Archiv für Oktober 2012

Irans größter Autohersteller in der Zange

Abdollah Baba‘i, Vizedirektor für Verkauf und Vermarktung bei der großen ihren Automobilfirma Iran Chodrou, hat gegenüber der iranischen Nachrichtenagentur ISNA Vorwürfe zurückgewiesen, die Firma würde absichtlich weniger Autos produzieren, um die Preise für die Autos in die Höhe zu treiben.
Abdollah Baba‘i erklärte, dass die Rohstoffkosten 70% der Kosten für die Autos von Iran Chodrou ausmachen. Einerseits könne die Firma keine Bankkredite mehr aufnehmen, Bargeld sei kaum verfügbar, und die Preise für die Rohstoffe seien rasant gestiegen.
So

  • koste das Kilo Stahlblech jetzt statt 701 Tuman 1700 Tuman,
  • der Kupferpreis sei um 120 Prozent gestiegen,
  • Autobatterien, die 60.000 Tuman kosteten, seien bei 130.000 Tuman angelangt,
  • Autoreifen, die zuvor für 33.000 Tuman zu haben waren, kosteten jetzt 102.000 Tuman.

In der selben Zeit sei der Preis für ein Auto aus ihrem Werk nur wenig gestiegen – den Grund nennt er nicht, aber er liegt darin, dass der Staat der Firma dafür Strafen androht.
So versteht sich von selbst, dass die Firma nicht weiter produzieren kann.

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Iran: Christenverfolgung in Schiras

Laut einer Meldung der amtlichen iranischen Nachrichtenagentur Fars sollen in der Region Schiras vier „Heimkirchen“ ausgehoben worden sein. Diese „Kirchen“ seien in Privatwohnungen tätig gewesen und hätten vor allem Angehörige der ärmeren Schichten und psychisch Kranke angezogen. Die Tätigkeit dieser Kirchen werde von „zionistischen“ Kreisen unterstützt. Eine Erklärung dafür, wieso jüdische Gläubige die Tätigkeit christlicher Kirchen unterstützt haben sollen, blieb Fars allerdings schuldig.
Aus persisch-sprachigen Meldungen christlicher Kreise wurde weiterhin bekannt, dass die Geheimdienstbehörden der Region Fars, deren Zentrum Schiras ist, Ende September 2012 dreißig Christen festgenommen und zum Verhör in die Zentrale „Plak-e 100″ gebracht hätten. Mindestens zehn von ihnen sind noch weiter in Haft. Eine Person, die wegen Missionierung zu Gefängnis verurteilt worden sei, sei erneut festgenommen worden. Die persisch-sprachige christliche Nachrichtenagentur schrieb weiter, dass sie angesichts der feindseligen Stimmung, die in Schiras gegen die Christen erzeugt worden sei, die Namen und Fotos der Verfolgten derzeit nicht veröffentlichen könne.
Quelle:
http://news.gooya.com/politics/archives/2012/10/148693.php

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10.10.2012: Internationaler Tag gegen die Todesstrafe

Am heutigen 10. Oktober jährt sich zum zehnten Mal der Tag, mit dem Nichtregierungs-Organisationen aus aller Welt gegen die Todesstrafe protestieren.

Anläßlich dieses Tages versammelten sich 200 Familienangehörige vor dem Büro des Religiösen Führers Chamenei in Tehran. Sie protestieren dagegen dass ihre Familienmitglieder zum Tode verurteilt wurden. Sie verlangen, dass die Urteile nicht vollstreckt werden.

Es handelt sich um dringende Fälle, zumal es heute am frühen Morgen Verlegungen in Einzelzellen gab – normalerweise ein Zeichen dafür, dass die Hinrichtung unmittelbar bevorsteht.

Ein Vertreter aus dem Büro des Religiösen Führers kam heraus und teilte mit, dass Ayatollah Chamenei nach Maschad verreist sei und dass niemand sonst eine Antwort geben könne. Die Familienangehörigen zogen daraufhin weiter zum Gebäude der Judikative. Dort kam ebenfalls keiner der Verantwortlichen vor die Tür.

Laut amnesty international werden im Iran von allen Ländern weltweit die meisten Todesstrafen vollstreckt. Im Jahr 2011 waren es mindestens 360, gefolgt von Saudi-Arabien (mind. 82), Irak (mind. 68), den USA (43) und Jemen (mind. 41). Von Oktober 2011 bis heute hat der Iran 488 Menschen hingerichtet.

