Archiv für Januar 2015

Iranische Fundamentalisten loben die Attentate auf die Satirezeitung Charlie Hebdo


Ausgabe der Jal Sarat vor einigen Tagen

„Jal Sarat“ ist die iranische Ausgabe der fundamentalistischen Organisation Ansar Hisbollah. In einer Ausgabe der letzten Tage schrieb sie auf der Startseite, dass die Macher der Satiriezeitung Charlie Hebdo Feinde des Islams waren und an den heiligen Tagen des Islams zum Friedhof geschickt worden sind. Damit sagen sie, das aus islamischer Sicht das Attentat gerechtfertig war.


Ausgabe der Kayhan vom 9. Januar 2015

Der Herausgeber dieser Zeitung ist der Religiöse Führer Ajatollah Chamene‘i. Kayhan ist Sprachrohr für ihn und seine Anhänger. Ihr Direktor Hussein Schariat Madari gilt als streng fundamentalistisch und wird von Sicherheitskräften der Bassidschi und Revolutionswächter unterstützt. Jeden Tag wird Kayhan in Millionenauflage gedruckt – verkauft werden jedoch nur ein paar tausend Exemplare.

Am Freitag schrieb Kayhan als Aufmacher der ersten Seite: „کیهان کشته‌شدگان „شارلی ابدو“ را مهدورالدم خواند“.

Übersetzt bedeutet dies etwa: „Die Getöteten bei Charlie Hebdo mussten nach der Scharia getötet werden“. Die Phrase „مهدورالدم “ (mahdur al dam) muss erklärt werden. „dam“ heisst wörtlich übersetzt „Blut“ und „mahdur“ bedeutet „jemand, der seine Rechte verloren hat“. Beides zusammen ist ein Scharia-Ausdruck, der sich auf Menschen bezieht. Wenn ein Gerichtsurteil „mahdur al dam“ lautet, heisst das, das dieser Mensch das „Recht auf sein Blut verloren“ hat, also hingerichtet werden muss. Es ist eine Fatwa, wenn ein Rechtsgelehrter das ausspricht.

Während die Reformisten im Iran die Attentate veruteilt haben, hat der fundamentalistische Flügel, der die Macht in der Hand hat, sie gerechtfertigt. Die Reformisten werden von diesen Fundamentalisten wiederum als Anhänger des Westens bezeichnet.

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Iran: Brief mit 6000 Unterschriften


„Der Lehrer hat kein Brot“
„Der Lehrer hat keine Wohnung“
„Der Lehrer hat keine Sicherheit“

6000 iranische Lehrerinnen und Lehrer haben einen offenen Brief an den Parlamentspräsidenten Ali Laridjani geschrieben. In dem Brief prangern sie die niedrigen Löhne in ihrem Berufszweig an. Im ganzen Land würde ihr Einkommen unterhalb der Armutsgrenze liegen. Die Leistung der Krankenversicherung sei schlecht und ein großer Teil ihrer Medikamentenkosten müssten von ihnen selbst bezahlt werden. Sicherheitkräften würden sich an den Schulen willkürlich einmischen und das Leben der Lehrer unsicher machen. Ohne richtige Gründe würden Lehrerinnen und Lehrer festgenommen und ins Gefängnis geworfen.

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Iran: Atena Farqdani beginnt Hungerstreik

Atena Farqdani, die Studentin, Malerin und Kinderrechtsaktivistin, die vor wenigen Tagen inhaftiert und verprügelt worden war, hat diesen Dienstag, den 13.1.2015, aus Protest einen Hungerstreik begonnen. Der Hungerstreik wurde von ihren Eltern am Dienstag bestätigt.

Vgl. vorangegangener Artikel

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Iranisches Außenministerium zu den Attentaten in Paris

Die Sprecherin des iranischen Außenministeriums, Marsijeh Afcham, hat am Mittwoch eine Pressekonferenz gegeben, in der sie die Haltung der iranischen Regierung zu den Attentaten auf das Pariser Satiremagazin Charlie Hebdo und deren neue Auflage von dieser Woche bekannt gab. Sie erklärte, dass die Attentate nichts mit dem Islam zu tun gehabt hätten. Mit keinem Wort distanzierte sie sich von den Terrorattentaten.

