Archiv für Oktober 2012

Iran: Wenn die Ajatollahs sich für klüger halten als Esel

Von Ajatollah Chomeini, einem der Begründer der Islamischen Republik Iran, ist der Ausspruch überliefert: „Wirtschaft ist was für die Esel.“
Und so sieht auch die Wirtschaftspolitik des Landes aus. Die Geistlichen überführten den Besitz des Schahs und seiner Anhänger in das Eigentum religiöser Stiftungen, die sie selbst kontrollierten. Diese Stiftungen warfen am staatlichen Budget vorbei Gewinne ab, über die sie verfügten wie die Kirchen und Klöster über die Zehnten im Mittelalter.

Pfründe und Basare – die Basis der iranischen Wirtschaft

Die Islamische Republik Iran verfügte über die Einnahmen aus dem Erdöl, das sie verdiente, ohne etwas dafür leisten zu müssen. Wozu braucht man Ahnung von Wirtschaft, wenn das Geld von selbst kommt? Wozu braucht man Landwirtschaft, Handwerksbetriebe oder Industrie, wenn man doch alles für die Erdöl-Dollars importieren kann? Zum Produzieren braucht man Ahnung und Arbeiter, zum Importieren Händler. Die Basarhändler standen schon zu Beginn hinter den Geistlichen. Der Staat sollte keine Steuern von den Händlern eintreiben, dafür spendeten die Händler den Geistlichen, die mit diesen Abgaben für die Ausbildung der nächsten Generation von Geistlichen sorgte. Import ist eine feine Sache: Irgendwer erteilt eine Erlaubnis und bekommt dafür vom Händler sein Bakschisch. Ein Telefonanruf oder eine SMS genügt, und die Gelder fließen. Das ist nicht wie in einem Unternehmen, wo man Kenntnisse von Management benötigt. Connections sind wichtiger als Kenntnisse.

Der Import ruiniert die Wirtschaft

So lässt sich leicht Geld verdienen, und diese Kunst beherrschen die iranischen Machthaber. Aber diese Kunst des leichten Geldes hat harte Folgen für das Land. Wenn billige Kartoffeln aus Pakistan, billiger Reis aus Indien oder billige Orangen aus Marokko eingeführt werden, ohne dass die eigene Landwirtschaft gefördert wird, gehen die einheimischen Landwirtschaftsbetriebe kaputt und die Bauern werden arbeitslos. Wenn Teppiche, sogar Gebetsteppiche, aus der Volksrepublik China importiert werden, stirbt eines der wichtigsten Handwerke im Iran aus, das viele Haushalte auf dem Land über Wasser hielt. Wenn die Fabriken, die Plastikteile oder Autos herstellen, mit billiger Importware aus Korea oder China konfrontiert werden und unwirtschaftlich arbeiten müssen, weil sie zum Beispiel Spitzel und Kollaborateure des Regimes als Arbeitnehmer in der Fabrik anstellen müssen, obwohl diese nichts leisten, dann landen die Arbeiter auf der Straße. Nicht ein, zwei oder drei, sondern Hunderttausende. Das war die Wirtschaftspolitik der Islamischen Republik Iran.

Islam mit Atomantrieb

Diese Politik allein mag langfristig schon genügen, ein so großes Land mit 70 Millionen Einwohnern zu ruinieren, aber dabei ließen es die Machthaber nicht bewenden. Es gab da ja noch ein ideologisches Programm – den Export der Revolution. Und dieses Exportgut wollte man machtpolitisch absichern, indem man sich die Atombombe zulegte. Was Pakistan darf und Israel, warum sollte es nicht auch der Iran dürfen? Also betrieb die iranische Regierung ein aufwändiges Programm zur Anreicherung von Uran, das für den Bau von Atombomben benötigt wird. Dem Ausland gegenüber sprach man von einem „Recht auf Atomenergie“ und so weiter, aber das war nur Gerede. Es ging und geht um die Bombe. Nachdem immer deutlicher wurde, dass die iranische Regierung – Ajatollahs wie Minister und Präsident – trotz allen gegenteiligen Versprechen weiter an der Atombombe bastelt, fassten die USA und die in der UNO entscheidenden Staaten den Beschluss, dem Iran den Geldhahn abzudrehen. So sollte niemand mehr iranisches Erdöl einkaufen, und Banken, die mit iranischen Banken Geschäfte trieben, drohte der Ausschluss aus dem US-Markt.