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Fluglinien stoppen Flüge in den Iran

Gestern wurde bekannt, dass verschiedene Fluglinien den Iran aufgrund der aktuellen Währungskrise nicht mehr anfliegen.

  • Die Tadschikistan Airways stoppten ihre Flüge gestern.
  • Die British Airways wollen die Flüge am Samstag stoppen.
  • Die Air Asia wird ab kommendem Sonntag Teheran nicht mehr anfliegen.
  • Die Air France überlegt noch.
  • Auch die Georgian Airways sollen sich laut unbestätigten Gerüchten Gedanken in dieser Richtung machen.

Die Flugtickets sind für Iraner kaum noch erschwinglich. Außerdem müssen die Flüge in ausländischer Währung bezahlt werden, die auf dem Schwarzmarkt erstanden werden muss und sehr knapp geworden ist. Statt mit leeren Maschinen zu fliegen, stellen viele Linien ihre Flüge lieber ganz ein.

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Iran: Freitagsprediger blasen zur Jagd

Angesichts der rasant verschlechterten Wirtschaftslage im Iran versuchen jetzt die Prinzipialisten und die Leute um den Religionsführer Ajatollah Chamene‘i, den Staatspräsidenten Ahmadineschad als Sündenbock hinzustellen. So kritisieren jetzt auch sämtliche Freitagsprediger heftig die Regierung Ahmadineschad, was ohne Anweisung von Ajatollah Chamene‘i nicht denkbar wäre. Im iranischen Parlament wurden über 100 Unterschriften gesammelt, dass der Präsident den Abgeordneten Rede und Antwort stehen soll. Mit 170 Unterschriften von Abgeordneten kann sogar sein Rücktritt verlangt werden. Präsident Ahmadineschad soll jetzt wohl das Bauernopfer spielen. Aber die Herrschaften wissen, dass Ahmadineschad mit Hilfe des Geheimdienst auch genügend belastende Akten über sie gesammelt hat und zurückschlagen kann, selbst wenn er verliert.

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Iran 1979 – Revolution für die Ignoranz


Peyman Tschalaki mit seiner Tochter Mana

Peyman Tschalaki, ein Studentenaktivist und bei den Präsidentschaftswahlen von 2009 Verantwortlicher des Wahlstabs für Mirhossein Mussawi im Kreis Sawe, war Ende 2009 zusammen mit seiner Frau und seiner vierjährigen Tochter verhaftet worden. Nach brutalen Verhören in den Räumen des Geheimdienstes in der Stadt Arak wurde er nach Teheran verlegt, wo er nach Hinterlegung einer Kaution nach 40 Tagen Haft auf freien Fuß gesetzt wurde. Bei der Verhaftung schreckten die Verfolger nicht davor zurück, sogar die vierjährige Tochter Mana Tschalaki zu verhören. Am 27. August 2012 wurde Peyman Tschalaki zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Aus der Haft schrieb er einen Brief an seine Tochter Mana, die dieses Jahr in die Schule kommt: „Gerne hätte ich dich an deinem ersten Schultag begleitet, aber leider bin ich und viele andere Väter in Haft, weil wir uns für Eure Aufklärung und Befreiung eingesetzt haben, für die freien Kinder des Heimatlands Iran, und so können wir euch an diesem ersten Tag nicht begleiten. So wünschen wir Euch, allen Kindern der „Generation der Aufklärung“ den Sieg und die Befreiung von diesem Ort aus.“
Peyman Tschalaki schreibt weiter: Unsere Generation hat zuerst die Unterdrückung aufs Korn genommen, aber die Pfeile vom Bogen des Wissens wurden nicht alle verschossen. Hätten wir doch zuerst die Ignoranz ins Visier genommen. Ich hoffe, Ihr werdet das besser machen.

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Iran: Ala-Daghlar – Die Gefleckten Berge


25 km nordöstlich von Tabris, im iranischen Aserbaidschan, gibt es eine Bergkette mit dem türkischen Namen „Ala Daghlar“ – Gefleckte Berge. Den Namen tragen sie zu Recht, wie man sieht.
Wer mehr davon sehen möchte, kann diesen Link anklicken.

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Seit vielen Monaten die erste Großdemonstration in Teheran

Nach vier Wochen anhaltendem Preisverfall der iranischen Währung kam es am 3. Oktober zu Unruhen im Zentrum von Teheran.


