Archiv für Februar 2015

Preisverleihung für die Kampagne „Heimliche Freiheiten der iranischen Frauen“

Massih Alineschad hat den Spezialpreis 2015 für Frauenrechte des Genfer Gipfels für Menschenrechte und Demokratie erhalten. Die Genfer Gipfel besteht aus 20 NGOs, darunter auch zwei iranische Organisationen.


Massih Alineschad bei der Preisverleihung in Genf

Die Preisverleihung wurde damit begründet, dass diese Kampagne den Frauen, die keine Stimme haben, eine Stimme verliehen hat. Frau Alineschad meint, dass dieser Preis eine gute Gelegenheit ist, die Stimme der iranischen Frauen bei europäischen Politikern zu Gehör zu bringen.

Die Kampagne „Heimliche Freiheit der iranischen Frauen“ hat im vergangenen Frühling damit begonnen, dass Massih Alineschad ein Foto von sich selbst ohne Schleier online gestellt hat. Sie hat dann weitere Frauen im Iran aufgefordert, ebenfalls Fotos von sich ohne Schleier aufzunehmen und an ihr zu schicken, damit sie auf Facebook hochgeladen werden. Die Facebookseite bekam immer mehr Followers und immer mehr Menschen sprachen über die Aktion.

Massih Alineschad richtete in ihrer Dankesrede, das Wort an Politikerinnen, die mit Delegationen in den Iran reisen. Sie sollten noch lauter über Zwangsverschleierung reden. Das wäre für sie der nächste Schritt nach ihrer Facebookaktion.

Der Preis würde ihr die Möglichkeit geben, diese Politikerinnen zu kritisieren. Einigen hätte sie direkt geschrieben und sie hätte folgende Antworten erhalten: Im Iran sei Verschleierung gesetzlich vorgeschrieben, man wolle das Gesetzt im Iran nicht brechen und man wolle den Iran nicht isolieren und man wolle mit dem Iran im Gespräch bleiben.

Frau Alineschad sagt dazu, dass ihre Antwort darauf wie folgt sei: „Wenn ihr meint, dass Verschleierung ein Gesetz sei, muss man wissen, dass Sklaverei auch ein Gesetz gewesen ist. So lange wir nicht gegen dieses Gesetz, das sich gegen viele iranische Frauen richtet, protestieren, verletzen wir deren Rechte. Außerdem, wenn iranische Regierungsvertreter ins Ausland reisen, verlangen sie, dass kein Alkohol serviert wird und dass islamische Werte und Gesetze eingehalten werden. Die europäischen Regierungsvertreter könnten genausogut verlangen, dass auch ihre menschlichen Werte eingehalten werden und bei offiziellen Besuchen im Iran die europäischen Frauen nicht verschleiert sein müssen. Im Gespräch mit westlichen Diplomatinnen habe ich deutlich gemacht, dass sehr viele politische Gefangene im Iran aus genau solchen Gründen inhaftiert seien. Man kann dazu nicht einfach schweigen.“

In Bezug auf die Frage der Isolierung des Irans sagte sie: “ Ich habe auch mit einigen Diplomaten gesprochen und gesagt, dass wir nicht den Iran isolieren wollen, sondern diejenigen isolieren wollen, die seit 35 Jahren Frauen zum Tragen des Hijab zwingen und ihre Rechte verletzen.“