Sanktionen – ein Fetzen Papier

Das beeindruckte die Machthaber nicht weiter: Präsident Ahmadineschad erklärte, die UN-Resolution sei nur ein Fetzen Papier, Ajatollah Chamene’i, der Religiöse Führer, rief zu einer „Wirtschaft des Widerstands“ auf. Worte sind billig, aber die Folgen dieser Politik nicht. Mit dem Ausbleiben des Erdöldollars wurden Devisen im Iran rar, Kredite sind nicht mehr zu bekommen, für die Fabriken wichtige Rohstoffe und Einzelteile sind nicht mehr zu bezahlen. Ein Land steht still. Selbst die Devisenhändler haben die Rollläden runtergelassen. Diejenigen, die erspartes Geld in iranischer Währung besaßen, versuchten so schnell wie möglich, es in Gold und ausländische Währung umzutauschen, was die Wechselkurse weiter steigen ließ.

Devisenhändler kann man verhaften, den Dollarkurs nicht

Der freie Fall des persischen Rials sorgte dafür, dass immer mehr Händler auf Dollar umstellten, denn wenn sie für die importierte Ware persisches Geld verlangten, war es am Abend schon nicht mehr so viel wert wie sie am Morgen für den Einkauf bezahlt hatten. Die Folge: Die Nachfrage nach Dollar steigt immer mehr, das Angebot bleibt so klein wie es ist. Also fällt der Kurs des Rial weiter. Diese einfachen Gesetze muss keiner studieren, um sie zu kennen. Was tun die Machthaber? Sie sprechen von ausländischen Feinden und von skrupellosen Devisenhändlern. Den Händlern wird mit Prozessen und Haft gedroht.

Flucht nach vorne

In dieser Situation denkt keiner der Machthaber daran, wie man das Problem lösen könnte, sondern nur, wie er die Schuld am besten seinem Nachbarn in die Schuhe kann. So lässt Ajatollah Chamene’i neuerdings auf den Freitagspredigten gegen den Präsidenten Ahmadineschad hetzen, während Ahmadineschad in Interviews versucht, sich als mutiger Einzelkämpfer gegen die „fetten Pfaffen“ zu präsentieren. Er behauptete jüngst, er habe die Erdöldollars in Form einer Sozialhilfe – Yarane genannt – unter dem Volk verteilen wollen, aber die Geistlichen seien dagegen gewesen, weil sie die Beute unter sich verteilen wollten. Er habe es trotzdem gemacht, und aus lauter Bosheit versuche man ihm jetzt die Schuld an allem zuzuweisen. Auch die Angriffe in der offiziellen Presse gegen seine Person konterte er mit den Worten: „Die bekommen ihr Geld ja selbst aus dem staatlichen Budget.“ Es mag sein, dass Ajatollah Chamene’i seinen Präsidenten Ahmadineschad über die Klinge springen lässt, aber dieser wird sich wohl mit der Veröffentlichung kompromittierender Fakten bei den Machthabern revanchieren. Und so wird die Selbstzerfleischung des Regimes weitergehen, bis es sich allein aus Selbsterhaltungstrieb zu einer Kehrtwende durchringt.

Kehrtwende und alles bleibt beim Alten?

Schluss mit dem Atombombenprogramm und mit dem Export der Revolution nach Syrien, Libanon und Palästina, und dafür wieder Dollars. Wer weiß, vielleicht wird Ajatollah Rafsandschani derjenige sein, der sich an die Spitze der Kehrtwende stellt, um so an die Macht zu kommen. Übrigens einer, der die Islamische Republik mitbegründet hat und auch für die Morde an Kurdenführern in Berlin im Jahr 1992 mitverantwortlich ist. Damals war er nämlich iranischer Staatspräsident.

(Dieser Artikel erschien gekürzt am 22. Oktober 2012 im St. Galler Tagblatt)