Preisverfall des iranischen Rial gegenüber dem Dollar in der Zeit von Juni 2010 bis Oktober 2012.

Der Wechselkurs soll seit Monaten offiziell bei 12.500 Rial für einen Dollar liegen, während am Schwarzmarkt der Dollar am 2. Oktober für 35.000 Rial gehandelt wurde. Am 3. Oktober fiel der Rial bis zum Abend auf unter 40.000 Rial pro Dollar.

Ab Mittag waren viele Geschäfte auf dem Basar geschlossen – die Händler streikten gegen die Wirtschaftspolitik.


Geschlössene Geschäfte im Basar von Teheran am 3.10.2012

An verschieden Orten sind zudem die Menschen gestern auf die Straße gekommen und haben Parolen gegen die Regierung skandiert. Darunter das wohlbekannte „Marg bar Dictator“ („Tod dem Diktator!“) oder „Lass ab von Syrien, kümmer dich um uns!“ und „Nicht für Syrien, nicht für den Libanon, sondern für den Iran will ich mich opfern!“


Bereich der Innenstadt von Teheran, in dem am 3. Oktober Demonstrationen stattfanden


Video, dass die Größe der Demonstrationen am 3.10.2012 in Teheran zeigt


Demonstranten, die die Bazaris dazu aufrufen, ihre Geschäfte zu schließen und die Demonstration zu unterstützen

Es heisst, mehr als 10.000 Sicherheitskräfte (Pasdaran, Bassidschis und Polizei), haben sich in dem Gebiet, wo die Demonstrationen stattfanden, konzentriert. Erst als die Dunkelheit hereinbrach, konnten sie die Kontrolle wieder erlangen.


Sicherheitskräfte, die am 3.10. versuchen, die Lage in Teheran unter Kontrolle zu bekommen

Am heutigen Tag wurden noch mehr Sicherheitskräfte in diesem Viertel von Teheran zusammengezogen. Wenn mehr als drei Personen zusammenkamen mussten sie sich entfernen.

Laut Staatsanwaltschaft sind gestern und heute 16 Personen, angeblich Schwarzhändler, festgenommen worden. Laut dem Teheraner Polizeichef sind außerdem 150 Personen, die für die Unruhen verantwortlich sein sollen, festgenommen worden.

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Iran: Wann nimmt der Ajatollah seinen Hut?

Die Folgen der Wirtschaftssanktionen gegen den Iran für das gesamte System werden immer deutlicher.

Lahme Banken – Inflation in sieben Meilenstiefeln
Ausländische Währung ist über den Bankensektor nicht mehr erhältlich. Die Banken, die von der iranischen Zentralbank Dollars erhalten hatten, um sie Händlern und Unternehmern auszuzahlen, damit sie weiter arbeiten können, haben es vorgezogen, die Dollars auf dem Schwarzmarkt zu horrenden Preisen zu verhökern. Das führt dazu, dass die offiziellen Geldwechsler in Teheran ihre Läden geschlossen haben, denn sie können keine Dollars mehr einkaufen. Geblieben ist nur ein Schwarzmarkt, auf dem der Wechselkurs Tuman – Dollar, von Stunde zu Stunde steigt.

Dollarisierung der Wirtschaft

Händler, die Importwaren verkaufen, sind deshalb auf den Dollar als Zahlungseinheit umgestiegen. Denn wenn sie die in Dollar gekaufte Ware für Tuman anbieten, machen sie nach wenigen Tagen Verluste, für diese Tuman bekämen sie diese Ware nicht mehr zu kaufen. Auch in den reicheren Stadtteilen Teherans muss die Miete jetzt in Dollar beglichen werden, denn eine stündliche Anpassung der Miete nach der neuesten Inflationsrate ist nicht praktikabel.
Auch Redereien in den iranischen Hafenstädten sind auf Dollar umgestiegen, Tuman wird nicht mehr akzeptiert.
Der Staat hat inzwischen seine Devisenzahlungen an iranische Auslandsstudenten eingestellt, die in der Regel nicht zu den Ärmsten gehören. Dies hat auch schon zu Protestkundgebungen vor der Zentralbank und dem Parlament geführt, aber außer Vertröstungen bekamen die Studenten nichts zu hören.

Öl bringt kaum Devisen
Zugleich fallen die Staatseinnahmen aus dem Erdölsektor. Gegenwärtig wird etwa eine Million Barrel Erdöl pro Tag gefördert, früher waren es über zwei Millionen Barrel. Für dieses Erdöl, das vor allem nach Indien und in die Volksrepublik China exportiert wird, bekommt der Iran zudem kein Geld, sondern Ware. Auf diesem Weg ist also keine Lösung des Devisenmangels zu erwarten.

