Archiv für Mai 2013

Iran: Die Macht der Sultane

Die Ereignisse im Vorfeld der diesjährigen Präsidentschaftswahlen im Iran geben auch einen Einblick in die schiitische Wahrnehmung der Geschichte des Islams und deren Wiederkehr in neuer Gestalt.


Ajatollah Chamene‘i in der Mitte, links der Militärchef, rechts der Befehlshaber der Pasdaran

Von Ali Schirasi

Am Anfang war das Wort
Der Prophet Mohammad galt zuerst nur als Überträger der göttlichen Botschaft, die er in Form des Korans empfing. Mohammad war das Gefäß, in die sich das göttliche Wort – der Koran – ergoss. Als der Prophet starb, hatte er allerdings seine Nachfolge nicht geregelt. So kam es zu Streitigkeiten, wer die Nachfolge antreten sollte.

Am Anfang war das Blut
Nach schiitischer Auffassung hatten diejenigen das Recht der Nachfolge, in denen „das Blut des Propheten“ floss, also dessen Verwandte. Und so wurde die Verwandtschaft mit dem Propheten ein Mittel, als Chalif, als Nachfolger des Propheten zu aufzutreten. Nach der Ermordung des Chalifen Ali, eines Vetters des Propheten Mohammad, übernahm Muawija I. die Nachfolge und begründete die Ummajaden-Dynastie. Die Abbasiden, die nach dem Sturz der Ummajaden 750 das Chalifen-Amt übernahmen, stützen sich wieder auf das Prinzip der Abstammung zurück, nachdem einer der Vorfahren Onkel des Propheten Mohammad gewesen war.

Chalif und Sultane
Die gewaltsame Ausdehnung des Islams führte dazu, dass der amtierende Chalif auf Statthalter vor Ort angewiesen war, die Sultane. Diese leiteten ihre Legitimität davon ab, dass sie vom Chalifen eingesetzt wurden und hatten deshalb auch ein Interesse daran, den Chalifen als legitimen Nachfolger des Propheten zu stützen. In ihrem Herrschaftsbereich hatten die Sultane freie Hand, solange sie dem Chalifen den Tribut entrichteten und nicht an seiner Legitimität zweifelten.
Die Sultane bauten ihre Macht so weit auf, dass sich die Funktion des Chalifen auf die des „Stempels“ konzentrierte. Der Stempel des Chalifen war genug, um die Macht zu begründen, zu sagen hatte der Chalif ansonsten nichts mehr.

Die heutigen Chalifen
Vergleichen wir den Islam nach der Revolution von 1979 mit den Anfängen des Islams, auf den sich die Machthaber so gerne berufen, könnte man die Rolle von Ajatollah Chomeini am ehesten mit der von Mohammad vergleichen. Chomeini war nicht auf Sultane – heute würden wir Generäle sagen – angewiesen, wenn er das Volk aufrief, ging es auf die Straße. Am Anfang 90 Prozent, gegen Ende 50 – 60 Prozent der Bevölkerung folgten seinem Wort, da brauchte er keine Armee, um seine Stellung zu bewahren. Die Armee diente vor allem dem Krieg gegen die Opposition und den Irak.
Mit seinem Tod wurde das schlagartig anders.

Ajatollah Chamene‘i, der erste Chalif
Damit Chamene‘i die Nachfolge Chomeinis antreten konnte, musste Rafsandschani im Hintergrund erst einmal dafür sorgen, dass dieser den Titel des Ajatollahs bekam. Zum zweiten versuchte Rafsandschani, der damals Präsident der Islamischen Republik war, seine politische Macht auf die bewaffneten Organe, namentlich auf die Revolutionswächter, abzustützen. Da der Krieg mit dem Irak inzwischen zu Ende war – die Unterzeichnung des Waffenstillstands war einer seiner letzten Akte vor Chomeinis Tod – musste Rafsandschani die Revolutionswächter anderweitig abfinden, mit Posten in der Verwaltung und in der Wirtschaft.

Der Aufstieg des Chalifen
Mit der Machtübernahme von Chatami als Präsidenten begann der Aufstieg von Ajatollah Chamene‘i, dem Religiösen Führer. Er verdankte dieses Amt den Intrigen Rafsandschanis, der meinte, in ihm einen Mann ohne Rückhalt gefunden zu haben, den man auch leicht wieder absetzen könnte. Rafsandschani hatte die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Denn Chamene‘i nutzte die Schwäche der Regierung Chatami, den Revolutionswächtern (Pasdaran) überall einen weiten Einfluss einzuräumen und baute auch mit Hilfe der Pasdaran parallele Geheimdienste in den verschiedenen Staatsorganen auf, die Chatamis Macht untergruben.

Der Aufstieg der Sultane
Mit dem Antritt von Ahmadineschad war die Zeit der neuen Sultane gekommen, der Generäle der Pasdaran. Sie konnten nun immer größere Zweige der staatlichen Wirtschaft in ihre Hände bekommen, sie kontrollierten den Außenhandel ebenso wie den Schmuggel, sie hatten die militärische Macht, ihre Geheimdienste und lancierten ihren Mann als Präsidenten, eben Ahmadineschad.

Modschtaba Chamene‘i, der Sekretär des Chalifen
Bei den zweiten Präsidentschaftswahlen im Juni 2009 war es einer Abmachung zwischen dem Sohn des Ajatollah Chamene‘i, der die Kanzlei des Religiösen Führers leitete, und den Pasdaran zu verdanken, dass nicht die abgegebenen Stimmen, sondern der Führer entschied, wer „gewählt“ wurde, nämlich wieder Ahmadineschad. Aber Ahmadineschad machte eine ähnliche Entwicklung durch wie Ajatollah Chamene‘i. Er wollte sich nicht damit abfinden, als „lahme Ente“ aus der Geschichte zu watscheln und versuchte, gegenüber dem Religiösen Führer ebenso wie gegenüber den Pasdaran auf Distanz zu gehen. Die Pasdaran bezeichnete er öffentlich als „Schmuggelbrüder“, und den Führer machte er indirekt für die katastrophale Wirtschaftslage verantwortlich.

Die Sultane haben die Führung übernommen
Das geschah nicht ungestraft. Mascha‘i, der Mann, den Ahmadineschad zum Nachfolger küren wollte, wurde vom Wächterrat als ungeeignet abgelehnt. Viel überraschender war dagegen die Ablehnung eines anderen Konkurrenten: Ajatollah Rafsandschani, der Chamene‘i überhaupt erst zur Macht verholfen hatte. Wer hätte gedacht, dass der Wächterrat diesen Mann als „nicht geeignet“ für das Amt des Präsidenten einstufen könnte.