Zur Kritik an ihrer Kampagne, die Zwangsverschleierung sei nicht das gegenwärtige Hauptproblem im Iran sagte sie: „An jedem Problem, an dem ich gearbeitet habe, bekam ich zu hören, das sei gerade nicht aktuell. Fünf Jahre lang habe ich an Akten zu Todesfällen in der Folge der Wahlfälschungen von 2009 gearbeitet. Mir wurde gesagt, dass sei nun vorbei, man müsse in die Zukunft schauen, man solle die Akten beiseite legen und die Leute hätten wichtigere Probleme wie z.B. die Wirtschaftsprobleme. Wer definiert, welche Probleme wichtig sind und welche nicht? Als Journalistin sage ich nicht, dass ich ein Thema vernachlässige, wenn ich ein anderes Thema als wichtig bezeichne. Die verschiedenen Themen können sich gegenseitig ergänzen. Außerdem geht es bei der Zwangsverschleierung nicht nur um ein Stück Stoff auf dem Kopf sondern um weitere Rechte der Frauen, die verletzt werden, z.B. dass Frauen ohne Schleier nicht studieren oder arbeiten können. Diese Kampagne hat es geschafft, dass vor allem die Frauen sich gründlich mit der Frage der Zwangsverschleierung auseinandersetzen.“

Zur Frage, was diese Facebookseite überhaupt für einen Nutzen habe, meinte sie: „Durch diese Preisverleihung wird deutlich, dass hier eine Bewegung zustande gekommen ist. Ich kann nicht behaupten, dass ich eine Welle ausgelöst habe, aber diese Facebookseite gab vielen Frauen, die sich von der Regierung unterdrückt fühlten, eine Stimme und hat sie alle zusammen gebracht. Wenn sie alle nebeneinander stehen, werden sie größer. Die Seite wurde ein Medium für alle, die kein offizielles Sprachrohr besitzen. Deswegen hat die Organisation für Menschenrechte und Demokratie als Hauptgrund für diesen Preis das Motiv „Eine Stimme für die die keine Stimme haben“ genannt.“

Eine weitere Einwand zur Facebookseite war, was das Adjektiv „Heimlich“ bei der Freiheit überhaupt für eine Bedeuting haben kann. Sie sagte: „Diese Kritik hat ihre Berechtigung, für Freiheit brauchen wir kein Adjektiv. Dieser Name der Seite spiegelt nur die Situation im Iran wider. Die Frauen wollen damit deutlich machen, dass sie Freiheit wollen und nicht eine heimliche Freiheit. Und wenn laut über Dinge gesprochen wird, die die Regierung nicht erlaubt, ist das nicht mehr heimlich.“

https://fa-ir.facebook.com/page.masihalinejad

Quelle: Deutsche Welle

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Stand der Atomverhandlungen zwischen USA und Iran

Am gestrigen Montag endete eine weitere Verhandlungsrunde zwischen hochrangigen Vertretern des Irans und den USA . Es ging um einen Vorschlag, der Irans Fähigkeiten, Nuklearmaterial zu produzieren für mindestens 10 Jahre begrenzen würde. Im Gegenzug würden die gegen den Iran gerichteten Sanktionen in den letzten Jahren dieses Abkommens nach und nach aufgehoben.

Dieses Auslaufen der Sanktionen ist Teil einer größeren Anstrengung zur Besänftigung von Kritikern im Iran, wo einige Hardliner innerhalb der Regierung und des Militärs jedem Abkommen ablehnend gegenüberstehen, das den Iran zwingen würde, seine Nuklearproduktion um eine Generation aufzuschieben und von Kritikern in Washington, wo einige Kongressabgeordnete jede Einigung ablehnen würden, die mit einem Ende der Sanktionen einhergeht.

Eine kritische Frage ist die nach der Dauer des Abkommens: Präsident Obama und Staatssekretär Kerry sagten, dass sie kein Abkommen unterzeichnen würden, dass dem Iran erlaube, in weniger als einem Jahr genügend Material für eine Nuklearwaffe anzureichern. Dies ist auch ein Thema, das beide Seiten scharf voneinander trennt. Während die Vereinigten Staaten lange darauf bestanden hatten, dass ein Abkommen zur Begrenzung von Irans Nuklearprogramm länger andauern solle, was 15 Jahre oder mehr bedeuten könnte, argumentierten iranische Offizielle, dass ein derartiges Abkommen dem Iran erlaube die Zahl der Uran-Anreicherungszentrifugen weiter innerhalb der nächsten 7 Jahre weiter zu erhöhen.

