrecken der Zeit.

Die politische Bedeutung des Teppichs
Was die politische Bedeutung des Teppichs angeht, liegt sie heute auf der Hand. Denn mit der Revolution von 1979 hat der Staat die Kontrolle über die Teppichherstellung übernommen. So hat der Staat Genossenschaften gegründet – ich bin nicht gegen Genossenschaften, aber in der Form, wie der islamische Staat dies durchgeführt hat, waren die Folgen ruinös. Statt die kleinen, unabhängigen Teppichwebern und die größeren privaten Teppichmanufakturen zu fördern, die entweder eigene Webstühle hatten oder im Verlagssystem Wolle und Farben an verschiedene Weber verteilten und dann die Teppiche einsammelten, trat der Staat als weiterer Konkurrent im System auf, der seine eigenen Interessen verfolgte und eine staatliche Produktion aufbaute. Der Staat versuchte, alles unter seine eigene Kontrolle zu bringen. So weigerte sich der islamische Staat, die Teppichweber gesetzlich als „Arbeiter“ zu definieren, mit der Folge, dass sie weder Versicherung noch Rechte hatten, sie konnten jederzeit entlassen werden und durften nicht einmal eine amtliche Gewerkschaft unter dem Namen eines „Andschoman-e Eslami“ (Islamischer Verein) der Teppichweber gründen. Denn das hätte die Position der Teppichweber gegenüber dem Staat gestärkt, der nun selbst als Arbeitgeber in diesem System auftrat. Solange die Arbeiter gegenüber den großen Fabrikanten und dem Staat rechtlich und materiell nicht abgesichert waren, war die Wahrscheinlichkeit gering, dass sie sich gewerkschaftlich organisierten und zu einer politischen Kraft wurden.

Was für Teppiche gibt es im Iran, wie unterscheiden sie sich?
Nun, diese Frage ist reichlich allgemein gestellt. Jedenfalls will ich vorausschicken, dass der persische Teppich heute nicht mehr die frühere wirtschaftliche Bedeutung hat und in einer tiefen Krise steckt. Früher wirkten im Iran etwa 20.000 Dörfer an der Teppichherstellung mit, man kann also von 20.000 verschiedenen Arten von Teppichen sprechen. Wenn wir die Teppichmuster noch geschichtlich zurückverfolgen, kommen wir gut und gern auf eine Million verschiedener Muster. Nehmen wir ein Beispiel: Das Fischmuster ist allgemein bekannt. Man kann es groß oder klein weben, auf große oder kleine Teppiche aufbringen, in verschiedenen Farben färben, man kann daraus den Mahi-ye zanburi (den „Bienenfisch“), den Fisch von Aras machen… Ich habe einmal einen Teppich gesehen, den die Mutter angefangen und die Tochter, die bei ihrer Mutter gelernt hat, fertig gestellt hat. Obwohl Muster und Material identisch war, waren die beiden Teile trotzdem verschieden, für einen Fachmann, nicht für den Laien.

Vom Fisch zum Blatt
Solche Unterschiede beobachtet man freilich nur in den Dörfern und bei den Nomandenstämmen, in der Stadt, in den Fabriken, bekommt der Arbeiter ein bestimmtes Muster vorgeschrieben, da sind die Teppiche dann alle gleich.
Wenn man in der Geschichte zurückgeht, stellt man fest, dass die Sonne und links und rechts davon zwei Fische ein altes Motiv in Steinreliefs und Gemälden sind, das auf die Gottheit Mithra hinweist. Später wurde dieses Motiv (von der Religion) aus der Malerei verdrängt, alles, was „Seele besitzt“ (dhi ruh), wurde in der bildlichen Darstellung verboten, aber in den Teppichen lebte es weiter, teilweise jedoch nicht mehr als „Fisch“, sondern unter der Bezeichnung „gekrümmtes Blatt“. Wenn man genau hinschaut, sieht man aber, dass ein Fisch dargestellt ist.

