Archiv für Dezember 2012

Warum setzt der Iran auf die Verlierer?

Wenn man die iranische Außenpolitik betrachtet, ist die Frage berechtigt, wieso die Führung der Islamischen Republik Iran so beharrlich den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad unterstützt. Nicht nur die Pasdaran, selbst iranische Wehrpflichtige werden gegen ihren Willen nach Syrien geschickt, damit sie das Regime dabei unterstützen, die eigene Bevölkerung zu bekriegen. Natürlich hat der Iran einiges zu verlieren: Syrien ist das einzige Land mit einer sunnitischen Mehrheit, das außenpolitisch iranische Positionen vertritt. Über Syrien kann die iranische Führung Palästinenser-Organisationen im Libanon und in Palästina unterstützen und somit den Krieg nach Israel hineintragen, was stets das ausgesprochene Ziel von Ajatollah Chomeini und seiner Anhänger war. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die iranische Führung zu Beginn versucht hat, Baschar al-Assad an der Macht zu halten. Aber auch den iranischen Machthabern ist nicht entgangen, dass die Gegner von Baschar al-Assad offensichtlich Waffen erhalten und immer weitere Gebiete des Landes unter ihre Kontrolle bringen, obwohl das syrische Regime sich nicht scheut, mit allen Mitteln des Krieges auch gegen die eigene Zivilbevölkerung vorzugehen, um den Vormarsch der Gegner zu stoppen. Die diplomatischen Anerkennungen der Gegner Assads auf internationaler Ebene, der militärische Vormarsch, alles sind Zeichen, die der iranischen Führung signalisieren, dass sie wohl auf den Verlierer setzen. Und sie tun es trotzdem. Warum?

Politik der Zermürbung

Der Hintergrund für dieses Verhalten ist die Denkweise der iranischen Geistlichkeit. Sie sagt sich, wenn der Westen sieht, dass wir auch dann nicht abspringen, wenn es schlecht aussieht, wenn der Westen sieht, dass wir selbst bei einem Thema wie Syrien nicht nachgeben, dann kann sich der Westen ausmalen, wie hoch die Kosten für ihn sind, wenn er nach einem Sturz in Syrien gegen uns vorgehen will. Der Westen wird deshalb die Kosten abwägen und nach einem Weg des Ausgleichs mit dem Regime suchen. So denkt die Führung. Und zwar aus Prinzip.

Vom Irak-Krieg …
Das galt schon zu den Zeiten von Ajatollah Chomeini. Selbst als klar war, dass er mit einer Fortführung des iranisch-irakischen Kriegs, den Saddam Hussein vom Zaum gebrochen hatte, nur noch verliert, schickte er weiter seine Soldaten an die Front. Erst, als deutlich wurde, dass immer mehr Iraner aus diesem Krieg desertieren und Chomeini irgendwann einmal keine Soldaten mehr haben würden, um den Krieg fortzuführen, willigte er in einen Waffenstillstand mit Saddam Hussein ein.

…bis zu den Präsidentschaftswahlen
Sein Nachfolger, Ajatollah Chamene‘i, hat dieses Vorgehen auch innenpolitisch durchgezogen. Nach den Präsidentschaftswahlen vom Juni 2009, als Ahmadineschad verloren und Mirhossein Mussawi die Mehrheit gewonnen hatte, ließ Chamene‘i die Wahlergebnisse fälschen und Ahmadineschad zum wiedergewählten Präsidenten küren. Der unglückselige Wahlleiter, der vorzeitig die wahren Ergebnisse bekannt gegeben hatte, starb eines baldigen Todes. Aber die Iraner ließen sich die gestohlenen Stimmen nicht einfach nehmen. Sie gingen zu Millionen auf die Straßen und protestierten gegen den Betrug. Es dauerte ein Jahr lang, bis Chamene‘i und seine Leute diesen Protest niedergeschlagen hatten, aber sie hatten Erfolg. Die Bevölkerung sagte sich angesichts der Sturheit des Führers, bei seinem erlogenen Wahlsieger Ahmadineschad zu bleiben, schließlich, dass der Widerstand nichts bringt, und gab auf.

