Archiv für Februar 2013

Islamkompatible Kleidung für die First Lady – aber nur im Iran


Oskar-Preisverleihung durch Michelle Obama im iranischen Fernsehen

Im westlichen Blätterwald tobte seit Wochen eine Debatte über die angemessene Bekleidung von Stars und Sternchen bei der nächsten Oscar-Preisverleihung – halbnackt oder wie? Nach dem Geschmack von einigen wurde hier in der Vergangenheit zu viel und zu freizügig unbedeckte Haut gezeigt – dem sollte entgegengewirkt werden.

Nun, der iranische Beitrag im staatlichen Fernsehen ist ein wenig über das Ziel hinaus geschossen: Das Dekolleté der amerikanischen „First Lady“, die dieses Jahr in der Katagorie „Bester Film“ den Gewinner des Oscars bekannt gab, wurde kurzerhand entfernt und durch ein hochgeschlossenes Kleid ersetzt.

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Iran: „Haltet den Dieb“

Ali Motahari, Abgeordneter des iranischen Parlaments, erklärte auf einer öffentlichen Veranstaltung in Teheran, dass die Prinzipialisten einen Fehler begangen hätten, indem sie Ahmadinejad unterstützt hätten. Ahmadinejad habe die Gesetze gebrochen und willkürlich eigenmächtige Maßnahmen ergriffen. Wenn das Parlament sich richtig verhalten hätte, hätte Ahmadinejad nicht auch nur eine Stunde Präsident bleiben dürfen. Die Prinzipialisten hätten immer gesagt, dass sie Ahmadinejad unterstützten müssten, weil der Religiöse Führer ihn unterstützt habe. Aber allein das iranische Volk dürfe entscheiden, wer Staatspräsident ist, so Motahari.


Ali Motahari auf einer Vortragsveranstaltung in Teheran

Auf eine Frage aus dem Publikum, ob sich die Revolutionswächter bei den Staatspräsidentenwahlen und den Parlamentswahlen eingemischt hätten, antwortete er: Ja, das sei so gewesen und es wäre falsch gewesen. Die Pasdaran dürften keinen derartigen Einfluss nehmen, sie hätten andere Aufgaben. Danach meinte Motahari noch, diese Organisation dürfe auch nicht als ein großes Wirtschaftskartell funktionieren.

Eine weitere Frage bezog sich auf den Hausarrest der Politiker Mussawi und seiner Frau sowie Karrubi. Seine Antwort: Menschen ohne Gerichtsurteil unter Hausarrest zu halten, sei falsch. Auch Ayatollah Montazeri sei lange Zeit unter Hausarrest gehalten worden, auch da sei er immer dagegen gewesen.

Zur Frage der Meinungsfreiheit und Pressefreiheit wusste er zu sagen, dass in den 34 Jahren seit der iranischen Revolution nur unter dem Staatspräsidenten Chatami ein wenig davon existiert habe, ansonsten könne davon keine Rede sein. Dass es in Kriegszeiten (gemeint ist die Zeit des iranisch-irakischen Krieges) keine derartigen Freiheiten gebe, sei allerdings normal.

Einer fragte, ob sein ermordeter Vater, Ayatollah Motahari, heute auf der Seite der Prinzipialisten oder des Volkes stünde. Der Sohn meinte, dass sein Vater heute zu den Konterrevolutionären gerechnet würde. Sein Vater habe großen Respekt vor der Freiheit der Medien gehabt. Er wäre zu Lebzeiten nicht nur davon ausgegangen, dass in einer Gesellschaft viele Parteien existieren müssten, sondern darüber hinaus selbst marxistische Parteien ein Existenzrecht in der iranischen Gesellschaft haben müssten.

Anmerkung:

Ali Motahari erinnert ein wenig an den Dieb, der sich einer Festnahme durch den bestohlenen Ladenbesitzer entzieht und im Davonrennen ruft: „Haltet den Dieb, haltet den Dieb!“. Die Umstehenden, die vielleicht die Vorgeschichte nicht mitangesehen haben, können – so die Hoffnung des Diebes – getäuscht werden.