Der arme Verwandte vom Dorf
Was die Frage nach der Verschiedenheit der Teppiche angeht, muss man auch eins sehen. Wenn man im Iran von Teppichen spricht, hat die Bezeichnung „Farsch-e dehati“, „Dorf-Teppich“, oft eine abwertende Bedeutung, er gilt als geringwertiger Teppich, obwohl gerade darin die kulturelle Vielfalt des Landes zum Ausdruck kommt. Was als wertvoll galt, waren zum Beispiel die fein gewobenen Teppiche aus Isfahan. Das waren die teuren Teppiche, die auf dem Basar geschätzt wurden. Erst allmählich dämmert es manchen, dass der größere Reichtum des Landes in den Dorf-Teppichen versteckt ist. Wieviele Besonderheiten kann man zum Beispiel aus den Teppichen der Nomadenstämme herauslesen! Und wenn Sie diese groben Dorf-Teppiche nehmen und fünfzig Jahre darauf herumtrampeln, dann merken sie auf einmal, dass er weicher geworden ist. Dieser Teppich lebt und verändert sich ständig. Der Teppich aus Isfahan ist zwar ein Luxusgut, ein Schmuckgegenstand, aber nicht mehr.

Rolle von Mann und Frau bei der Herstellung von Teppichen
Wie steht es um die Verteilung der Geschlechter, um die Rolle von Mann und Frau, bei der Herstellung von Teppichen?
Bei der Herstellung von Teppichen gibt es nicht nur die Tätigkeit des Webens oder Knüpfens, sondern 32 weitere Tätigkeiten, die damit in Zusammenhang stehen. Wenn man nur das Weben und Knüpfen anschaut, so werden die feinen, festen Teppiche, namentlich die aus Tabris, vorwiegend von Männern hergestellt. Die „Dorf-Teppiche“ dagegen sind meist das Werk von Frauen. Allerdings hat die Bevorzugung der feinen, städtischen Teppiche durch die Käufer allmählich die Vorstellungen und Normen verändert, so dass diese Trennung heute nicht mehr so deutlich ist. Wenn aber die Frauen beim Weben und Knüpfen überwiegen, so sind die Männer in den 32 anderen Berufen, die damit zu tun haben, klar in der Mehrheit.

Kinderarbeit
An dieser Stelle will ich auch auf die Kinderarbeit eingehen. Erstens können Kinder keine guten Teppiche herstellen, denn das Weben erfordert eine gewisse Einsicht und Verständnis, das Kinder noch nicht haben. Kinderarbeit ist auch nicht speziell mit der Teppichherstellung verbunden, sie hängt von der Entscheidung der Familie ab. Kinder sind genauso auch in Ziegelbrennereien oder in der Gerberei beschäftigt. Die fehlende staatliche Kontrolle der hygienischen und Sicherheitsbedingungen hat dazu geführt, dass Kinder ausgebeutet wurden. Heute ist das aber nicht mehr so üblich, die Kinder selbst zeigen kein Interesse an dieser Arbeit und die Eltern schicken sie auch nicht mehr zu solchen Arbeiten.


Handwebstuhl

Frauenarbeit, Männerarbeit?
Um auf die Geschlechterverteilung zurückzukommen: Noch sind es mehrheitlich Frauen, die in Heimarbeit Teppiche weben. Jetzt geht der Staat hin, stellt eine Fabrik mit Arbeiterwohnungen auf und holt die Familien aus ihren Dörfern, aus ihrer Umgebung, und trennt sie so auch von ihren lokalen Traditionen. Früher war es üblich, dass die Frau mit ihrem Mann auf dem Feld arbeitete und zu Hause am Webstuhl arbeitete, im Familienkreis, alles war noch beisammen. Dadurch hat der Staat viel kaputt gemacht, aber die Heimarbeit bestimmt auch heute noch das Bild.
Welche anderen Berufe sind denn noch am Herstellungsprozess beteiligt?
Dazu gehört der Spinner (Nachriiss), der den Faden spinnt, der Tschellekesch, der die Kette (also den senkrechten Faden) am Webrahmen festknüpft, der Färber (Rangras), der Rofukar oder Maremadkar, der beschädigte Teppiche repariert, der Ostadkar, der die Teppichmuster kennt und die Einzelschritte der Weberinnen anleitet, der Tarrah, der Teppichmuster entwirft, der Pardachtgar, der den gewebten Teppich schert, um ihm den abstehenden Flaum und die Flusen zu nehmen, Zimmerleute (Nadschar), die den Webrahmen herstellen, neuerdings sind auch einige zusätzliche Berufe hinzugekommen, einer, der darin besteht, nur die Ränder des Teppichs fertigzustellen, ein anderer, die fertigen Teppiche zu färben, und der gleichen unnötigen Dinge. Solche Neuerungen haben sich nicht zum Besten auf die Tradition des Teppichknüpfens ausgewirkt. So wird der fertige Teppich heute mit großen Waschmaschinen gewaschen, die eigentlich für das Waschen von Kleidung gedacht sind. Den Teppich macht man so kaputt…