Die zweimalige Entscheidung des Wächterrats
Der iranische Wächterrat, der sich aus 12 Personen zusammensetzt, 6 Geistlichen und 6 anderen Personen, die meistens Juristen sind, besteht zur Zeit nur aus 11 Personen, weil ein Geistlicher verstorben ist. Die Besetzung des Wächterrats erfolgt auf folgendem Weg: 6 Mitglieder ernennt der Religiöse Führer selbst, 6 Mitglieder werden vom Parlament aus einer Liste ausgewählt, die der Religiöse Führer dem Parlament vorlegt. Bei der Abstimmung über die Eignung Rafsandschanis zum Präsidentenamt haben die 11 derzeitigen Mitglieder wie folgt entschieden: 7 für die Eignung, 4 dagegen. Damit hätte die Kandidatur eigentlich durch sein müssen. Aber es kam anders. Die Pasdaran bzw. die Bassidschi hatten im Vorfeld eine Umfrage in Auftrag gegeben, aus der sich ergab, dass Rafsandschani 56 Prozent der Stimmen bekommen würde, später erhöhte sich das Ergebnis sogar auf 71 Prozent. Für die Pasdaran ein Warnsignal. Dann könnten die „Unruhestifter“ wieder die Oberhand gewinnen und es könnte Jahre dauern, bis sie die Proteste niedergeschlagen hätten.

Am Ende steht das Wort – der Generäle
So entsandten die Pasdaran den General So-l-Qadr, stellvertretender Vorsitzender des Obersten Justizrats des Landes, zu Ajatollah Chamene‘i, um ihre Bedenken deutlich zu machen. Darauf musste der Wächterrat ein zweites Mal zusammentreten. Weil Ajatollah Schahrudi deutlich machte, dass er wieder für Ajatollah Rafsandschani abstimmen würde, wurde ihm nahegelegt, an der Abstimmung nicht teilzunehmen. So geschah es auch. Die zweite Abstimmung fiel nun so aus: 6 Personen lehnten die Eignung Rafsandschanis ab, 4 stimmten weiter dafür. Das heißt, dass es 2 Umfaller gegeben hat.
Und das heißt vor allem – weder Ajatollah Chamene‘i noch der Wächterrat haben im Iran das letzte Wort, jetzt haben die Generäle die Macht übernommen.

Sultane im heutigen Iran
Natürlich ist die Wirklichkeit etwas komplexer als das hier entworfene Bild. Auch haben sich die Machtstrukturen in den letzten 1500 Jahren stark verändert. Die „Sultane“ (Pasdaran-Generäle) heute herrschen z.B. nicht mehr wie früher über Ländereien sondern über Wirtschaftsimperien. Und die Machtverhältnisse sind ständig in Bewegung, wie man am Beispiel von Ahmadineschad sehen kann, der – um im Bild zu bleiben – ein „Sultan“ war, als Mitglied der Revolutionswächterorganisation und mit Chamene’is Segen an die Regierung kam, dort schnell an Macht und Einfluss gewonnen, aber gegen Ende seiner Amtszeit seine Karten überreizt hat und wieder in seine Schranken gewiesen wurde. Der Beginn seines Abstiegs liegt in seinem oft bemühten Mehdi-Kult begründet, der aus Sicht des „Chalifen“ (Religionsführer Chamene’i) drohte, dessen Macht in Frage zu stellen.

Unterm Strich bleibt die Tatsache, dass im Iran die Herrschenden sich nicht auf das Volk berufen sondern ihre Macht von Gott herleiten.

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Wahlkampf im Iran: den anderen die Flügel stutzen

Allmählich wird deutlich, welche Kandidaten im iranischen Wahlkampf nur dazu gedacht sind, Pluralismus vorzutäuschen. Da es sowieso keine oppositionellen Kandidaten gibt, treffen die jetzigen Maßnahmen direkt Anhänger aus dem Umfeld von Ajatollah Chamene‘i.

Von Ali Schirasi

Mohsen Resa‘i im Fernsehen zensiert
Erstes Beispiel ist Mohsen Resa‘i, ehemaliger Befehlshaber der Revolutionswächter (Pasdaran). Er wie auch die anderen acht Kandidaten haben das Recht, sich im staatlichen Fernsehen vorzustellen. Als er in seiner Rede von der hohen Arbeitslosigkeit zu sprechen begann und von einem Vater berichtete, dessen fünf Kinder sogar ein Studium absolviert hatten und trotzdem arbeitslos blieben, wurde die Übertragung unterbrochen, die Zuhörer erfuhren auch nicht mehr, dass der verzweifelte Vater damit drohte, sich selbst umzubringen, wenn seine Kinder keine Arbeit bekämen. Auch als Resa‘i auf die Diskriminierung der ethnischen Minderheiten im Iran (Kurden, Aseris und andere) zu sprechen kam, wurde die Übertragung unterbrochen. Alles natürlich aus rein „technischen Gründen“, wie der Staat behauptet.

Hassan Rouhani’s Wahlkampfveranstaltung überfallen
Hassan Rouhani, unter Chatami hatte er mit dem Westen über das iranische Atomrüstungsprogramm verhandelt, jetzt ist er Mitglied des Rats zur Wahrung der Interessen des Systems, gehört ebenfalls zu den acht zugelassenen Kandidaten. Als er nach seiner Zulassung als Kandidat eine Auftaktveranstaltung in Teheran eröffnen wollte, wurde seine Veranstaltung von Hisbollahis überfallen und er konnte nicht einmal zu Wort kommen.

Mohammad-Resa Aref: Ein weiteres Zensuropfer
Mohammad-Resa Aref war Minister für Technologie und Erster Vize-Präsident unter Präsident Mohammad Chatami. Derzeit ist er Mitglied des Obersten Rats der Kulturrevolution – der die Rektoren der Unis ernennt und die Kulturpolitik der Universitäten und Schulen festlegt, und Professor an der Uni Teheran und der Scharif-Universität für Technologie. Als er in seiner Fernsehrede die Frage stellte, wieso man nicht die Erfahrungen von Chatami und Rafsandschani nutzen wolle, die beide je acht Jahre dem Land als Präsidenten gedient hätten, wurde die Übertragung seiner Rede abgestellt und nur noch Ausschnitte mit Untertitel gezeigt, ohne die Worte zu übertragen. Auch hier waren die bekannten „technischen Gründe“ am Werk.

