Iran: Das Feuer mit Feuer bekämpfen?


Selbstgeißelung beim Aschura-Trauerfest

Dieses Bild hier zeigt eine Neuigkeit. Es gehört zur Tradition der iranischen Schiiten, sich am Aschura-Tag im Trauermonat Moharram selbst zu geißeln. Und es ist eine Tradition, die ausschließlich von Männern gepflegt wird. Dieses Foto hier wurde am 22. November 2013 von
http://news.gooya.com/didaniha/archives/2013/11/170877.php
veröffentlicht, und zeigt eine junge Frau, die sich geißelt.
Das ist umso ungewöhnlicher, wenn man die Frau näher ansieht. Wenn es eine fundamentalistische Gläubige wäre, dann würden wir ihre Haare nicht sehen, ihre Arme wären vollständig bedeckt und ihr Körper mit weiter Kleidung verhüllt, so wie die Frau, die ausschnittsweise links von ihr zu sehen ist. Nichts davon ist der Fall. Die junge Frau trägt das Tuch über den Mund nicht wie eine islamische Verhüllung, sondern nach Art der Palästinenser-Tücher, wie es auch hierzulande der Fall ist, wenn die Polizei Tränengas gegen Demonstranten einsetzt oder man keinen Wert darauf setzt, auf Polizeifotos mit allen Details erkennbar zu sein. Und noch eine Kleinigkeit: Am rechten Handgelenk trägt sie ein grünes Band, das Symbol der „Grünen Bewegung“, die nicht nur die Reformisten umfasst, sondern auch alle Menschen, die die Islamistische Republik satt haben. Im Hintergrund sieht man weitere junge Frauen, deren Haare unter dem Kopftuch hervorschauen, möglicherweise handelt es sich um eine Gruppe, die nun ins Zentrum der Fundamentalisten vorstoßen. Falls die stark verhüllte Frau links eine Sittenwächterin sein sollte, hätte sie nicht einmal die Möglichkeit, gegen die sich selbst geißelnde Frau vorzugehen – die Anwesenden würden sie verteidigen.

Anmerkung: Sollte es sich hier um eine religiöse Frau handeln, so müsste man ihr sagen, dass es auch in der religösen Tradition laut schiitischen Quellen nicht vorgesehen ist, dass Menschen sich selbst Leid zufügen. Sollte sie jedoch nicht religiös sein und trotzdem diese Form des Protestes gewählt haben, sagen wir ihr, dass es der falsche Weg ist. Erstens schadet sie sich auf diese Weise selbst und kann bei dem iranischen Regime nichts bewirken. Es gibt im Iran viele mutige Frauen, die auf ihre Forderungen aufmerksam machen, durch selbst verfasste Texte, durch Interviews in den Medien, durch Plakate, durch Demonstrationen, durch Sitzstreiks vor Parlamenten etc. auf der Straße und selbst im Gefängnis. Zweitens kann dies kein gutes Modell sein, um gegen eine diktatorische Regierung zu kämpfen.

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