Tatsache ist, dass Ali Motahari selbst zum Flügel der Prinzipialisten gehört. Von ihm sind viele Situationen bekannt, in denen er sich selbst als Konservativer und Hardliner hervorgetan hat. Während der 34 Jahre seit der iranischen Revolution hat er nie sein Wort gegen die Massenhinrichtungen oder Folterungen an Oppositionellen erhoben. Noch immer finden regelmäßig Hinrichtungen von ethnischen oder religiöse Minderheiten und Oppositionellen statt, ohne ordentliches Gerichtsverfahren und ohne dass auch nur das kleinste Wörtchen Motaharis zu vernehmen ist.

Auch bezüglich seines Vaters betreibt er Geschichtsklitterung. Ayatollah Motahari war damals Unterstützer von Chomein‘i und wurde ein paar Monate nach der Revolution von einer ultraradikalen Islamsistengruppe (Forghan) ermordet. Der Verfasser dieses Artikels hat selbst gehört, wie Ayatollah Motahari zu Schahzeiten auf einer Veranstaltung an der Universität Teheran verkündet hat, dass gemäß dem islamischen Modell, dass Motahari anstrebt, alle Ungläubigen vernichtet werden müssten.

Warum aber kritisiert er indirekt den Religionsführer Chamene‘i? Er sucht schlicht einen Ausweg aus der momentanen Sackgasse, in der er und die Prinzipialisten sich befinden. Er versucht seine Haut zu retten, indem er sich von den Prinzipialisten absetzt. Womöglich möchte er sich auch als Präsidentschaftskandidat bei den nächsten Wahlen ins Spiel bringen und startet hier einen Versuchsballon, um festzustellen, wie weit er gehen kann.

Viel zu befürchten hat er indes nicht: Judikative und Legislative sind fest in der Hand der Familie Larijani. Die Schwester von Ali Motahari ist die Frau von Ali Larijani, dem Vorsitzenden des iranischen Parlaments. Weil Chamene‘i zur Zeit schwach ist, ist er auf beide Säulen angewiesen.

Wer noch mehr erfahren möchte über den derzeitigen Machtkampf an der Spitze des iranischen Staates, dem sei noch fogendes Interview mit Ali Schirasi empfohlen:

„Dieser Vulkan wird ausbrechen“ Jungle World Nr. 8, 21. Februar 2013

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Iranische Botschaft spioniert Flüchtlinge aus

Die spanische Polizei hat am Freitag, den 22.02.2013, bekannt gegeben, dass drei Iraner, darunter zwei Angestellte der iranischen Botschaft in Madrid, festgenommen worden seien, weil sie iranische Asylsuchende in Spanien ausspioniert hätten.
Der Botschafter der Islamischen Republik Iran in Spanien, Mortesa Saffari, gab ebenfalls am Freitag bekannt, dass der Angestellte der iranischen Gesandtschaft in Madrid „dank der Bemühungen der iranischen Botschaft“ wieder freigelassen worden sei.
Laut Meldungen in der spanischen Presse hat die spanische Nationalpolizei in Torrelavega (in Kantabrien) und in Madrid drei Personen festgenommen, die an einem Spionagenetz zur Auskundschaftung iranischer Regimegegner mitgearbeitet haben sollen. Dieses Netz soll vom iranischen Geheimdienst über die iranische Botschaft in Madrid kontrolliert worden sein.
Bei einer der drei Personen soll es sich um eine Rechtsberaterin einer nichtstaatlichen Flüchtlingshilfsorganisation in Torrelavega gehandelt haben, die dem iranischen Geheimdienst die Personalien von politischen Flüchtlingen aus dem Iran mitteilte, sowie um einen Dolmetscher und einen Angestellten der iranischen Botschaft, die beide in Madrid verhaftet wurden. Die Rechtsberaterin soll in Santander verhaftet worden.
Das Ziel des Spionagenetzes soll darin bestanden haben, iranische Flüchtlinge im Iran zu überwachen und zu bedrohen. Ein Asylsuchender soll sogar in der iranischen Botschaft in Madrid von dem festgenommenen Botschaftsangestellten illegal festgehalten worden sein.
Wie das spanische Innenministerium angibt, soll die Rechtsberaterin der in Torrelavega ansässigen Nichtregierungsorganisation (NGO), die die spanische Staatsbürgerschaft besitzt, den Asylsuchenden geraten haben, während des Asylverfahrens einen Dolmetscher ihres Vertrauens beizuziehen. Wenn sich die Asylsuchenden dann an den Dolmetscher wandten, informierte dieser den iranischen Geheimdienst, der an der iranischen Botschaft in Madrid tätig ist, über die Angaben aus den Asylgesuchen, die von dieser NGO eingereicht wurden.

