Archiv für November 2012

Iran: Verhaftungswelle nach Begräbnis

An der Beerdigung des bekannten arabischen Dichters Sattar Sayyahi in Ahwas (Iran) nahmen zahlreiche Menschen aus der Region teil. Das war für die iranischen Sicherheitsorgane in Ahwas, Schusch und Hamidiye Anlass, am 11. November 2012 Razzien bei 25 arabischen Familien in der Region durchzuführen. Bei der Festnahme schreckten die Beamten vor den Augen der Familienangehörigen nicht vor brutaler Gewalt zurück. In einem Fall wurde bekannt, dass der inhaftierte Ali Tschabischat (46 Jahre alt) in Haft mit Elektroschocks gefoltert wurde und ein Bein seitdem gelähmt ist.

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Iran: Der Opferwolf

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte, heißt es, und manchmal trifft das Sprichwort auch zu. Der Dritte scheint im iranischen Spiel um die Macht derzeit Ajatollah Rafsandschani zu sein. Immerhin hat er zugelassen und wohl auch veranlasst, dass sein Sohn und seine Tochter aus London nach Teheran kommen, um dort verhaftet zu werden. Sein Sohn Mehdi wurde kürzlich aus dem Gefängnis ins Krankenhaus gebracht, der Arzt stellte Herzleiden fest und ordnete eine weitere Behandlung an, was die Behörden nicht daran hinderte, Mehdi wieder ins Gefängnis zurück zu verlegen. Das alles ermöglicht es Ajatollah Rafsandschani, sich selbst als Opfer zu stilisieren, dem Volk zu sagen: „Schaut her, auch ich bin ein Opfer wie Ihr.“ In seiner letzten Freitagspredigt erklärte er auch, die Gefangenen müssten freigelassen werden – er meinte damit freilich nur diejenigen, die das System nicht in Frage stellen, und die Regierung solle sich beim Volk für das Geschehene (gemeint ist die brutale Unterdrückung der Proteste nach der Fälschung der Wahlen) entschuldigen. So geht er äußerlich auf Abstand zu Ahmadineschad, dem Sieger der Wahlfälschung, und zu Ajatollah Chamene’i, dem damaligen Schutzpatron Ahmadineschads und gleichzeitig dem Urheber der katastrophalen Außenpolitik. Denn die iranische Atombombe war ein Ziel der iranischen Geistlichkeit, Ahmadineschad sollte es umsetzen. Rafsandschani, Parlamentspräsident während des iranisch-irakischen Kriegs und anschließend für zwei Amtsperioden Präsident des Irans, hat eigentlich keine guten Voraussetzungen, sich in den Augen der Bevölkerung als Alternative für die heutigen Machthaber zu profilieren. Aber mit dem neuen Outfit als „Opfer“ der Unterdrückung mag es ihm sogar gelingen, sich in künftigen Wahlen als Präsident durchzusetzen. Die Bevölkerung wird sich wohl schon zufrieden geben, wenn es ihm gelingt, dass die Sanktionen aufgehoben werden und die Wirtschaft wieder in Gang kommt.

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Im Iran geht man in der Vertikalen ins Gefängnis und kommt in der Horizontalen wieder heraus

In den letzten Tagen fand eine Sitzung des iranischen Parlaments statt, in der der Fall von Satar Beheshti zur Sprache kam.

Bemerkenswert ist vor allem der Redebeitrag eines Abgeordneten namens Ahmad Bakhscharjeschi. Er sagte, dass politische Gefangene unter besonderen Bedingungen (Anm.: er meint, mit besonderem Augenmerk auf ihre Rechte) im Gefängnis, gehalten werden müssten. Rhetorisch fragte er, wie Nelson Mandela 27 Jahre lang im Gefängnis bleiben und am Ende gesund herauskommen konnte. Warum, so wollte er wissen, gehen politische Mensch im Iran in der Vertikalen ins Gefängnis und kommen in der Horizontalen wieder heraus?

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Iran: Fabrik zur Pipelineherstellung lahmgelegt

In der Saffar-Fabrik in der Stadt Sawe, Südwestteheran, haben die Arbeiter heute, Mittwoch, 14.11.2012, seit dem frühen Morgen die Arbeit niedergelegt. Der Streik begann schon gestern mit einem Teil der Belegschaft.

