Archiv für November 2013

Isfahan (Iran): Arbeiter verlangen Antwort

Heute, den 18.11.2013, haben sich rund 800 Arbeiter (von insgesamt 1500) der Firma Polyacryl Isfahan im Hof der Firma versammelt. Sie protestierten dagegen, dass der Chef der Stadtverwaltung (persische Amtsbezeichnung Farmandar) zuerst versprochen hatte, dass er dafür sorgen würde, dass die Fabrik nicht verkleinert würde und die Arbeiter besser Arbeitsverträge erhalten würden. Die Firmenleitung hat dagegen bekannt gegeben, dass sie die Firma sehr wohl verkleinern und somit Arbeiter entlassen würde. An den Arbeitsverträgen werde sich nichts ändern. Da der Chef der Stadtverwaltung auch für die Verteilung staatlicher Subventionen an Firmen zuständig ist, hatten die Arbeiter offensichtlich gehofft, dass er auf diesem Weg ihren Arbeitsplatz retten würde.

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Bane (Kurdistan-Iran): Beamten erschießen 17-Jährige

Am Donnerstag, den 14. November 2013, war die 17-jährige Awin Osmani zusammen mit ihrem Verlobten in den Bergen von Bane (Kurdistan-Iran) wandern gegangen. Auf dem Rückweg eröffneten die bewaffneten iranischen Organe das Feuer auf die beiden. Das Mädchen starb an den Schussfolgen, ihr Verlobter liegt im Krankenhaus.

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Brotkrise in Saravan, Südost-Iran

In Saravan, einer Stadt im Südosten des Irans an der Grenze zu Pakistan, sind seit einiger Zeit die staatlichen Subventionen und die zugeteilten Mengen für Mehl reduziert worden. Bäckereien mussten deswegen schließen und der Preis für Mehl ist auf dem freien Markt stark gestiegen.

Es wurden Rationierungen eingeführt, so dass die Menschen pro Person maximal 9 Brote kaufen können. Wollen sie 10 oder mehr Brote haben, benötigen sie eine Genehmigung der Stadtverwaltung. Gleichzeitig entstehen vor den Bäckereien, die noch arbeiten oder wenigstens stundenweise arbeiten, lange Schlangen von bis zu 50 Personen.

Ein Mann namens Hadj Ismail Emra, der in Saravan wohnt, hat erzählt, wie er und seine Kinder gestern über drei Stunden vor einer Bäckerei angestanden sind und am Ende doch mit leeren Händen nach Hause gehen mussten. Er musste schließlich Brot in einer 100 km entfernten Stadt einkaufen.

Ghader Bakhsch Dehwari erzählte, wie er seit einem Monat Brot aus Zahedan oder einer anderen Stadt abholen musste. Das ging nur, weil sein Verwandter einen Bus besitzt und die Strecke Saravan – Zahedan täglich zurücklegt. Er meinte, dass angesichts der Tatsache, dass in anderen Städten diese Probleme mit der Brotproduktion offensichtlich nicht bestehen, ist die ganze Brotkrise in Saravan irgendwie fraglich.
Ein Schuldirektor erklärt, dass er für seine Schule regelmäßig mindestens 100 Brote pro Tag braucht und dass er immer wieder bei der Verwaltung schriftlich Genehmigungen beantragen muss. Auch seine Schüler hätten große Probleme mit der Brotbeschaffung zu Hause.

Ein Angestellter der Verwaltung, der seinen Namen nicht nennen möchte, verriet, dass es in Saravan und Umgebung viele Menschen gäbe, die nicht ordnungsgemäß gemeldet seien, z.B. weil sie aus dem Ausland stammten. Die staatlichen Mehlzuteilungen für die Städte würden diese Bewohner aber nicht berücksichtigen. Das gleiche gelte für die in der streng bewachten Grenzregion zahlreich eingesetzten Sicherheitskräfte, die ebenfalls nicht als Einwohner gemeldet seien. Hinzu käme, dass das subventionierte Brot diesseits der Grenze viel billiger sei als auf der anderen Seite der Grenze, in Pakistan. Das führe dazu, dass Brot über die Grenze geschmuggelt würde. Und selbst die Esel, mit denen die Schmuggelware über die Grenze transportiert wird, werden mit Brot gefüttert.

