Warum setzt der Iran auf die Verlierer?

Wenn man die iranische Außenpolitik betrachtet, ist die Frage berechtigt, wieso die Führung der Islamischen Republik Iran so beharrlich den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad unterstützt. Nicht nur die Pasdaran, selbst iranische Wehrpflichtige werden gegen ihren Willen nach Syrien geschickt, damit sie das Regime dabei unterstützen, die eigene Bevölkerung zu bekriegen. Natürlich hat der Iran einiges zu verlieren: Syrien ist das einzige Land mit einer sunnitischen Mehrheit, das außenpolitisch iranische Positionen vertritt. Über Syrien kann die iranische Führung Palästinenser-Organisationen im Libanon und in Palästina unterstützen und somit den Krieg nach Israel hineintragen, was stets das ausgesprochene Ziel von Ajatollah Chomeini und seiner Anhänger war. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die iranische Führung zu Beginn versucht hat, Baschar al-Assad an der Macht zu halten. Aber auch den iranischen Machthabern ist nicht entgangen, dass die Gegner von Baschar al-Assad offensichtlich Waffen erhalten und immer weitere Gebiete des Landes unter ihre Kontrolle bringen, obwohl das syrische Regime sich nicht scheut, mit allen Mitteln des Krieges auch gegen die eigene Zivilbevölkerung vorzugehen, um den Vormarsch der Gegner zu stoppen. Die diplomatischen Anerkennungen der Gegner Assads auf internationaler Ebene, der militärische Vormarsch, alles sind Zeichen, die der iranischen Führung signalisieren, dass sie wohl auf den Verlierer setzen. Und sie tun es trotzdem. Warum?

Politik der Zermürbung

Der Hintergrund für dieses Verhalten ist die Denkweise der iranischen Geistlichkeit. Sie sagt sich, wenn der Westen sieht, dass wir auch dann nicht abspringen, wenn es schlecht aussieht, wenn der Westen sieht, dass wir selbst bei einem Thema wie Syrien nicht nachgeben, dann kann sich der Westen ausmalen, wie hoch die Kosten für ihn sind, wenn er nach einem Sturz in Syrien gegen uns vorgehen will. Der Westen wird deshalb die Kosten abwägen und nach einem Weg des Ausgleichs mit dem Regime suchen. So denkt die Führung. Und zwar aus Prinzip.

Vom Irak-Krieg …
Das galt schon zu den Zeiten von Ajatollah Chomeini. Selbst als klar war, dass er mit einer Fortführung des iranisch-irakischen Kriegs, den Saddam Hussein vom Zaum gebrochen hatte, nur noch verliert, schickte er weiter seine Soldaten an die Front. Erst, als deutlich wurde, dass immer mehr Iraner aus diesem Krieg desertieren und Chomeini irgendwann einmal keine Soldaten mehr haben würden, um den Krieg fortzuführen, willigte er in einen Waffenstillstand mit Saddam Hussein ein.

…bis zu den Präsidentschaftswahlen
Sein Nachfolger, Ajatollah Chamene‘i, hat dieses Vorgehen auch innenpolitisch durchgezogen. Nach den Präsidentschaftswahlen vom Juni 2009, als Ahmadineschad verloren und Mirhossein Mussawi die Mehrheit gewonnen hatte, ließ Chamene‘i die Wahlergebnisse fälschen und Ahmadineschad zum wiedergewählten Präsidenten küren. Der unglückselige Wahlleiter, der vorzeitig die wahren Ergebnisse bekannt gegeben hatte, starb eines baldigen Todes. Aber die Iraner ließen sich die gestohlenen Stimmen nicht einfach nehmen. Sie gingen zu Millionen auf die Straßen und protestierten gegen den Betrug. Es dauerte ein Jahr lang, bis Chamene‘i und seine Leute diesen Protest niedergeschlagen hatten, aber sie hatten Erfolg. Die Bevölkerung sagte sich angesichts der Sturheit des Führers, bei seinem erlogenen Wahlsieger Ahmadineschad zu bleiben, schließlich, dass der Widerstand nichts bringt, und gab auf.

Sturheit ist nicht Dummheit
Und diese Sturheit ist Politik. Sie soll zeigen, dass die Machthaber keine Kosten scheuen und die Gegner keine Chance haben. Vielleicht mag diese Denkweise gegenüber den westlichen Regierungen auch Erfolg haben. Aber innenpolitisch ist sie an ihren Grenzen angelangt. Denn schon heute arbeiten infolge der Sanktionen die Fabriken nur noch auf einem Drittel ihrer Kapazität. Und diese Fähigkeit halten sie nur aufrecht, weil sie auf ein baldiges Ende der Sanktionen hoffen.

Wann kommt der Iranische Frühling?
Wenn im kommenden Frühjahr keine Besserung in Sicht ist, kann auch dieser Rest an Arbeitsplätzen geschlossen werden. Und dann kann sich die Bevölkerung nicht einmal mehr damit vertrösten, es sei besser zu schweigen und seinen Unterhalt zu verdienen, irgendwann werde auch Ajatollah Chamene‘i einmal sterben. Denn dann ist kein Überleben mehr möglich. Vor diesem Gegner müssen sich auch die Sturen fürchten. Wir werden sehen, ob 2013 das Jahr des Iranischen Frühlings wird.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email