Am Montag hatte ein Arbeiter namens Hossein Kabusi in einer Einzelaktion das Tor der Fabrik verschlossen und kein Lastwagen konnte rein oder rausfahren. Er war am selben Tag entlassen worden, ohne dass sein seit über sechs Monaten ausstehender Lohn ausbezahlt wurde. Der Unternehmer rief die Polizei an, die den Arbeiter vom Tor entfernen sollte. Als die Polizei kam, erklärte der Arbeiter seine Situation, dass er entlassen worden war, dass er seinen Lohn für sich und seine Familie brauche und dass er den Weg nicht freigeben würde.

Die Polizisten gaben ihm Recht und begaben sich wieder zu ihrer Polizeistation. Dem Unternehmer sagten sie, er solle sie nicht mehr anrufen. Am Tag drauf, am Dienstag, haben große Teile der Arbeiter an einem Streik teilgenommen, am heutigen Mittwoch waren dann alle dabei. Diese Fabrik hat zusammen mit anderen Filialen 2500 Arbeiter beschäftigt. Der Sprecher der Arbeiter erklärte, dass sie den Streik fortsetzen würden, bis sie ihren gesamten Lohn erhielten.

Es ist das erste Mal seit 33 Jahren, dass die örtliche Polizei sich ganz direkt auf die Seite der Arbeiter stellt.

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Winter im Erdbebengebiet, Nordwestiran

Schnell hat der Winter Einzug gehalten und das Land weiß gefärbt. Die Versprechungen, die die Regieurng gemacht hat, wurden nicht eingehalten. Was bleibt, ist der Kampf ums Überleben, bei Temperaturen unter Null Grad.

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Satar Beheschti ist tot, seine Stimme lebt

Von dem zu Tode gefolterten politischen Gefangenen Satar Beheschti ist im Internet ein Interview aufgetaucht, das er noch vor seiner Verhaftung gegeben hat. Das Interview wurde auf Persisch geführt. Satar Beheschti spricht darin von mehrfachen Hausdurchsuchungen. Seine Mutter hatte mehrfach gemeint, es sei besser, rauszugehen (also aus dem Iran auszureisen), aber er habe noch nicht das Gefühl, dass die Lage für ihn gefährlich sei. Wenn sie (=die Beamten) aber kämen, um ihn jetzt festzunehmen und ihm den Strick um den Hals zu legen, bereue er nichts, er mache sich nur Sorgen um seine Mutter. Er war der einzige, der im Haushalt Geld verdiente.
Satar Beheschti meinte, er fürchte den Tod nicht, der sei besser als das Leben, das sie jetzt führten. Das Leben der Iraner sei ein Leben in der Sklaverei.
Es dürften solche klaren Worte gewesen sein, weshalb ihn die Verhörbeamten umgebracht haben.

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Iran: Ist Foltertod ein natürlicher Tod?

Der ehemalige politische Gefangene Satar Beheschti, der wegen seines Weblogs verhaftet worden war und 9 Tage später im Gefängnis vermutlich an den Folgen der Folter in der Polizeiwache verstarb, bleibt weiter in den iranischen Schlagzeilen. Die iranische Justiz ermittelt angeblich, der Generalstaatsanwalt des Iran hat eine Pressekonferenz abgehalten, auf der er fünf blaue Flecken erwähnte, die bei der Autopsie gefunden worden seien, nicht aber den Inhalt des Briefes, in dem er sich über die erlittene Folter beklagte, und jetzt kommt auch noch ein Vertreter des iranischen Parlaments zu Wort. Mohammad-Resa Mohseni-Sani, Vorsitzender des Ausschusses für Innere Sicherheit, erklärte, ein natürlicher Tod des Gefangenen sei nicht auszuschließen.
Er meinte auch, man müsse erst die Untersuchungsergebnisse abwarten, das könne noch eine Zeitlang dauern. Vom Beschwerdebrief des Gefangenen sprach er nicht einmal. Bezüglich der Foltervorwürfe sagte er nur, das sei ein Gerücht, das die Feinde der Revolution im Ausland lanciert hätten.
Es ist auffällig, dass auch die Gegner von Ahmadineschad, die im Parlament die Mehrheit bilden und die Vorsitze innehaben, ebenso wie der Staatsanwalt, die allesamt die Linie von Ajatollah Chamene‘i vertreten, sich in Sachen Folter in keiner Weise von Präsident Ahmadineschad unterscheiden. Zumindest in diesem Punkt hat der Präsident Recht: Was auch immer er in seiner Amtszeit verbrochen hat, er hat es mit Wissen und im Auftrag des religiösen Führers getan. Unschuldige gibt es da oben keine.