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Iran: Bauern befreien Bauern aus Haft

In der Region Isfahan kam es am Freitag, den 22. Februar 2013, zu Protesten von Bauern, die unter der Trockenheit leiden. Sie haben deshalb eine Wasserleitung, die Wasser von Isfahan nach Yasd befördert, beschädigt. Darauf griffen die staatlichen Kräfte ein und verhafteten mehrere Bauern. Als Reaktion hierauf zogen über 5000 Bauern zum Haftort und forderten die Freilassung ihrer Kollegen. Als Beamte des Geheimdienstes die Bauern filmen wollten, wehrten sich die Bauern und hinderten sie daran. Es gelang ihnen schließlich, die Kollegen freizubekommen. Die Sicherheitsorgane von Isfahan beschlossen darauf, in den Fluss, der für die Bauern der umliegenden Region zur Bewässerung wichtig ist, mehr Wasser einzuleiten, um künftige Proteste zu vermeiden.

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Iran: Wie lässt man 3 Milliarden Dollar verschwinden?

Vor einem Jahr flog im Iran ein großer Skandal auf: 3000 Milliarden Tuman (damals 3 Milliarden Dollar) waren im iranischen Bankensystem so lange hin und her geschoben worden, bis sich ihre Spur verlor.
Nun werden drei ehrenwerte Herren aus dem iranischen Parlament von der Justiz vorgeladen, um auszusagen: Es handelt sich um A‘la-eddin Borudscherdi, Vorsitzender des Ausschusses für nationale Sicherheit und Außenpolitik des iranischen Parlaments, Arslan Fathipur, Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses des iranischen Parlaments, und Mohammad Dehqan, Mitglied des Präsidiums des iranischen Parlaments.
Alle drei stehen unter dem Schutz von Ajatollah Chamene‘i, und man darf annehmen, dass sie vor der Justiz nichts zu befürchten haben.
Wesentlich schlechter geht es dem Unternehmer Mah-Afarid Amirchosrawi, dem man anscheinend die Rolle eines Hauptschuldigen in diesem Verfahren zugedacht hat. Seine Hauptschuld besteht wohl darin, dass er über eine große Ladenkette verfügt und einige Personen aus dem Staatsapparat es darauf abgesehen haben, in den Besitz dieses Vermögens zu gelangen. Da wundert es einen nicht, dass Mah-Afarid Amirchosrawi in erster Instanz zum Tode verurteilt wurde. Mit ähnlichen Methoden und aus ähnlichen Motiven hat auch die kirchliche Inquisition im Mittelalter die italienische Wirtschaft zugrunde gerichtet.

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Iran: Was hat die Polizei damit zu tun, wie die Leute sich anziehen?

Wie die iranische Nachrichtenagentur ILNA meldet, hat der Vorsitzende des Kultur- und Sozialausschusses des Stadtrats von Teheran, Mortesa Tala‘i, sich Gedanken über die Rolle der Polizei gemacht: „Was hat das mit der Polizei zu tun, dass sie den Leuten sagen soll, was sie anziehen sollen und was nicht? (…) Es ist die Aufgabe der Polizei auf der ganzen Welt und auch in unserem Land, Hüter und Vollstrecker des Gesetzes zu sein.“ Ein schönes Wort, und dies zudem aus dem Munde des ehemaligen Polizeikommandanten von Teheran.