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Irans oberste 2000

Die iranische Webseite Bastab berichtete am Samstag, den 27. Oktober 2012 (6. Aban 1391) in der Sparte „Gesellschaft“ von einer neuen Entwicklung in der iranischen Gesellschaft, und zwar über Vorgänge an der Spitze. Der Autor des Artikels „Erschütternder Bericht von Bastab: In Teheran entstehen Luxus-Spielhöllen“ (Goza:resh-e teka:n dehande-ye ba:zta:b: qoma:rxa:ne-ha:ye luks dar tehra:n peyda: mi shawad) bietet einen Blick auf die Spitzen der iranischen Gesellschaft, namentlich der politischen Führung, der nur Eingeweihten zugänglich ist.
Er schreibt, dass die Spielsucht früher als Laster betrachtet wurde, das häufig in Verbindung mit Zuhältern, mit Trinksucht und mit Opium stand. Familien, deren Männer diesem Laster verfielen, reagierten meisten schnell, denn ihnen drohte der Ruin und auch der Ruf der ganzen Familie wurde ruiniert.
Die Zeiten haben sich geändert. Jungunternehmer, die die richtigen Beziehungen zu den Neureichen haben, statten heute in den reichen Vierteln im Norden Teherans möblierte Appartements und Häuser als Spiellokale aus, die mit den modernsten Möglichkeiten ausgestattet sind. In einem Land, das vom internationalen Finanzembargo, einem Devisennotstand und einem ruinierten Bankensystem heimgesucht wird, schaffen sie es, SIM-Karten mit Krediten zu belasten und auf diesem Wege Gelder in Millionenhöhe in Bruchteilen von Sekunden zu verschieben. Das Ziel ihrer modernen Einrichtungen sind die Neureichen selbst, die der Autor auf etwa 2000 schätzt, nicht viel in einer Stadt mit 12 Millionen Einwohnern. Der Autor spricht durch die Blume, aber aus seinen Worten wird deutlich, dass diese spielsüchtigen Neureichen die Kinder der Entscheidungsträger in Politik (Ministerien) und Religion (Ajatollahs) sind, und natürlich auch bei den bewaffneten Organen zu finden sind. Denn zu Recht schreibt er, dass diese Spieler eins erwarten – Sicherheit. Und die Sicherheit vor Razzien kann ihnen nur bieten, wer selbst bei den Pasdaran, bei der Polizei etc. an der Spitze steht.
Wer also die heutige Führung des Irans in die Hölle wünscht, kann sich freuen. Sie ist schon da: In den Spielhöllen.
Was das allerdings für die Wirtschaft des Landes bedeutet, in dem die Firmen der Reihe nach dicht machen, weil sie keine Kredite bekommen, kann man sich kaum ausmalen. Hier wird die Zukunft des Landes verspielt.

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Iranisch-Balutschistan: Schüsse statt Investitionen

Am 26. Oktober 2012 haben iranische „Sicherheitskräfte“ aus Sarbas (Balutschistan) sechs balutschische Lastträger ermordet. Die Lastträger waren unbewaffnet und trugen im „kleinen Grenzhandel“ Waren aus Pakistan auf dem Rücken über die Berge und über die Grenze. Aufgrund der fehlenden staatlichen Investitionen und der hohen Arbeitslosigkeit in Balutschistan bleibt den Arbeitslosen nichts anderes übrig als solche Tätigkeiten als Lastträger anzunehmen.
Auch in den kurdischen Gebieten gibt es solche Grenzgänger, auch hier lauern ihnen die staatlichen Organe auf und erschießen die unbewaffneten Menschen hinterrücks.
Bahman Ghobadi hat über diese Grenzgänger in den kurdischen Gebieten einen Film (Samani baraye masti-ye asb-ha – Zeit für den Rausch der Pferde) gedreht, was dem iranischen Staat so aufgestoßen ist, dass Bahman Ghobadi ins Ausland fliehen musste.

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Tabas (Iran): die Dominosteine fallen

In Tabas protestierten am 24. Oktober 2012 die versammelten Arbeiter eines Vertragsunternehmens, dass sie seit drei Monaten ihren Lohn nicht erhalten hätten. Der Grund liegt darin, dass das Unternehmen, das staatliche Aufträge (z.B. Bautätigkeiten) ausführt, seinerseits von der staatlichen Gas-Gesellschaft kein Geld für die geleistete Arbeit erhalten hat und deshalb auch die Arbeiter nicht bezahlen kann. Obwohl die iranische Gesetzgebung Arbeiterversammlungen vorsieht, verweigern die iranischen Behörden in aller Regel die Erlaubnis zur Abhaltung solcher Versammlungen, wie ein Parlamentsabgeordneter kritisierte.

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Kundgebung in Hamedan (Iran)

Die staatliche iranische Nachrichtenagentur ILNA berichtet von einer Protestveranstaltung vor der Telefonzentrale in Hamedan. Die Arbeiter protestieren dagegen, dass ihnen statt der bisherigen Vollzeitarbeitsverträge nun Teilzeitverträge aufgezwungen werden. Sie weisen darauf hin, dass viele Mitarbeiter aus den umliegenden Ortschaften kommen und bei einer Arbeitszeit von nur noch vier Stunden die Fahrtkosten so ins Gewicht fallen, dass die Arbeit für sie unrentabel wird.