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Irans künftiger Präsident: Said Dschalili


Dschalili, ein Kaufhauspolitiker von der Stange – auf den ersten Blick

Von Ali Schirasi

Wenn es nach dem geht, was die iranischen Revolutionswächter (Pasdaran) und der Religiöse Führer Ajatollah Chamene‘i wollen, dann dürfte der Nachfolger von Mahmud Ahmadineschad im Amt des iranischen Präsidenten Said Dschalili sein. Schon jetzt spielt Dschalili eine wichtige Rolle als Vermittler zwischen der Führung von China und von Russland auf der einen Seite und Ajatollah Chamene‘i auf der anderen Seite.

Dschalilis Ziele
Said Dschalili, Generalsekretär des Nationalen Sicherheitsrats des Irans und derzeitiger Verantwortlichter der Atomrüstungsgespräche mit der EU, einer der Kandidaten für das iranische Präsidentenamt, der die Unterstützung von Ajatollah Chamene‘i und von Ajatollah Mesbah-Jasdi genießt, erklärte auf seiner Wahlkampferöffnungsveranstaltung am vergangenen Freitag, den 24. Mai 2013, was seine Ziele sind:

„Die Ausbreitung des Einflusses des Islams auf der Welt“.

… und morgen die ganze Welt
Und falls dies als „Bildung eines großen Weltreichs“ aufgefasst werde, so würden sie dazu stehen.

Nach einer Meldung der iranischen Nachrichtenagentur „Fars“ erklärte er:
„Unsere Absicht ist es, die Wurzeln des zionistischen Regimes, des kapitalistischen Systems und des kommunistischen Systems auszutrocknen. Wir wollen ein islamisches System ausbreiten.“
Die Islamische Republik (Iran) „hat keinen Grund, die Muslime der Welt nicht dazu aufzufordern, Wege zur Eroberung der Macht auf der (ganzen) Welt einzuschlagen.“
http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=62663

Die Wurzeln des Zionismus, des Kapitalismus und des Kommunismus austrocknen

Die zivil gekleideten Pasdaran und Bassidschi um Dschalili haben ihre Schäfchen jedenfalls schon ins Trockene gebracht…

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Iran: Der zentrale Wahlkampfstab von Qalibaf

Mohammad Bagher Qalibaf ist einer der Kandidaten für die kommenden Präsidentschaftswahlen im Iran, der Ajatollah Chamene‘i genehm ist und deshalb vom Wächterrat zugelassen wurde. Derzeit ist Qalibaf noch Oberbürgermeister von Teheran, vorher war Polizeichef der Islamischen Republik und davor General der Revolutionswächter.


Qalibaf umringt von seinem Wahlkampfstab

Eine Hand wäscht die andere
Hier sehen wir ein Foto von einer Wahlkampfveranstaltung für Qalibaf in einer Moschee in Teheran, auf dem sieben Köpfe nummeriert sind. Alle sieben Personen sind Hisbollah-Anhänger, die Qalibaf einen lukrativen Posten in der Betreibergesellschaft der Metro von Teheran zu verdanken haben und ihm dies nun damit vergelten, dass sie den zentralen Wahlkampfstab von Qalibaf leiten, der auch die Wahlkampfstäbe in anderen Regionen einsetzt.

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Brotmangel im Iran

In einigen Städten in den Provinzen Chusestan und Ardabil, sowie in Sanandadsch und Nadschafabad (Region Isfahan) kam es in den letzten Tagen zu Protesten vor den Bäckereien, wo sich lange Schlange bildeten. Die Kunden protestierten dagegen, dass die Bäckereien zu wenig Brot hatten. Die Bäckereien erklärten, sie seien nicht daran schuld, sie bekämen nicht mehr Mehl zu geteilt. Der stellvertretende Minister für Industrie und Bergbau behauptete, es sei alles in Ordnung, das Mehl werde ordnungsgemäß verteilt.
Gleichzeitig wird Weizen und Weizenmehl illegal in den Irak exportiert, was nicht zu verhindern ist, da die am Schmuggel beteiligten Firmen unter dem Schutz der Revolutionswächter (der „Schmuggelbrüder“, wie Ahmadineschad sie getauft hat) stehen.
Es heißt, dass der iranische Weizen namentlich gegen Dollar nach Syrien und in den Irak verkauft wird, um auf diesem Weg Dollar in die Kassen der Pasdaran zu bringen. Zum Ausgleich für den entstandenen Mangel wird auf der Gegenseite Reis und Brotgetreide aus China und Indien zu niedrigen Preisen importiert, allerdings auf Kosten der Qualität. So beklagte ein Abgeordneter im iranischen Parlament, dass der Reis aus Indien gesundheitsschädlich sei und nicht für Kinder geeignet sei.

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Iran: Khoramschahr – 30 Jahre nach Kriegsende

Im iranisch-irakischen Krieg wurde die Stadt Khohramschar vom Irak bombardiert, zerstört und dann besetzt. Später konnte der Iran die Iraker wieder aus der Stadt vertreiben. Die Einwohner, die geflohen waren, durften zurückkommen. Die Regierungen haben immer versprochen, die Stadt neu aufzubauen. Obwohl es sich um eine wichtige Hafenstadt handelt, die am Im-und Export verdient, sieht die Stadt auch nach 30 Jahren noch so aus, wie die folgenden Bilder es zeigen. Moscheen und islamische Institutionen wurden allerdings schnell wieder hergerichtet.

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Hungerstreik im Gefängnis Ghezel Hessar (Iran)

Seit gestern, den 22.5.2013, machen 2000 Gefangene des iranischen Gefängnis Ghezel Hessar, in der Stadt Karadsch, in der Nähe von Teheran, einen Hungerstreik.

Grund für den Hungerstreik sind regelmäßige Hinrichtungen im Gefängnis und die schlechte Allgemeinsituation (Nahrungsversorgung, Kleidung, medizinische Behandlung, Besuchserlaubnisse) sowie das willkürliche und ungesetzliche Verhalten der Wächter.

Heute hat der Gefängnisdirektor Hosseini mehrere am Streik beteiligte Häftlinge in sein Büro geholt. Dort wurden sie beschimpft und als Rädelsführer bezeichnet. Er drohte damit, 100 Häftlinge hinzuricten, falls der Hungerstreik nicht beendet wird.

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Rafsandschani: Der iranische Staat ist pleite

Von Ali Schirasi

Alle iranischen Nachrichtenagenturen, Medien und Websites, egal ob auf Seiten der Prinzipialisten oder der Reformer, verbreiten einhellig die Nachricht, dass Rafsandschani nach seiner Ablehnung durch den Wächterrat nicht vor Gericht ziehen will. Rafsandschani selbst hat lediglich auf seiner eigenen Website einen Vers aus dem Koran zitiert und übersetzt. Sinngemäß lautet er: „Wenn dein Gegner gegen dich etwas unternimmt, musst du nur Geduld haben. Gott ist dein Zeuge.“

Die Tochter von Ajatollah Chomein’i hat jedoch einen Brief an Ajatollah Chamene’i geschrieben und Protest gegen den Bescheid des Wächterrats eingelegt. Der Neffe von Chomein’i, Hassan Chomein’i, hat Chamene’i besucht ihm berichtet, dass er selbst aber auch andere Geistliche gegen diesen Bescheid sind.

