Archiv für Oktober 2013

Iranische Minderheitenpolitik: 16 Balutschen hingerichtet


Hinrichtung in Balutschistan

Am Samstag, den 26. Oktober 2013, hat die iranische Regierung 16 balutschische Gefangene im Gefängnis von Sahedan hinrichten lassen. Wie Mahmud Marsiye, der Staatsanwalt von Sahedan, selbst öffentlich erklärte, stellte die Massenhinrichtung einen Racheakt der Regierung für den Überfall auf den Grenzposten von Gasbestan (Gebiet Sarawan) dar. Bei diesem Überfall soll eine Gruppe namens Dschaisch ol-Adl (Armee der Gerechtigkeit) 14 (nach anderen Quellen 16 oder 17) Grenzsoldaten umgebracht und weitere entführt haben.


Ebrahim Hamidi, Justizchef von Sistan und Balutschistan

Während es widersprüchliche Quellen gibt, ob die 16 hingerichteten Balutschen überhaupt verurteilt waren, behauptete Ebrahim Hamidi, der Justizchef der Region Sistan und Balutschistan, acht von ihnen gehörten der Gruppe Dschundollah (Soldat Gottes) an und die Dschaisch ol-Adl sei eine Fortführung dieser Gruppe.
Etwa 100 Angehörige der Hingerichteten demonstrierten am Folgetag gegen das Massaker. Sie berichteten, dass die Gefangenen um Mitternacht mit Schlägen aus den Betten geholt und zum Hinrichtungsort gebracht worden seien. Sie erwähnten namentlich zwei Beamte, Baba‘i, den Direktor aller Gefängnisse in der Region Sistan und Balutschistan, sowie Gholami, den Chef der Geheimdienstbehörde des Gefängnisses von Sahedan, die sich dabei ausgezeichnet hätten, die wehrlosen Gefangenen bei dieser Aktion zu misshandeln.
Das Vorgehen der Behörden zeigt deutlich, dass sie balutschische Gefangene auf „Vorrat“ als Geiseln gefangen halten, um sie im Bedarf hinzurichten. An dieser Stelle sei aber auch betont, dass Mordüberfälle seitens der bewaffneten Gegner der islamischen Regierung kriminell und verwerflich sind. Das Recht auf Leben gilt für jeden!

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Urumije (Iran): Kurde hingerichtet

Am 25. Oktober 2013 wurde Habibollah Golparipur, der im Jahre 2009 verhaftet worden war, gegen 12 Uhr nachts aus der Quarantäne-Station des Zentralgefängnisses von Urumije geholt. Im Gefängnis herrschten verschärfte Bedingungen, um etwaige Proteste der Gefangenen zu unterdrücken. Der Vater des hingerichteten Habibollah Golparipur versuchte, die Leiche seines Sohnes zu erhalten, aber die Herausgabe wurde ihm verweigert. Wie der Vater berichtet, druckte sein Sohn Bücher und schrieb auch selbst. Das war der Grund seiner Verhaftung, seiner Folterungen und Hinrichtungen. Habibollah Golparipur habe nie eine Waffe angefasst, erklärte der Vater.

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Iran – Ahwas : Tausende demonstrieren für das Recht auf Wasser

Unter Präsident Ahmadineschad wurde begonnen, dem iranischen Fluss Karun, der durch die mehrheitlich von Arabern bewohnte Region der Stadt Ahwas fließt, Wasser in großem Ausmaß zu entnehmen, um es anderen Städten zuzuleiten. Die Folge davon ist Wassermangel für die Bauern in der Gegend um Ahwas, was im heißen iranischen Klima existenzzerstörend ist. Es gab deshalb schon mehrfach Proteste in der Bevölkerung gegen diesen staatlichen Wasserdiebstahl.