Wechsel an der Spitze?
Die Pasdaran bereiten sich daher auf den nächsten Krieg gegen die Bevölkerung vor und haben 100 Spezialeinheiten zur Aufstandsbekämpfung aufgestellt.
Der politische Druck auf den Religiösen Führer Ajatollah Chamene‘i nimmt laufend zu.
So erklärte Ajatollah Rafsandschani unlängst, der verstorbene Ajatollah Chomeini habe seinerzeit zur Bewahrung der Revolution „den Schierlingsbecher ausgetrunken“ und den Waffenstillstand mit dem Irak nach acht Jahren Krieg unterschrieben. Damals sei der Iran in einer vergleichbar kritischen Lage gewesen.
Indirekt deutet Rafsandschani damit an, dass auch Ajatollah Chamene‘i die Konsequenzen aus seiner verfehlten Politik ziehen und seinen Hut nehmen solle. Seine Botschaft ist zugleich auch an die Pasdaran gerichtet: Wenn Ajatollah Chamene‘i sich weigert zu gehen, wenn er sich weigert, den Schierlingsbecher zu trinken, dann weicht er vom Wege des Imam, vom Weg des großen Vorbilds Ajatollah Chomeini ab und riskiert damit, dass die islamische Revolution scheitert.
Sowohl Ahmadineschad wie Rafsandschani hoffen, Ajatollah Chamene‘i zu beerben, falls er abdankt.

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Hausbau in Teheran

In Teheran gibt es eine ganze Reihe von Wohnungsbaugenossenschaften. Deren Mitglieder zahlen einen Beitrag und erhalten dann Unterstützung, wenn sie ein Haus bauen wollen. Heute haben sich über 1000 Mitglieder solcher Genossenschaften vor dem Wohnungsbauministerium in Teheran versammelt, um gegen das korrupte Vorgehen der zuständigen Behörden zu protestieren. Bei den Protestierenden handelt es sich wohlgemerkt um Anhänger und Begünstigte des Regimes, nicht um seine Gegner. Es waren unter anderem Mitglieder der Wohnbaugenossenschaft der Luftstreitkräfte.
Ihr Protest galt unter anderem der Tatsache, dass sie vor zehn Jahren Grundstücke in einem begehrten Baugebiet in Teheran erhalten hatten, aber nie die Erlaubnis bekamen, zu bauen, während die Pasdaran und die Vertreter der Justiz auf den Nachbargrundstücken überall ihre Häuser bauten. Jetzt haben sie erfahren, dass das Amt des Religiösen Führers, also von Ajatollah Chamene‘i, ein Auge auf ihre Grundstücke geworfen hat und deshalb die Behörden angewiesen hat, keine Baugenehmigungen zu erteilen, damit die Eigentümer schließlich aufgeben und ihr Grundstück an das Umfeld von Ajatollah Chamene‘i verkaufen. Vor diesem Hintergrund ist auch der Ausruf zu verstehen: „Marg bar saminchar“ (Tod dem Grundstückfresser – gemeint ist der Religiöse Führer.)

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Iran: Gefährliche Karikatur


Die konfiszierte Zeitungsausgabe

Die iranische Zeitung „Rusnameye Scharq“ (Zeitung des Ostens) wurde letzte Woche beschlagnahmt. Der Grund war eine Karikatur auf der Titelseite, die anlässlich der „Woche der heiligen Verteidigung“ abgedruckt wurde. Die „Woche der heiligen Verteidigung“ bezieht sich darauf, dass der Iran ein Jahr nach der Revolution von 1979 vom irakischen Präsidenten Saddam Hussein angegriffen wurde. Der iranisch-irakische Krieg dauerte acht Jahre. Das iranische Regime bezeichnete die Verteidigung des Islams (nicht des Irans) als heilige Pflicht. Wie üblich, werden solche Kriegserinnerung vom Regime Jahr für Jahr aufgewärmt.


Die Karikatur von Hadi Heydari

In der Karikatur sieht man nun eine Reihe von Männern, die mit verbundenen Augen hintereinander anstehen. Der iranische Justizminister bezeichnete dies als Beleidigung der Kämpfer, die sozusagen blindlings in den Krieg gezogen seien, und ließ den verantwortlichen Redakteur Mehdi Rahmaniyan verhaften, der Karikaturist Hadi Heydari kam als nächster dran. Mehdi Rahmaniyan wurde gegen Kaution bis zur Gerichtsverhandlung auf freien Fuß gesetzt, Hadi Heydari ist noch immer in Haft.