Gestern, am 22. Mai 2013, hat Rafsandschani vor einer Versammlung seines Wahlkampfstabs – darunter viele hochrangige Vertreter (z.B. ehemalige Minister ) aus seiner und Chatamis Regierungszeit – gesprochen. Unter anderem sagte er bei dieser Gelegenheit:

(…) Der Staat ist pleite.

Ich wollte mich nicht als Kandidat anmelden. Ich habe aber viele Briefe erhalten und Telefonate mit berühmten Geistlichen aus Maschad, Qom und Nadschaf (Anm.: wichtige religiöse Zentren im Iran und Irak) geführt, die argumentierten, es sei meine Pflicht zu kandidieren. Auch aus anderen Schichten kam dies und insbesondere Jugendliche haben verlangt, dass ich mich anmelde. Wie hätte ich wie ein Diktator entscheiden und nur an mich selber denken und all diesen Vertretern mit Nein antworten können? Nach meiner Anmeldung konnte ich bis spät in der Nacht kein Auge zu machen. Ich habe tief über die innere und die äußere Situation im Iran nachgedacht. Ich wusste wer meine Gegner waren, was sie denken und wollen. Ich kannte sie alle seit langer Zeit. Angesichts dieses Bergs von Problemen, wer möchte da Verantwortung übernehmen? Wie kann man ohne finanzielle Quellen den Lohn der Beamten um 25 % erhöhen? Der heutige Staat hat Schulden in Höhe von 500.000.000.000.000Toman bei iranischen Banken und anderen Unternehmen. Der Staat ist pleite.

(…) Geldtransferprobleme und Waren statt Geld

Es gibt kein Geld mehr und selbst wenn es noch Geld gäbe, könnten wir es nicht in den Iran transferieren. Gelder die über China in den Iran transferiert werden sollten sind hier nicht angekommen. Stattdessen wollte China Waren liefern. Aber nicht die Waren, die wir aussuchen, die Waren, die China für uns aussucht. Sie schickten uns Pflanzenschutzmittel und nun ist unsere Landwirtschaft vergiftet und die Bauern sind bankrott. Weil wir keinen Kredit in der Welt hatten konnten wir bestimmte Medikamente nicht importieren. Sie können selber sehen, welche Probleme die Patienten haben, die die Medikamente eingenommen haben, die uns China dann schickte. Die Entscheider in der Regierung haben unser Öl billig nach Indien verscherbelt. Anfangs wollte Indien uns mit Rupien bezahlen, jetzt bezahlt Indien uns mit Waren.

(…) Zerschlagung des Irans und militärischer Angriff

Diese Informationen stammen nicht von mir, sondern wurden vom Chef der iranischen Zentralbank und dem Handelsminister bei einer Sitzung des Schlichtungsrats vorgelegt und sind gut dokumentiert. (…) Im US-Senat kursieren zwei Entwurf für die Zeit nach der iranischen Präsidentschaftswahl. Der eine befasst sich mit der Abtrennung der Regionen Sistan/Belutschistan und Aserbeidschan vom Iran, der andere bezieht sich auf die militärische Unterstützung Israels durch die USA sollte Israel den Iran angreifen. Womöglich sind beide Pläne Teil der psychologischen Kriegsführung aber es ist unsere Pflicht alles zu beobachten.

(…) Sie verstehen nicht

Ich hätte nie gedacht, dass so schnell eine solche Woge der Unterstützung für meine Kandidatur entsteht. (…) Sie (Anm.: er meint Chamene’i und Rafsandschanis Gegner) verstehen einfach nicht, wie gefährlich die Situation ist.“

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Iran: Der Starke ist am Mächtigsten allein

Von Ali Schirasi

Mascha‘i und Rafsandschani ausgeschlossen
Inzwischen hat das iranische Innenministerium die Liste der vom Wächterrat für die Präsidentschaftswahlen zugelassenen Kandidaten veröffentlicht. Und tatsächlich:
Weder Esfandiyar Rahim Mascha‘i noch Ajatollah Haschemi Rafsandschani wurde für geeignet gehalten, zu den kommenden Wahlen zugelassen zu werden. Acht Namen stehen auf der Liste, genau die Namen, die einige Zeitungen schon zuvor unter Berufung auf „Gerüchte“ veröffentlicht hatten. Der neueste Wunschkandidat von Ajatollah Chamene‘i, Sa‘id Dschalili, ist auch darunter, ebenso wie seine anderen Lieblinge, also Bagher Qalibaf, Mohsen Resa‘i, Haddad Adel und der ehemalige Außenminister Ali-Akbar Welajati.

Ahmadineschads Pläne durchkreuzt
Mit der Ablehnung von Mascha‘i, den Ahmadineschad zu seinem Nachfolger erkoren hatte, musste auch Ahmadineschad rechnen, und er hat im Vorfeld oft genug damit gedroht, Dinge auszuplaudern, die auch dem Religiösen Führer unangenehm werden können. Ajatollah Chamene‘i hat sich nicht beeindrucken lassen, und statt dessen gehandelt. Er hat in den letzten Tagen eine Reihe von Geistlichen überfallsmäßig aus ihrer Wohnung holen lassen, die als Unterstützer von Ahmadineschad bekannt waren. Die Festgenommenen wurden erst wieder freigelassen, nachdem sie eine Verpflichtungserklärung abgegeben hatten, sie würden keine Unruhe stiften, wenn Mascha‘i nicht als Kandidat zugelassen werden sollte. Zudem hat Ajatollah Chamene‘i in der letzten Zeit eine Reihe von wichtigen Amtsträgern in der Provinz verhaften lassen, die ihre Posten Ahmadineschad verdankten. Die Zielrichtung ist klar: Einmal soll damit Ahmadineschad die Unterstützung in der Verwaltung genommen werden, mit der er Unruhe stiften könnte. Zum anderen ist dies ein Signal an alle anderen Anhänger Ahmadineschads in der Verwaltung, es sich gut zu überlegen, ob sie nicht besser auf die Seite des mutmaßlichen Siegers überwechseln sollen.
Ahmadineschad ist sicherlich noch für manche Überraschung gut, aber mit diesen Schritten entzieht ihm der Religiöse Führer die Verfügungsgewalt über den Staatsapparat, dann bleiben Ahmadineschad nur noch Worte.