Die Mohammed-Karikatur auf der Titelseite von Charlie Hebdo’s Mittwochsausgabe hat sie verurteilt und ergänzt, dass sie eine Beleidigung für Moslems in aller Welt sei. Moslems würden durch sie motiviert, den Islam zu verteidigen. Zeitungen wie Charlie Hebdo würden die Demokratie in westlichen Ländern missbrauchen. Die Regierungen dieser Länder müssten die Veröffentlichung solcher Meinungsäußerungen verhindern.

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Isfahan: 200 Zeitarbeiter protestieren für Kollegen

In der Zementfabrik Siman-e Sepahiyan (Isfahan) haben heute 200 Arbeiter protestiert, um die Wiedereinstellung eines Kollegen zu fordern. Bei den Arbeitern handelt es sich um Zeitarbeiter, die keine feste Anstellung haben. Der Kollege war entlassen worden, weil er sich für die Rechte der Zeitarbeiter engagiert hatte. Die Antwort des Arbeitgebers: Er beurlaubte einen Teil der Zeitarbeiter, um so die Zahl der Teilnehmer des Protests zu verringern.

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Iran: Atena Farqdani verprügelt und inhaftiert


Atena Farqdani

Am Samstag, den 10. Januar 2015, musste die iranische Malerin und Bürgerrechtsaktivisten Atena Farqdani vor der 15. Kammer des Revolutionstribunals in Teheran erscheinen. Dort wurde sie vor den Augen ihrer Eltern verprügelt und ins Gefängnis verschleppt.
Der Grund: Sie hatte einen Videofilm verbreitet, in dem sie über die entwürdigende Behandlung durch die Wärterinnen im Ewin-Gefängnis berichtete. Sie war letztes Jahr schon einmal in Haft, weil sie eine Ausstellung unter dem Titel „Parandegane Chak“ (Die Vögel des Bodens) veranstaltet hatte. Mit einigen Besuchern der Ausstellung hatte sie unter anderem die Mutter des in Haft zu Tode gefolterten Sattor Beheschti besucht. Dies und ähnliche Aktivitäten war ihr damals zur Last gelegt worden. Atena Farqdani war dann im letzten Jahr unter Kaution auf freien Fuß gesetzt worden. Das Gericht, das ihr nur 3 Tage vor der erneuten Verhaftung eine Vorladung geschickt hatte, wurde von Richter Salawati geleitet, dessen Name aus vielen anderen politischen Prozessen bekannt ist.

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Iran: Lohn her!


In Sawe protestierten über 100 Arbeiter auf dem Geländer ihrer Firma „Lule wa Naward-e Safa“ (Röhren- und Walzenwerk Safa) in Sawe (südwestlich von Teheran) und zündeten Autoreifen an, weil die Firmenleitung schon seit vier Monaten ihren Lohn nicht auszahlt. Die Firma beschäftigt rund Tausend Mitarbeiter.

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Teheran: Einheit im Islam – aber ohne Gebet


Das sunnitische Oberhaupt im Iran, Moulawi Abdolhamid Esma‘il-Sehi, wird mit Polizeieinsatz am Gebet gehindert

Vergangene Woche fand in Teheran eine „Internationale Konferenz der Islamischen Einheit“ statt. Ajatollah Chamene‘i hatte auch eine Grußadresse an die Versammelten übermitteln lassen. Wie weit er von einer Islamischen Einheit ist, verrät allerdings ein kleines Detail. Am Freitag, den 9. Januar 2015 wollte Moulawi Abdolhamid Esma‘il-Sehi, das Oberhaupt der Sunniten im Iran, der extra aus Sahedan angereist war, in Teheran ein Gebet für die Sunniten abhalten. Der Staat verbot das Gebet und verhinderte es unter Polizei-Einsatz. Wie man sieht, unterscheidet sich die Denkweise Chamene‘is nicht von der seiner sunnitischen Brüder in der IS.