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Bonyan Diesel (Tabris): Arbeiter streiken

Seit rund zwanzig Tagen streiken die Arbeiter von Bonyan Diesel in Tabris. Ihr Protest richtet sich gegen eine Maßnahme der Geschäftsführung, die die Arbeiter zwangsweise in verschiedene abgelegene Orte schicken will. Wer nicht „freiwillig“ geht, wird entlassen. Bonyan Diesel war eine der ersten Fabriken im Iran, die Dieselmotoren herstellte und existiert schon seit 40 Jahren.
Die Firmenleitung will den Betrieb in Tabris schließen, weil sie die benötigten Montageteile im Ausland kaufen muss und angesichts der iranischen Dollarkrise die Preise dafür nicht mehr bezahlen kann.

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Iran: Preisträgerin im Hungerstreik


Nasrin Sotude

Nasrin Sotude, eine der beiden iranischen Sacharow-Preisträgerinnen dieses Jahres, ist vergangene Woche in den Hungerstreik getreten, um gegen die Verweigerung von Besuchen und gegen das Ausreiseverbot für ihre Kinder zu protestieren. Aufgrund ihrer schlechten Gesundheitslage musste sie ins Krankenhaus verlegt werden, wo sie Infusionen erhielt. Ihr Ehemann meinte, er glaube zwar nicht, dass der Sacharow-Preis auf die Gefängnisbehörden Eindruck machen werde, aber er sagte, der Preis sei eine große moralische Unterstützung und zeige ihnen, dass sie nicht allein in ihrem Kampf um die Menschenrechte seien.

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Interview mit einer iranischen Hausfrau

Frage: Wie lange bist Du schon in Deutschland?
Antwort: 12 Tage.

Frage: Hast Du frische Nachrichten aus dem Iran?
Antwort: Ja, ich habe nicht alle, aber einige.

Frage: Welchen Beruf übst Du im Iran aus?
Antwort: Ich bin Hausfrau.

Frage: Hast Du politische Nachrichten? Wenn ja, welche?
Antwort: Ich lese jeden Tag die Zeitungen wie z.B. Schargh oder Etemat und Hamschari. Außerdem höre ich Radio und sehe fern.

Frage: Liest Du nur solche reformistischen Zeitungen?
Antwort: Ja, nur diese. Es gibt andere Zeitungen wie Keyhan, die gefallen mir aber nicht.

Frage: Warum?
Antwort: Weil diese Zeitungen schreiben, was Chamenei will. Und sie sind voller Lügen.

(mehr…)

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Safran und die Inflation im Iran

95% der weltweiten Produktion von Safran stammt aus dem Iran. Jedes Jahr werden hier 250 Tonnen produziert. Der Export ist für den Iran eine wichtige Quelle für Devisen.


Safran-Anbau im Iran

1 Kilogramm Safran kostet im Iran 2000 Dollar. In Europa kostet Safran bis zu 15000 Dollar pro Kilo. Der geringste Teil des Safranumsatzes verbleibt also im Iran.

Safran stammt oft auch aus dem Iran, selbst wenn dies nicht extra gekennzeichnet ist. So verkauft Spanien aus dem Iran stammenden Safran als spanisches Produkt, selbst wenn lediglich die Verpackung aus Spanien stammt. Die Qualität des in Spanien produzierten Safrans ist gering und oft wird spanischer und iranischer Safran gemischt.

Mit der aktuellen Währungskrise ist es für den Iran schwer geworden, Safran in den Handel zu bringen. Im Iran verkaufter Safran bringt wegen dem Verfall der iranischen Währung immer weniger ein. Exportierter und mit Dollar bezahlter Safran hat aufgrund des Bankenboykotts ebenfalls Schwierigkeiten.