Die Armut erzeugt schlechte Teppiche, und schlechte Teppiche erzeugen Armut
Vor Eintritt der Krise waren im Iran zwei Millionen Menschen an der Herstellung von Teppichen beteiligt. Jetzt sind es vielleicht nur noch die Hälfte, die aktuell damit beschäftigt sind, aber die anderen sind bereit, wieder einzusteigen, wenn sich die Lage bessert. Wenn man berücksichtigt, dass diese Menschen mit der Arbeit für den Unterhalt der Familie sorgen, sind geschätzte 10 Millionen Menschen von der Teppichherstellung abhängig.

Wer verdient am meisten im Teppichgeschäft?
Die Löhne der Teppichweber waren nicht so schlecht, wie es gewöhnlich heißt, zumindest bei denen, die gute Teppiche herstellten. In der Vergangenheit waren es vor allem die Designer (Tarrah), die die Muster entwarfen, die bezogen das beste Einkommen. Der Tarrah hatte die Stellung eines Künstlers und wurde für seine Arbeit gut bezahlt. Sie waren so spezialisiert, dass sie praktisch ein Monopol auf diese Arbeit hatten und keiner sie ersetzen konnte. Das ist leider zu Ende, denn jetzt hat das Entwerfen von Mustern mit Hilfe des Computers im Teppich-Design Einzug gehalten, und damit sind auch die Löhne drastisch gefallen. Das war das Ende für ein ganzes Künstlergewerbe.
Am meisten am Teppich verdient natürlich der Exporteur, aber mir ging es darum, zu zeigen, wie es den mit den Löhnen im Herstellungsprozess aussieht. Wenn man sich die Löhne der WeberInnen anschaut, waren die vor der Krise nicht schlecht, aber das hing natürlich auch von der Qualität ab. Im Nordosten des Irans, in Chorassan, wurden zum Beispiel viele gefälschte Teppiche oder solche schlampiger Qualität hergestellt, da verdienten auch die Weber wenig. In Isfahan, Qom oder Tabris verdienten die Weber gut, aber dort haben viele für ein besseres Einkommen ihre Augen ruiniert, weil sie zu viel an dem feinen Gewebe arbeiteten.
Heute muss man sagen: Die Armut erzeugt schlechte Teppiche, und schlechte Teppiche erzeugen Armut.
Auch heute noch bekommt man für einen guten Teppich gutes Geld, aber generell muss man sagen, dass die rechtliche Stellung der Weber miserabel ist. In der Politik wurde zwar immer wieder Mitleid mit ihrer miserablen Stellung geäußert, da sie nicht einmal krankenversichert sind, aber in der Praxis hat weder das Arbeitsministerium, noch die Sozialversicherung selbst etwas unternommen, um die Arbeiter zu versichern. Der Basar war sowieso schon immer dagegen. Es wurden zwar ein paar Gesetze verabschiedet, aber die beziehen sich nur auf dauerhaft angestellte Arbeitskräfte, und die sind in diesem Sektor nicht zu finden.


Über 100 Jahre alter Teppich aus Kashan

Heimarbeit und industrielle Fertigung
Mit Hilfe von Maschinen hergestellte Teppiche sind vergleichbar mit Textilien. Es sind Güter für den schnellen Verbrauch. Ein handgefertigter Teppich kann auch 500 Jahre halten, wir haben heute noch Teppiche aus der Zeit der Safawiden-Dynastie. Ein Industrieteppich bleibt im besten Fall ein Jahr gut erhalten, danach beginnen Mängel aufzutreten. Man macht zwar Werbung für die Industrieteppiche, sie seien gut und billig, aber das stimmt nicht.
Die iranischen Maschinenteppiche werden zum Teil auch nach Dubai exportiert, der Iran importiert seinerseits welche aus der Volksrepublik China und Pakistan. Der handgertigte Teppich nahm früher den zweiten Platz im Wert der iranischen Exportgüter ein, direkt nach dem Erdöl. Heute, mit den Wirtschaftssanktionen, ist das freilich nicht mehr der Fall. Heute stellen vor allem Teppiche aus China und Pakistan eine Konkurrenz auf dem Weltmarkt dar, freilich, indem diese persische Muster nachahmen. Die Gründe für deren Erfolg liegen nicht nur in den niedrigeren Löhnen dort, sondern in den Fehlern der politischen Führung im Iran. Es wurde zu wenig Wert auf gute Qualität der handgefertigten Exportteppiche gelegt, es wurden Fälschungen toleriert – so haben wir unsere Stellung auf dem Weltmarkt verloren, die früher konkurrenzlos war. Aus diesem Grund ist es auch sinnvoll, beim Teppichkauf einen Fachmann dabei zu haben, um schlechte Ware von guter unterscheiden zu können. Der Hauptgrund, warum wir auf dem Teppichmarkt abgesunken sind, ist weder bei den Sanktionen noch bei der Konkurrenz zu suchen. Es ist unsere politsche Führung mit ihrer falschen Qualitätspolitik und den fehlenden Investitionen in diesem Sektor. Aus einem Kunstwerk haben sie ein seelenloses Handelsgut gemacht.