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Strafen für Umgehung von Internetzensur

Im Iran ist es seit heute verboten, auf Seiten wie twitter.com oder facebook.com zu gehen oder Links auszutauschen, die auf diese Seiten verweisen.

Die Nachrichtenagentur ISNA hat heute die Meldung verbreitet, dass dieser „Missbrauch“ des Internets nach dem neuen, vom Parlament verabschiedeten Gesetz gemäß Artikel 21 unter Strafe steht.

Seit den Protesten im Anschluß an den Wahlbetrug der iranischen Präsidentschaftswahlen des Jahres 2009 haben das Internet und bestimmte soziale Medien wie Facebook oder Twitter eine wichtige Rolle für die Oppositionsbewegung und speziell die Grüne Bewegung gespielt. Das Internet diente dem Informationsaustausch, der Mobilisierung und der Organisierung.

Der iranische Staat reagierte mit Verboten, Zensur und Überwachung auf die Internet-Protestbewegung: Webseiten wurden blockiert, das Internet wurde an wichtigen Tagen insgesamt verlangsamt und westliche Technologie wurde eingekauft, um Telefon und Internetnutzung abzuhören.

Iraner sind mittlerweile bekannt für ihre Fähigkeiten, Internetblockaden zu umgehen.

Für die nahe Zukunft ist geplant, im Iran ein vom weltweiten Internet abgekoppeltes iranisches Intranet zu errichten.

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Traditionelle Hochzeit in Aserbeidschanisch-Iran






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Iran: Der schrumpfende Riese


Der Riese

Ajatollah Chomeini
Am Anfang war die Revolution. 1979. Damals gingen die Menschen zu Millionen auf die Straße. Für viele wurde Ajatollah Chomeini zum Sinnbild der Revolution, sein Wort war das letzte Wort, sein Bild beherrschte die Straßen, die Häuser, die Zeitungen, das Fernsehen.
Er setzte sich durch, verhaftend und mordend, die Linke und die Modschahedin wurden verhaftet und hingerichtet. Selbst sein designierter Nachfolger, Ajatollah Montaseri, konnte sich gegen Chomeinis Bann nicht durchsetzen.
Die Massen waren die Stärke des Regimes. Sie erschienen, wenn sie gerufen wurden, zum Freitagsgebet in den Moscheen, die das Wort Chomeinis in alle Winkel des Landes trugen, sie erschienen zum Jahrestag der Revolution auf den Straßen, sie erschienen, als sie zum Geschlachtet-Werden in den Krieg geschickt wurden. Die Erwachsenen, die Kinder.
Die Zeiten sind vorbei. Heute trauen sich nicht einmal mehr die Regimezeitungen, von Millionen auf den Straßen zu reden, obwohl am 10. Februar 2013 der 34. Jahrestag der Revolution begangen wurde. Dabei würde das Regime wohl schon noch eine Million auf die Beine bringen, wenn man die Revolutionswächter und ihre Angehörigen, einen Teil der Bassidschis und einen Teil des Militärs zusammenrechnet.

Ajatollah Chamene‘i
Aber der Nachfolger von Ajatollah Chomeini, Ajatollah Chamene‘i, besaß nie die Persönlichkeit seines Vorgängers, er war eine Verlegenheitslösung, von der die Wählenden – die Geistlichen des Expertenrats – hofften, dass der Mann nie in der Lage sein würde, ihre eigenen Ambitionen zu behindern.
Ajatollah Chamene‘i, der die Grenzen seiner Macht spürte und dagegen anging, kam allmählich zum Schluss, dass ein Staatsapparat, der die gesamte Vielfalt der islamistischen Tendenzen integriert, zugleich auch seinen Einfluss beschränkt hält. Reformist als Präsidenten, Fundamentalist als Chef des Verfolgungs- und Justizapparats, das klang nach Gleichgewicht der Kräfte, so konnte er sich nicht durchsetzen. Deshalb entschied sich Ajatollah Chamene‘i nach Präsident Chatami für Ahmadineschad.