Der Rattenfänger von Teheran

Der Rattenfänger hat Spielpause
Die Ablehnung von Ajatollah Haschemi Rafsandschani ist dagegen nicht so leicht zu interpretieren. Immerhin hätte Ajatollah Chamene‘i schon am Anfang sagen können, er solle es besser bleiben lassen und nicht kandidieren. Aber dann wäre Chamene‘i in den Augen der Anhänger der Fundamentalisten und des Basars als der Schuldige erschienen. Jetzt hat der Wächterrat entschieden, und damit steht Chamene‘i nicht mehr in der vordersten Schusslinie. Natürlich hätte der Wächterrat anders entschieden, wenn Ajatollah Chamene‘i es gewollt hätte, aber die Form ist gewahrt, und die islamistische Verfassung des Irans gibt dem Wächterrat das letzte Wort. Genauer: das Vorletzte. Denn so wie bei den vorigen Präsidentschaftswahlen, als der Wächterrat Mirhossein Mussawi und Karubi nicht zuließ und erst ein nachträglicher Beschluss von Ajatollah Chamene‘i diesen Entscheid umstieß, so könnte Chamene‘i auch jetzt noch nachträglich Rafsandschani doch als Kandidaten zulassen. Dann allerdings mit Bedingungen: Und die Bedingungen wären die, die auch der oberste Chef der Revolutionswächter (Pasdaran) kürzlich offengelegt hat: Eine Entwicklung wie im Jahr 2009 darf sich nicht wiederholen. Damals hat der Unterdrückungsapparat fast zwei Jahre benötigt, um das protestierende Volk von den Straßen zu holen. Das kostet Energie, und darauf haben auch die Machthaber keinen Bock. Deshalb dürfte Rafsandschani nur antreten, wenn er nicht mehr die Dinge zur Sprache bringt, mit denen er bislang Sympathien unter der Bevölkerung geerntet hat: die Freilassung der politischen Gefangenen, die Beendigung des Hausarrests gegen Karrubi und Mussawi, die Notwendigkeit, sich bei der Bevölkerung für das Geschehene zu entschuldigen, der Verzicht auf die Atombombe, der Versuch einer Aussöhnung mit Israel, damit der Westen die Sanktionen aufhebt und die Wirtschaft wieder in Gang kommt, wovon sich die Bevölkerung neue Arbeitsplätze erhofft. Natürlich könnte Rafsandschani schweigen, aber dann gewinnt er die Stimmen nicht, die er benötigt, um an die Macht zu kommen. Und er hätte seinen Ruf ruiniert. Deshalb gibt es aus seiner Sicht keinen Grund, auf solche Bedingungen seitens des Religiösen Führers einzugehen. Und wieso sollte der Führer ihn, seinen gefährlichsten Konkurrenten, der ihn eines Tages sogar aus seinem Amt entfernen könnte, hochkommen lassen? Wieso machte Ajatollah Chamene‘i den Umweg über den Wächterrat, wenn er sich auf diesem Weg dann doch wieder in den Vordergrund schiebt? Es gibt wenig Gründe, die dafür sprechen, dass Chamene‘i diesmal die Entscheidung des Wächterrats rückgängig macht.

Was sagt Rafsandschani?
Der Fuchs schweigt. Wie ein iranischer Kommentator betonte, konnte ihm diese Entscheidung nur Recht sein. Denn wenn jetzt die Fundamentalisten unter Ajatollah Chamene‘i ihren Kandidaten durchsetzen, wird sich ein halbes Jahr nach den Wahlen zeigen, dass sie nicht in der Lage sind, die Probleme der Bevölkerung zu lösen. Dann besäße Ajatollah Rafsandschani immer noch genügend Ansehen unter der Bevölkerung, um sie zu mobilisieren, falls er es will. Dass er weiter denkt, zeigt sich auch an den Äußerungen seiner Tochter Fateme Haschemi gegenüber der iranischen Nachrichtenagentur Dscharas. Demnach war ihr Vater noch heute morgen (Dienstag, 21. Mai) aufgefordert worden, freiwillig auf seine Kandidatur zu verzichten – um dem Wächterrat die Ablehnung zu ersparen, versteht sich. Ajatollah Haschemi Rafsandschani habe dies mit den Worten abgelehnt: „Ich werde nicht verzichten, ich will das Volk nicht verraten. Das Volk hat mir sein Vertrauen geschenkt und mich gebeten, anzutreten. Ich bin für das Volk angetreten. Die Menschen haben sich sehr darüber gefreut, wie können Sie da von mir erwarten, dass ich den Verzicht erkläre? Auf welcher Grundlage sollte ich das tun? Ich kann das Volk doch nicht anlügen.“
Fateme Haschemi versäumte auch nicht, darauf hinzuweisen, dass die Begründung, ihr Vater sei (mit 79) zu alt für den Posten, nicht sehr überzeugend klingt: „Imam Chomeini hat das Land im Alter von 79 betreten (aus seinem Pariser Exil) und war dann noch elf Jahre lang der Führer des Landes und hat das revolutionäre Land hervorragend geleitet.“
Das ist eine feine Spitze gegen die auch ansonsten überalterte geistliche Führung, die sich ja so gerne auf das Beispiel von Chomeini beruft.

Die Rolle Rafsandschanis
Unabhängig davon, mit welcher Begründung die Kandidatur Rafsandschanis jetzt abgelehnt wurde, sollte man sich stets eins vor Augen halten. Rafsandschani ist kein Mensch, der die Islamische Republik reformieren will, sondern einer, der die Gefahr des Untergangs spürt und den Untergang des Systems abwenden will. Dabei schreckt er vor nichts zurück. Er war einer der Begründer des Systems, er war in den Mord von Mykonos in Berlin, in die Serienmorde an Intellektuellen im Iran in den 1990er Jahren verwickelt und auch für den Anschlag auf die israelische Botschaft in Buenos Aires (Argentinien) soll er mitverantwortlich sein. Er hat gute Vorarbeit geleistet und wäre in der Lage, der Bevölkerung erneut Hoffnung auf einen Wandel zu machen, einen Wandel, den er selbst nicht will. Wenn er jetzt nicht kandidiert, bleibt dem Volk die nächste Enttäuschung erspart. Denn dass von den Kandidaten Chamene‘is nichts zu erwarten ist, weiß die Mehrheit ohnehin.