Sturheit ist nicht Dummheit
Und diese Sturheit ist Politik. Sie soll zeigen, dass die Machthaber keine Kosten scheuen und die Gegner keine Chance haben. Vielleicht mag diese Denkweise gegenüber den westlichen Regierungen auch Erfolg haben. Aber innenpolitisch ist sie an ihren Grenzen angelangt. Denn schon heute arbeiten infolge der Sanktionen die Fabriken nur noch auf einem Drittel ihrer Kapazität. Und diese Fähigkeit halten sie nur aufrecht, weil sie auf ein baldiges Ende der Sanktionen hoffen.

Wann kommt der Iranische Frühling?
Wenn im kommenden Frühjahr keine Besserung in Sicht ist, kann auch dieser Rest an Arbeitsplätzen geschlossen werden. Und dann kann sich die Bevölkerung nicht einmal mehr damit vertrösten, es sei besser zu schweigen und seinen Unterhalt zu verdienen, irgendwann werde auch Ajatollah Chamene‘i einmal sterben. Denn dann ist kein Überleben mehr möglich. Vor diesem Gegner müssen sich auch die Sturen fürchten. Wir werden sehen, ob 2013 das Jahr des Iranischen Frühlings wird.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Als nächster der Innenminister?

Im Iran laufen die Vorbereitungen für die nächsten Präsidentschaftswahlen. Das heißt, die Vorbereitung für die nächsten Wahlfälschungen. Hier spielt das Innenministerium die entscheidende Rolle. Derzeit ist der Innenminister General Nadschar, ein Vertrauensmann von Ajatollah Chamene‘i. Das liegt nicht im Interesse von Präsident Ahmadineschad, der selbst zwar kein drittes Mal mehr antreten kann, aber doch einen Mann aus seinem Team in das Amt hieven möchte. Zu diesem Zweck hat er begonnen, die Leute aus dem Kabinett zu entfernen, die zu den Vertrauten Ajatollah Chamene‘is gehören. Die erste war Gesundheitsministerin Marsiye Wahid Dastdscherdi. General Nadschar könnte der nächste sein, das Problem ist nur, dass er ein General der Pasdaran ist, und bei denen ist Vorsicht angesagt. Man darf gespannt sein, wie Ahmadineschad dieses „Problem“ löst.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Entlassung mit dem Schaufelstiel

Bis vor einer Woche war Marsiye Wahid Dastdscherdi die iranische Gesundheitsministerin. Als solche ist sie auch für den Import lebenswichtiger Medikamente zuständig. Kürzlich kritisierte sie in den iranischen Medien, dass der Staat zwar Devisen für den Import solcher Medikamente ausweise, de facto aber nicht zur Verfügung stelle. Auch für den Import von Schaufelstielen, die aus der Volksrepublik China kommen, würden Devisen bereitgestellt, im Gegensatz zum Geld für die Medikamente könnten diese aber auch ausgegeben werden. Sie stellte die Frage, was denn wichtiger sei: Die Schaufelstiele, die ja auch mit Bäumen hergestellt werden könnten, die im Iran wachsen, oder Medikamente, die man nicht im Iran herstellen könne.
Die Reaktion von Präsident Ahmadineschad ließ nicht lang auf sich warten. Die Gesundheitsministerin wurde von einem Tag auf den anderen vor die Tür gesetzt.
Das ist aber nur die halbe Geschichte. Marsiye Wahid Dastdscherdi genießt das Vertrauen von Ajatollah Chamene‘i und gehört zu den Vertrauten der Laridschani-Brüder, die zu Ahmadineschads Gegnern gehören. Und einer der Laridschani-Brüder, nämlich Baqer Laridschani, war bis vor kurzem der Rektor der Medizinischen Hochschule Teherans. Präsident Ahmadineschad wollte nun diesen Posten mit einem seiner Leute besetzen. Als Baqer Laridschani dies erfuhr, reichte er seinen Rücktritt ein, Marsiye Wahid Dastdscherdi, die damalige Gesundheitsministerin, pfiff ihn jedoch zurück und sagte, solange sie Ministerin sei, bleibe er auf seinem Posten. Nachdem sie geflogen ist, war Baqer Laridschani klar, woher der Wind weht, und er reichte erneut seinen Rücktritt ein, bevor Ahmadineschad ihn rauswerfen konnte.
So kann Ahmadineschad gleich zwei neue Posten vergeben: Das Amt der Ministerin besetzte er mit dem Stellvertreter, wozu er das Parlament nicht um Erlaubnis fragen muss, und wen er auf das Amt des Hochschulrektors setzt, wird sich bald zeigen.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Teheran: Im Notfall nur mit Tschador