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Iran: Präsident will Gefängnis besuchen


Mahmud Ahmadineschad und Ajatollah sadegh larijani

Mahmud Ahmadineschad, der iranische Präsident, hat jüngst erklärt, er wolle das Ewin-Gefängnis besuchen, um sich selbst ein Bild von der Lage im Gefängnis zu verschaffen. Der oberste Chef der iranischen Justiz meinte darauf, auch der Präsident könnne nicht einfach kommen und die Gefängnisse besuchen, und in einem vertraulichen Brief schrieb er Ahmadineschad, es sei keine günstige Lage, gerade jetzt einen solchen Besuch vorzunehmen. Ahmadineschad antwortete darauf mit einem offenen Brief an die iranischen Medien, in dem er sich auf diverse Artikel des iranischen Grundgesetzes berief, die ihm dieses Recht einräumten.
Man mag sich ja über dieses scheinbare Interesse am Gefängniswesen freuen, aber an dieser Stelle wollen wir noch einmal in Erinnerung rufen, dass Ahmadineschad früher selbst Folterer und einer derjenigen war, der im Gefängnis Gefangene hingerichtet hat. Sogar gebrüstet hat er sich damit, „Konterrevolutionäre“ erschossen zu haben.
Wenn dieser Mann sich jetzt für das Ewin-Gefängnis interessiert, ist das kein Wandel von Saulus zu Paulus, sondern einer der zahlreichen Querschüsse, die er sich gegen Ajatollah Chamene‘i und sein Umfeld erlaubt. Denn im Ewin-Gefängnis sind einige Institutionen tätig, die direkt dem religiösen Oberhaupt des Landes unterstehen und nicht der Exekutive. Dieses Interesse ist also eine heimliche Kampferklärung an Ajatollah Chamene‘i. Es ist eine Ermahnung an den Ajatollah, es sich gut zu überlegen, ob er Ahmadineschad wirklich entmachten will, denn der Mann schießt zurück.

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Iran: … gibts ne Massenschlägerei

Wie man auf den folgenden Fotos sieht, üben die iranischen Revolutionswächter – auch Pasdaran genannt – für die nächsten Unruhen. Man sollte sich nicht durch die Klamotten täuschen lassen. Die Brandstifter sind Pasdaran, die Uniformierten sind Pasdaran, die Motorradschläger sind Pasdaran, die Typen mit den Knüppeln sind Pasdaran.


Beowulf ist Pasdar, seine Kollegen dahinter haben den Müllkübel in Brand gesteckt


Linker mit Palästinensertuch? Gefehlt – ein Pasdar bei der Arbeit


Hier spielen sie Räuber und Gendarm


Aufstandsbekämpfung: Mit dem Motorrad in die Menge rasen, eins mit dem Knüppel über und weg


Kapuzen gegen Helme – alles Pasdaran


so stürmt man Studentenheime


Staatsterroristen spielen Terroristen

Wahrscheinlich wird der Text von Bushido das nächste Schlachtlied der iranischen Ordnungshüter:
Denn wenn wir kommen gibts es Wodka-O
wenn wir kommen bist du Opfer tot
wenn wir kommen ist die Party vorbei
Denn wenn wir kommen gibst ne Massenschlägerei

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Iranische Vergangenheitsbewältigung


Wut und Trauer in Borudschen –
diese Frauen sind keine Islamisten, aus ihrem Mund wird Protest gegen die Pasdaran laut

Von 1980 bis 1987 herrschte im Iran Krieg. Damals war Saddam Hussein im Irak an der Macht, der die Schwäche der iranischen Armee nach dem Sturz des Schahs nutzen wollte, um iranische Erdölfelder für den Irak zu erobern. Ajatollah Chomeini, der damalige iranische Führer, gab dann sein Bestes, den Krieg solange hinzuziehen, wie möglich, um im Iran mit der Opposition abzurechnen. In Kriegszeiten geht so etwas leichter als im Frieden, selbst in Diktaturen.
Angesichts der zahlreichen Toten und Verletzten, die damals auf iranischer Seite (und nicht nur dort!) zu verzeichnen waren, ist es verständlich, dass die Erinnerung an den Krieg von denen wachgehalten wird, die damals verletzt oder verstümmelt wurden sowie von den Angehörigen der Umgekommenen. Das wäre auch in jedem anderen Land so. Was in anderen Ländern auch der Fall wäre, ist der Umstand, dass diejenigen, die die Macht haben oder die Macht anstreben, aus der Trauer politisches Kapital schlagen. Und da unterscheiden sich die Länder und Sitten.
So sind es im Iran die Revolutionswächter (Pasdaran), die Jahr für Jahr Schülerinnen und Schüler sowie Studierende an die Schauplätze des Krieges karren, Rede über ihre Heldentaten schwingen und sie dann wieder nach Hause beordern. Teilnahme an diesen „Bildungsprogrammen“ ist Pflicht. Mehr noch: Wer danach nicht ausführlich genug in schriftlichen Arbeiten wiedergibt, was ihm da eingetrichtert wurde, riskiert seine Versetzung und seine weitere Laufbahn.
Was die Pasdaran an der ganzen Sache nicht interessiert, ist die Sicherheit der Jugendlichen. Jahr für Jahr kommen junge Menschen auf der Reise zum iranisch-irakischen Grenzgebiet ums Leben, weil die Transportmittel (meist Busse) und wohl auch die Straßen nicht sicher sind. Jetzt hat es 26 Schülerinnen aus Borudschen getroffen.
Die Angehörigen gingen auf die Straße, und aus der Menge der schwarz gekleideten Frauen ertönten auch Rufe gegen die Pasdaran.