Ahmadineschad, der bewaffnete Arm
Ahmadineschad als Vertreter der Revolutionswächter (Pasdar), als ein Mann von Ajatollah Mesbah Jasdi, ein junger Politiker, der mit aller Rücksichtslosigkeit für eine Säuberung des Staatsapparats sorgen würde und durchsetzen konnte, dass nur noch eine Richtung, die Anhänger der Prinzipialisten, die Schalthebel der Macht besetzen würden.
Aus diesem Grund hielt Ajatollah Chamene‘i auch bei der Fälschung des zweiten Wahlgangs Ahmadineschad die Stange und bestätigte ihn erneut als Präsidenten. Mit aller Brutalität gegen die Mehrheit des Volks. Aber diese ideologische Enge, die nicht nur von Ahmadineschad, sondern auch von seinem Ziehvater Ajatollah Chamene‘i vertreten wurde, hat in eine politische Sackgasse geführt. Außenpolitisch isolierte sich der Iran durch sein Atomprogramm und seine Unterstützung von Gruppen wie Hamas oder das syrische Regime, innenpolitisch ruinierte die Wirtschaftspolitik sowohl die Bauern, die Industrie und einen Großteil der Mittelschicht.

Der Führer, der keiner mehr ist
Ahmadineschad wird dafür verantwortlich gemacht und ist auch einer der Haupttäter, aber nicht der einzige. Und das ist wohl auch der Hauptgrund, warum er trotz seiner herausfordernden Politik auch gegen Ajatollah Chamene‘i noch nicht abgesetzt wurde. Denn wenn Chamene‘i ihn noch vor den nächsten Wahlen absetzen ließe, würde die Frage gestellt – warum denn? Wenn Ahmadineschad nicht für das Amt geeignet ist, wieso hat Chamene‘i ihn dann unterstützt? Gegen diesen Vorwurf hat Chamene‘i nichts zu entgegnen, und ein Eingeständnis seiner Fehlbarkeit würde den letzten Rest der Aura zerstören, mit der er sich als Religiöser Führer umgibt. Wie weit er abgebaut hat, sieht man an den jüngsten Ereignissen zum 34. Jahrestag der Revolution. Mutmaßliche Anhänger von Ahmadineschad haben den Parlamentspräsidenten Ali Laridschani im religiösen Zentrum Qom mit Parolen, Schuhwürfen und Attacken daran gehindert, im religiösen Heiligtum der Stadt, dem „Haram-e Hasrat-e Ma°sume“ eine Rede zu halten. Die Sicherheitskräfte griffen nicht ein. An einem solchen Ort wäre früher so etwas undenkbar gewesen.

Geplante Putinisierung des Irans
Präsident Ahmadineschad seinerseits weiß, wenn er nicht aktiv wird und es schafft, die nächsten Wahlen für seinen Wunschkandidaten Mascha‘i (den Vater seiner Schwiegertochter) zu entscheiden, dürfte er nach den Wahlen bald vor Gericht stehen. Also lässt er nichts unversucht, um sich vor dem Volk als Kritiker des Regimes zu präsentieren, so als hätte er selbst und sein Kabinett damit nicht zu tun.

Oder ein Blutbad?
Wie kritisch es um ihn steht, macht die jüngste Äußerung eines Pasdar-Generals deutlich, der sagte, bei den nächsten Wahlen seien nicht die Proteste der „Barfüßer“, der verarmten Schichten, der Opfer der Wirtschaftspolitik, das Problem, sondern die „Bewegung der Abweichler“. Sie seien gut organisiert und nicht nur öffentlich, sondern auch im Untergrund aktiv. Wenn man sich nicht die die Köpfe der Bewegung, die er als Dane-doroscht-ha bezeichnet, schnappe und festnehme, werde man sie nicht mehr in den Griff kriegen. Die drohende Auseinandersetzung mit den „Abweichlern“ (gemeint sind die Anhänger von Ahmadineschad im Staatsapparat) werde voraussichtlich blutig verlaufen.
Das wird dann vermutlich das Ende der Islamischen Republik sein, wenn auch nicht des Blutvergießens.