Diese Tafel am Eingang zu einer Notfallaufnahme (darma:nga:h) in Teheran besagt, dass ab dem angegebenem Datum 1.10.1391 (iranischer Kalender) Frauen nur noch mit dem „überlegenen Schleier“, dahinter als Erklärung – „Tschador“, behandelt werden.
Offensichtlich hat also eine traditionell gekleidete Frau oder gar eine ohne Kopftuch kein Recht auf Leben und Gesundheit.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Kurdische Tänze an der Freien Universität Teheran

Die iranischen Mollas sind nicht dafür bekannt, dass sie Tänze und speziell gemeinsame Tänze von Männern und Frauen fördern. Aber offensichtlich gelingt es den Jugendlichen immer wieder, den Spassverderbern eins auszuwischen.

So hatten iranische Kurden, wohl Angehörige von Nomaden, eine Erlaubnis bekommen, vor der Freien Universität Teheran ein Zelt aufzubauen. Bei dieser Gelegenheit führten sie auch gleich einen ihrer Gruppentänze auf. Man sieht, wie Männer und Frauen gemeinsam tanzen. Überall an den Fenstern sammeln sich neugierige Zuschauerinnen und Zuschauer, und man hört am Schluss den Ruf „Dobare, dobare“ (Nochmal – also, Zugabe!).
Hier der Link zum Video.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Grubenexplosion in Tabas (Iran)


In der Grube „Yal-e Shomali“ in Tabas (Zentraliran), in der Steinkohle gefördert wird, kam es am Dienstag, den 18.12.2012, zu einer Explosion, die acht Tote unter den Grubenarbeitern forderte. Die Ursache ist wie üblich fehlende Sicherheitsreinrichtungen in solchen Betrieben.

Da die Arbeiter im Iran zu immer schlechteren Bedingungen eingestellt werden, inzwischen ist sogar die Praxis verbreitet, sie Blanko-Verträge unterschreiben zu lassen, bekommen die Anhörigen der Toten nichts. Nur den Sarg mit dem Toten.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Sicherheitsrat beschließt Sanktionen gegen 2 iranische Luftfahrtgesellschaften

Gegen die beiden iranischen Exportfirmen „Jas Air“ und „SAD Iran“, die auch über eigene Luftfrachtunternehmen verfügen, wurde am Donnerstag, den 20. Dezember 2012, vom UN-Sicherheitsrat eine einschneidende Maßnahme beschlossen. Das Vermögen der beiden Firmen wurde weltweit eingefroren, weil sie beide das syrische Regime mit Waffen beliefern.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Arbeiterproteste gegen Gesetzgebung


Am 18. Dezember 2012 wurde vor dem iranischen Parlament ein Sitzstreik erklärt. Die in der Arbeitergewerkschaft zusammengeschlossenen Anwesenden hatten im Vorfeld 10.000 Unterschriften gegen die geplanten Gesetzesänderungen gesammelt, davor hatten sie schon einmal 30.000 Unterschriften gesammelt und dem Parlament überreicht.
In Plakaten wurde darauf hingewiesen, dass ein Parlamentsabgeordneter für eine Dienstreise an einem Tag so viel erhält wie ein Arbeiter in einem Monat. Ein anderes Plakat besagte, dass die Armutsschwelle im Iran 500.000 Tuman beträgt, der gesetzliche Lohn für einen Arbeiter dagegen 389.000 Tuman.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Wer sein Geld von den Militärs bezieht, kann kein Student sein