(Auszug aus der New York Times vom 23.2.2015)

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Hinrichtungen auch in Kurdistan

Weitere Meldungen von Hinrichtungen trafen aus dem Zentralgefängnis von Urumije ein. Dort wurden im Trakt 12 mindestens 6 Gefangene hingerichtet, darunter auch zwei Brüder, die bei den kurdischen Peschmerga (Guerrilla-Kämpfer) der Komele mitgearbeitet hatten. Einer der Hingerichteten gehörte der kurdischen Gruppe Pezhak an. Ein weiterer gehörte der Derwisch-Gruppe Yarsan an. Das Datum der Hinrichtung ist nicht bekannt.

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Iran: 700 Grubenarbeiter streiken

Etwa 700 Grubenarbeiter der Kohlegrube „Semestan yurt“ im Nordwesten des Landes (14 km von Asadschahr entfernt, Kreis Golestan) haben heute morgen den Eingang zur Grube versperrt.
Sie fordern die Auszahlung der ausstehenden vier Monatslöhne. Auch sei ihnen bis heute noch nicht das Neujahrsgeld ausgezahlt worden (iranische Entsprechung für das Weihnachtsgeld, das Neujahr beginnt am 21. März), und auch das sonst übliche Kleidergeld hätten sie bislang nicht erhalten.

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Bandar-Abbas (Iran): 8 Hinrichtungen im Morgengrauen

Im Zentralgefängnis der iranischen Hafenstadt Bandar-Abbas fanden gestern, den 22.02.2015, am frühen Morgen acht Hinrichtungen statt. Sieben der Gehenkten waren unter dem Vorwurf von Drogendelikten, einer wegen außerehelicher sexueller Beziehungen zum Tode verurteilt worden. Von einem der Hingerichteten ist nicht einmal der Name bekannt. Die tatsächlichen Gründe für die Hinrichtungen sind angesichts der Geheimniskrämerei der Behörden ohnehin nicht festzustellen. Der Iran gehört nach wie vor zu einem der führenden Staaten weltweit, die die Todesstrafe vollstrecken. Zumindest darin kann er mit den USA und der Volksrepublik China konkurrieren.

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Iran: Heftige Regenfälle und Hochwasser in Sistan und Balutschistan

Gestern kam es in der Region Sistan und Balutschistan zu heftigen Regenfällen, die zum Einsturz mehrerer Gebäude führten. In der Regionalhauptstadt Sahedan kam dabei ein Mensch ums Leben. Ein verantwortlicher Beamter in Nikschahr kam ebenfalls ums Leben, als er die Schäden in seiner Gegend besichtigen wollte. Die Tatsache, dass nur aus der Regionalhauptstadt und von einem toten Beamten die Rede ist, spricht dafür, dass aus weiten Teilen des Gebiets noch gar keine zuverlässigen Nachrichten vorliegen. Dass nicht einmal Bilder aus der Region vorliegen, macht deutlich, dass auch das iranische Nachrichtennetz in dieser Region dünn geknüpft ist. Sistan und Balutschistan ist auch in dieser Hinsicht Entwicklungsland, das vom Zentrum vernachlässigt wird.

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Iran: Was bringt die Aufhebung der Sanktionen?

Elias Naderan, Mitglied des Parlamentsausschusses für Budgetplanung, hat heute, am 23.02.2015, in einer Anfrage an den Staatspräsidenten darauf hingewiesen, dass Gelder, die im Rahmen der Reduzierung der Sanktionen gegen den Iran frei geworden sind, inzwischen den Iran wieder verlassen. So wurden ganze Koffer mit ausländischer Währung mit Bestätigung der Iranischen Zentralbank ins Ausland verschafft, einer davon fiel der iranischen Staatsanwaltschaft in die Hände und führte zur Einleitung eines Verfahrens.
Wie man sieht, ist die Vorstellung, dass die iranische Wirtschaft in Gang kommt, wenn nur die Sanktionen aufgehoben werden, völlig irrig. Die Gründe für die Kapitalflucht bleiben nämlich bestehen, solange der Staat – und namentlich die Pasdaran – die Wirtschaft im Würgegriff haben und keinen freien Wettbewerb zulassen. Wer Geld hat, bringt es dorthin, wo es sicher ist, zum Beispiel in die Schweiz, aber bestimmt nicht in den Iran!

