Iran: Geiselbefreiung in Syrien


Geiselnahme US-Botschaft Teheran, November 1979

Rollentausch
Wer die Anfänge der Islamischen Republik Iran kennt, erinnert sich noch an eine ihrer ersten Taten: Die Geiselnahme in der US-Botschaft in Teheran. Damals wurden 52 US-Diplomaten 444 Tage lang vom 4. November 1979 bis zum 20. Januar 1981 als Geiseln gehalten, nachdem eine Gruppe iranischer Studenten die US-amerikanische Botschaft in Teheran im Verlauf der Islamischen Revolution besetzt hatte.


Geiselnahme von iranischen Pasdaran durch syrische Aufständische, August 2012

Die Zeiten haben sich gewandelt. Nun sind es nicht mehr iranische Revolutionäre, die US-Botschaften besetzten, sondern syrische Aufständische, die iranische Militärs festnehmen, die auf Seiten des Regimes von Baschar al-Assad kämpfen. Im August 2012 waren 48 Iraner von syrischen Oppositionsgruppen verhaftet und als Geiseln genommen worden. Seit dieser Zeit sprachen die iranischen Vertreter in der Öffentlichkeit stets davon, dass es sich dabei um Zivilisten, um Pilger gehandelt habe. Schon damals war allerdings auffällig, dass diese „Pilger“ entgegen aller iranischer Gepflogenheiten nur aus Männern bestanden und weder Frauen noch Kinder dabei waren.

Die Freilassung hat einen Preis
Am 9. Januar 2013 wurden die 48 Iraner nun freigelassen und durften in den Iran heimkehren. Im Gegenzug entließ das syrische Regime 2130 Gefangene (975 Frauen und 1155 Männer) aus der Gefangenschaft. Das ist ein hoher Preis, vergleichbar dem, wenn Israel versucht, seine Soldaten aus palästinensischer Gefangenenschaft freizukaufen. Es gibt darüber hinaus unbestätigte Meldungen, dass die iranische Seite nicht nur die Freilassung dieser Gefangenen aus Hafteinrichtungen der syrischen (!) Regierung erwirkt hat, sondern auch selbst dafür bezahlen musste – mit Geld und Waffen. So soll die iranische Regierung den syrischen Rebellen auch Raketen geliefert haben, mit denen Flugzeuge abgeschossen werden können. Seit der Lieferung wurden fünf syrische Regierungsflugzeuge abgeschossen.

Das muss einen Grund haben
Es erscheint auf den ersten Blick widersinnig, dass die iranische Regierung bereit war, den Gegnern ihres engsten Bündispartners Waffen zu liefern. Das ist der erste Blick. Aber das Verhalten macht einen Sinn, wenn man sieht, wer denn unter den freigelassenen Iranern ist.

Die sieben Generäle
So befanden sich unter ihnen sieben Generäle der Revolutionswächter (Sepah-e Pasdaran) aus verschiedenen iranischen Städten:

  • Abedin Chorram (Befehlshaber der Pasdaran in Urumije)
  • Mohammad Taqi Safari (Befehlshaber des Pasdaran in Buschehr)
  • Karim Hossein Chani (zuvor auch Vertreter des Ajatollah Chamene‘i bei den Pasdaran in Urumije)
  • Ali Dschawadian (Dschahrom)
  • sowie die Generäle Adibi, Elahi und Hemmati (ebenfalls aus Dschahrom).

Die übrigen setzten sich aus Bassidschi und normalen Soldaten zusammen. Es heisst, es seien unter ihnen ca. 12 Soldaten, die ihren regulären Militärdienst in Syrien ableisten.

Davon ließ die iranische Seite freilich nichts verlautbaren. Erst nach ihrer Freilassung und Rückkehr in die Heimat wurden sie gebührend von ihren Waffenbrüdern empfangen, und dieser Empfang wurde im Iran auch veröffentlicht. Daran zeigt sich nicht nur, dass die iranischen Machthaber gelogen haben, man kann auch erkennen, warum die iranische bereit zu solchen Zugeständnissen war. Es sind die Pasdaran, die im Krieg in Syrien die Interessen der iranischen Regierung vertreten. Die iranische Regierung konnte es sich nicht leisten, untätig zu bleiben und so wichtige Pasdaran in den Händen er Aufständischen zu lassen. Denn einerseits machten die Pasdaran selbst Druck und verlangten die rasche Befreiung ihrer Kollegen, zum andern bewirkt eine anhaltende Gefangenschaft auch eine Demoralisierung der Truppe. Wer hat noch Lust, in Syrien zu kämpfen, wenn er sich nicht sicher sein kann, dass die Regierung sich nicht für einen einsetzt, wenn es darauf ankommt?

Und Baschar al-Assad?
Das wäre zwar alles ein guter Grund für die iranischen Machthaber, zu handeln, aber wieso sollte der syrische Präsident darauf eingehen? Wieso sollte er über 2000 Gefangene freilassen, nur weil die iranische Seite es will? Nun – auch für ihn sind die iranischen Revolutionswächter ein wichtiger Teil seiner eigenen Truppen, mit denen er sich an der Macht hält. Sie zu verprellen würde bedeuten, dass er sich einer wichtigen Stütze beraubt.

Die erste Frontlinie
Nach der Freilassung der 48 iranischen Soldaten und Pasdaran erklärte ein iranischer Abgeordneter im Parlament: „Syrien ist unsere vorderste Frontlinie. Irak ist die zweite. Wenn die beiden Linien fallen, sind wir an der Reihe.“
Die Freilassungen vom 9. Januar zeigen deshalb deutlich, was für eine zentrale Rolle die iranischen Pasdaran im syrischen Krieg spielen – für den syrischen Präsidenten ebenso wie für das iranische Regime.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email