Dieser Student traut sich was

Im Iran ist wieder Vorwahlzeit, Mitte 2013 steht wieder eine Präsidentenwahl an. Und wie gehabt, lockert das Regime die Schrauben etwas, um den Eindruck zu erwecken, die Wähler hätten eine Freiheit der Wahl. An der Universität Teheran fand am Dienstag, den 18. Dezember 2012, eine Diskussionsrunde statt, die die Studenten-Bassidschi-Milizen organisiert hatten. Die Diskussion verlief aber anders als die Organisatoren sich das wohl gewünscht hatten.
Nachdem der Vorredner, ein Bassidschi, behauptet hatte, niemand sei wegen seiner Überzeugung im Gefängnis, ging der Folgeredner aufs Ganze.
Er erklärte, dass eine Organisation, die ihr Budget von den Militärs (hier sind auch die Pasdaran mit einbezogen) beziehe, nicht behaupten könne, sie sei eine Studentenvertretung. Die Studentenbewegung im Iran sei stets mit den anderen aktiven Gruppen verbündet gewesen, mit der Arbeiterbewegung, der Frauenbewegung, den Umweltschützern, mit allen denen, die die Gesellschaft ändern und verbessern wollten. Die Bassidschis dagegen seien nur dazu da, das bestehende Regime am Leben zu erhalten.
Er sagte weiter, dass es nicht stimme, dass niemand wegen seiner Überzeugung in Haft sei. Doktor Faribors Ra‘isdana, seines Zeichens Wirtschaftswissenschaftler, sei zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden, weil er die jetzige Wirtschaftspolitik kritisierte. Dr. Faribors Ra‘isdana sei deshalb jetzt im Ewin-Gefängnis. Und wenn jemand Madschid Tawakkoli, einen Studentenaktivisten, dafür kritisiere, dass er versucht habe, im Tschador zu fliehen, und dies als Schande bezeichne, so könne man dazu nur anmerken: Wer das Tragen des Tschadors, das Tragen von Frauenkleidern als Schande bezeichne, sei nur einer von denen, die das System des Machismo und die Vorherrschaft der Männer am Leben erhalten wolle. Der Redner bekam heftigen Beifall, natürlich ausgenommen jene, die wohl Bassidschis sind.
Es ist nicht auszuschließen, dass der Redner später verhaftet wird.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran:Hungerstreik im Evin-Gefängnis

Der inhaftierte Arbeiteraktivist Reza Shahabi ist aus Protest gegen seine schlechte Behandlung im Teheraner Evin-Gefängnis erneut in einen Hungerstreik getreten.
Shahabi,der Mitglied im Vorstand der Gewerkschaft der Beschäftigten der Teheraner Busbetriebe ist, verweigert die Aufnahme von fester Nahrung und Medikamenten.
Am 15. Dezember 2012 war er für medizinische Untersuchungen ins Teheraner Imam Khomeini-Krankenhaus gebracht worden . Nachdem er dort mit Übergriffen der Gefängnisbeamten konfrontiert wurde, trat er nach seiner Rückkehr ins Gefängnis in den Hungerstreik.
.Shahabi leidet an Nacken- und Rückenproblemen und wurde seit seiner Inhaftierung mehrmals in Krankenhäusern behandelt.
Immer wieder wurde ihm Hafturlaub verweigert. Selbst nach dem Tod seiner Mutter im März 2012 wurde ihm nicht gestattet, an der Beerdigung teilzunehmen.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Freilassung des Sohnes eines wichtigen Ajatollahs im Iran


Von links nach rechts: Die Mutter von Mehdi Hashemi, Mehdi Hashemi selber und Ali Akbar Hashemi Rafsanjani

Mehdi Hashemi, der Sohn von Ali Akbar Hashemi Rafsanjani, Vorsitzender des Schlichtungsrates, ist nach mehr als zwei Monaten Haft gegen eine Kaution in Höhe von 10 Mrd. Toman (ca. 2,5 Mio Euro) aus dem Gefängnis entlassen worden. Die Teheraner Staatsanwaltschaft teilte mit, dass die Untersuchungen gegen Mehdi Hashemi beendet seien; Hashemi sei am Abend des 16. Dezember gegen Kaution freigelassen worden.

Mehdi Hashemi war im September bei seiner Ankunft in Teheran verhaftet worden. Er hatte die letzten 3 Jahre in Großbritannien gelebt. Ihm wird Bestechung und Machtmissbrauch vorgeworfen und er soll nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl von 2009 Unruhen geschürt haben.