Teppich-Fachhochschulen: die Ideologen bleiben nicht auf dem Teppich
Der Staat hat zum Beispiel eine Reihe von Teppich-Fachhochschulen geschaffen. Aber die Studierenden, die sich dort einschreiben, bekommen wenig über die Teppichkultur zu hören und werden vor allem auf islamisch-theologische Kenntnisse geprüft. Themen wie Ästhetik oder die Kenntnis von den verschiedenen Volkskulturen bleiben außen vor. Welches Fachwissen kann ein Absolvent einer solchen Fachhochschule später bei der Teppichherstellung einbringen? Hinzu kommt auch die falsche Auswahlpolitik für die Zulassung an den Hochschulen. Die Studierenden werden nicht nach ihren Interessen und Fähigkeiten ausgewählt, sondern danach, ob sie dem Regime ideologisch nahe stehen. Dadurch, dass die Hochschule kein Fachwissen vermittelt, bleiben die männlichen Studenten aus, die feststellen, dass sie mit dem Abschluss keine Arbeit im Teppichsektor finden, während die Studentinnen, die in dieser – außerhalb der Webarbeiten – von Männern besetzten Sparte sowieso keine Aussicht auf Arbeit haben, das Fach nur studieren, um am Ende einen Abschluss in der Hand zu haben, damit sie irgendwo als Sekretärin oder Angestellte eine Arbeit finden. Auf der anderen Seite haben auch die Lehrkräfte häufig keine Erfahrung, wie sie das Thema unterrichten sollen, weil dieses Fach Neuland ist, und wenn man bedenkt, dass einige von ihnen bis zu zwei Jahre ihren Lohn nicht erhalten, kann man sich leicht vorstellen, dass es mit der Vermittlung von Wissen auch auf dieser Seite nicht zum Besten steht.
Während in anderen Fachbereichen am Abschluss des Studiums eine Abschlussarbeit erforderlich ist, wurde diese Bedingung an den Teppich-Fachhochschulen abgeschafft. Denn dazu hätten die Studentinnen in die Dörfer reisen und eigene Nachforschungen anstellen müssen, und das ist staatlich nicht erwünscht. Die Abschlussnote der Studierenden ist daher nur ein Durchschnitt aus den verschiedenen Fächern (z.B. Theologie), eine extra Abschlussarbeit gibt es nicht. Entsprechend gering ist der Wert des Abschlusses, und so ist es eine der ersten Fragen, die die Studenten ihren Lehrkräften stellen: „Was für eine Arbeit kann ich denn mit meinem Abschluss später finden?“ Eine Frage, auf die es keine Antwort gibt.

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Iran – Berlin: 20 Jahre Mykonos