Wieviel Stimmen für den Nachfolger?
Wenn Rafsandschani nicht antritt und Mascha‘i ausgeschlossen bleibt, wird der Wahlkampf eine müde Veranstaltung. Es wird nicht viele Wähler auf die Beine bringen, wenn die Kandidaten damit prahlen, wie vielen Studenten sie mit dem Knüppel den Kopf eingeschlagen haben. In diesem Fall darf man erwarten, dass von den etwa 50 Millionen Wahlberechtigten die meisten zu Hause bleiben. Das kommt in diesem Fall Chamene‘i und seinem Umfeld gelegen: Dann genügt es, dass sie ihre stabile Anhängerschaft mobilisieren und ihr Kandidat kann mit einer relativen Mehrheit sogar den Sieg erringen.

Wer ist die Wählerbasis?
Im Iran gibt es etwa 1 Million Revolutionswächter, Polizisten, Geheimdienstangehörige und Militärs. Noch einmal 1 Million stellen die bezahlten Angehörigen der Bassidschi-Milizen dar. Macht zusammen zwei Millionen. Diese Leute haben Familienangehörige, also die Zahl mal vier, macht maximal 8 Millionen Stimmen. Dann kommen noch etwa 2 Millionen staatliche Angestellte in verschiedenen Behörden dazu, zu denen ebenfalls wieder die Familie dazugezählt werden kann. Macht nochmal maximal 8 Millionen. So kommen wir auf maximal 16 Millionen Stimmen, die das Regime für sich mobilisieren kann. Wenn 30 Millionen der Wähler zu Hause bleiben, sind 16 von 20 Millionen Wählern ausreichend, um einen Kandidaten durchzubringen, sogar 11 Millionen würden genügen.

Der Alleinherrscher haftet allein
Das Problem sind dann nicht mehr die Wahlen, sondern die Zeit danach. Eine Regierung, die die bisherige Politik fortsetzt, kann weder Arbeitsplätze schaffen noch die Inflation bremsen, und ohne Änderung der Außenpolitik (Israel, Syrien, Atompolitik) wird auch das Embargo andauern. Dann kann sich der Religiöse Führer hinter nichts mehr verstecken – der Alleinherrscher haftet allein.

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Iran: Spiel auf Zeit mit gezinkten Karten

Von Ali Schirasi

Zum heutigen Tag, den 31. Ordibehescht (21. Mai 2013), musste der iranische Wächterrat entscheiden, welche Personen nach seiner Auffassung „qualifiziert“ sind, als Kandidaten zu den kommenden Präsidentschaftswahlen aufzutreten. Die Entscheidung hat er getroffen, aber das Innenministerium hat bekannt gegeben, dass es erst innerhalb der gesetzlichen Frist von 48 Stunden mitteilen kann, welche Kandidaten antreten dürfen.

Zwei halbstaatliche iranische Nachrichtenagenturen, „Mehr“ und „Tasnim“, haben unter Berufung auf „Gerüchte“ die Nachricht verbreitet, dass weder Esfandiyar Mascha‘i, der Kandidat des scheidenden Präsidenten Ahmadineschad, noch der Ex-Präsident Ajatollah Haschemi Rafsandschani, auf der Liste der acht zugelassenen Kandidaten stehen. „Mehr“ hat auch eine Liste von 8 Namen veröffentlicht, auf der unter anderem die Namen von Sa‘id Dschalili, Bagher Qalibaf, Haddad Adel, Mohsen Resa‘i und Ali-Akbar Welajati stehen, allesamt Kandidaten des Religiösen Führers Ajatollah Chamene‘i.

Angehörige des Wächterrats hatten schon im Vorfeld durchsickern lassen, dass Ajatollah Haschemi Rafsandschani aufgrund seines hohen Alters (er ist 79 Jahre alt) den Anforderungen des Präsidentenamts nicht gewachsen sei. Darüber, dass der Religiöse Führer Ajatollah Chamene‘i, mit seinen 74 Jahren auch nicht viel jünger ist und nach der iranischen Verfassung noch viel mehr Macht ausübt als der Präsident, äußerten sich die Herrschaften nicht.

Pikant an der Sache ist, dass einige der Geistlichen im Wächterrat Ajatollah Rafsandschani noch an Alter übertreffen:

  • Ajatollah Ahmad Dschannati (geb. 1926: 87 Jahre)
  • Ajatollah Mohammad Jasdi (geb. 1932: 81 Jahre)
  • Ajatollah Seyyed Mahmud Haschemi Schahrudi (geb. 1948?: 65 Jahre)
  • Ajatollah Mohammad Mo‘men (geb. 1941: 72 Jahre)
  • Ajatollah Mohammad Resa Modarress-Jasdi (geb. 1955: 58 Jahre)

Eigentlich sollten es 6 Geistliche und 6 Nicht-Geistliche (Juristen) sein, die den Wächterrat bilden, aber Ajatollah Gholamresa Resawani (geb. 1930: 83 Jahre) ist dieses Jahr (vor einem Monat) verstorben, so dass es zur Zeit nur fünf Geistliche sind.

Die Machthaber lassen die 48 Stunden nicht ungenutzt verstreichen, die bis zur amtlichen Verkündigung der Kandidatenliste vergehen dürfen:

In Teheran ist ein Großaufgebot an bewaffneten Kräften zu beobachten, die sämtliche wichtige Verkehrsadern unter Kontrolle halten. Dies ist ein klares Signal an die Bevölkerung. Zugleich ist es ein Test für Ajatollah Chamene‘i und sein Umfeld. Wenn sich jetzt keine großen Proteste zeigen, wird die Bekanntgabe der Kandidatenliste – so hoffen sie – auch problemlos verlaufen.

Da sowohl Ajatollah Haschemi Rafsandschani wie Mahmud Ahmadineschad ihre Vertrauensleute im Wächterrat haben, ist sicher, dass sie die Entscheidung des Wächterrats jetzt schon kennen.

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Iran: 2 tote Bassidschis in Sardascht

In Sardascht (iranische Region West-Aserbaidschan) sind am Sonntag, den 19.05.2013, zwei Angehörige der iranischen Bassidschi-Milizen bei einem Gefecht mit Peschwak-Kämpfern (eine kurdische Organisation) ums Leben gekommen. Heute wurden die beiden Toten in Beisein von Vertretern der Behörden und des zuständigen Imams in ihrem Heimatort bestattet.