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Iran – Gefangener von 5 blauen Flecken gestorben?

Wie berichtet, war der Iraner Satar Beheschti am 27.10.2012 in Teheran festgenommen worden. Erst war er bei der Polizei in Haft, anschließend wurde er in Trakt 350 des Ewin-Gefängnisses verlegt. Bei seiner Ankunft im Ewin-Gefängnis stellten die anderen Gefangenen fest, dass er am ganzen Körper Folterspuren aufwies und schwer verletzt war. Sie rieten dem Gefangenen, sich zu beschweren, worauf dieser einen Brief schrieb, in dem er die erlittenen Folterungen beschrieb. Der Brief wurde den Wärtern des Trakts übergeben, zwei Durchschläge blieben beim Gefangenen. Die Mitgefangenen, die am selben Tag Besuch im Gefängnis erhielten, berichteten ihren Angehörigen, dass ein neuer Gefangener eingetroffen sei, der durch Folterungen so übel zugerichtet sei, dass die Gefahr bestehe, dass er es nicht überlebe, wenn er nicht rasch ins Krankenhaus komme. Die Besucher sollten diese Nachricht außerhalb des Gefängnisses so weit wie möglich verbreiten.
Am 6. November 2012 starb Satar Beheschti tatsächlich im Ewin-Gefängnis. Am 12. November 2012 erklärte der Generalstaatsanwalt Mohsen Esche‘i (vormals Geheimdienstminister) vor den Medien, es habe eine Autopsie stattgefunden, bei der auch fünf blaue Flecken festgestellt worden seien, allerdings keine im Gesicht. Über die Todesursache schwieg er sich aus und stellte in Aussicht, dass man die Ursache 45 Tage später erfahren werde. Er deutete etwas von Herzbeschwerden und möglichen psychischen Erkrankungen des Gefangenen an, möglicherweise ein Ablenkungsmanöver von den wahren Todesursachen. Auch auf den Beschwerdebrief von Satar Beheschti kam er zu sprechen. Bei der Durchsuchung seines Zimmers (gemeint ist die Zelle!) habe man zwei Durchschläge eines Briefes gefunden, die Gefängnisleitung habe aber das Original nicht erhalten.
Mohsen Esche‘i erwähnte nicht mit einem Wörtchen, dass der Gefangene sich in diesem Brief über die erlittene Folter bei den Verhören beschwert hatte. Allein dieses Detail macht schon deutlich, dass es den Behörden ums Vertuschen geht, nicht um Aufklärung. Vermutlich deshalb war auch von 45 Tagen Frist bis zur Aufklärung der Todesursache die Rede. Er hofft wohl, dass bis dahin Gras über die Sache gewachsen ist oder dass neue Skandale die alten in Vergessenheit geraten lassen.

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Iranische Inlands-Flugtickets werden 65% teurer


Iran Air auf dem Imam Khomeini Airport

Der Leiter der Vereinigung der Fluggesellschaften im Iran, Abdul Reza Mussawi, hat erklärt, dass sich ab dem heutigen Tage die Tickets für Inlandsflüge im Iran sich um 65 Prozent verteuern. Er begründet diese Maßnahme damit, dass die iranische Währung im Vergleich zu anderen Währungen an Wert verloren hat.

In der Praxis scheinen die Preise noch stärker gestiegen zu sein. Auf der Linie Teheran – Bandarabas musste man bislang 100.000 Toman bezahlen. Nun kostet der Flug 179.000 Toman.

Viele ausländische Fluglinien haben den Flugverkehr mit dem Iran aufgrund der Währungsprobleme ganz eingestellt.

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Basar für ausländische Währungen im Iran

Das Klima auf dem Basar für ausländische Währungen im Iran hat sich merklich abgekühlt. Ganz anders verhält es sich mit den Festnahmen, Folterungen, Hinrichtungen und Steinigungen.


„Kein An- und Verkauf von ausländischen Währungen mehr“


„Kein An- und Verkauf von ausländischen Währungen mehr. Bitte, bitte, fragen Sie uns nicht“


„Kein An- und Verkauf von ausländischen Währungen mehr.“ Daneben: eine leere Liste für Wechselkurse


Ausländische Geldscheine zum bestaunen, jedoch nicht zum Kaufen.