Am 16. September 2012 jährte sich das Mykonos-Attentat in Berlin zum 20. Mal. Damals hatte die Islamische Republik Iran die Führung der Demokratischen Partei Kurdistans (Iran) in Berlin umbringen lassen. Der Mordanschlag, der mehrere Todesopfer forderte, brachte einem der Drahtzieher, Kasem Darabi, eine lebenslängliche Haftstrafe ein. Auf der Gerichtsverhandlung in Berlin wurde auch deutlich, dass der Mordanschlag auf deutschem Boden vom Iran aus angeordnet wurde. Verantwortlich war ein Komitee folgender personeller Zusammensetzung:
Ajatollah Chamene‘i, der Religiöse Führer der Islamischen Republik Iran,
Ajatollah Akbar Haschemi Rafsandschani, damals Präsident,
Ali Fallahian, damals Geheimdienstminister,
Ali-Akbar Welajati, damals Außenminister,
Mohammad Ray-Schahri, einer der früheren Geheimdienstminister,
Mohsen Resa‘i, damals Oberbefehlshaber der Pasdaran,
Resa Seyfollahi, damals Oberbefehlshaber des Geheimdienstes der Pasdaran,
Ajatollah Chas‘ali, Mitglied des Wächterrats.
Wie man sieht, sind zentrale Figuren noch immer in Amt und Würden. Es ist bezeichnend, dass die deutsche Politik kein Interesse daran zeigt, dass diese Täter gerichtlich belangt werden. Nicht einmal die Erinnerung an diesen unerhörten Mord wird wachgehalten.
Man sieht auch, dass die Schreibtischtäter sich später auf die „Prinzipialisten“ und „Reformisten“ verteilen, es sind beides die Kinder des gleichen Geistes. Kein Wunder, warum die iranische Bevölkerung wesentlich weniger von ihnen hält als viele europäische Politiker, die nur die Geschäfte mit dem Iran vor Augen haben.

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Iran: Mit verbundenen Augen


Ramin Dschahanbegoglu

Der iranische Philosoph Ramin Dschahanbegoglu, der auch an der Pariser Sorbonne und in Harvard studiert hat, wurde nach den gefälschten Präsidentschaftswahlen von 2009 ebenfalls verhaftet. Er kam daraufhin in Trakt 209 des Ewin-Gefängnisses in Teheran, wo er in Einzelhaft gehalten wurde. Trakt 2009 sei ein Schritt in die Hölle gewesen, wie er berichtet. Dort haben die Beamte freie Hand, alles zu tun, um die Gefangenen zu entwürdigen und zu brechen.
In seinen Erinnerungen schreibt er, dass es besonders schrecklich für ihn war, seinen Folter- und Verhörbeamten mit verbundenen Augen gegenüberzustehen. Er erinnert sich auch, dass er im Korridor das Kreischen von Kanarienvögeln hörte. Das diente dazu, die Schreie von den Gefolterten aus dem unteren Geschoss zu übertönen.

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Irans Truppen in Syrien: Alles nur humanitär, oder was?


Oberbefehlshaber der Pasdaran-Streitkräfte der Islamischen Republik Iran General Mohammad-Ali Dscha‘fari

Am Sonntag, den 16. September 2012, bestätigte der Oberbefehlshaber der Pasdaran-Streitkräfte der Islamischen Republik Iran General Mohammad-Ali Dscha‘fari in einem Interview mit der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur ISNA, dass verschiedene Einheiten der Pasdaran (Revolutionswächter) in Syrien anwesend sind.
So sei die Pasdaran-Einheit „Nehsat-haye eslami“ (Islamische Bewegungen) in Syrien, deren Aufgabe es sei, die „Entrechteten“ zu unterstützen und die islamische Revolution zu exportieren. Eine weitere Einheit, Sepah-e Qods (die „Jerusalem“-Einheit), sei ebenfalls zugegen. Ihr Ziel sei es, die Unterdrückten zu verteidigen, namentlich unterdrückte islamische Völker.
Natürlich diene das alles nur humanitären Zwecken. Seit die iranischen Truppen in Syrien stationiert seien, habe das Morden der Gegner unter der syrischen Bevölkerung abgenommen. Und generell seien viel weniger iranische Truppen in Syrien präsent als solche aus anderen arabischen Staaten.
Aus anderen Quellen heißt es, die iranischen Truppen dienten vor allem dazu, die Reihen in der syrischen Armee zu füllen, die sich nach dem Überwechseln von Soldaten auf die Seite der Gegner gelichtet hätten.

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Iranisch-Aserbaidschan: die Kälte kommt


Während die Erdbebenopfer in Iranisch-Aserbaidschan noch immer in Zelten überdauern, nähert sich der Winter.

Es zieht, die Löcher in der Zeltplane werden geflickt.