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Iran: Angriff im Parlament


Der Abgeordnete Ali Mottahari

Der iranische Parlamentsabgeordnete Ali Mottahari wurde am Sonntag, den 11. Januar 2015, im Parlament von sieben Abgeordneten angegriffen, als er über den Hausarrest der noch immer inhaftierten Präsidentschaftskandidaten aus den Wahlen von 2009 sprach. Ali Mottahari bezeichnete den Hausarrest von Mirhossein Mussawi, Mehdi Karubi sowie von Sahra Rahnaward, der Ehefrau von Mussawi, als illegal im Lichte des iranischen Grundgesetzes. Wenn sie etwas getan hätten, dann gehörten sie vor ein Gericht, aber nicht ohne Verfahren auf unbestimmte Zeit unter Hausarrest. Das trug ihm nicht nur Tadel des stellvertretenden Parlamentsvorsitzenden Abu Torabi ein, der an diesem Tag den Vorsitzenden Ali Laridschani vertrat, sondern auch Rufe wie: „Tod dem Abtrünnigen“, „Tod dem Unruhestifter“, „Tod dem Gegner der Herrschaft des Rechtsgelehrten“.
Die Brüller beschränkten sich nicht nur auf Zwischenrufe, sondern stürmten nach vorne zum Rednerpult, um die Rede von Ali Mottahari zu unterbrechen. Dieser hielt sich fest und wollte weiterfahren, dabei wurde seine linke Hand verletzt. Die Parlamentsberichterstatter der iranischen Agenturen wurden darauf rasch des Saals verwiesen, denn die Abrechnung sollte der Öffentlichkeit vorenthalten bleiben.
Der amtierende Vorsitzende Abu Torabi beschloss darauf, die Sitzung aufzulösen. Sie endete freilich nicht ohne Drohung eines der fundamentalistischen Abgeordneten, der meinte, dass das Aufsichtsgremium des Parlaments sich näher mit der Rede von Ali Mottahari befassen müsse.
Auch der Parlamentsvorsitzende Ali Laridschani, der nicht auf der Sitzung anwesend war, ließ später verlauten, dass er nicht mit den Worten von Ali Mottahari einverstanden sei, die dieser im Parlament geäußert habe.
Soweit also zum Thema Redefreiheit für einen gewählten Abgeordneten des iranischen Parlaments.


Die 7 angreifenden Abgeordneten:
Nasser Sudani, Mehdi Mussawi-Neschad, Nader Qasipur, Hossein-Ali Hadschi, Mahmud Nabawi, Safar Na‘imi-Ras, Fathollah Hosseini

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11.01.2015: Paris vor Großkundgebung gegen Terrorismus

Mehr als zwei Millionen Menschen haben am Sonntag in zahlreichen französischen Städten an Solidaritätsmärschen für die 17 Opfer der islamistischen Terroranschläge teilgenommen. Weit über eine Million waren es nach Schätzungen der Organisatoren allein in Paris.

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Iran:Stadt Hamedan und Ardabil


Hamedan


Hamedan


Hamedan


Ardabil


Ardabil

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Iran: Streik unter der Erde

Der Betreiber der Kohlegrube in Sangrud (Landkreis Rudbar, Region Gilan), eine staatliche Behörde, hat vor, die Grube zu schließen und die Maschinen an einem anderen Ort in der Provinz Gilan einzusetzen. Die Arbeiter sollten nach staatlichen Plänen auf die Straße gesetzt werden, ohne Rente, ohne Entschädigung, ohne Arbeitslosengeld. Gegen diese unsoziale Politik protestierten am 7. Januar 2015 rund 100 Arbeiter der Kohlegrube, indem sie in der Tiefe die Grube besetzten. Sie blieben dort bis 3 Uhr nachts. Dann wurden sie von den Sicherheitskräften mit der Begründung evakuiert, dass sich Methangas in der Grube ansammle, wenn nicht gearbeitet werde, und die Gefahr einer Explosion bestehe. Wie es mit den Arbeitern weitergeht, ist noch nicht bekannt.