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Irans Verteidigungsminister Ahmadi Wahidi präsentiert


Irans neueste Rakete: H.araz (Der Talisman)

Irans Verteidigungsminister Ahmadi Wahidi präsentiert die neueste Errungenschaft der iranischen Raketenindustrie: Die Rakete H.araz. Wie er erklärt, stammt das Wort aus dem Arabischen und bedeutet soviel wie Talisman, der Böses abwehrt.
Was er nicht erklärt, ist die Tatsache, dass diese Rakete wie ihre Vorgänger im Wesentlichen ein Puzzle aus Teilen russischer, chinesischer und nordkoreanischer Produktion darstellen, den Iranern blieb die Aufgabe, das Puzzle zusammenzusetzen.
Der iranische Bestandteil am Ganzen ist der Name – ein arabischer!
Und echt iranisch ist wohl nur der Glaube daran, dass ein Talisman zur Abwehr des Bösen hilft. Seinerzeit hatte Ajatollah Chomeini an die Jugendlichen, die er als Kanonenfutter in den Krieg gegen den Iran schickte, mit Schlüsseln ausrüsten lassen, die ihnen das Tor zum Paradies öffnen sollten.

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Iran: Qalibaf lässt die Katze aus dem Sack

Von Ali Schirasi


Mohammad Bagher Qalibaf

Hell’s Angel for President
Der General der Pasdaran (Revolutionswächter), der ehemalige Polizeichef des Irans und jetzige Oberbürgermeister von Teheran gehört zu den Kandidaten für die kommenden Präsidentschaftswahlen, der die volle Unterstützung des Religiösen Führers Ajatollah Chamene‘i genießt. Wes Geistes Kind er ist, zeigte er kürzlich auf einer Veranstaltung vor Mitgliedern der paramilitärischen Bassidschi-Miliz, die vor knapp zwei Wochen in Teheran stattfand. Als ihn anwesende Bassidschis darauf ansprachen, sie hätten gehört, er habe sich von Mussawi und Karubi nicht energisch distanziert und hege Sympathien für sie, explodierte er fast und legte den Anwesenden dar, was er alles getan hat, um diese unglaubliche Unterstellung von sich zu weisen. Hier Auszüge aus seinen Äußerungen, die inzwischen auch auf CDs gebrannt wurden und im Land verbreitet werden:

da bin ich auch einer von denen, die mit dem Knüppel zuschlagen
„Ich saß im Jahr 78 (1999) auf einem 1000 ccm-Motorrad und war einer von denen, die mit dem Knüppel zugeschlagen haben. Den Brief der Pasdaran-Befehlshaber an die Spitze der Pasdaran (erg.: Chatami auszubremsen) habe ich verfasst. Als sich ’78 (1999) die Vorfälle im Studentenviertel ereigneten, war ich es, der den besagten Brief geschrieben hat. Ich und Herr Soleymani. Als sie (erg.: die Studenten) auf die Straße gingen, um zum Sitz des Religiösen Führers zu marschieren, war ich der Befehlshaber der Luftstreitkräfte der Pasdaran. Ein Bild von mir, wie ich auf einem 1000 ccm-Motorrad mit dem Knüppel in der Hand sitze, existiert noch. Ich war mit Hossein Chaleqi zusammen. Ich stand damals mitten auf der Straße, um die Leute einzusammeln (= festzunehmen).

und ich bin stolz darauf
Dort, wo es nötig ist, auf die Straße zu gehen und zuzuschlagen, da bin ich auch einer von denen, die mit dem Knüppel zuschlagen. Und ich bin stolz darauf. Ich habe nicht darauf geachtet, ob ich General bin oder Befehlshaber, und mich nicht gefragt, was hast du auf der Straße verloren?
Im Jahre 82 (2003) (erg.: als es weitere Studentenproteste gab), war ich 25 Tage lang auf der Straße mitten im Gefecht. Im Jahr 82 – nachdem das Studentenviertel in Brand gesteckt worde (erg.: auch das ein Werk der Pasdaran), und nach dem Vorfall von Tarascht (erg.: der Stadtteil, wo das Studentenviertel liegt), habe ich auf der Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats mit den Anwesenden gestritten und scharfe Kritik geübt und mich nicht um die auf dieser Sitzung herrschenden Sitten gekümmert. Dort habe ich gesagt: „Jeder, der heute abend ins Studentenviertel geht und an den Aktionen teilnehmen will, den werde ich als Befehlshaber der NAJA (einer Polizei-Einheit) zerdrücken und die Leute einsammeln. Asis Dscha‘fari ist mein Zeuge (erg.: heute Oberbefehlshaber der Pasdaran).

Ich habe den Schießbefehl erwirkt
Mit meinem Auftritt auf der Sitzung habe ich den Nationalen Sicherheitsrat gezwungen, den Beschluss zu fassen, militärische Einheiten in das Studentenviertel zu entsenden und der NAJA den Schießbefehl zu erteilen.“

Anmerkung: Im Iran dürfen seit über 25 Jahren nur noch die Sicherheitskräfte 1000 ccm-Motorräder verwenden.

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Straßenverkauf der Maulbeere im Iran

Im ganzen Iran gibt es den Maulbeerbaum. Er tritt in verschiedenen Arten auf: es gibt weiße, rote und schwarze Maulbeeren. Die rote und schwarze Maulbeere werden frisch gegessen. Auch den Saft dieser Beeren kann man von Straßenhändlern kaufen. Die weiße Maulbeere gibt es zusätzlich als getrocknete Frucht.

Viele Bäume stehen auf der Straße. Kinder ernten sie ab und verkaufen sie als fliegende Händler. So tragen sie ein wenig zum Familieneinkommen bei.


Ein Kind ist auf den Baum geklettert und schüttelt die Äste.


Hier sammeln die Kinder die heruntergefallenen Früchte ein.


Maulbeeren aus der Nähe betrachtet.


Er freut sich, dass er so ein wenig Brot nach Hause bringen kann.


Der Verkauf am Straßenrand.

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Irans Kandidaten – einer raus, einer rein

tür auf
einer raus
einer rein
nächster sein

(ernst jandl)

Ernst Jandl trifft den richtigen Ton, auch wenn er nicht den iranischen Wahlkampf charakterisieren wollte.


Ahmadineschad ist links zu sehen, Mascha‘i rechts

Von Ali Schirasi

Ahmadineschad wählt seinen Nachfolger
Am Samstag, den 11. Mai 2013, ist Esfandyar Rahim Mascha‘i, der Vater von Ahmadineschads Schwiegertochter und Berater des Präsidenten, in der letzten Stunde vor Ablauf des Anmeldeschlusses für die Kandidatur zu den Präsidentschaftswahlen im iranischen Innenministerium erschienen. Vor der Tür des Ministeriums sprach er nochmals vor seinen Anhängern und wiederholte seine zusammengeschusterte These vom „Mahdawismus“, dem Warten auf einen Erlöser, als einer alten iranischen Tradition, die noch aus der Zeit des Manichäismus stamme und auch ins Judentum und Christentum eingeflossen sei. Er hatte schon früher in der Öffentlichkeit die Ansicht vertreten, dass der Islam seinen Universalcharakter verloren habe, man könne deshalb nicht von einem islamischen Iran sprechen, vielmehr gebe es einen iranischen Islam. Mit dieser nationalistischen Botschaft versucht Mascha‘i sich als Nachfolger für das Amt von Ahmadineschad zu profilieren. Die heftige Reaktion der Geistlichkeit auf diese unorthodoxen Vorstellungen dienen ihm als willkommene Wahlkampfhilfe.