Der Zwerg

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Iran: Justizsprecher Esche‘i in Isfahan


Justizsprecher und Ex-Geheimdienstminister Mohsen Esche‘i

Mohsen Esche‘i, ehemals Geheimdienstminister von Ahmadineschad, ein Mann, dem das Blut nicht nur an den Händen, sondern sogar an den Zähnen klebt, hat sich zum 34. Jahrestag der Revolution in Isfahan geäußert. Dort bezeichnete er Ahmadineschad und sein Umfeld nicht nur als „Abweichler“, die übliche Etikette, die ihm von Chamene‘i angeheftet wurde, sondern auch als Teufel im Dienste des Feindes. Die Aktivitäten der Abweichler leiteten Wasser auf die Mühlen des Großen Teufels, fand er – der Große Teufel ist Amerika.

Mohsen Esche‘i hatte vor drei Jahren den Wirtschaftswissenschaftler Issa Saharchis (Isa Saharkhiz) mit einem Zuckerfass beworfen und dann in den Rücken gebissen, als dieser das Wirtschaftssystem der Islamischen Republik Iran kritisiert hatte. Issa Saharchis (Isa Saharkhiz) musste damals wegen der Bisswunde im Krankenhaus behandelt werden.

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Iran: Ohrfeigen zum Jahrestag der Revolution

Auch der iranische Staatspräsident Mahmud Ahmadineschad nutzte die Gelegenheit, sich am 22. Bahman (10. Februar) zum Jahrestag der Revolution an die Öffentlichkeit zu wenden.
Er nutzte die Gelegenheit, sowohl dem Religiösen Führer wie den Pasdaran eine verbale Ohrfeige zu erteilen.


Ahmadinedschad spricht am 34. Jahrestag der Islamischen Revolution vor einer organisierten Menge auf dem Azadi-Platz, Teheran

So bezog er sich auf die jüngsten Worte von Ajatollah Chamene‘i, der es als naiv oder hinterhältig bezeichnet hatte, das Verhandlungsgebot der Amerikaner zu begrüßen. Ahmadineschad, auf den diese Worte u.a. gemünzt waren, sagte hierzu:
„Wenn Ihr die Waffen nicht mehr auf das iranische Volk richtet, komme ich sogar selbst und verhandle mit euch.“
Mit anderen Worten, egal, ob es dem Führer passt oder nicht.
Und auch zum 34. Jahrestag der Revolution hatte Ahmadineschad einiges parat: „Die Revolution gehört dem Volk, und nicht irgendeiner Partei, Gruppe oder Sekte. (…) Die Islamische Revolution dient der Verwirklichung der Gerechtigkeit, darunter der wirtschaftlichen und sozialen Gerechtigkeit, der Gerechtigkeit in der Justiz, im Bildungssystem und in der Politik. (…) Alle Verantwortlichen müssen für das Volk, an der Seite des Volks und im Dienste des Volks und der großen Revolution des iranischen Volks stehen.“
Das ist eine der besonderen Leistungen von Ahmadineschad, dass er seit acht Jahren an der Spitze des Staatsapparats steht und dann so tun kann, als stünde er daneben und hätte mit allem nichts zu tun. Er zitiert Chamene‘i, wenn er von den „Verantwortlichen“ redet. Aber das scheint sich nicht auf ihn zu beziehen.
Die nächste Ohrfeige ist für die Revolutionswächter, die Pasdaran:
„Einige haben gesagt, dass sie die Wahlen managen und dirigieren wollen. Ich verkünde stolz, dass das große iranische Volk sich selbst gut genug kennt und keine Personen oder Gruppen benötigt, die irgendwelche Behauptungen aufstellen – das Gesetz und die Moral müssen eingehalten werden!“
Es waren die Befehlshaber der Pasdaran, die kürzlich davon gesprochen hatten, dass sie die nächsten Wahlen dirigieren wollen.
Ahmadineschad zitiert sogar die iranische Verfassung, wonach die Herrschaft vom Volke ausgeht. Vor vier Jahren, 2009, scheint er das vergessen zu haben. Da ließ er ein Jahr lang das Volk niederknüppeln, verhaften und erschießen, bis es nicht mehr aufmuckte. Aber damals ging es ja darum, dass er Präsident wird, und bei diesen Wahlen dürfte er nach der iranischen Verfassung nicht mehr antreten, weil er schon zwei Amtszeiten hinter sich hat.
Natürlich hat Ahmadineschad für dieses Problem schon eine Lösung gefunden – die Variante Putin. Er hievt als seinen Stellvertreter – Mascha‘i, den Vater seiner Schwiegertochter – in das Amt des Präsidenten und bleibt der Mann im Hintergrund, der alles diktiert. Mascha‘i als iranischer Medwjedew.