Der verantwortliche Redakteur Mehdi Rahmaniyan

Mehdi Rahmaniyan erklärte gegenüber den Verhörbeamten, es sei nie seine Absicht gewesen, die Kämpfer mit der Veröffentlichung der Zeichnung zu beleidigen, schließlich habe er selbst ja 18 Monate im Krieg mitgekämpft.
Der Karikaturist versuchte es mit einer anderen Erklärung: Seine Zeichnung habe gar nichts mit der Woche der heiligen Verteidigung zu tun. Er habe nur zeigen wollen, dass manche Gesellschaften kein Licht vertragen und sich deshalb Augenbinden anlegen. Licht ist auch im Iran Symbol für Aufklärung, es ist daher zweifelhaft, ob er mit dieser Erklärung seine Lage verbessert hat…
Das Geschehen inspirierte eine im Exil lebende Person aus dem Iran zu folgender Zeichnung:


Das Echo aus dem Exil

Er lässt den inhaftierten Karikaturisten, dem der Verhörbeamte eine Augenbinde angelegt hat, wie das in iranischen Gefängnissen häufig der Fall ist, damit man die Folterer nicht erkennt, folgende Worte sprechen: „Na klar, jetzt sehe ich ganz deutlich, dass ich die Kämpfer beleidigt habe.“

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Iran – wenn die Katze aus dem Haus ist…


Ali-Akbar Dschawanfekr, Präsidentenberater und Direktor der staatlichen Nachrichtenagentur

Am Mittwoch, den 27. September 2012, genau zu dem Zeitpunkt, als der iranische Präsident Ahmadineschad vor der UNO eine Rede hielt, wurde in Teheran sein persönlicher Berater und zugleich Direktor der zentralen Nachrichtenagentur der Islamischen Republik Iran, Ali-Akbar Dschawanfekr, verhaftet und ins Gefängnis gebracht. Schon früher war gegen ihn eine sechsmonatige Haftstrafe wegen „Verletzung der islamischen Sitten“ verhängt worden, aber offensichtlich hat sich keiner getraut, in Anwesenheit seines Herrn zur Verhaftung zu schreiten. Das politisch motivierte Urteil steht im Zusammenhang mit dem Machtkampf zwischen Ajatollah Chamene‘i, dem Religiösen Führer, und Präsident Ahmadineschad, der versucht hatte, einen Teil der Macht des Führers auf sein Amt zu übertragen. Ausgetragen werden solche Kämpfe dann über die Verfolgung von Mitarbeitern…

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Iran – das sinkende Schiff


Der Herr rechts ist der Filmreporter Golchandan

Seit der Gründung der Islamischen Republik Iran haben Millionen von Iranern im Ausland Zuflucht gesucht – in der Türkei und im Irak, in der EU und der Schweiz, in den USA und Kanada, wo immer es möglich war. Jetzt scheint eine neue Gruppe von Asylsuchenden zu kommen – die Spezialisten an der Spitze des Staatsapparats. Dazu gehörte Herr Golchandan, ein Filmreporter der staatlichen iranischen Radio- und Fernsehgesellschaft Seda wa Sima („Ton und Bild“). Er hatte Zugang zu den höchsten Kreisen der Macht, zum Obersten Religionsführer Ajatollah Chamene‘i, zu Präsident Ahmadineschad und zu den Generälen der Revolutionswächter. Für sie durfte er Filmaufnahmen machen, auch an den heikelsten Orten.
Dieser Mann hat letzte Woche Präsident Ahmadineschad zu einer UN-Sitzung nach New York begleitet, ist aber nicht mehr zurückgekehrt, sondern hat in den USA um politisches Asyl nachgesucht. Seine Frau und Kinder hat er wohlweislich zuvor in die Türkei geschickt, damit sie nicht verhaftet werden können, wenn er in den USA bleibt.
Klar ist, dass er für die US-Behörden eine wichtige Informationsquelle sein wird, genauso wichtig ist aber auch, dass solche Leute, die im Iran über die besten Kontakte verfügen, die Geld haben, sich nicht mehr sicher fühlen und auf diesem Weg ihre Rettung suchen.

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