Die tatsächlichen Hintergründe für die Freilassung bleiben im Unklaren. Während im Iran viele JournalistInnen und StudentInnen jahrelang im Knast gehalten und dort gefoltert werden, kommt der Sohn eines wichtigen Ajatollahs schnell wieder frei.

Auch Rafsanjanis Tochter Faezeh leistet zur Zeit eine sechsmonatige Haftstrafe ab, zu der sie wegen des Vorwurfs der staatsfeindlichen Propaganda verurteilt wurde.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Tödliches Pasdaranmanöver in Lurestan

Kürzlich haben Sondereinheiten der iranischen Revolutionswächter (Gordan-e Emam Hossein) ein Spezialmanöver in Lurestan durchgeführt. Was dort genau geübt wurde, ist nicht in die Medien vorgedrungen. Bekannt wurde dagegen, dass ein Pasdar bei diesem Manöver ums Leben kam, außerdem sei einer der Befehlshaber der Pasdaran in der Provinz Lurestan bei diesem Manöver schwer verletzt worden.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

OPEC dementiert Iran

Laut Angaben, die das iranische Erdölministerium gegenüber der OPEC gemacht hat, hat der Iran im November 2012 täglich 3,8 Millionen Barrel Erdöl produziert. Das Ministerium sprach sogar von einem Zuwachs von 0,1 Mio Barrel täglich. Die OPEC hat dagegen am 11. Dezember 2012 Zahlen aus anderen Quellen veröffentlicht, wonach der Iran 2,6 Mio Barrel Erdöl gefördert hat, 0,9 Mio weniger als im Vorjahr. Für die Angaben der OPEC spricht auch, dass zwei iranische Parlamentsabgeordnete, nämlich der stellvertretende Parlamentsvorsitzende Mohammadresa Bahonar und das Mitglied des Finanzausschusses Gholamresa Mesbahi-Moqaddam bestätigt haben, dass die täglichen Erdölexporte des Irans um 1 Million Barrel gesunken seien.
Da hat das Erdölministerium wohl gelogen.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Aschura: Von der Trauer zum Protest

Wir hatten am 3. Dezember schon darüber berichtet, dass in der iranischen Stadt Jasd dieses Jahr die zehn Trauertage bis zum Höhepunkt des Trauermonats Moharram, dem Aschura-Tag, besondere Trauerlieder gesungen wurden. Dort hieß es:
„Dies hier ist die Stadt der Toten. (=Iran)
Eine frische Stimme – verboten
die Lippen einer Knospe (=die neue Generation)– geschlossen“
Diese Trauerfeier zog Tausende von Menschen an, die mitsangen, und wie man an folgendem Video sieht, war ein beachtlicher Teil junge Menschen. Auch Frauen waren anwesend, aber die wurden aus religiösen Gründen offenkundig ausgeblendet. Wie man an der sich wiederholenden Massenveranstaltung erkennen kann, kann die Opposition gegen den Religiösen Führer und die Regierung auch unter gläubigen Menschen Massen hinter sich vereinigen, sobald nicht die Gefahr der Verhaftung besteht.
Hier der Link zum Video, unter dem auch der vollständige Text auf Persisch zu finden ist.
Und hier ein weiteres Stück aus dem Text, den der Trauerredner gesungen hat:
yek su seta:re zaxmi / yek su parande dar gur
tanha:ye morde bar xa:k / marda:n zende dar gur
ha:sha: az in taba:hi / ta: key shab va siya:hi
a:n ruze digar ku

Auf der einen Seite ein verletzter Stern / Auf der anderen Seite ein Vogel im Grab.
Nur die Toten sind auf der Erde / Die Tapferen sind lebend im Grab.
Was ist das für ein Verbrechen! / Wie lange noch Nacht und Finsternis?
Wo ist der andere Tag? (gemeint: an dem sich das ändert)

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Sattar Beheschti (Teheran): 40 Tage nach seinem Tod

Im Iran ist es üblich, zum 40. Tag nach dem Tod eines Angehörigen eine Trauerfeier für den Toten zu veranstalten. Im Fall von Sattar Beheschti, der im Polizeiverhör zu Tode gefoltert wurde, ist so ein Gedenktag natürlich für die Behörden ein heikler Tag, und die Trauernden wissen, dass es riskant ist, an so einem Tag zu erscheinen.