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Iran: Inflation macht dumm

Karam-Ali Samanipur, der Sekretär des Arbeiterhauses (einer vom Staat gebildeten „Gewerkschaft“) aus Sawedschbalaagh südwestlich von Teheran ist jetzt mit der Forderung an die Öffentlichkeit getreten, staatliche Gutscheine an die Arbeiterfamilien auszuteilen, damit diese mit Beginn des neuen Schuljahrs die notwendigen Utensilien (Papier, Stifte) für ihre Kinder kaufen können. Wie er sagt, kostet die Ausstattung einer Schülerin oder eines Schülers rund 150.000 Tuman – eine Folge der Inflation. Ein Arbeiter verdient im Schnitt 350.000 Tuman im Monat, das heißt, mit der Ausstattung zweier Kinder für die Schule bleibt der Familie so gut wie nichts mehr übrig.
Es liegt nahe, dass viele Familien ihre Kinder nicht mehr in die Schule schicken, wenn keine staatliche Hilfe kommt.

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Iran: Wer im Glashaus sitzt…


Mostafa Purmohammadi

Mostafa Purmohammadi, ehemaliger Innenminister unter Ahmadineschad und später von Ajatollah Chamene‘i als Leiter der Obersten Kontrollbehörde eingesetzt, war kürzlich an die iranische Öffentlichkeit getreten und hatte Rahimi, einen engen Mitarbeiter und ersten Stellvertreter von Präsident Ahmadineschad beschuldigt, in schwere Wirtschaftsdelikte verwickelt zu sein.
Statt eines Dementis versucht Rahimi seinerseits, Mostafa Purmohammadi zu diskreditieren. So erklärtet Rahimi, dass Purmohammadi in seiner Zeit als Innenminister illegal 21 Milliarden Tuman (ca. 20 Millionen Dollar) aus dem Budget des Innenministeriums an bestimmte Personen verteilt habe, ohne dass das Geld je wieder zurückgezahlt worden sei.
Die im Iran erscheinende Zeitung „Iran“, die dem Umfeld von Präsident Ahmadineschad zuzurechnen ist, veröffentlichte weitere Details über Korruptionsvorwürfe gegen den ehemaligen Innenminister.

500 Geisterbusse aus China
So habe er in seiner Amtszeit einem gewissen Kawus unter Umgehung sämtlicher Vorschriften und ohne Sicherheiten 10,5 Milliarden Tuman (ca. 10 Millionen Dollar) gegeben, damit dieser 500 Busse aus der Volksrepublik China importiere. Weder vom Geld noch von den Bussen habe seither jemand etwas gesehen. Kawus sei zudem zuvor aus einem sensiblen Ministerium entlassen gewesen und schon aus dem Grund rechtlich gar nicht qualifiziert gewesen, einen solchen Auftrag entgegen zu nehmen.

Mas‘ud M. – der Mann, der zuviel wusste
Damit nicht genug. Wie die Zeitung „Iran“ weiter schreibt, sei im Zusammenhang mit dem Verfahren wegen der Veruntreuung von rund 3 Milliarden Dollar im iranischen Banksystem vor Gericht auch der Name von Mas‘ud M. gefallen. Mas‘ud M. war zu diesem Zeitpunkt Berater von Mostafa Purmohammadi, dem Leiter der Obersten Kontrollbehörde. Zwei Tage nach der Nennung seines Namens vor Gericht wurde Mas‘ud M. tot aufgefunden. Die Zeitung „Iran“ deutet damit zwischen den Zeilen an, dass Purmohammadi ihn umbringen ließ, bevor dieser ihn vor Gericht belasten konnte.

Vorwahlkampf auf iranisch
Dass so schwere Vorwürfe unter Namensnennung von staatsnahen Zeitungen in die Öffentlichkeit getragen werden, ist kein Zeichen für mehr Pressefreiheit im Iran, sondern ein Hinweis auf den Krieg an der Spitze. Die Leute um Ajatollah Chamene‘i versuchen, das Umfeld von Ahmadineschad für die nächsten Präsidentschaftswahlen in den Augen der Wähler unglaubwürdig zu machen, als Retourkutsche lässt Ahmadineschad Leute bloßstellen, die als Konkurrenten auf der Wahl auftreten wollten, wie z.B. Purmohammadi. Es ist anzunehmen, dass die Vorwürfe beider Seiten zutreffen, obwohl sie sonst nicht gerade als wahrheitsliebende Menschen bekannt sind. Denn die Gegenseite ist stark und kann sich wehren, also wird man vor allem zu solchen Vorwürfen greifen, die gut dokumentiert sind.

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