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Iran: Atomare Luftblasen in Genf

Wie berichtet wird, endeten die Atomverhandlungen zwischen dem Iran und der Gruppe 5+1 in Genf am Sonntag damit, dass die Gespräche am 20. November 2013 fortgeführt werden. Diese Vertagung war ursprünglich wohl nicht erwartet worden, vielmehr hatte man angenommen, dass es schon bei dieser Gesprächsrunde zu einer Einigung kommen würde.
In westlichen Medien wurden einige Details über die westlichen Forderungen, wie sie namentlich vom französischen Außenministers Laurent Fabius genannt wurden, bekannt. Eine Forderung betrifft die Einstellung des Betriebs des Schwerwasserreaktors in Arak, wo Plutonium hergestellt wird.
Eine andere die 186 kg auf 20% angereichertes Uran, über die der Iran jetzt verfügt. Die soll er entweder ins Ausland abliefern oder auf 5% verdünnen.
Ansonsten hüllt sich die westliche Seite in Schweigen.

Keyhan berichtet
Das Sprachrohr der Scharfmacher auf iranischer Seite, der einflussreiche Herausgeber der Teheraner Zeitung „Keyhan“ (Die Welt), der über gute Kontakte zum Religiösen Führer Ajatollah Chamene‘i verfügt, hat nun der iranischen Delegation zum Vorwurf gemacht, in der letzten Zeit über die Verhandlungen geschwiegen und dadurch den westlichen Medien Gelegenheit geboten zu haben, die Weltöffentlichkeit in ihrem Sinn zu beeinflussen. Damit macht Schariatmadari unter Berufung auf „Informationen, die Keyhan zugegangen sind“, Schluss. Die Informationen sind nicht auf göttliche Eingebung zurückzuführen, sondern dürften direkt von Ajatollah Chamene‘i stammen.
Hier nun, was Hossein Schariatmadari in der Keyhan (Teheran) vom Montag, den 11. November 2013 schreibt.

Forderungen
Er zählt folgende Forderungen der westlichen Verhandlungspartner auf:

  1. Einstellung der Anreicherung von 20%-igem Uran in Ferdu und in Natans.
  2. Reduzierung der Zahl der (Anreicherungs)Zentrifugen auf ein Niveau, das für Pilotversuche und für Experimente ausreichend ist.
  3. Kein Einsatz von Zentrifugen der neuen Generation, die bei der Uran-Anreicherung schneller und leistungsfähiger sind.
  4. Einstellung des Schwerwasserreaktors in Arak oder Änderung seines Betriebs, so dass dort kein Plutonium mehr hergestellt wird.
  5. Akzeptieren einer Höchstmenge an Lagerbestand von 20%-ig angereichertem Uran und Umwandlung dieses Vorrats in Atombrennstoff auf eine nicht mehr umkehrbare Art oder aber Verdünnung dieser Bestände auf eine Konzentration von 5%-igem Uran.
    (Hinweis: die Prozentangaben beziehen sich auf den Anteil des Uran-Isotops mit der Atommasse 235 an der Gesamtmenge des Urans. Von Natur aus besteht Uran zu über 99% aus Uran-238 und nur zu 0,7% aus Uran-235.)
  6. Einstellung des Betriebs der Anlagen in Ferdu.

Gegenleistungen
Wie Schariatmadari schreibt, hat der Westen dafür folgende Gegenleistungen in Aussicht gestellt:
Aufhebung der Sanktionen (der Embargos) für Kraftfahrzeuge, Gold, Seltene Erden und Petrochemie-Erzeugnisse.
Freigabe der eingefrorenen Vermögen (Dollar-Reserven) des Irans in China, Indien und Südkorea.
Nur, wenn der Iran in den kommenden sechs Monaten die Bedingungen zuverlässig erfülle, sei der Westen bereit, dies als Einleitung zu den Kernpunkten der Verhandlungen zu akzeptieren, sprich, erst dann wird über den Hauptteil der Sanktionen verhandelt.
Dass gerade der französische Außenminister mit seinem öffentlich vorgetragenen Misstrauen gegenüber der iranischen Seite das Verhandlungsklima verschärft hat, betrachtet Schariatmadari nicht als eigenständige Entscheidung der französischen Regierung. Fabius spreche so wie Israel und handle im Auftrag des „Feindes“, womit Schariatmadari nach wie vor die USA und Israel meint.