Das Gesetz der Rache (Qessas)
Immerhin hatten die amtlichen iranischen Stellen, die auf der einen Seite vermeiden, auch nur das Wort Folter in Zusammenhang mit dem Tod von Sattar Beheschti in den Mund zu nehmen, auf der anderen Seite versucht, von der Mutter eine schriftliche Einwilligung zu bekommen, dass die Täter in Uniform nicht nach dem Qessas-Prinzip der Scharia ebenfalls hingerichtet werden. Denn das entscheiden die Angehörigen des Ermordeten. Die Behörden hatten der Mutter von Sattar Beheschti damit gedroht, auch ihre Tochter zu verhaften, wenn sie nicht die Unterschrift unter so eine Einverständniserklärung setze. Die Mutter tat es, allerdings ohne konkret den Namen eines der Folterer zu nennen. Auf ihrer jüngsten Vernehmung durch die Ermittlungsorgane erklärte die Mutter allerdings, sie habe diese Einwilligung nicht freiwillig gegeben und zog sie zurück.

Lautsprecher, um die anderen totzureden
Zum 40. Trauertag hatten die staatlichen Behörden selbst einen Trauerredner organisiert, der mit einem Lautsprecher und einer entsprechenden Verstärkeranlage ausgerüstet wurde, damit die Trauernden selbst möglichst nicht mehr gehört werden können. Trotz der bedrohlichen Lage kamen 40-50 Trauernde, nicht so viele aus der eingeschüchterten Nachbarschaft, vor allem aber von Müttern, die selbst schon ein Kind durch die staatliche Repression verloren haben. Für die Frauen ist das eine psychische Situation, in der ihnen ihr Leben egal ist, weil sie aus ihrer Sicht das Wichtigste, ihr Kind, verloren haben, und letztlich auch das Ziel und den Sinn ihres Lebens.

Nachsicht für Drogenhändler
Und so geschah es auch bei der Trauerfeier auf dem Friedhof: Die Mutter und die Schwester von Sattar Beheschti hielten ein Bildnis des Ermordeten und gingen so protestierend über den Friedhof. Dabei riefen sie, dass es für sie eine Ehre sei, ihr Kind sei für den Iran gestorben. Ein Nachbar hielt eine empörte Ansprache am Grab des Toten und sagte, wenn es ein Drogenhändler oder ein Dieb gewesen wäre, hätte das die Behörden nicht gekümmert, dann wäre er noch am Leben.

Prügel für die Mutter
Die Beamten wollten darauf den Bruder von Sattar Beheschti festnehmen, worauf die Mutter eingriff. Sie sagte: „Einen Sohn habt ihr schon umgebracht, jetzt wollt ihr mir auch noch den zweiten nehmen?“ Auch die Schwester griff ein. Darauf wurden die Beamten brutal und rissen der Frau die Haare strähnenweise aus, weil sie ihren Sohn verteidigte. Letztlich setzten sich die staatlichen Gewalttäter durch und führten den Sohn ab, während die Mutter ins Krankenhaus gebracht werden mussten, um sich wegen der erlittenen Verletzungen behandeln zu lassen.

Kritik von Ajatollah Assadollah Bajat-Sandschani
Inzwischen hat Ajatollah Assadollah Bajat-Sandschani in Qom das Vorgehen der Behörden verurteilt, sie hätten kein Recht gehabt, die Mutter zu misshandeln, und dies im Trauermonat Moharram. Er forderte, die Beamten ausfindig zu machen und festzustellen, ob ihnen Anweisung erteilt worden sei, so gegen die Trauernde vorzugehen. Falls ja, müsse ermittelt werden, wer die Anweisung erteilt habe. Die Täter müssten sich vor Gericht verantworten.

Filmaufnahme von der Trauerfeier auf dem Friedhof:

Rede der Mutter von Sattar Beheshti sowie der Mutter von Saeed Zeynali am Grab von Sattar Beheshti:

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email