Arabischer Text: „Nein, nein, nein – zur Ableitung des Karun-Wassers“

Inzwischen hat die Bewegung Tausende erfasst, die am 24. Oktober 2013 für ihr Recht auf Wasser auf die Straße gingen. In der arabischen Bevölkerung, die in der Region schon mehrfacher staatlicher Verfolgung wegen der Einforderung kultureller Rechte ausgesetzt war, entsteht zudem der Eindruck, dass mit dem Entzug des Wassers eine verdeckte Form der „ethnischen Säuberung“ durchgeführt wird.


Arabische Texte: „Wir retten den Karun-Fluss“ (rechts und links), „Ich bin mit dir, Karun“ (Mitte)

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Iran: Pferde, Hunde, bissige Frauen – bereit zur Aufstandbekämpfung

Polizeichef Esma‘il Ahmadi-Moqaddam hat jüngst in einem Interview mit der iranischen Nachrichtenagentur ISNA erklärt, dass man spezielle Einheiten zur Aufstandsbekämpfung geschaffen habe. So verfüge die Polizei jetzt über eine berittene Einheit, die zu Pferde gegen Demonstrierende vorgehen könne, so etwas werde auch im Westen praktiziert. Er sagte wörtlich: „Gegenwärtig sind die fortschrittlichsten europäischen Einheiten auch mit Reitern ausgestattet.“
Wie schön, dies aus dem Munde eines Herrn zu hören, der jedem Filmemacher und jedem Journalisten, der die Menschenrechte einfordert, „Verwestlichung“ vorwirft. Aber westliche Folter und westliche Polizeibrutalität, das ist wohl okay, das ist im Islam auch willkommen. Man sieht, der kritische Dialog zwischen den Kulturen trägt erste Früchte.
Leider geht der oberste Polizeichef des Irans auf ein nicht unwesentliches Problem bei der Aufstandsbekämpfung ein. Wenn die iranische Polizei so viel Tränengas verschießt, wie die türkische gegen die Gezi-Park-Proteste, werden dann die Pferde nicht durchbrennen?
Wir sehen, da besteht viel Lernbedarf, vielleicht kann dem die Bundesregierung ja mit einem Ausbildungsprogramm für die iranische Polizei nachhelfen.
Im übrigen konnte Polizeichef Esma‘il Ahmadi-Moqaddam stolz verkünden, dass der Iran selbständig geworden ist und von keiner Großmacht der Welt mehr in diesem Punkt abhängt: „Der Iran kann jetzt allein seine Hunde ausbilden.“ Sie können nach Waffen schnüffeln, nach Rauschgift, und bestimmt können sie auch Demonstranten beißen.
Und wenn die Hunde sich weigern, gibt es zum Glück noch eine neue Fraueneinheit. Das bekam Narges Mussawi kürzlich zu spüren, als sie ihre in Arrest gehaltenen Eltern besuchte. Da wurde sie von einer Wächterin ins Handgelenk gebissen. Und dafür ist die neue Einheit sicher gut ausgebildet, denn Ahmadi-Moqaddam bedauerte, dass die Polizei derzeit bei der Aufstandsbekämpfung gegen Frauen nicht so richtig handgreiflich werden könne, das verstoße gegen islamische Sitten. Jetzt können sie endlich zuschlagen. Oder zubeißen.

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Iran: Hafturlaub für Madschid Tawakkoli


Hafturlaub für Madschid Tawakkoli

Vergangenen Dienstag, den 22. Oktober 2013, wurde der iranische Studentenvertreter Madschid Tawakkoli nach vier Jahren Haft gegen Kaution in Hafturlaub entlassen. Ein Gericht soll darüber entscheiden, ob sein Hafturlaub verlängert wird.
Er wurde von 400 Studentinnen und Studenten empfangen.

