Iranische Vergangenheitsbewältigung


Wut und Trauer in Borudschen –
diese Frauen sind keine Islamisten, aus ihrem Mund wird Protest gegen die Pasdaran laut

Von 1980 bis 1987 herrschte im Iran Krieg. Damals war Saddam Hussein im Irak an der Macht, der die Schwäche der iranischen Armee nach dem Sturz des Schahs nutzen wollte, um iranische Erdölfelder für den Irak zu erobern. Ajatollah Chomeini, der damalige iranische Führer, gab dann sein Bestes, den Krieg solange hinzuziehen, wie möglich, um im Iran mit der Opposition abzurechnen. In Kriegszeiten geht so etwas leichter als im Frieden, selbst in Diktaturen.
Angesichts der zahlreichen Toten und Verletzten, die damals auf iranischer Seite (und nicht nur dort!) zu verzeichnen waren, ist es verständlich, dass die Erinnerung an den Krieg von denen wachgehalten wird, die damals verletzt oder verstümmelt wurden sowie von den Angehörigen der Umgekommenen. Das wäre auch in jedem anderen Land so. Was in anderen Ländern auch der Fall wäre, ist der Umstand, dass diejenigen, die die Macht haben oder die Macht anstreben, aus der Trauer politisches Kapital schlagen. Und da unterscheiden sich die Länder und Sitten.
So sind es im Iran die Revolutionswächter (Pasdaran), die Jahr für Jahr Schülerinnen und Schüler sowie Studierende an die Schauplätze des Krieges karren, Rede über ihre Heldentaten schwingen und sie dann wieder nach Hause beordern. Teilnahme an diesen „Bildungsprogrammen“ ist Pflicht. Mehr noch: Wer danach nicht ausführlich genug in schriftlichen Arbeiten wiedergibt, was ihm da eingetrichtert wurde, riskiert seine Versetzung und seine weitere Laufbahn.
Was die Pasdaran an der ganzen Sache nicht interessiert, ist die Sicherheit der Jugendlichen. Jahr für Jahr kommen junge Menschen auf der Reise zum iranisch-irakischen Grenzgebiet ums Leben, weil die Transportmittel (meist Busse) und wohl auch die Straßen nicht sicher sind. Jetzt hat es 26 Schülerinnen aus Borudschen getroffen.
Die Angehörigen gingen auf die Straße, und aus der Menge der schwarz gekleideten Frauen ertönten auch Rufe gegen die Pasdaran.

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