Die Wechselstube hat geöffnet, handelt aber keine Devisen mehr


Auch bei dieser Wechselstube sind keine Preise für An- und Verkauf von Devisen mehr ausgewiesen

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Tod aufgrund von Folter im Teheraner Ewin-Gefängnis

Satar Beheshti ist vor 9 Tagen, am 27.10.2012, in Teheran festgenommen worden. Heute rief ein Vertreter der Sicherheitspolizei bei seinen Eltern an und teilte ihnen mit, dass ihr Sohn tod sei. Er sei im Ewin-Gefängnis gestorben.


Satar Beheshti

Der Mann am Telefon sprach mit dem Vater und verlangte von der gesamten Familie, dass sie über diesen Vorfall Stillschweigen bewahrt. Sie solle mit niemandem darüber sprechen. Schon gar nicht dürfe irgendwelchen Medien Interviews gegeben werden. Im Kreis der Familie dürfe lediglich weitergegeben werden, dass er eines natürlichen Todes und zwar aufgrund einer vorher bestehenden Krankheit gestorben sei. Wer sich nicht an diese Vorschriften halte, würde selbst ins Gefängnis kommen und dort gefoltert und getötet werden.

Die Schwester von Satar konnte sich nicht daran halten. In Telefonaten mit einer anderen Familie und auch mit einem Mitarbeiter der Website Kalame klagte sie über den Tod ihres Bruders und rückte nach und nach mit mehr Informationen heraus.

Inzwischen ist bekannt geworden, dass Satar Beheshti von Inhaftierten des Ewin Gefängnisses gesehen worden ist. Sie sagten, dass er schwer gefoltert worden sei und sein ganzer Körper zahlreiche Verletzungen aufwies.

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Iranische Zwickmühle


Links der Parlamentspräsident Laridschani, der zweite von links sein Bruder, der Chef der iranischen Justiz, dann Ajatollah Chamene‘i, der Oberste Religiöse Führer, und ganz rechts Mahmud Ahmadineschad, der iranische Präsident

Einen Kuchen kann man teilen, aber ein Keks?
Die vier abgebildeten Personen sind die zentralen Akteure eines Theaterstücks, das schon seit einiger Zeit im Iran gespielt wird. Die beiden Laridschanis vertreten den fundamentalistischen Flügel (die Prinzipialisten). Diese versuchen nach der erfolgreichen Entmachtung der Reformisten nun ihrerseits die wirtschaftliche Macht und die politische Entscheidungsgewalt in ihre Hände zu bekommen. Sie sind darin nicht frei, denn der Zusammenbruch der iranischen Wirtschaft führt zu einer gewaltigen Arbeitslosigkeit, zur Verarmung eines beträchtlichen Teils des Mittelstands und zum Anwachsen der Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Der Zusammenbruch der Wirtschaft und die Halbierung der Erdölexporte hat auch dazu geführt, dass das verteilbare Einkommen unter den Mächtigen deutlich weniger geworden ist. Und da der Präsident Mahmud Ahmadineschad laut iranischer Verfassung kein drittes Mal zur Wahl antreten kann, machen sich diejenigen, die unter Ahmadineschad zu Amt und Einkommen gelangt sind, bereit, einen der Ihren ins Präsidentenamt zu heben, die Fundamentalisten dagegen versuchen, dies zu verhindern.

Die Stimmung anheizen
Wer nach der Macht strebt, kann die Unzufriedenheit in der Bevölkerung nicht ignorieren, denn gegen deren Zorn hält sich der neue Machthaber nicht lange. Also sind die Gebrüder Laridschani und die Leute hinter ihnen bestrebt, den Zorn auf die Gegenseite abzulenken. Mahmud Ahmadineschad soll den Blitzableiter spielen, und deshalb füttert die Gegenseite die Medien mit Vorwürfen gegen den Präsidenten. Er sei schuld an den Sanktionen, am Devisenmangel, an der Inflation, an der Arbeitslosigkeit. Er habe mit Themen wie Holocaust und Atombombe die Weltöffentlichkeit gegen den Iran mobilisiert, die Folgen müsse nun die Bevölkerung tragen.