Die Studenten begrüßen ihren Mitstreiter

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Iran: Inhaftierter Anwalt schwer lungenkrank

Mostafa Daneschdschu, einer der beiden Rechtsanwälte, die wegen ihres Einsatzes für die inhaftierten Gonabadi-Derwische ebenfalls inhaftiert wurden, ist laut eines offenen Briefes von 31 politischen Gefangenen aus dem Trakt 350 des Ewin-Gefängnisses in einer lebensbedrohlichen Lage. Er leidet nicht nur an Asthma, 40 Prozent seiner Lunge sind auch nicht mehr funktionsfähig. Trotzdem weigert sich die Krankenabteilung des Ewin-Gefängnisses, den widerrechtlich inhaftierten Anwalt einer fachärztlichen Behandlung zuzuführen. Die Gefangenen machen die Gefängnisleitung für eine etwaige Verschlechterung des Gesundheitszustandes mit möglicherweise tödlichem Ausgang verantwortlich.

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Iran: Justizsprecher droht Journalistenverband


Iranischer Justizsprecher Mohseni Esche‘i

Der Iranische Journalistenverband „Andschomane Senfiye Rusnamenegaran“ war im Jahre 2009 – unter Präsident Ahmadineschad – geschlossen worden. Die Vertreter des Verbands haben bis heute kein gerichtliches Urteil zu sehen bekommen. Angesichts der angekündigten politischen Öffnung – eine der Wahlkampfparolen von Hassan Rouhani – hat sich der Verband an drei Minister gewandt, an den Minister für Religiöse Aufklärung, an den Geheimdienstminister und an den Minister für Arbeit, mit der Bitte, die Tätigkeit des Verbands wieder zuzulassen. Die angesprochenen Minister haben nicht geantwortet, dafür hat der ehemalige Geheimdienstminister und Generalstaatsanwalt Gholamhossein Mohseni Esche‘i, der jetzt Justizsprecher ist, heute in einer Pressekonferenz reinen Wein eingeschenkt. Solange das Gerichtsurteil gültig sei, dass den Verein verbiete, sei an eine Aktivierung des Verbands nicht zu denken. Sobald der Verband seine Tätigkeit aufnehme, werde die Staatsanwaltschaft in Aktion treten.
Interessant ist, dass die Verantwortlichen des Verbands so ein Urteil nie gesehen haben.

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Iran: Schauspielerin verhaftet


Pegah Ahangarani

Die iranische Schauspielerin Pegah Ahangarani war im Jahr 2011 überfallartig von den sogenannten Sicherheitskräften verhaftet worden und wurde damals 16 Tage festgehalten. Ihre Familie wusste zuerst nicht, wo sie überhaupt war. Dann wurde sie gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt. Später wurde sie zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Strafe wurde auch in der Berufung bestätigt. Heute, den 28. Oktober 2013, wurde sie überraschend zur Verbüßung der Strafe verhaftet, obwohl der Familie vorher versprochen worden war, dass das Urteil nicht vollstreckt würde.
Die Vorwürfe gegen die Schauspielerin sind je nach Quelle unterschiedlich. Während es an einer Stelle heißt, eine Webseite, die den Sicherheitsorganen nahesteht, habe sie beschuldigt, Fotos gegen die islamische Moral über Internet verbreitet zu haben, heißt es anderenorts, dass sie wegen ihrer Kontakte zu persischsprachigen Auslandssendern, namentlich BBC und Deutsche Welle, zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Ihre Verurteilung lässt jedenfalls keine Besserung der Menschenrechtslage im Iran erkennen.