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Ein Gespenst geht um im Iran – die Menschenrechtserklärung


Tonzylinder von Kyros II. (6. Jh. vor Christus)

Der Text
Die Menschenrechtserklärung, um die es hier geht, ist nicht die der Vereinten Nationen von 1948. Nein, sie ist etwa 2500 Jahre älter. Es handelt sich um einen Tonzylinder mit einem Text in akkadischer Keilschrift, der auf Veranlassung von König Kyros II. (Kyros der Große) verfasst wurde, nachdem er Babylon erobert hatte. Den Text findet man auf Englisch an folgender Stelle:
http://www.livius.org/ct-cz/cyrus_I/cyrus_cylinder2.html
und auf Deutsch hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kyros-Zylinder
Die Webseite www.livius.org liefert auch einen Scan des Original-Textes der Keilschrift, zu finden hier:
http://www.livius.org/a/1/mesopotamia/cyrus_cylinder_scan.pdf
mit einigen Erklärungen von Jona Lendering zu den Tücken, die das Lesen und Verstehen dieser Texte erschweren:
http://www.livius.org/cg-cm/chronicles/reading.html

Menschenrechtserklärung vor 2500 Jahren?
Einmal abgesehen davon, dass solche alten Texte einen Wert für sich haben, ist es aufschlussreich, was für ein Politik damit betrieben wurde. So nutzte der Schah von Persien (Mohammad Resa Schah) das Stück zur Selbstdarstellung, als er im Jahr 1971 eine 2500-Jahresfeier der Monarchie im Iran inszenierte. Am 14. Oktober 1971 ließ er ein Imitat des Tonzylinders an den UN-Generalsekretär in New York übergeben, wo es einen Ehrenplatz erhielt. Bei www.livius.org kann man noch einen Originaltext jener Zeit finden, wie die UN die Propaganda des Schahs mittrug:
http://www.livius.org/a/1/inscriptions/cyrus.pdf

Das Wörterbuch von Dehkhoda (gesprochen DeH-choda)

Eine persische Übersetzung des akkadischen Texts hat auch im persischen online-Wörterbuch von Dehkhoda Eingang gefunden. Dieses umfangreiche Wörterbuch wurde in Jahrzehnten erstellt und wird heute durch Internet-Nutzer weiter aktualisiert. Einer dieser Nutzer, also keiner vom fachlichen Team, hat das Stichwort manshur, das mit Erlass, Edikt u.a. ins Deutsche übersetzt wird, um den Artikel manshur-e Kurush erweitert, also das Kyros-Edikt. Dort präsentiert er eine „Übersetzung“ des Textes, der eine glatte Fälschung darstellt:

Dort heißt es unter anderem:
„(..) ich verkünde, dass solange ich lebe und Masda mir die Zustimmung zur Herrschaft erteilt, die Religion und Tradition der Völker, deren Schah ich bin, geachtet wird. Und ich werde nicht zulassen, dass meine Amtsträger und Untergebenen die Religion und die Tradition der Völker, deren Schah ich bin, oder die anderer Völker erniedrigen oder sie beleidigen.
Ich werde von heute an, da ich mir die Krone des Schahs aufs Haupt gesetzt habe, bis zu dem Tag, an dem ich lebe und Masda mir die Zustimmung zur Herrschaft erteilt, niemals meine Herrschaft einem Volk aufzwingen. Jedes Volk ist frei, mich als seinen Herrscher zu akzeptieren oder nicht zu akzeptieren. Und wann immer es mich nicht als Herrscher akzeptieren will, werde ich keinen Krieg um die Herrschaft über dieses Volk führen.“ (…)
„So lange ich lebe, werde ich nicht zulassen, dass jemand einen anderen zur Fronarbeit heranzieht und ihn zur Arbeit zwingt, ohne ihm Lohn zu bezahlen.“ (…)
Es folgen noch viele weitere fromme Sprüche, die im Original nirgends zu finden sind. Es fällt auch auf, dass in dieser „Übersetzung“ tatsächlich Rechte garantiert werden, während das Original einen Rechenschaftsbericht darstellt. Da dieser Bericht historischen Mustern der damaligen Zeit folgt, darf man auch nicht davon ausgehen, dass alles, was im Original steht, der Wirklichkeit entspricht.