Was ist das Ziel der Veröffentlichung
Es spricht einiges dafür, dass die Angaben in Keyhan über den Inhalt der westlichen Forderungen korrekt sind, auch wenn sie hierzulande noch geheim gehalten werden. Aber die Frage stellt sich, wieso Keyhan (Teheran) sie veröffentlicht? Dies gescheht auf alle Fälle mit dem Willen des Religiösen Führers Ajatollah Chamene‘i. Als Ziel kommen zwein Szenarien in Frage:
1. Ajatollah Chamene‘i will auf diesem Wege die radikalen Kräfte mobilisieren, damit sie sich organisieren und die Regierung von Hassan Rouhani handlungsunfähig machen, wie seinerzeit die von Präsident Chatami. Das wäre dann die Rache dafür, dass Chamene‘i nicht seinen Kandidaten bei den Wahlen durchsetzen konnte. In diesem Falle wird die iranische Delegation bei den Wahlen nichts erreichen, weil die eigentlichen Machthaber sich an keine Abmachung halten werden.
2. Ajatollah Chamene‘i will auf diesem Weg erkunden, wie die verschiedenen Machtblöcke reagieren, innerhalb der Pasdaran, der Bassidschi-Milizen, des Geheimdienstes und der Geistlichkeit. Davon würde abhängen, wie er die Verhandlungen weiter führen lässt. Denn eins ist klar. Die Regierung Rouhani kann nicht selbst darüber entscheiden, welche Forderungen sie in den Verhandlungen akzeptiert. Das letzte Wort haben die anderen – die Wahlverlierer.

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Atomverhandlungen: Vereinbarungen mit der IAEA

Der Iran hat folgende Zusagen an die Internationale Atomenergiebehörde gemacht:

  1. Vorlage der einschlägigen Informationen über das Gotschin-Bergwerk in Bandar-Abbas und Zugang nach vorheriger Abstimmung zwischen den Parteien.
  2. Vorlage der einschlägigen Informationen über den Schwerwasser-Reaktor und Zugang nach vorheriger Abstimmung zwischen den Parteien.
  3. Vorlage von Informationen über alle neuen Forschungsreaktoren.
  4. Vorlage von Informationen über die örtliche Lage der 16 Standorte, die für den Bau von Atomkraftwerken in Betracht gezogen worden sind.
  5. Transparente Darstellung des Irans über die Anlagen zur Anreicherung (von Uran).
  6. Mehr Transparenz des Irans über die Technik der Anreichung mit Hilfe von Lasern.

Diese Vereinbarung wurde am 11.11.2013 von Ali Akbar Salehi als Vertreter der iranischen Seite und von der Internationalen Atomenergiebehörde unterzeichnet.

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Irans Gefangenen-Ärzte leben gefährlich

Dr. Resa Heydarpur
Vergangene Woche wurde Dr. Resa Heydarpur, Arzt der Krankenstation des Ewin-Gefängnisses, vom iranischen Geheimdienst verhaftet und im Trakt 209 des Ewin-Gefängnisses eingesperrt.
Was ist vorgefallen? Wir hatten vom Fall des iranischen Bloggers Sattor Beheschti berichtet, der vor einem Jahr an den Folgen der Folter gestorben ist. Als Sattor Beheschti von seinem vorigen Haftort ins Ewin-Gefängnis verlegt wurde, hatte Dr. Resa Heydarpur in der Gesundheitsstation Dienst und musste den Gesundheitszustand des eingewiesenen Gefangenen untersuchen. Er stellte dabei die Spuren von Schlägen und Folter fest und hielt dies auch schriftlich fest.
Sattor Beheschti starb später an den Folgen der Folter, das Verfahren ist immer noch nicht abgeschlossen, und der Gefängnisdirektor wurde in eine andere Gefängnisabteilung versetzt, wo wegen Finanzdelikten inhaftierte Personen einsitzen. Offensichtlich reichte das den Folterern und ihren Schutzpatronen in den oberen Etagen der Macht (Ajatollah Chamene‘i und Co.) nicht, und so wurde jetzt der Arzt verhaftet.
Dies ist nicht das erste Mal, dass ein Arzt, der Gefolterte behandelt, in eine gefährliche Lage gerät.