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Iran: Vor dem Jahrestag der Revolution – der Führer spricht


Der Führer hält Truppenschau

Am 19. Bahman, also am 7. Februar 2013, hielt der Religiöse Führer der Islamischen Republik Iran Ajatollah Chamene‘i eine Rede vor den Befehlshabern und Angestellten der iranischen Luftstreitkräfte.
Bei dieser Gelegenheit kam er auch darauf zu sprechen, dass Präsident Ahmadineschad und sein Außenminister Salehi kürzlich Verhandlungen mit den USA begrüßten.
Ajatollah Chamene‘i erklärte: „Einige sind so naiv oder so hinterhältig, dass sie sich über den Verhandlungsvorschlag Amerikas freuen.“
Vor den versammelten Militärs erklärte Chamene‘i weiter: „Ich bin kein Diplomat, ich bin Revolutionär, und ich rede klar und ehrlich. Ihr (gemeint sind die Amerikaner“ habt Eure Waffen auf den Iran gerichtet und wollten dann verhandeln? Das Volk des Irans wird sich von so etwas nicht einschüchtern lassen.“
Nebenbei kam der Führer auch auf die moralischen Geschmacklosigkeiten einiger Personen zu sprechen, gemeint war die Veröffentlichung von geheimen Tonbandaufzeichnungen durch Ahmadineschad im iranischen Parlament.
Chamene‘i merkte hierzu an: „Diese moralischen Geschmacklosigkeiten, die zu beobachten sind, sollen die Leute beseite legen. (…) Später werde ich mit dem Volk darüber sprechen.“
Später heißt – nach den Wahlen.

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Iran: Parlamentspräsident spricht vor Leichentüchern