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Iran: Lehrkräfte streiken landesweit


Im ganzen Iran haben am Sonntag, den 22.02.2015, Lehrerinnen und Lehrer gestreikt, das heißt, sie haben keinen Unterricht erteilt – Sonntag ist im Iran ein Arbeitstag. Die Aktion war über Internet und ähnliche Medien vorbereitet worden und fand in Städten des ganzen Landes Unterstützter. Über die Gesamtzahl der Teilnehmenden ist bislang nichts bekannt. Auch hier steht im Zentrum der Forderungen eine Lohnerhöhung.

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Iran: KrankenpflegerInnen vor dem Parlament


Am Sonntag, den 22. Februar 2015, versammelten sich anfänglich erst 1000, im Laufe der Zeit an die 2000 Krankenpfleger und Krankenschwester vor der nördlichen Eingangstür des iranischen Parlaments. Sie protestierten dagegen, dass zwar ein Gesetz über Lohnerhöhungen für Ärzte und Pflegepersonal verabschiedet wurde, aber nur der Teil sofort umgesetzt wurde, der die Ärzte betrifft. Die Pflegekräfte gingen dagegen bis jetzt leer aus. Darauf erschien der Vorsitzende des Sozialausschusses und meinte, sie seien an der falschen Adresse, das Parlament sei nur für die Verabschiedung der Gesetze zuständig, mehr nicht. Die Protestierenden waren empört, auch kritisierten einige, dass nicht der Sozialausschuss, sondern der Gesundheitsausschuss zuständig sei, und statt der Ausschuss-Vorsitzenden sollte eigentlich der Minister Rede und Antwort stehen.

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Unerträgliche klimatische Bedingungen bei Ahwaz, Iran

In der Gegend von Ahwaz, Iran, sind heute, Dienstag, 10.2.2015, tausende Menschen auf die Straße gegangen und haben von den zuständigen Behörden verlangt, dass etwas gegen die unhaltbaren klimatischen Bedingungen in der Region unternommen wird. Den Menschen fällt aufgrund der staubigen Luft seit Wochen das Atmen schwer und sie tragen teilweise Gesichtsmasken. Die öffentliche Verwaltung, die Schulen und die Kindergärten blieben heute geschlossen.

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Rezession beim Arbeitsmarkt im Iran

Die Arbeitslosigkeit im Iran ist sehr hoch. In jeder Stadt gibt es allgemein bekannte Plätze, oder bestimmte Straßen, in denen sich früh Morgens Arbeitsuchende versammeln und hoffen für ein paar Stunden, einen Tag, oder ein paar Tage Arbeit zu bekommen. Natürlich gibt es bei dieser Arbeit keine Arbeitslosenversicherung, keine Krankenversicherung, überhaupt schon keinen Arbeitsvertrag. Die Arbeitgeber bestimmen die Bedingungen der Arbeit und die Arbeitsuchenden haben wenig Alternativen.

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Iran – ein Massengrab der Reformprojekte

Der iranische Staatspräsident Hassan Rouhani hat kürzlich ein Bild von der Wirtschaft im Iran gezeichnet, das niederschmetternd ist. Verantwortlich dafür machte er die achtjährige Herrschaft von Präsident Ahmadineschad. Eine solche Sicht der Dinge greift zu kurz. Die Krise hat schon viel früher begonnen. Vor 36 Jahren. Mit der Revolution von 1979 und der Errichtung eines islamistischen Staates. Rouhani ist beileibe nicht der erste, der von Reformpaketen spricht. Vor ihm wollte schon Rafsandschani die Wirtschaft in Gang bringen, danach Chatami, und auch Ahmadineschad hatte Ambitionen, die Wirtschaft zu erneuern, zumindest versprach er das seinen Wählern.

