Archiv für März 2013

Welttag der Frauen im Iran


Ewin-Gefängnis, Teheran

Am Freitag, den 8. März 2013, war wieder der Internationale Tag der Frau. Die iranischen Behörden hatten schon im voraus bekannt gegeben, dass sie keine öffentliche Veranstaltung dulden würden, weshalb die Interessierten auf Privatveranstaltungen auswichen. In Sanandadsch wurden einige Mitglieder des Vorbereitungskomitees für den 8. März verhaftet.

8. März im Gefängnis
Im Teheraner Ewin-Gefängnis fand am 8. März im Frauentrakt trotzdem eine kleine Feier statt, an der immerhin 30 gefangene Frauen teilnahmen. Sie sprachen über die Geschichte und Bedeutung des Weltfrauentags, über die Lage der Frauen im Gefängnis, speziell auch über die von Müttern im Gefängnis, trugen Gedichte vor und sangen gemeinsam Lieder. Die Gefangenen riskieren deshalb weitere Repressalien, aber sie haben sich dennoch getraut, auch wenn nicht alle Gefangenen aus dem Frauentrakt teilnahmen.

Feier in Rascht
In Rascht hielt die staatlich registrierte Frauengruppe Rouschanak sogar eine öffentliche Veranstaltung zum Welttag der Frauen ab. Dabei gingen die Frauen nicht nur auf die Geschichte dieses Tages ein, sondern übten auch feministische Kritik an der Darstellung von Frauen auf Bildern, sie gaben Rechenschaft über ihre Tätigkeit im Vorjahr und sie verkauften eigene Handarbeiten und Broschüren zum Thema der Gleichberechtigung.

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Neue Analyse: Ressourcenfluch im Iran

Im Bereich „Analysen“ ist ein neuer Artikel von Ali Schirasi erschienen. Er bezieht sich auf die entwicklungstheoretische Frage, ob der Entwicklungsstand des Irans so niedrig ist, weil er so viel Erdöl besitzt.

Zum Artikel: „Ressourcenfluch im Iran

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Iran: Wo das Wasser Funken schlägt


Brennende Busse der staatlichen Einsatzkräfte in der Region Isfahan

Wie schon berichtet, kam es am Freitag, den 22. Februar 2013, in der Region Isfahan zu Protesten von rund 5000 Bauern, die dagegen protestierten, dass Wasser aus dem Fluss Sajande-Rud nach Jasd geleitet wird, während sie selbst kein Wasser für die Landwirtschaft haben. Die Bauern zerstörten dabei einige Rohre der Wasserleitung. Am nächsten Tag rückten staatliche Kräfte an, um die Leitung wieder herzustellen, sie stießen aber auf den erbitterten Widerstand der Bauern. Damit die Regierung die Leitung nicht so bald reparieren könne, gingen die Bauern mit einem Bulldozer ans Werk und setzten die Pumpstation außer Gefecht. Darauf schickte die Regierung Verstärkungskräfte nach Isfahan, was die Demonstranten noch wütender machte. 3 Autobusse, mit denen diese Kräfte an den Ort des Geschehens schickte, wurden in Brand gesteckt, wie diese beiden Filme zeigen:

Im ersten Film ist deutlich zu hören, wie die Leute „hamle“ (Attacke!) rufen.
Auch ein Schilderhäuschen der Verkehrspolizei sowie ein Gebäude der Bassidschi-Milizen sollen in Flammen aufgegangen sein.

Zum Zeichen des Protests stellten die Bauern ihre Traktoren an den trockenen Wasserkanal, aus dem sie früher immer ihr Wasser für die Bewässerung entnahmen.
Die staatlichen Kräfte setzten Tränengas und Streumunition gegen die Bauern ein, konnten sie aber nicht zurückdrängen. Es soll vier Tote und 50 Verletzte unter den Bauern gegeben haben.

