Iran: Zwei Kinder von Ajatollah Haschemi Rafsandschani im Gefängnis


Der beleibte Herr links ist Mehdi Haschemi, bei seiner Ankunft am Chomeini-Flughafen in Teheran.
Hier wurde er verhaftet.

Fa‘ese Haschemi, die ältere Tochter von Ajatollah Haschemi Rafsandschani, war schon früher wegen ihrer Beteiligung an den Protesten nach der Fälschung der Präsidentschaftswahlen von 2009 zu einer mehrmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Zwischenzeitlich war sie in Großbritannien, ist jetzt aber wieder zurückgekehrt und wurde aufgefordert, ihre noch ausstehende Haftstrafe anzutreten. Sie ist dieser Aufforderung nachgekommen und jetzt im Ewin-Gefängnis.
Am Sonntag, den 24. September 2012, ist auch Mehdi Haschemi, der jüngste Sohn von Ajatollah Haschemi Rafsandschani, in Begleitung seiner Schwester Fateme Haschemi, aus London zurück gekehrt. Er wurde gleich bei seiner Rückkehr verhaftet und ins Ewin-Gefängnis gebracht. Ihm werden politische und wirtschaftliche Delikte vorgeworfen.
Seine Schwester, Fateme Haschemi, erklärte gegenüber der reformistischen Webseite „Kalame“: „Die Diebe und Spione werden im Land auf freien Fuß gesetzt und haben kein Problem. Ein Problem für die ist aber Herr Haschemi (sie meint ihren Vater, den Ajatollah) und seine Familie, weil sie auf der Seite des Volkes stehen.“

Kommentar:
Diese Äußerung bringt etwas Licht ins Dunkel. Denn die Verhaftungen werfen eine Reihe von Fragen auf:
1. Fa‘ese Haschemi wusste, dass ihre Haftstrafe jederzeit vollstreckbar ist, sie konnte aber aufgrund der gestärkten Position ihres Vaters kürzlich aus dem Iran ausreisen und nach London fliegen. Wieso ist sie zurückgekehrt?
2. Mehdi Haschemi lebte seit drei Jahren in London, angeblich zu Studienzwecken. Er wollte aber nicht zurückkehren, wohl, weil er dem Regime misstraute. Wieso ist er jetzt trotzdem zurückgekehrt?
3. Wieso ist Fateme Haschemi mit ihrem Bruder in den Iran zurückgekehrt, obwohl auch sie von seiner bevorstehenden Verhaftung wissen musste?
4. Im Zeitalter von SMS und e-mail kann ein Vater wie Ajatollah Haschemi Rafsandschani seine Kinder in Sekundenschnelle informieren, wenn er etwas Bedrohliches für sie feststellt. Er hat als ehemaliger Präsident und als eine der wichtigsten Personen des Regimes derart viele Kontaktleute unter sämtlichen Staatsorganen, dass ihm Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nicht geheim geblieben sein können.
Es spricht alles dafür, dass die Beteiligten wussten, dass eine Verhaftung bevorsteht, und angesichts der iranischen Verhältnisse liegt der Verdacht nahe, dass die Kinder des Ajatollahs zu „Helden“ hochstilisiert werden sollen, um so einen scheinbaren Wechsel an der Spitze vorzubereiten und Ajatollah Chamene‘i abzulösen. Das spricht dafür, dass beide Seiten sich vorher abgesprochen haben. In einem Staat der Geschlechterapartheid ist es auch ein Vorteil, dass ein Mann und eine Frau ins Gefängnis kommen, damit sie jeweils unter den Mitgefangenen entsprechend Werbung machen können. Denn eins darf man nicht vergessen: Die iranische Elite ist im Gefängnis oder hat es durchlaufen, es ist der politischste Ort des Landes.

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