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Balutschistan (Iran): Die nächsten Toten

Wie berichtet, wurden am Sonntag, den 21. Oktober 2012, in Sahedan drei Balutschen unter dem Vorwurf hingerichtet, bei den Dschond-ollah aktiv zu sein. Die iranischen Medien berichteten zusätzlich von einem Selbstmordattentäter, der am Freitag, den 19. Oktober 2012 versucht habe, sich in der schiitischen Imam-Hossein-Moschee in der balutschischen Stadt Tschabahar in die Luft zu sprengen. Er sei im Vorfeld entdeckt worden und habe deshalb seine Sprengladung vorzeitig gezündet. Dabei sei nicht nur er selbst, sondern auch zwei Bassidschis ums Leben gekommen, mindestens fünf weitere Bassidschis hätten Verletzungen erlitten. Am Sonntag berichteten die iranischen Medien von der Verhaftung eines Mannes in Zusammenhang mit diesem Sprengstoffanschlag. Der Verhaftete soll ebenfalls den Dschond-ollah angehören. Die Dschond-ollah sollen die Verantwortung für den Bombenanschlag in Tschabahar übernommen haben.

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Iran: Der Ajatollah der Henker

Am Mittwoch, den 17. Oktober 2012, wurden zehn Gefangene aus dem Gefängnis Qesel-Hessar in Karadsch in Einzelzellen des Trakts 240 des Ewin-Gefängnisses verlegt. Den Angehörigen wurde noch ein Abschiedsbesuch gewährt, denn alle zehn Gefangenen sollten hingerichtet werden. Die Angehörigen hatten zuvor schon um einen Termin beim obersten Religionsführer Ajatollah Chamene‘i gebeten, waren aber mit der Begründung abgewiesen worden, der Herr sei gerade in Maschhad. Nachdem das Bevorstehen der Hinrichtung klar wurde, beschlossen fünfzig der Angehörigen, vor dem Sitz des Religionsführers in Teheran einen Sitzstreik zu veranstalten. Sie forderten die Aufhebung der Todesstrafe und die Revision der Urteile.
Der Ajatollah ist auf beiden Ohren taub, die Verurteilten wurden am Montag, den 22. Oktober 2012 hingerichtet.
Ihnen wurden Drogendelikte vorgeworfen, was aber angesichts des Zustands der iranischen Justiz nichts über den Wahrheitsgehalt der Vorwürfe aussagt.
Am Vortag wurden drei weitere Personen in Sahedan (Sistan und Balutschestan) hingerichtet. Es handelt sich um:
Abdolbasset Rigi, Yahya Tschari Sehi und Abdoldschalil Kahra Sehi.
Diese drei Hingerichteten sind alle Balutschen. Ihnen wurden Aktivitäten bei den Dschond-ollah (Soldaten Gottes) vorgeworfen.

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Iran: Kein Laden schließt ohne Erlaubnis

Dass das Eröffnen eines Ladens mit Anträgen und staatlichen Genehmigungen verbunden, ist nichts Besonderes. Der Iran ist schon ein Stück weiter. Dort müssen die Händler jetzt auch eine Genehmigung bei der Polizei beantragen, wenn sie den Laden vorübergehend schließen. Wenn sie dies missachten, droht ihnen die definitive Schließung ihres Geschäfts.
Dies äußerte der Pasdar-Oberst Chalil Halali, für die Aufsicht über öffentliche Plätze in Teheran verantwortlicher Polizeidirektor gegenüber iranischen Reportern. Hintergrund dieser Drohung sind jüngste Protestaktionen von Händlern, bei denen diese ihre Läden zeitweilig schlossen. Um dem Protest die Glaubwürdigkeit zu nehmen, behauptete der Polizeidirektor auch, die Protestierenden seien keine Händler gewesen, sondern Rowdys, die Müllkübel in Brand gesetzt hätten.

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