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Iran: Bissige Beamtin


Familie Mussawi

Nachdem der frühere Präsidentschaftskandidat Mirhossein Mussawi entgegen diverser Andeutungen weiterhin zusammen mit seiner Frau im illegalen Arrest festgehalten wird, machten die Behörden der Islamischen Republik Iran scheinbar ein Zugeständnis. Den beiden Töchtern des Ehepaars wurde erlaubt, zum Qadir-Fest gemeinsam mit den Eltern Mittag zu essen. Von 11:30 bis 14 Uhr hatten sie Besuchserlaubnis.
In dem Haus, in dem ihre Eltern gefangen gehalten werden, waren auch Beamtinnen des Geheimdienstes anwesend, um den Besuch zu überwachen. Vielleicht nicht ganz die Atmosphäre, die Appetit aufkommen lässt. Das dicke Ende wartete aber zuletzt. Den beiden Töchtern der Familie Mussawi wurde bedeutet, sie möchten ins Haus nebenan mitkommen, wo die Beamten und Beamtinnen des Geheimdienstes untergebracht sind, die das inhaftierte Ehepaar überwachen. Man wolle sichergehen, dass sie nichts aus dem Haus hinausschmuggeln. Die beiden Töchter gingen mit.
Zu ihrer Überraschung forderte die eine Beamtin, die auch während des Besuchs die ganze Zeit dabei gewesen war, die beiden auf, sich auszuziehen, inklusive Unterwäsche. Sie müsse prüfen, ob sie nichts hinausschmuggelten. Ein solches Vorgehen ist äußerst entehrend und die beiden Töchter protestierten. Daraufhin gab ihnen die Beamtin je eine kräftige Ohrfeige, und als die Töchter versuchten, die Beamtin mit den Händen auf Abstand zu halten, biss die Beamtin die eine der beiden, Narges Mussawi, tief ins Handgelenk.
Erst als die beiden den Chef der Überwachungsbeamtinnen laut riefen, ließ die Beamtin ab. Der Chef entschuldigte sich zwar, wies seine Untergebene aber anscheinend auch nicht zurecht.
Jetzt hat Ajatollah Dastgheib vor einer Versammlung von Anhängern der Reformisten in der Provinz Fars von Präsident Hassan Rouhani gefordert, dass die Täterin wegen Ehrverletzung gerichtlich verfolgt werde und nach den Prinzipien der Scharia geurteilt werde. Das erste Prinzip ‚Qessas‘ heißt zu deutsch ‚Vergeltung‘, sprich, die Beamtin sollte auch eine Ohrfeige erhalten, das zweite ‚Diye‘ heißt zu deutsch ‚Blutgeld‘, sprich, sie soll dafür Blutgeld bezahlen, dass sie Narges in die Hand gebissen hat.
Während die iranischen Machthaber keine Hemmung haben, der Presse einen Maulkorb umzuhängen – so wurde jüngst die Zeitung „Bahar“ (Frühling) beschlagnahmt, ist für bissige Beamte wohl nichts dergleichen vorgesehen.

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Iran: Schule in Balutschistan

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Iran:Granatapfel-Ernten in Saveh

Die Stadt Saveh (persisch ‏ساوه‎) ist die Hauptstadt des Bezirks Saveh in der Provinz Markazi im Nordwesten der Islamischen Republik Iran.

Sie liegt ca. 130 km südwestlich von der Landeshauptstadt Teheran. 2012 hat die Stadt über 201.000 Einwohner. Saveh war in der Geschichte des Landes Regierungssitz, es gibt eine Anzahl historischer Gebäude und Ruinen aus dieser Zeit.
Saveh gehört zu einer staatlich geförderten Wirtschaftsregion. Nordöstlich von Saveh liegt Kaveh,- eine so genannte Industrial City. Hier sind mehr als 1.000 kleinere und mehrere große Unternehmen angesiedelt. Hauptindustriezweige sind Metallverarbeitung, Glas- und Keramikherstellung, sowie Chemie und Pharmazeutik.

Granatapfel-Ernten in Saveh


Blüte im Endstadium


Geöffnete Blüte mit vielen Staubblättern

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Der Religiöse Führer pfeift Wissenschaftsminister zurück

Der vom iranischen Präsidenten Rouhani ernannte Interims-Wissenschaftsminister, Jafar Tofighi, muss nach kurzer Zeit wieder gehen

Nicht alle Ministerkandidaten, die Rouhani dem Parlament vorgeschlagen hatte, darunter auch sein Wissenschaftsminister, wurden vom Parlament angenommen. Nun machte Rouhani von seinem Recht Gebrauch, für drei Monate einen von ihm allein bestimmten Vertreter im Wissenschaftsministerium, Jafar Tofighi, einzusetzen.