Ali Akbar Dschawanfekr macht einen Rückzieher
Mascha‘i war nicht allein ins Rennen gezogen. Zuvor hatte Ali Akbar Dschawanfekr, Chef der staatlichen Zeitung Iran und Verantwortlichen der Nachrichtenagentur IRNA sowie Medienberater von Ahmadineschad, erklärt, er wolle sich um das Amt bewerben. Dies, obwohl er in die Mühlen der Justiz geraten ist und schon aus dem Grund keine Aussicht hatte, dass ihn der Wächterrat als Kandidaten zulassen würde. Aber die Registrierung genügte, um im Vorfeld Wahlkampf für das Lager um Ahmadineschad zu machen. Einen Tag nach der Registrierung von Mascha‘i beim Innenministerium, am Sonntag, den 12. Mai, zog Dschawanfekr seine Registrierung zurück.

Rahimi hält es genauso
Mohammad Resa Rahimi, Vize-Präsident unter Ahmadineschad, hielt es genauso. Er war u.a. in verschiedene Finanzskandale verwickelt. Kaum hatte er sich als Kandidat registrieren lassen, veröffentlichte die zuständige Ermittlungsbehörde in den Medien Unterlagen, aus denen hervorging, dass Rahimi eine Veruntreuung von 450 Mio Tuman zur Last gelegt wird. Mit anderen Worten, auch er hätte unter diesem Vorwand vom Wächterrat problemlos abgelehnt werden können. Und so zog auch er am 12. Mai seine Registrierung zugunsten von Mascha‘i zurück.

Der Religiöse Führer: Nebelkerzen statt Weihrauch
Auf Seiten von Ajatollah Chamene‘i war man bemüht, diverse Kandidaturen vorzuschieben, um sich nicht in die Karten blicken zu lassen. So hatten Haddad Adel, der Vater der Frau von Modschtaba Chamene‘i und somit Schwiegervater des Sohns von Ajatollah Chamene‘i, kandidiert, ebenso der ehemalige iranische Außenminister Ali Akbar Welajati (er ist in Deutschland im Zusammenhang mit der Mordaffäre Mykonos in Berlin bekannt). Auch er hatte sich im Auftrag des Führers als Kandidat beworben. Dritter im Bunde war Bagher Qalibaf, der Oberbürgermeister von Teheran, ein Scharfmacher erster Güte, was einen nicht wundert, wenn man weiß, dass er ein General der Revolutionswächter und zeitweilig der oberste Chef der iranischen Polizei war. Sie hatten zu dritt Wahlkampf betrieben und im voraus erklärt, dass sie dann zwei von ihnen zugunsten des Dritten zurücktreten würden, wenn klar sei, wem Ajatollah Chamene‘i den Vorzug geben würde.

Es kam anders
So wurde bekannt, dass Sa‘id Dschalili, Vorsitzender des Obersten nationalen Sicherheitsrats des Irans und der iranische Unterhändler in den Atomverhandlungen mit der EU, sich am Freitag als Kandidat registrieren ließ. Einen Tag später gaben Ali Akbar Welajati und Haddad Adel bekannt, dass sie ihre Kandidatur zurückziehen, von Qalibaf ist noch nichts bekannt. Der rasche Rückzug bedeutet jedenfalls, dass Dschalili die volle Unterstützung des Ajatollahs genießt. Was das bedeutet, wird sich noch zeigen. Denn im Vorwahlkampf hatte das Trio Qalibaf-Welajati-Adel schon feststellen müssen, dass sie nirgendwo viel Publikum anzogen, wenn es nach den abgegebenen Stimmen ginge, könnte sich der Kandidat schon jetzt begraben lassen. Aber wir wissen ja…

Und die Reformisten?
Ex-Präsident Chatami hat schon im Vorfeld bekannt gegeben, dass er keinen Sinn darin sieht, zu kandidieren, er hätte eh nichts zu sagen, wenn er gewählt würde. Und auch zum Ablauf der Wahlen meinte er ganz realistisch, selbst wenn seine Kandidatur vom Wächterrat zugelassen würde, bekämen sie nicht mehr Stimmen, als ihnen zugedacht ist.


Suchbild: Wer findet den Ajatollah zwischen den Kameras und Mikrophonen?

Ajatollah Rafsandschani steigt ein
Ja, und es gibt noch einen Kandidaten der letzten Minute, Ali Akbar Rafsandschani, auch er Ajatollah.
Während er seine Emissäre ausschickte, der eine ging bis in den Irak zu Ajatollah Sistani, der andere, Dr. Ali Mottahari (Parlamentsabgeordneter), suchte gleich fünf Ajatollahs auf, u.a. den einflussreichen Ajatollah Tabassi in Maschhad, hielt er sich öffentlich stets zurück und meinte, ohne Einwilligung des Religiösen Führers (Ajatollah Chamene‘i) werde er nicht kandidieren, das schade nur der Sache. Und noch in den letzten Minuten vor Wahlschluss sagte er, er werde nur kandidieren, wenn der Religiöse Führer nicht dagegen sei (er hat seine Bedingung also abgeschwächt). Wie Mascha‘i inszenierte er seine Registrierung als eine Überraschung der letzten Stunde, und so trafen sich die beiden Wahlkampfrivalen im Innenministerium. Dass seine Entscheidung nicht in den letzten Minuten gefallen ist, wie seine Anhänger glauben machen wollen, kann man daran erkennen, dass seine Leibwächter die Sicherheit im Innenministerium schon am Vortag abcheckten. Wie man sieht, traut hier keiner keinem, die Herrschaften wissen ja, mit wem sie es zu tun haben.
Auch noch eine weitere „Überraschung“ wartete auf Ajatollah Rafsandschani – eine Zahl von über Tausend jungen Anhängern, die vor dem Innenministerium in gut einstudiertem Chor die Kandidatur Rafsandschanis anpriesen und ihn gar zum Erretter (Nadschi) stilisierten. Spontan war das nicht. Auch wurden diese Anhänger nicht von der Polizei behindert oder vertrieben.
Chatami erklärte bald nach Bekanntwerden der Kandidatur von Rafsandschani, dass er darüber hoch erfreut sei.

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