Dr. Ramin Purandardschani
An dieser Stelle sei an Dr. Ramin Purandardschani erinnert, der in einem Teheraner Krankenhaus als Arzt tätig war. Er hatte unter anderem auch Gefangene aus dem Kahrisak-Gefängnis untersucht, unter anderem Mohsen Ruholamini, den Sohn von Abdolhossein Ruholamini. Mohsen Ruholamini starb später an den Folgen der Folter, worauf sein Vater, ein Berater von Ajatollah Chamene‘i, alles in Bewegung setzte, diesen Mord aufzuklären. So wurde eine parlamentarische Untersuchungskommission gebildet, die den Foltertod aufklären sollte. Im Rahmen der Untersuchungen wurde auch der Arzt Dr. Ramin Purandardschani angehört, der im Detail berichtete, welchen Folterungen dieser und andere Gefangene im Kahrisak-Gefängnis ausgesetzt wurden.
Dr. Ramin Purandardschani starb danach unter mysteriösen Umständen. Erst gaben die Behörden bekannt, er sei an einem Herzinfarkt gestorben. Später behaupteten sie, es sei Selbstmord gewesen. Schließlich erklärte der Amtsarzt, er sei vergiftet worden. Die staatlichen Organe verweigerten eine Autopsie und ließen den Leichnam des Arztes rasch begraben.

Für iranische Ärzte sind solche Vorfälle bedrohlich, heißt es doch, dass sie mit ihrer Freiheit und ihrem Leben bezahlen müssen, wenn Sie ihre Arbeit korrekt ausüben und die beobachteten Verletzungen in irgendeiner Form bestätigen.

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5 Hinrichtungen in Dschiroft (bei Schiras/Iran)

Am 6. November 2013 wurden im Hof des Gefängnisses von Dschiroft (Region Schiras) fünf Gefangene am Galgen aufgeknüpft. Die Behörden behaupten, ihre Verurteilung stehe in Zusammenhang mit dem Schmuggel von 200 kg Heroin.

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Sabol (Iran): Mordanschlag auf Staatsanwalt


In diesem Auto saßen der Staatsanwalt und sein Fahrer

Am Mittwoch, den 6. November 2013, wurde auf den Staatsanwalt der in Balutschistan (Iran) gelegenen Stadt Sabol, Mussa Nuri Qal‘e-Nou ein Mordanschlag verübt, bei dem er selbst wie auch sein Fahrer ums Leben kamen. Die Täter eröffneten das Feuer aus einem Auto, mit dem sie ihr Opfer verfolgten. Den Namen des ermordeten Fahrers gaben die iranischen Organe nicht bekannt. Bislang hat sich keine Organisation zu diesem Mordanschlag bekannt.

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Mariwan, Saqes – Kurden protestieren gegen Hinrichtungen


Kundgebung in Mariwan am 5. November 2013

Am Dienstag, den 5. November 2013, fand in Mariwan eine Demonstration gegen die Hinrichtung dreier politischer Gefangener, die der kurdischen Volksgruppe angehören, statt. Die Teilnehmenden protestierten damit gegen die Erhängung von Habibollah Golparipur, Resa Esma‘ili, Schirku Mo‘arefi durch das islamistische Regime. Den ursprünglich 70 bis 80 Protestierenden schloss sich im Verlauf des Protestzugs eine immer größere Menschenmenge an.
Die bewaffneten Organe schritten mit Elektroschock-Stöcken gegen die Demonstranten ein und nahmen auch Verhaftungen vor. Die Zahl der Verhafteten ist nicht bekannt.
Am selben Stadt fand auch in der kurdischen Stadt Saqes eine Kundgebung gegen die Hinrichtungen im Iran statt, an der eine größere Zahl von Demonstranten teilnahm. Auch hier griffen bewaffnete staatliche Einheiten die Demonstrierenden an.

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Iran – statt einer Nachricht

Spalten

Sie zerfleddern die Blüten
der wilden Blumen,
die in den Felsspalten blühn.
Ihre Saat ist die Nacht.
Sie mögen noch so oft
mit dem Kopf
gegen die Felswand schlagen,
als ob sie
ein Gebetsstein wäre.
Morgen werden
neue Blumen
aus den Spalten dringen.

In Gedenken an die hingerichteten
Opfer des Regimes

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18 Hinrichtungen im Iran im Lauf der letzten zwei Tage

Gestern um 4 Uhr früh wurde der politische Gefangene Schirku Maarefi aus Iranisch – Kurdistan hingerichtet. Insgesamt 18 Menschen wurden seit Sonntag und 400 seit Jahresbeginn hingerichtet.