Warum kommt nichts dabei raus?
Dazu lohnt sich ein Blick auf das Umfeld. In der Zeit von 1989-1991 ist der Ostblock und die Sowjetunion zusammengebrochen, die meisten Staaten haben sich vom „Sozialismus“ verabschiedet und die Rolle des Staats in der Wirtschaft eingeschränkt. Die Militärdiktaturen in Lateinamerika mussten der Reihe nach abdanken, auch dort entwickelte sich eine Privatwirtschaft. In der Türkei, die im Vergleich zum Iran bis zum Sturz des Schahs wirtschaftlich noch weit hinterher hinkte, hat sich eine Privatwirtschaft entwickelt, die den Iran schon längst überholt hat und auf die ganze Region ausstrahlt.

Generaldirektor mit 5 Untergebenen
Im Iran dagegen wurde der Staatssektor unter der Herrschaft des Religiösen Führers immer mehr aufgeblasen, so dass heute auf einen Generaldirektor gerade mal fünf Untergebene kommen. Die Wirtschaft liegt immer noch im wesentlichen in staatlicher Hand, und wo sie nicht dem Staat gehört, sind es doch staatliche Institutionen wie die Pasdaran, die das Sagen haben. Diese Institutionen leisten zwar nichts für die Schaffung von produktiven Arbeitsplätzen und für die Erneuerung des Landes, dafür haben sie umso großzügigeren Zugang zu Banken und Krediten. Die Menschen, die Ideen und Fachwissen haben, haben keine Zukunft. Wer kann, wandert aus. Versteht sich, dass so eine Wirtschaft auf keinen grünen Zweig kommt.

Hoffnung auf das Ausland
Hassan Rouhani und sein Unterstützer Rafsandschani setzen darauf, dass ein entgegenkommender Umgang mit dem Westen dazu führen wird, dass Sanktionen aufghobenwerden und die Wirtschaftslage sich bessert. Aber solange die Ideologie das Sagen hat, solange der Religiöse Führer die politischen Richtlinien festlegt und solange die Pasdaran die Macht haben, alle Konkurrenten lahmzulegen, ist diese Hoffnung und dieses Versprechen eine Illusion.

Am Anfang steht die Entmachtung

Es führt nichts daran vorbei. Wenn der Iran vorankommen will, muss die Macht der Religion und ihrer Interpreten beschnitten werden, müssen die Pasdaran aus dem wirtschaftlichen Leben zurückgedrängt werden, damit ein freier Wettbewerb der Kräfte möglich wird. Dieses Projekt kann im Iran freilich nicht frei vorangetrieben werden, denn auf solche Ideen steht das Gefängnis. Es ist eine Aufgabe der iranischen Kräfte im Ausland, der Bevölkerung im Inland deutlich zu machen, dass der Ausweg über eine Entmachtung führt. Nicht über eine Revolution, nicht über ein Blutvergießen, aber mit einem Chamene‘i oder einem Schari‘atmadari ist kein Staat zu machen.

Anmerkung: Bei diesem Text handelt es sich um eine zusammenfassende Übersetzung, dessen Inhalt von uns nicht in jedem einzelnen Punkt geteilt wird.

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Uni Teheran: Studentenprotest


Vor dem Studentenwohnheim der Uni Teheran

Samstag abend ab 20 Uhr haben sich erst etwa 50 Studenten vor dem Studentenwohnheim der Uni Teheran versammelt, um gegen die Wohnbedingungen des Heims zu protestieren. Sie protestierten gegen die Erhöhung der Heimmiete, die Verschlechterung des Internetzugangs, die Verteuerung der Unterbringung von Gäste, gegen die früheren Schließzeiten des Heims, die frühere Abschaltung des Stroms und die Verschärfung der Kontrollen durch den sogenannten Sicherheitsdienst, der im wesentlichen dazu dient, die Studenten zu bespitzeln. Im Laufe der Versammlung wuchs die Zahl der Protestierenden auf 400 an.

