Sattar Beheschti (Teheran): 40 Tage nach seinem Tod

Im Iran ist es üblich, zum 40. Tag nach dem Tod eines Angehörigen eine Trauerfeier für den Toten zu veranstalten. Im Fall von Sattar Beheschti, der im Polizeiverhör zu Tode gefoltert wurde, ist so ein Gedenktag natürlich für die Behörden ein heikler Tag, und die Trauernden wissen, dass es riskant ist, an so einem Tag zu erscheinen.

Das Gesetz der Rache (Qessas)
Immerhin hatten die amtlichen iranischen Stellen, die auf der einen Seite vermeiden, auch nur das Wort Folter in Zusammenhang mit dem Tod von Sattar Beheschti in den Mund zu nehmen, auf der anderen Seite versucht, von der Mutter eine schriftliche Einwilligung zu bekommen, dass die Täter in Uniform nicht nach dem Qessas-Prinzip der Scharia ebenfalls hingerichtet werden. Denn das entscheiden die Angehörigen des Ermordeten. Die Behörden hatten der Mutter von Sattar Beheschti damit gedroht, auch ihre Tochter zu verhaften, wenn sie nicht die Unterschrift unter so eine Einverständniserklärung setze. Die Mutter tat es, allerdings ohne konkret den Namen eines der Folterer zu nennen. Auf ihrer jüngsten Vernehmung durch die Ermittlungsorgane erklärte die Mutter allerdings, sie habe diese Einwilligung nicht freiwillig gegeben und zog sie zurück.

Lautsprecher, um die anderen totzureden
Zum 40. Trauertag hatten die staatlichen Behörden selbst einen Trauerredner organisiert, der mit einem Lautsprecher und einer entsprechenden Verstärkeranlage ausgerüstet wurde, damit die Trauernden selbst möglichst nicht mehr gehört werden können. Trotz der bedrohlichen Lage kamen 40-50 Trauernde, nicht so viele aus der eingeschüchterten Nachbarschaft, vor allem aber von Müttern, die selbst schon ein Kind durch die staatliche Repression verloren haben. Für die Frauen ist das eine psychische Situation, in der ihnen ihr Leben egal ist, weil sie aus ihrer Sicht das Wichtigste, ihr Kind, verloren haben, und letztlich auch das Ziel und den Sinn ihres Lebens.

Nachsicht für Drogenhändler
Und so geschah es auch bei der Trauerfeier auf dem Friedhof: Die Mutter und die Schwester von Sattar Beheschti hielten ein Bildnis des Ermordeten und gingen so protestierend über den Friedhof. Dabei riefen sie, dass es für sie eine Ehre sei, ihr Kind sei für den Iran gestorben. Ein Nachbar hielt eine empörte Ansprache am Grab des Toten und sagte, wenn es ein Drogenhändler oder ein Dieb gewesen wäre, hätte das die Behörden nicht gekümmert, dann wäre er noch am Leben.

Prügel für die Mutter
Die Beamten wollten darauf den Bruder von Sattar Beheschti festnehmen, worauf die Mutter eingriff. Sie sagte: „Einen Sohn habt ihr schon umgebracht, jetzt wollt ihr mir auch noch den zweiten nehmen?“ Auch die Schwester griff ein. Darauf wurden die Beamten brutal und rissen der Frau die Haare strähnenweise aus, weil sie ihren Sohn verteidigte. Letztlich setzten sich die staatlichen Gewalttäter durch und führten den Sohn ab, während die Mutter ins Krankenhaus gebracht werden mussten, um sich wegen der erlittenen Verletzungen behandeln zu lassen.

Kritik von Ajatollah Assadollah Bajat-Sandschani
Inzwischen hat Ajatollah Assadollah Bajat-Sandschani in Qom das Vorgehen der Behörden verurteilt, sie hätten kein Recht gehabt, die Mutter zu misshandeln, und dies im Trauermonat Moharram. Er forderte, die Beamten ausfindig zu machen und festzustellen, ob ihnen Anweisung erteilt worden sei, so gegen die Trauernde vorzugehen. Falls ja, müsse ermittelt werden, wer die Anweisung erteilt habe. Die Täter müssten sich vor Gericht verantworten.

Filmaufnahme von der Trauerfeier auf dem Friedhof:

Rede der Mutter von Sattar Beheshti sowie der Mutter von Saeed Zeynali am Grab von Sattar Beheshti:

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