Pasdaran-Webseite beschuldigt Regierung
Interessanterweise hat die regionale Webseite der Revolutionswächter (Pasdaran) in diesem Fall von Versäumnissen der Regierung gesprochen. Normalerweise sind das die ersten, die von Unruhestiftern reden und drauf los schlagen und schießen. Aber auch die Pasdaran wissen, womit sie es zu tun haben.
Diese Bauern sind genauso informiert wie der Rest der Bevölkerung, sie wissen, was ihnen blüht, wenn sie sich gegen die Staatsmacht wehren, Folter und Hinrichtung sind für sie kein Fremdwort. Warum trauen sie sich trotzdem auf die Straße, warum rufen sie zum „Angriff“ auf? Der Grund ist einfach: Jetzt beginnt der Frühling, wenn sie jetzt kein Wasser haben, um die Felder zu bestellen, werden sie dieses Jahr nichts zu ernten haben. Das haben sie schon im letzten Jahr erlebt, aber damals wurden ihre friedlichen Proteste vor dem Parlament ignoriert. Wenn sie sich jetzt wehren, können sie ihre Familie nicht mehr über Wasser halten. Dann müssen sie abwandern, aber wohin? Es ist die Not der Verzweiflung, die sie zu diesem Aufstand treibt.

Die Botschaft ist angekommen
So wie diesen Bauern geht es vielen im Iran. Erst funkt es hier, dann explodiert es im ganzen Land. Die Regierung scheint begriffen zu haben, dass sie nachgeben muss, wenn sie überleben will. So ist davon die Rede, dass die Revolutionswächter Verhandlungen mit den Bauern aufgenommen haben, dass den Familien der Verletzten Entschädigungen versprochen wurde, und dass die Bauern ihr Wasser nun bekommen sollen. In Jasd, wo das aus Isfahan abgezweigte Wasser dafür fehlt, kam es ebenfalls zu Protesten der Bevölkerung. Dort versuchen die Behörden die Bevölkerung damit zu beschwichtigen, dass sie Trinkwasser in Flaschen verteilen lassen und versprechen, einen Brunnen zu bohren.

rationiertes Trinkwasser in Jasd

Die Besitzer der Teehäuser waren die ersten
Es ist der zweite Fall so entschlossenen Widerstands aus der Bevölkerung. Der erste ging von den Teehausbesitzern aus. Die Regierung hatte nach der Niederschlagung der Proteste von 2009 beschlossen, dass in den Teehäusern niemand mehr Recht habe, Wasserpfeife zu rauchen. Das war vor allem unter den Jugendlichen beliebt, Jungen wie Mädchen kamen bei dieser Gelegenheit gern zusammen. Und eine Regierung, die die Bevölkerung unterdrücken möchte, hat natürlich Angst vor jeglicher Art von Zusammenkünften. Daher das Verbot. Die Folge: Niemand mehr ging ins Teehaus, denn Tee trinken konnte man auch zu Hause. Darauf versammelten sich landesweit die Teehausbesitzer mit ihren Familien vor den Provinzgouverneuren und vor dem Parlament, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen. Die Regierung merkte, wenn sie darauf keine zufriedenstellende Antwort gab, konnte es im ganzen Land losgehen. Also wurde das Wasserpfeifenrauchen wieder erlaubt. Nur dürfen Jungen und Mädchen jetzt nicht mehr gleichzeitig zusammen die Pfeife rauchen.

Diese Ereignisse sind es, die die weitere politische Entwicklung im Lande bestimmen werden, nicht die Wahlen.

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Iran: General führt Krieg gegen Kracher

Am Abend vor dem letzten Mittwoch des iranischen Jahres, dem Tschahor-Schanbeje Suri, ist es üblich, dass die Jugendlichen im Freien Feuer machen und darüber springen, auch Kracher lässt man dann hochgehen. Ebenso wie das Neujahrsfest ist dies kein islamischer Feiertag und somit den Behörden ein Dorn im Auge. Diesmal kündigt General Ismail Ahmadi-Moqaddam harte Maßnahmen an. Wer jetzt in Parks oder sonstwo solche Feiern veranstalte, müsse mit dem energischen Eingreifen der Ordnungskräfte rechnen, deren Befehlshaber er ist.