Die Übersetzung ist zwar falsch, aber sehr beliebt. Wer will, kann mal das Stichwort „Kyros Zylinder Menschenrechte“ bei google eingeben, da findet man ein breites Spektrum von Treffern, die auf der gefälschten Übersetzung beruhen, zum Beispiel bei amnesty international:
https://www.amnesty.at/de/menschenrechte/

Vom Schah zum Nobelpreis
Als der Friedensnobelpreis 2003 an die iranische Juristin und Menschenrechtsaktivistin Shirin Ebadi verliehen wurde, erklärte sie am 10. Dezember 2003, anlässlich der Verleihung des Friedensnobelpreises in Oslo:
„Ich bin Iranerin. Ein Nachkomme von Kyros dem Großen. Dem Herrscher, der vor 2500 Jahren auf dem Höhepunkt der Macht verkündete, dass „..er nicht über das Volk herrschen würden, wenn es dies nicht wolle.“ Und er versprach, dass er niemanden zwingen würde, seinen Religion oder Glauben zu wechseln, und er garantierte Freiheit für alle. Die Charta von Kyros dem Großen ist eines der wichtigsten Dokumente in der Geschichte der Menschenrechte, das man studieren sollte.“
Das ist ein Armutszeugnis für Shirin Ebadi, die noch unter dem Schah Jura studierte und die erste Richterin des Landes wurde. Sie ist 1947 geboren und hat die Schah-Propaganda aus eigener Anschauung mitbekommen. Da hätte sie sich auch mal kundig machen können, von Richtern erwartet man ja eigentlich, dass sie auch die Gegenseite hören oder lesen…
http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/peace/laureates/2003/ebadi-lecture-e.html


Narges Mohammadi überreicht dem Oberhaupt der Sunniten im Iran, Moulawi Abdulhamid, den Menschenrechtspreis an seinem Wohnort in Sahedan

Von Babylon nach Sahedan
Narges Mohammadi, eine engagierte und wiederholt inhaftierte iranische Menschenrechtlerin, die 1972 in Sandschan geboren wurde, ist heute stellvertretende Vorsitzende des Menschenrechtszentrums, das von Shirin Ebadi geführt wird. Sie lebt weiter im Land und läuft damit jederzeit Gefahr, für ihre Aktivitäten inhaftiert zu werden. Sie hat am 23. Dezember 2014 das Oberhaupt der Sunniten im Iran, den balutschischen Menschenrechtler Moulawi Abdulhamid, in Sahedan, der Hauptstadt der Region Sistan und Balutschistan, besucht und ihm ein Imitat des Tonyzlinders überreicht. So wie bei der Olympiade die Fackel von einer Hand in die nächste übergeben wird. Sie würdigte insbesondere den mutigen Einsatz von Moulawi Abdulhamid für die gleichberechtigte Religionsausübung aller Glaubensrichtungen. In diesem Punkt findet sich sogar eine Übereinstimmung mit dem echten Text des Tonzylinders, in dem Kyros darauf hinweist, er habe die Heiligtümer der diversen Götter in Babylon wieder installieren lassen.
http://www.humanrights-ir.org/php/view.php?objnr=1232