Die scharfe Zunge des Präsidenten
Doch Ahmadineschad weiß sich zu wehren. Er weist öffentlich darauf hin, dass alles, was er unternommen hat, auf Anweisung des Religiösen Führers Ajatollah Chamene‘i geschehen sei. Mehr noch, er weiß die Stimmungen im Volk aufzunehmen und sich als deren Sprachrohr zu stilisieren. So sprach er einmal in einem Seitenhieb von den „Baradarane Qatschaqtschi“ (die Schmugglerbrüder), die geheime Häfen betrieben, um Schmuggelware in den Iran zu bringen. Jeder verstand sofort, wer gemeint war: Es sind die Pasdaran, die solche Häfen betreiben, und im iranischen Sprachgebrauch ist stets von den Baradarane Sepah (den Brüdern aus den Organen der Revolutionswächter) die Rede. Seit Ahmadineschads Rede sind die „Schmugglerbrüder“ ein geflügeltes Wort geworden, das im Volksmund weiterlebt. Und vor diesen unberechenbaren Attacken haben Ahmadineschads Gegner Angst.

Wo sind die 600 Milliarden Dollar geblieben?
Sie haben deshalb neben der Medienkampagne, die den Präsidenten zum Hauptverantwortlichen für die Krise erklärt, einen zweiten Angriff gestartet. Über das Parlament. In einer offiziellen Vorladung des Parlaments sollte der Präsident den Abgeordneten Rede und Antwort stehen. Sie verlangten von ihm Auskunft, was mit den 600 Milliarden Dollar geschehen sei, über die seine Regierung (dank der Erdöleinkünfte) verfügt habe.
Ahmadineschad ließ die Vorwürfe über sich ergehen und konterte dann: Was fragt Ihr mich, wohin das Geld gegangen ist? Ihr wisst darüber doch viel besser Bescheid als ich. Was sind das für kindische Fragen? Für diese Fragen kann ich euch nur eine sechs geben, sitzen geblieben. Wenn ihr wenigstens so schlau gewesen wärt, mich vorher zu fragen, was für Fragen Ihr denn stellen könntet, dann hättet Ihr wenigstens etwas davon gehabt, statt mich Dinge zu fragen, die Ihr ohnehin wisst.
Die Abgeordneten waren wütend, konnten aber nichts entgegnen. Denn natürlich wissen sie, dass auch die Prinzipialisten, zu denen viele von ihnen selbst gehören, und der Religiöse Führer von dem Kuchen ein ordentliches Stück abgeschnitten haben, so wie auch die Leute, die Ahmadineschad überall im Land in Ämter eingesetzt hat und die Pasdaranoffiziere und -generäle, die in den verschiedensten Unternehmen ihren Anteil haben.

Zweiter Anlauf zur Absetzung des Präsidenten
Nachdem dieser Angriff am Präsidenten abgeblitzt war, versuchten die Brüder Laridschani im zweiten Anlauf, genügend Unterschriften von Abgeordneten zusammen zu bekommen, um den Präsidenten noch einmal öffentlich anzuhören, eine Voraussetzung für seine Absetzung. Zugleich ließen sie seinen Pressesekretär Dschawanfekr unter Einsatz von Tränengas festnehmen und später ins Gefängnis stecken, als Ahmadineschad gerade in New York war. Das war ein harter Schlag für den Präsidenten, und so konterte er mit einem scheinbar harmlosen Wunsch:
Als Präsident wolle er das Ewin-Gefängnis besuchen. Sadeq Laridschani, der Chef der iranischen Justiz, schrieb ihm darauf einen vertraulichen Brief, das sei nicht der richtige Moment usw. Darauf antwortete ihm Ahmadineschad in einem öffentlichen Brief, wobei er den vertraulichen gleich auch an die Öffentlichkeit brachte. Es sei sein Recht als Präsident, das Gefängnis zu inspizieren, er sei das Oberhaupt der Verwaltung und müsse wissen, wie die Gesetze umgesetzt würden. Dieses Recht gestehe ihm auch das islamische Grundgesetz zu. Und er meinte: Offensichtlich geschehen in den Gerichten Dinge, die ich nicht erfahren soll. Das brachte die Gebrüder Laridschani zum Kochen.