Am Sonntag, den 10. Februar 2013, war der 34. Jahrestag der iranischen Revolution, nach dem iranischen Kalender also der 22. Bahman. An diesem Tag halten iranische Politiker und Geistliche traditionell Reden, so auch der iranische Parlamentspräsident Ali Laridschani. Ali Laridschani ist Abgeordneter für den Wahlkreis Qom, dem „Vatikan“ der iranischen Schiiten, und er wählte als Ort seiner Rede das Heiligtum „Haram-e Hasrat-e Ma°sume“ der Schwester von Imam Resa. Ein heiliger Ort also, wo man auch in anderen Orten Zurückhaltung an den Tag legt.
Nicht so in diesem Fall. Ali Laridschani hatte kaum angefangen zu reden, als ihn eine lautstarke Gruppe mit beleidigenden Worten beschimpfte, genauer mit Bezeichnungen, die der Religiöse Führer Ajatollah Chamene‘i benutzt hat, um damit seine Gegner zu qualifizieren. Nach den Parolen fuhr Laridschani mit den Worten fort: „So, Eure Parolen konntet Ihr ja nun rufen, machen wir jetzt weiter.“ Das war nicht im Sinn dieser Besucher. Vielmehr bewarfen sie Laridschani mit Steinen, wie sie die Betenden benutzen, wenn sie sich beim Beten verneigen und dabei mit der Stirn einen Stein (Mohre) berühren, und mit Schuhen. Laridschanis Beschützer fingen das ab, soweit es ging. Es half nichts, nun versuchte die Gruppe, von denen einzelne Personen sich in Leichentücher gehüllt hatten, das Absperrgitter wegzuräumen und zu Laridschani vorzudringen. Darauf hielten die Leibwächter den Moment für gekommen, Laridschani in Sicherheit zu bringen und sie räumten den heiligen Ort. An einem weiteren Platz in Qom ließ man Laridschani ebenfalls nicht zu Wort kommen.
Bis heute hat Laridschani wegen dieses Vorfalls keine Anzeige erstattet, und mehr noch, der Freitagsprediger von Qom Hodschatoleslam Sa‘idi, nahm nach der Vertreibung Laridschanis aus dem Heiligtum das Mikrophon in die Hand und sagte zu den Versammelten: „Ihr, die ihr die Hoffnung im Herzen des Führers seid, handelt so, wie er euch gebietet.“
Dies ist ein Hinweis auf die Worte von Ajatollah Chamene‘i, der vor einem Monat geäußert hatte, dass jeder, der seine politischen Streitigkeiten öffentlich austrägt, ein Feind des Landes sei.
Und es ist ein Hinweis darauf, dass der Freitagsprediger eine Vorstellung davon hatte, wer da die Veranstaltung störte.
Es fällt ebenfalls auf, dass die Sicherheitskräfte, die im Iran keine Hemmungen zeigen, wenn es um das Niederprügeln von Zivilisten geht, sich vornehm zurückhielten und nicht eingriffen, von Verhaftungen ganz zu schweigen.

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Iran: Freilassung eines Henkers

Neueste Nachricht – 6. Februar 2013:

Soeben berichten verschiedene iranische Nachrichtenagenturen, daß der Henker (Sa‘id Mortasawi) freigelassen worden ist. Montag (4.2.13 ) ist er festgenommen worden. Der Leiter der Judikative, Ayatollah Sadegh Laridjani, hatte am Dienstag, 5.2.13 seine sämtlichen Termine abgesagt und Ayatollah Chamene‘i aufgesucht, um mit ihm darüber zu beraten, was sie mit diesem Henker machen können. Auf Empfehlung von Chamene‘i ist Sa‘id Motasawi freigelassen worden.

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Iran: Verrat am Volk


Plakat: von li.nach re: Ayatollah Chamene‘i, Ali Laridjani, Ahmadinedjad, Sadegh Laridjani

Plakt – Überschrift:

„Verrat am Volk“

Text darunter:

„Ab heute ( d.h.vor ca 4 Wochen ) bis zum Tag der Wahlen zum Staatspräsidenten ( Juli 2013 ) geben wir die Anweisung, daß niemand seine persönlichen Konflikte in der Öffentlichkeit ausbreiten darf. Wer das tut, ist ein Verräter gegenüber unserem Land“.

darunter:
Ayatollah Chamene‘i

Anm.: frei übersetzt
(dieses Plakat ist vor 3 Wochen im ganzen Iran verteilt worden).

Bemerkung:
Am letzten Sonntag ( 3. Febr. 2013 ) haben sich der Präsident Ahmadinedjat und der Parlamentspräsident Ali Laridjani im Parlament gestritten, sich gegenseitig beschuldigt und geheimgehaltene Informationen ausgeplaudert. D.h. sie haben die Anweisung von Chamene‘i nicht befolgt, was eine Ungeheuerlichkeit bedeutet gegenüber dem höchsten Würdenträger des Staates.
Damit haben sie sich als Verräter geoutet.Wie wird Chamene‘i darauf reagieren ?? Er hat Beide stets unterstützt und muß jetzt diese bittere Pille schlucken.

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