Schirku, der Berglöwe, war im Jahr 2008 wegen seiner politischen Aktivitäten festgenommen worden. In der Folge wurde er zahlreichen Verhören unterzogen und dabei gefoltert. Noch vor wenigen Monaten schrieb er in einem Brief sinngemäß:

„Ich werde in Kürze hingerichtet. Ich bin einen Weg gegangen, der vor meiner Zeit schon bestand und nach meiner Zeit weiter bestehen wird. Er hat vor mir angefangen und wird nach mir weiter gehen. Mit meiner Hinrichtung wird unser (Anm.: das der Kurden) und euer Problem (Anm.: das der Regierung) nicht gelöst. Ich bin von Kurdistan gekommen. Es wird jemand von Mazendaran (Nordiran) kommen, jemand von Azerbeijan, jemand von Süd- oder Ostiran um sein Recht zu bekommen. Ich war auf der Seite des Rechts und der Gerechtigkeit und habe mich für sie geopfert. Lebt wohl, meine Landsleute“.

Seit Sonntag haben laut verschiedenen iranischen Nachrichtenagenturen in mehreren Städten Irans (Kerman, Kermanschar, Saghes, Bam, Khoramabad, Semnan, Sari, Zahedan, Urumiyeh, Salmas) insgesamt 18 Hinrichtungen stattgefunden – die meisten an Politischen Gefangenen.

Die Menschenrechtskampagne von amnesty international im Iran gab bekannt, dass seit Januar 400 Menschen im Iran hingerichtet worden sind.

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Iran: Junge Mullahs üben für die Zukunft

Der Fotograf dieser Aufnahmen kommentierte die Serie mit dem Titel „Übung, um auf den Menschen zu reiten“.

Anmerkung: Diese jungen Mullahs haben die erste Stufe der Religionsschule abgeschlossen und sind nach Hause (Turkmensahra, Nordiran) gekommen. Dort lassen sie sich von ihren Verwandten feiern.

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Iran: 13. Aban – Feiertag der US-Botschaftsbesetzung


Halloween


und hier die iranische Version unter Fundamentalisten

Andere Länder, andere Sitten – könnte man meinen. In den USA feiert man Halloween, im Iran eben den x-ten Jahrestag der Besetzung der US-Botschaft in Teheran nach dem Sturz des Schahs. Die Feiern fanden in Teheran und laut der Zeitung Tabnak in über 770 iranischen Städten statt. In Teheran hielt der unterlegene Präsidentschaftskandidat Dschalili die Ansprache zur Feier, und natürlich fehlten nirgends die klassischen Parolen „Marg bar Amrika“ (Tod für Amerika). In Teheran führte man sogar eine Puppe mit dem Gesicht des US-Präsidenten Obama mit, die als Zielscheibe für Pfeile und Steine diente. Anschließend wurde die Puppe Obamas am Galgen aufgehängt, unter dem Beifall der anwesenden Radikalos.


Hier feiert der Ku-Klax-Klan


und hier die politischen Erben der Botschaftsbesetzer in Teheran, die Beifall klatschen, wie der erste schwarze US-Präsident als Puppe am Galgen aufgehängt wird (ein Photo davon ist bislang noch nicht zu finden).

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Iran: Der Ausstieg vom Ausstieg

Nachdem am Vortag – am 3. November 2013 – der Religiöse Führer Ajatollah Chamene‘i öffentlich erklärt hatte, er sei skeptisch gegenüber den Verhandlungen mit dem Westen, schlug Präsident Rouhani heute in die gleiche Kerbe. Auch er erklärte, er sei skeptisch gegenüber diesen Verhandlungen und benutzte dabei die gleichen Worte wie der Führer.
Mal schauen, ob Rouhani dabei soviel Pirouetten schafft wie die deutsche Bundeskanzlerin Merkel, die immerhin den Ausstieg vom Ausstieg vom Ausstieg der Nutzung der Atomenergie verkündete, als in Japan das Kraftwerk von Fukushima durchbrannte.

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Iran: Die Hunde pfeifen auf den Herrn