Vom Schah zum Botschafter der Islamischen Republik Iran
Was der Schah kann, können wir auch, dachte sich die iranische Regierung unter dem Geistlichen Hassan Rouhani. Und so enthüllte der Botschafter der Islamischen Republik Iran in Holland Aliresa Dschahangiri am 1. Dezember 2014 zusammen mit dem Generalsekretär der Haager Akademie für Internationales Recht, Prof. Yves Daudet, eine Replika des Tonzylinders im Justizpalast von Den Hague, dem Sitz des Internationalen Gerichtshofs. Der Rechtsberater der Botschaft der Islamischen Republik Iran Dr. Ali Fahimdanesch, schrieb dazu:
„Der Zylinder ist aus folgenden Gründen ein wichtiges Dokument. Erstens hält er fest, dass Kyros Babylon friedlich besetzt und dabei Blutvergießen und Plünderung verhindert hat. Zweitens besagt er, dass Kyros die Bewohner der Stadt von Zwangsarbeit befreit hat, die ihnen von den babylonischen Königen auferlegt worden war. Drittens sagt Kyros, dass er Götterstatuen in die Heiligtümer zurückgebracht hat, von wo sie entfernt worden waren. Viertens schickte er deportierte Völker in ihr Heimatland zurück. Die erste Charta der Menschenrechte wurde 1971 in alle offizielle Sprachen der Vereinten Nationen übersetzt, ihre Bestimmungen entsprechen den ersten vier Artikeln der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.“
Während Dr. Fahimdanesch mit den ersten Punkten noch an den Originaltext anknüpft, ist schon der Begriff „Bestimmungen“ irreführend. Denn das Dokument legt nicht fest, was in Zukunft getan werden soll, im Gegensatz zur Menschenrechtserklärung. Damit knüpft auch der Rechtsberater der iranischen Botschaft in Holland an den Mythos an, den der Schah in die Welt gesetzt hat.

http://www.diplomatmagazine.nl/2014/12/13/first-declaration-human-right-peace-palace/

Geschichtsfälschung – ein menschliches Bedürfnis?
Am Beispiel des Tonzylinders von Kyros dem II. kann man sehen, wie im Laufe von 40 bis 50 Jahren ein Mythos aufgebaut wird und sich festsetzt, der mit den historischen Fakten nicht viel zu tun hat. Die Teilhaber und Architekten dieses Mythos umfassen ein breites Spektrum der iranischen Gesellschaft – Monarchisten und Vertreter der Islamischen Republik, Nationalisten und Menschenrechtler. Offensichtlich füllt die fingierte Übersetzung eine Lücke, die von den beteiligten Menschen verspürt wird, sonst hätte die Propagandalüge des Schahs nicht so lang überlebt.
Mag ein zentraler israelischer Mythos im Bildnis David gegen Goliath zu suchen sein, so scheint in der iranischen Kultur der großmächtige, aber tolerante Herrscher das Ziel der Sehnsüchte zu sein. Die Gegenwart sieht anders aus? Also holen wir uns einen aus der Vergangenheit.
In Deutschland ist das nicht anders: Hatten wir schon keinen nennenswerten Widerstand gegen Hitler zu seinen Lebenszeiten, so hat Stauffenberg und das Attentat auf Hitler in München 1939 den Eingang in alle deutschen Geschichtsbücher gefunden. Im Vergleich dazu sind die Akte des Widerstands gegen die Nazis in den besetzten Ländern deutlich untervertreten, aber die entsprechen ja auch nicht dem Bedürfnis, dass „wir“ dem Tyrannen Widerstand geleistet haben wollen.
Immerhin ist es schön, dass es den Iranern danach steht, eine Menschenrechtserklärung im Zentrum ihrer Geschichte zu sehen, in der Toleranz und Freiheit im Mittelpunkt stehen. Einen deutlicheren Kontrast zum real existierenden Iran gibt es nicht.

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Iranischer Menschenrechtspreis für Moulawi Abdolhamid, Oberhaupt der Sunniten


Iranischer Menschenrechtspreis für Moulawi Abdolhamid, Oberhaupt der Sunniten

Narges Mohammadi, die Vize-Vorsitzende des Vereins der Menschenrechtsverteidiger (im Iran) hat die iranische Region Sistan und Balutschistan besucht und Moulawi Abdolhamid ein Imitat des Tonzylinders mit einem Erlass von König Kyros II. als Preis für seinen Einsatz für die Menschenrechte überbracht.