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Gefangenenhaltung im Iran: 2000 Frauen im Hühnerstall


Seit dem Frühjahr 2011 wurden zahlreiche weibliche Gefangene aus dem Ewin-Gefängnis in Teheran und aus dem Gefängnis von Radscha‘i-Schahr ins Qaratschak-Gefängnis von Waramin östlich von Teheran verlegt. Derzeit sind rund 2000 Frauen in diesem Gefängnis inhaftiert. Der Haftraum besteht aus einem großen, langen Lagergebäude mit Betonwänden und hohem Dach, das früher der Geflügelzucht diente. Es gibt keine separierenden Zellwände, die Gefangenen werden nicht nach ihren Straftaten gesondert untergebracht. Hitze im Sommer, Kälte im Winter. Es gibt kein warmes Wasser. Die Luft ist miserabel. Es sind viel zu wenig hygienischen Einrichtungen für Frauen da, die die Periode haben. Das Duschwasser und das Trinkwasser ist salzig. Die Entsalzungsanlage funktioniert nicht richtig, so dass die Gefangenen zum Trinken Mineralwasser kaufen müssen. Für 80 Gefangene gibt es einen kleinen Kühlschrank. Eine Gefängnisbibliothek gibt es nicht, politische Gefangene bekommen auch keine Zeitung zu sehen. Hinzu kommt, dass die Gefängniswärter Männer sind, keine Frauen. Und so fehlt es auch nicht an körperlicher Gewalt gegenüber den Gefangenen.
So wundert es nicht, dass die Gefängnisleitungen anderer Gefängnisse protestierenden Gefangenen inzwischen damit drohen, sie ins Qaratschak-Gefängnis von Waramin zu verlegen.


Qaratschak-Gefängnis

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Iran: Nasrin Sotudeh protestiert gegen ihr Berufsverbot

Am gestrigen Montag protestierte Nasrin Sotudeh, iranische Rechtsanwältin mit Berufsverbot, zusammen mit Kritikern und Freunden vor dem Gebäude des Iranischen Anwaltsvereins.


Nasrin Sotudeh am 2.2.2015 vor dem Gebäude des Anwaltsvereins, Teheran

Seit vier Monaten kommen sie mehrmals in der Woche hierher, machen einen Sitzstreik und rufen Parolen. Viele UnterstützerInnen stammen aus dem Umfeld der Protestierenden gegen den Wahlbetrug von 2009, aus der Kulturszene oder studieren und arbeiten an Universitäten.

Nasrin protestiert an diesem Ort, weil sie den Anwaltsverein nicht aus seiner Verantwortung für die freie Berufsausübung von Anwältinnen und Anwälten entlassen will. Ein unabhängiger Verein muss sich für seine Mitglieder einsetzen.

Die Sicherheitskräfte versuchten den Protest zu zerstreuen, indem sie einzelne Personen bedrohten und Vorhaltungen machten. Nasrin Sotudeh sprang dazwischen und verlangte dass die Sicherheitskräfte das unterlassen. Sie rief, dass sie die Verantwortliche für den Protest sei und dass ihre Unterstützer nicht eingeschüchtert werden dürften

Nasrin Sotudeh war für ihr Engagement als Menschenrechtsaktivistin und als Anwältin für politisch Verfolgte zu 6 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Nachdem sie 3 Jahre abgesessen hat, kam sie letztes Jahr frei. Das Berufsverbot blieb aber bestehen. Für ihre Menschenrechtsaktivitäten hat sie im Jahr 2012 den Sacharowpreis des Europaparlaments erhalten.

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