Iran: Wann nimmt der Ajatollah seinen Hut?

Die Folgen der Wirtschaftssanktionen gegen den Iran für das gesamte System werden immer deutlicher.

Lahme Banken – Inflation in sieben Meilenstiefeln
Ausländische Währung ist über den Bankensektor nicht mehr erhältlich. Die Banken, die von der iranischen Zentralbank Dollars erhalten hatten, um sie Händlern und Unternehmern auszuzahlen, damit sie weiter arbeiten können, haben es vorgezogen, die Dollars auf dem Schwarzmarkt zu horrenden Preisen zu verhökern. Das führt dazu, dass die offiziellen Geldwechsler in Teheran ihre Läden geschlossen haben, denn sie können keine Dollars mehr einkaufen. Geblieben ist nur ein Schwarzmarkt, auf dem der Wechselkurs Tuman – Dollar, von Stunde zu Stunde steigt.

Dollarisierung der Wirtschaft

Händler, die Importwaren verkaufen, sind deshalb auf den Dollar als Zahlungseinheit umgestiegen. Denn wenn sie die in Dollar gekaufte Ware für Tuman anbieten, machen sie nach wenigen Tagen Verluste, für diese Tuman bekämen sie diese Ware nicht mehr zu kaufen. Auch in den reicheren Stadtteilen Teherans muss die Miete jetzt in Dollar beglichen werden, denn eine stündliche Anpassung der Miete nach der neuesten Inflationsrate ist nicht praktikabel.
Auch Redereien in den iranischen Hafenstädten sind auf Dollar umgestiegen, Tuman wird nicht mehr akzeptiert.
Der Staat hat inzwischen seine Devisenzahlungen an iranische Auslandsstudenten eingestellt, die in der Regel nicht zu den Ärmsten gehören. Dies hat auch schon zu Protestkundgebungen vor der Zentralbank und dem Parlament geführt, aber außer Vertröstungen bekamen die Studenten nichts zu hören.

Öl bringt kaum Devisen
Zugleich fallen die Staatseinnahmen aus dem Erdölsektor. Gegenwärtig wird etwa eine Million Barrel Erdöl pro Tag gefördert, früher waren es über zwei Millionen Barrel. Für dieses Erdöl, das vor allem nach Indien und in die Volksrepublik China exportiert wird, bekommt der Iran zudem kein Geld, sondern Ware. Auf diesem Weg ist also keine Lösung des Devisenmangels zu erwarten.

Wechsel an der Spitze?
Die Pasdaran bereiten sich daher auf den nächsten Krieg gegen die Bevölkerung vor und haben 100 Spezialeinheiten zur Aufstandsbekämpfung aufgestellt.
Der politische Druck auf den Religiösen Führer Ajatollah Chamene‘i nimmt laufend zu.
So erklärte Ajatollah Rafsandschani unlängst, der verstorbene Ajatollah Chomeini habe seinerzeit zur Bewahrung der Revolution „den Schierlingsbecher ausgetrunken“ und den Waffenstillstand mit dem Irak nach acht Jahren Krieg unterschrieben. Damals sei der Iran in einer vergleichbar kritischen Lage gewesen.
Indirekt deutet Rafsandschani damit an, dass auch Ajatollah Chamene‘i die Konsequenzen aus seiner verfehlten Politik ziehen und seinen Hut nehmen solle. Seine Botschaft ist zugleich auch an die Pasdaran gerichtet: Wenn Ajatollah Chamene‘i sich weigert zu gehen, wenn er sich weigert, den Schierlingsbecher zu trinken, dann weicht er vom Wege des Imam, vom Weg des großen Vorbilds Ajatollah Chomeini ab und riskiert damit, dass die islamische Revolution scheitert.
Sowohl Ahmadineschad wie Rafsandschani hoffen, Ajatollah Chamene‘i zu beerben, falls er abdankt.

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