Am Sonntag, den 3. November 2013, hielt der Religiöse Führer Ajatollah Chamene‘i aus Anlass des Jahrestags der Besetzung der US-Botschaft, der am Montag im Iran „gefeiert“ wird, eine Rede, in der er auch auf die Atomverhandlungen der neuen Regierung Rouhani mit dem Westen einging.
Er drückte dabei sein Misstrauen gegenüber den Absichten des Westens aus, sagte aber ausdrücklich:
„Die iranischen Verhandelnden sind unsere eigenen Jungs, es sind die Kinder der Revolution, und keiner darf sie Verräter nennen.“ (Das Wort sa:zeshka:r bezeichnet jemand, der einen billigen Kompromiss eingeht, um sich die Mühen des Widerstands zu ersparen. Hier ist es mit ‚Verräter‘ wiedergegeben, denn diesen politischen Beigeschmack hat es auch).
Modha:kere konandega:n-e ira:ni ‚bache-ha:ye xod-e ma: wa bache-ha:ye enqela:band wa hich kas naba:yad a:n-ha:ra: sa:zeshka:r bena:mad
مذاکره‌کنندگان ایرانی «بچه‌های خود ما و بچه‌های انقلابند و هیچ کس نباید آنها را سازش‌کار بماند
Interessant ist, was die iranischen Medien aus seiner Rede machten.


„Niemand darf unser Verhandlungsteam Verräter schimpfen, mit Gottes Erlaubnis werden wir bei diesen Verhandlungen keinen Schaden erleiden“
(Dschomhuriye Eslami, die Zeitung Ajatollah Chamene‘is)

Während die den Reformern und Rafsandschani nahestehenden Zeitungen am Montag diese Worte in großen Lettern auf der ersten Seite brachten, um deutlich zu machen, dass der Religiöse Führer hinter Präsident Hassan Rouhani und seiner Mannschaft stehe, und auch die Zeitung Dschomhuriye Eslami, hinter der der Religiöse Führer selbst steht, diese Worte an vorderer Stelle brachte, wurden in den Zeitungen, die andere Flügel der Machthaber vertreten, Abweichungen deutlich. Ressalat, die Zeitung des Basars, titelte:


„Wenn auch alle Trümpfe auf dem Tisch liegen, die kriegen eh nichts zustande.“
(Mit Trümpfen sind die Sanktionen bis hin zu einem militärischen Angriff gemeint.)
(Ressalat, die Zeitung des Basars)


„Jede Regierung, die auf Amerika vertraut, wird Schläge einstecken.“
(Keyhan /Teheraner Ausgabe, die Zeitung der Prinzipialisten)

Die Worte des Religiösen Führers waren längst erwartet worden, nachdem sowohl Pasdar-Generäle als auch sogenannte „unkontrollierte Elemente“ Rouhani für seine Kontakte zu Amerika kritisiert hatten – die Generäle mit Worten, die „Unkontrollierten“ mit Schuh- und Steinwurf.
Als Rouhani an der Uni in Teheran reden wollte, wurden seine eigenen Anhänger gar ausgesperrt und nur radikale Bassidschis in den Saal gelassen. Da liegt es nahe, an der Unterstützung des religiösen Führers zu zweifeln. Um die Verhandelnden bei der Stange zu halten, musste Ajatollah Chamene‘i daher deutlich machen, dass sie nach wie vor seine Unterstützung genießen.
Aber seine Hausmacht scheint nicht weit zu reichen. Während ihm die konservativen Geistlichen unter Führung von Ajatollah Rafsandschani bei den letzten Präsidentschaftswahlen einen Streich spielten, so dass statt dem Wunschkandidaten des Führers nicht Dschalili, sondern Rouhani bei den Wahlen siegte, zeigt sich jetzt der bewaffnete Arm unbotsam.

Denn die Zeitung Keyhan von Schariatmadari vertritt die radikalen Gruppen, die kein Interesse an einer Annäherung an Amerika haben. Und an diese Gruppen wären eigentlich die Worte des Religiösen Führers gerichtet gewesen. Nur – sie sind unter den Tisch gefallen, zensiert.

Die Zeitung Ressalat, die die Basarhändler vertritt, verfolgt andere Interessen. Die Händler, die mit den Pasdaran zusammenarbeiten, haben die Möglichkeit, trotz Sanktionen billige Waren aus Indien und China zu importieren und dann im Iran teuer zu verkaufen. Sie genießen eine Monopolstellung wie Schwarzhändler in Kriegszeiten. Wenn die Sanktionen beendet werden, wenn die iranische Wirtschaft wieder in Gang kommt, ist es mit diesen einfachen Gewinnen vorbei. Deshalb ist auch dieser Kreis gegen Verhandlungen mit dem Westen.

Es wird deutlich, dass der Religiöse Führer immer weniger Einfluss auf das politische Geschehen hat. Die Untergrabung seiner Macht hatte schon Ahmadineschad – aus anderen Gründen – erfolgreich betrieben, Chamene‘is „Verbündete“ setzen sie fort.

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