Jafar Tofighi fing umgehend damit an, die Maßnahmen seines Amtsvorgängers unter Ahmadinedschad zurückzunehmen.

Ahmadinjedschad hatte in seiner Amtszeit – mit Unterstützung des Religiösen Führers Ali Chamene‘i, – zahlreiche Universitätsrektoren entlassen oder vorzeitig in Ruhestand versetzt und durch radikale Fundamentalisten ersetzt. An den Universitäten machten sich Vertreter der Geheimdienste, der Bassidschi und der Revolutionswächter breit. Mitglieder dieser Organisationen konnten studieren, ohne das Auswahlverfahren zu durchlaufen. Umgekehrt wurden viele Studentinnen und Studenten exmatrikuliert, die sich nicht an die strengen Bekleidungsvorschriften hielten oder sich politisch betätigten.

Tofighi setzte nun einige entlassene Rektoren wieder ein und erklärte, dass die Polizeistaatsatmosphäre an den Universitäten nichts verloren hätte. Früher entlassene StudentInnen sollten wieder zum Studium zugelassen werden.

Bei dem jüngsten Vorschlag Rouhanis für das Wissenschaftsministerium ist Tofighi plötzlich nicht mehr dabei. Der Parlamentsabgeordnete Ali Motahari sagte heute in diesem Zusammenhang, dass der Religiöse Führer sich gegen Tofighi ausgesprochen habe und er deswegen nicht mehr von Rouhani vorgeschlagen worden sei.

Anmerkung: Chamene‘i war offensichtlich mit den Maßnahmen von Tofighi nicht einverstanden und hat keinerlei Interesse, dass sich die Atmosphäre an den iranischen Universitäten ändert.

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Iranische Wirtschaft so schlecht wie seit 34 Jahren nicht mehr

Am gestrigen Montag, den 21.10.2013, veröffentlichte eine staatliche Agentur eine Regierungserklärung von Präsident Rouhani bezüglich der Finanzsituation des iranischen Staates.

Die Kernaussage war, dass die bisher von Rouhanis Amtsvorgänger veröffentlichten Zahlen falsch sind. Ahmadinedschad hat noch am letzten Tag seiner Amtsführung im staatlichen Fernsehen behauptet, dass der iranische Staat keinerlei Schulden hätte. Demgegenüber nannte Rouhani nun Zahlen in Höhe von 180.000 Mrd. Toman (in etwa 60 Mrd. US Dollar), mit denen der Iran bei Banken und im privaten Sektor verschuldet sei.

Auch angebliche Rücklagen in Milliardenhöhe, die Ahmadinedschad verbreitet hatte, stellen sich heute bei näherer Betrachtung als sehr viel geringer heraus. So z.B. verfügt laut Arbeitsminister Ali Rabie ein bestimmtes Institut zur Wirtschaftsförderung derzeit über eine Kasse von 32 Mrd Dollar – Ahmadinedschad hatte von über 50 Mrd. US Dollar gesprochen.

Die wirtschaftliche Situation des Irans ist laut Rouhani „sehr, sehr schlecht“ und „so schlecht wie seit 34 Jahren nicht mehr“.

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Offener Brief von Fateme Karubi an den iranischen Präsidenten


Ajatollah und Ex-Präsidentschaftskandidat Karrubi, ein altes Foto aus der Zeit vor seiner illegalen Haft