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Iran schafft seine Minderheiten ab

Der sunnitische Freitagsprediger Moulawi Abd-ol-Hamid von Sahedan kritisierte in seiner Predigt vom vergangenen Freitag (2.03.2013) die Absicht der iranischen Regierung, die Provinz „Sistan und Balutschistan“ aufzuteilen. Aus der Provinz sollen drei neue Provinzen entstehen: Sistan, Makran und Welajat. Unter dem Beifall der Zuhörer kritisierte Moulawi Abd-ol-Hamid, dass auf diesem Weg der Begriff „Balutschistan“ aus der Öffentlichkeit verschwinden solle. Als man daran ging, die Provinz Chorassan aufzuteilen, habe man auch drei Einheiten geschaffen: Nord-Chorassan, Süd-Chorassan und Chorassan-Rasawi. Das sei eine vernünftige Lösung gewesen. Im Fall Balutschistan gehe es aber darum, eine historische Region aus dem öffentlichen Bewusstsein zu löschen.

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Bilder aus Andika – Chusestan – Iran


Das Dorf Andika in der iranischen Provinz Chusestan


eine beeindruckende Landschaft


in dieser kargen Landschaft kann man außer Ziegen kaum Vieh halten


Schwarz – die Farbe der Armut


ein Gesicht wie eine Landschaft


Schule


sie reinigt das Geschirr


Frau vor einem Webrahmen, links unten im Bild

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Reisschlangen im Iran


Nein, es geht um keine Schlangenart, die in den Reisfeldern vorkommt, sondern um die Schlangen von Käufern, die nach importiertem indischen Reis anstehen. Das Kilo indischer Reis kostet 3850 Tuman, das Kilo iranischer Reis kostet in Teheran 5500-7000 Tuman. Der iranische Reis ist teurer, weil er eine bessere Qualität hat und auch die Lohnkosten höher sind. Aber viele Iraner können sich diesen Reis nicht leisten, und so bilden sich lange Warteschlangen. Der Reis wird übrigens von den Pasdaran importiert, und es heißt auch, dass er mit gesundheitsschädlichen Chemikalien behandelt wurde, um ihn haltbarer zu machen.
Auch früher (z.B. vor zwei Jahren) gab es im Iran arme Schichten, die sich den iranischen Reis nicht leisten konnten, inzwischen hat diese Armut aber auch die Mittelschicht erreicht, z.B. Lehrer.

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Iran – Chusestan: verfolgte Araber

In Mahschahr in der Region Chusestan wurden am 2. und 3. März 2013 einige aktive Angehörige der arabischen Minderheit mit brutalen Methoden zu Hause verhaftet. Ihr „Delikt“: sie hatten an einer Trauerfeier für einen arabischen Kulturaktivisten teilgenommen und dabei Gedichte vorgetragen, in denen der Araber gedacht wurde, die von der Islamischen Republik hingerichtet wurden. Die Verhafteten sind seitdem verschwunden. Auch in Abadan, Ahwas und Kut-Abdollah kam es in den letzten Tagen zu Verhaftungen wegen kultureller Aktivitäten.

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Iran: Ein großer Erfolg

Das Neujahrsfest Nourus ist eines der wichtigsten Feiern im Iran, und zudem ein vorislamisches Fest. Die Mollas haben deshalb stets ihr Bestes gegeben, den Iranern dieses Fest zu vermiesen.
Aber die ließen sich nicht davon abbringen, es jedes Jahr aufs Neue zu feiern.
Diesmal ist es anders:

In der Auslage ist Adschil zu sehen, getrocknete Samen und Nüsse, die zum Knabbern beim Neujahrsfest sehr beliebt sind. Aber die Preise sind so gestiegen, dass selbst das Ersparte nicht reicht, um sich die gewünschte Menge zu kaufen. Die eine Kundin schlägt sich erschrocken auf die Backe, die andere beißt sich auf die Lippen.
Ja, dieses Jahr haben die Mollas wirklich etwas erreicht. Dank der horrenden Inflation schaffen sie es sogar, den Iranern das Neujahrsfeiern auszutreiben.
Hoffen wir, dass es den Iranern bald gelingt, diese Mollas auszutreiben.

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