Ein Machtwort des Führers
Der Religiöse Führer Ajatollah Chamene‘i sah den Moment gekommen, einzugreifen. Er rief die Parteien zu sich und erklärte: Wer das Volk aufwiegelt, begeht Verrat an der Revolution. Bis zum Wahltag (gemeint sind die nächsten Präsidentschaftswahlen) hat keiner das Recht, an die Öffentlichkeit zu treten.
Die Brüder Laridschani sicherten ihm ihre Unterstützung zu, auch Präsident Ahmadineschad tat dies, und zwar wieder über die Öffentlichkeit! Er erklärte, nach dem Religiösen Führer sei er die zweite Person im Staate (ein Seitenhieb auf die Brüder Laridschani, die aus dieser Sicht unter ihm stehen), aber er respektiere den Religiösen Führer und werde sich seinem Wunsch beugen. Er schrieb auch, obwohl gegen meine Regierung, die vom Volk gewählt wurde, sehr unfreundliche Vorgehensweisen gewählt wurden, werde ich auf das hören, was Sie (=der Ajatollah) sagen.
Mit diesen Worten weist er auf den auch für Ajatollah Chamene‘i unangenehmen Sachverhalt hin, dass die Wahlfälschung bei den letzten Präsidentschaftswahlen im Jahr 2009 auf Anweisung des Ajatollahs geschehen ist, der Parlamentspräsident hatte damals noch voreilig dem stimmenmäßigen Gewinner Mirhossein Mussawi gratuliert, bevor das Ergebnis von oben geändert wurde.
Ahmadineschad schloss mit den Worten: Ich bin überzeugt davon, dass Sie das Grundgesetz verteidigen und auch weiter hinter ihm stehen.

Die Halbwertszeit des Machtworts
Zugleich weiß er aber, dass die Streitigkeiten zwischen den Konfliktparteien in dieser Wirtschaftskrise unlösbar sind, dass es zu neuen Konflikten kommen wird, die den Ajatollah erneut zu einem Machtwort zwingen. Je öfter er dazu gezwungen wird, je kürzer die Halbwertszeit eines Machtworts wird, desto besser für den Präsidenten. Denn das zeigt den Anhängern des Ajatollahs im Apparat der Pasdaran, dass niemand mehr auf das Wort des Führers hört. Und das ist das Ende seiner Macht. Ahmadineschad dagegen kann sich der Unterstützung seiner Anhänger im Staatsappart und bei den Pasdaran sicher sein. Denn ihr Verbleib an den Futtertrögen hängt davon ab, ob er oder einer aus Ahmadineschads Umfeld weiter an der Macht bleibt oder nicht.

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Sahedan: Motorradfahrer schießen auf Moscheeheimgänger

Am vergangenen Freitag (1.11.2012) schossen zwei bewaffnete Motorradfahrer in Sahedan (Südiran, Balutschistan) auf Passanten, die vom Moscheebesuch heimgingen. Vier Passanten wurden verletzt und ins Krankenhaus eingeliefert. Amtliche iranische Stellen bringen den Anschlag in Zusammenhang mit der Hinrichtung von drei Mitglieder der Familie Rigi, die kürzlich wegen angeblicher Mitgliedschaft bei der sunnitischen Terrororganisation Dschond-ollah hingerichtet wurden. Die Moscheeheimgänger waren alles Schiiten. Ob die amtliche Interpretation richtig ist, steht auf einem anderen Blatt.

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Schule in Qal‘e-ye Ganj-e Kerman (Iran)




Das ist die Schule, die die Kinder in einem Ort der im südlichen Teil des Irans gelegenen Region Kerman besuchen.

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Iran: Betonköpfe werfen mit Steinen

Während der Sprecher des Rechtsausschusses des iranischen Parlaments Allahyar Malekschahi letzte Woche im Parlament erklärte, man wolle die Steinigung für Ehebruch durch eine andere Strafe ersetzen, sieht die Wirklichkeit ganz anders aus. So wurden laut iranischen Quellen in den letzten Tagen vier Frauen gesteinigt, deren Leichen jetzt der Gerichtsmedizin übergeben wurden. Den Frauen war Drogenkonsum und illegale geschlechtliche Beziehungen zur Last gelegt worden, wobei die Steinigung nur für letzteren Vorwurf verhängt werden kann. Ob ihre Angehörigen von der staatlich angeordneten Ermordung benachrichtigt wurden, ist nicht bekannt. Beobachter teilten jedenfalls mit, dass die Leichen nicht nur Spuren der Steinwürfe aufwiesen, sondern auch Spuren zuvor erlittener Folter. Wie man sieht, dient die Todesstrafe einmal mehr dazu, andere Verbrechen des Staates zu vertuschen.

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