Am Samstag, den 19. Oktober 2013, hat sich die Ehefrau des seit über vier Jahren ohne Gerichtsverfahren unter Arrest stehenden Präsidentschaftskandidaten Karubi (Ajatollah Karubi!) in einem offenen Brief an den neuen iranischen Präsidenten Hassan Rouhani gewandt. Sie erinnert daran, dass Hassan Rouhani im Wahlkampf erklärt habe, er sei kein Oberst, sondern Rechtsgelehrter. Und so beschreibt sie detailliert die Rechtsverstöße, die ihr Mann, sie selbst und die ganze Familie seit den gefälschten Präsidentschaftswahlen vom Juni 2009 erfahren haben.
So wurde und wird ihrem Mann ein Gerichtsverfahren verweigert. Er wird in Arrest gehalten, wobei Hausarrest, ein irreführendes Wort ist. Denn erstens ist er nicht bei sich zu Hause inhaftiert, sondern an einem anderen Ort, wo er weder frische Luft noch Licht hat. Und die Staatsorgane verlangen von der Ehefrau des inhaftierten Karubi sogar die Erstattung der Miete dieses Raums. Ajatollah Karubi selbst hat stets gefordert, ins Gefängnis verlegt zu werden, ins Ewin-Gefängnis, denn dann müssten die Behörden wenigstens einen Prozess gegen ihn eröffnen, und er könne sich dann öffentlich verteidigen. Es gebe viel zu sagen. So hätten die sogenannten Sicherheitsorgane vor zweieinhalb Jahren mit 60 Beamten ihre Wohnung gestürmt und alles mitgenommen, was nicht niet- und nagelfest gewesen sei. Es war keine Razzia, sondern ein Raubüberfall. Zu Zeiten des Schahs, als sie vom damaligen Geheimdienst SAWAK heimgesucht wurden, habe sich dieser wenigstens nur für die Dokumente interessiert, nicht für ihr Geld.
Es entspreche auch nicht dem islamischen Gesetz (der Schari‘a), dass ihr Mann in den Medien vorverurteilt werde, dass der Generalstaatsanwalt öffentlich erkläre, es gebe keinen Grund zu einer Lockerung, solange ihr Mann nicht öffentlich bereue und den Schaden wieder gutmache, den er dem iranischen Volk mit seiner „Verschwörung“ zugefügt habe. Fateme Karubi spricht auch von dem Parlamentsabgeordneten Saleki – sie nennt ihn einen dem Volk aufgezwungenen Abgeordneten, ein Hinweis auf die unfreien Wahlen. Saleki hatte gar die Todesstrafe für die „Köpfe der Verschwörung“ gefordert.
Fateme Karubi schildert in drei Seiten ausführlich die Rechtsverletzungen, die das Regime gegen sie begangen hat, sie berichtet von den Besuchsverboten, die bedeuteten, dass ihr Mann weniger Rechte hatte als ein offizieller Gefangener, und schließt dann mit einem Zitat, aus dem die Überzeugung Ihres Mannes deutlich wird. Hier die an Präsident Rouhani gerichteten Worte von Ajatollah Karubi, des in illegaler Haft gehaltenen Präsidentschaftskandidaten aus dem Jahr 2009:

„Sie sollten den Wert des Volkes und den Schutz des Volkes zu schätzen wissen. Nun, da Gott die Gnade erwiesen hat, sollten sie auch die Stimmen des Volkes hüten. Bemühen Sie sich, dass die Rechte des Volkes, die Prinzipien, die im dritten Kapitel des Grundgesetzes niedergelegt sind, in die Wirklichkeit umgesetzt werden! Denn in einem System, das sich weder an die Schari‘a, noch an das Gesetz und die Menschenrechte hält, und in dem Tyrannei und Diktatur sich fest in seiner Struktur verankert haben, reicht die Stimme des einfachen Volkes nirgendwo hin.“
Diese Äußerung ist bemerkenswert für einen Ajatollah, der seinem Glauben treu geblieben ist, auch wenn er weiter mit illegaler Haft dafür büßen muss. Und statt sich der Forderung des Generalstaatsanwalts zu beugen, zu „bereuen“ und um Vergebung zu flehen, spricht er offen aus, was die Iraner alle zu fühlen bekommen. Dieser Staat ist eine Tyrannei, eine Diktatur, die kein Recht und kein Gesetz kennt.
Der Mann hat Mut, und seine Frau genauso!

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