Moulawi Abdolhamid

Moulawi Abdolhamid äußerte bei der Entgegennahme des Preises den Wunsch, dass alle Überzeugungen und Religionen friedlich und unter gegenseitiger Achtung miteinander leben können sollten.


Narges Mohammadi

Narges Mohammadi würdigte in ihrer Rede die friedensstiftende Tätigkeit von Moulawi Abdolhamid. Er ist der höchste Geistliche der Sunniten im Iran und unter anderem der Freitagsprediger der Sunniten in Sahedan, der Hauptstadt von Sistan und Balutschistan. Sein friedlicher Einsatz für die Rechte der Sunniten, die in der „Islamischen“ Republik Iran keineswegs geachtet werden, ist ihn bis jetzt teuer zu stehen gekommen.

So wurden mehrere Angehörige seiner Familie verhaftet, namentlich Mohammad Esmail Molla-sehi und Abdolalim Schah-bachsch, beides Ehemänner seiner Töchter. Die beiden wurden monatelang in Einzelhaft gehalten und dann in fern gelegene Regionen verbannt.


Moulawi Ahmad Naru‘i

Sein Schwiegersohn Moulawi Ahmad Naru‘i und Moulawi Abdolfatiy Badri, einer seiner engen Mitarbeiter, waren laut Berichten ebenfalls verhaftet worden. Moulawi Ahmad Naru‘i kam später bei einem Autounfall ums Leben. Er selbst, Angehörige seiner Familie und seine Söhne erhielten in den letzten Jahren Ausreiseverbot. Trotz dieser Umstände ist Moulawi Abdolhamid nicht in extremistische Positionen abgeglitten, sondern setzt sich weiterhin für Aussöhnung und friedliches Zusammenleben der Religionen ein. Dies ist vor dem Hintergrund der Existenz bewaffneter Gruppen in Balutschistan, die auch Anschläge gegen die Regierungskräfte verüben, keine Selbstverständlichkeit.

Kommentar:

Angesichts der anhaltenden Unterdrückung ethnischer und religiöser Minderheiten im Iran ist die Preisverleihung durch die iranische Menschenrechtsorganisation an einen Vertreter der Sunniten und der Balutschen ein wichtiges Gegensignal zur staatlichen Politik, die gegenüber Arabern, Aseris, Kurden und Balutschen vor allem auf bewaffnete Gewalt und Repression setzt. Narges Mohammadi tritt hier als Vertreterin einer Zivilgesellschaft auf, die nach dem Ende der religiösen Schreckensherrschaft das Schicksal des Landes bestimmen könnte. Angesichts der Tatsache, dass die Regierungen des Westens wie des Ostens mit den Menschenrechten im Iran nichts zu tun haben wollen, ist es wichtig, dass die iranische Gesellschaft sich selbst organisiert hat und selbst ihre Auszeichnungen verleiht. Natürlich bringt das dem Ausgezeichneten nicht so viel Geld ein wie ein Nobelpreis, aber es sind Zweifel angebracht, ob diese Summen ein Segen für die Ausgezeichneten sind. Geld verdirbt den Charakter – auch im Iran!

Auch die Tatsache, dass ein aus der Zeit nach 538 vor Christus erlassenes Edikt von König Kyros II. (Kyros der Große), das er nach der Übernahme der Herrschaft über Babylonien erlassen hat, als Symbol des Menschenrechtspreises gewählt wird, zeigt, dass die Menschenrechtsbewegung im Iran ihre eigenen Bezugspunkte gefunden hat und keine importierte Kopie aus dem Westen darstellt.

Eine Ironie der Geschichte ist freilich, dass besagtes Edikt, das mit seinem Alter von über 2500 Jahren gern als erste überlieferte Menschenrechtserklärung dargestellt wird, gar nicht das besagt, was viele Iraner ihm zuschreiben. Doch darüber in einem anderen Artikel.

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