Iran: Wegweiser zum Betteln


Im Iran ist es im Trauermonat Moharram Sitte, dass diejenigen, die Geld haben, kostenlos Essen an Bedürftige verteilen. Diese Art der Verteilung heißt Nasri auf Persisch. Es ist eine Art religiös motivierte Armenküche. Nebenbei können diejenigen, die sich in der Bevölkerung beliebt machen wollen, auf diese Weise für sich Werbung machen. Und der Staat macht es diesen Spendern zudem recht einfach – wer sagt, dass er Nasri-Essen verteilen will, bekommt die erforderlichen Nahrungsmittel (Reis, Hühnchen und andere Mangelware) zum staatlich verbilligten Preis. Das heißt, man kann so hauptsächlich auf Kosten des Staates im eigenen Namen Werbung machen. Kein Wunder, dass es in der jetzigen Vorwahlzeit eine ganze Reihe von Spendern gibt, die ihre Großzügigkeit später in Wahlempfehlungen ummünzen werden.
Aber während die Armen und die Bettler früher durch Mundpropaganda und Erfahrung wussten, wo es etwas gibt, bietet das Internet völlig neue Möglichkeiten.
Auf der Webseite www.nazri.mozafari.in findet man einen Stadtplan von Teheran im Stil von Google, der anzeigt, wo Nasri-Essen geboten wird (das sind im Moment 42 Orte, was angesichts einer Bevölkerung von 12 Millionen allerdings nicht sehr viel ist). Mehr noch, man kann für jeden angezeigten Punkt nachlesen, was für Essen es gibt: Sereschk-Polou Ba Morgh – Reis mit getrockneten Berberitzen und Hühnchen, Dschudsche Kebab – gebratenes Hühnchen (mit Reis), Qeyme – Hackfleisch (mit Reis), Fessendschan – Fleisch mit zerkleinert Walnuss und Reis etc.

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