Preisverleihung für die Kampagne „Heimliche Freiheiten der iranischen Frauen“

Massih Alineschad hat den Spezialpreis 2015 für Frauenrechte des Genfer Gipfels für Menschenrechte und Demokratie erhalten. Die Genfer Gipfel besteht aus 20 NGOs, darunter auch zwei iranische Organisationen.


Massih Alineschad bei der Preisverleihung in Genf

Die Preisverleihung wurde damit begründet, dass diese Kampagne den Frauen, die keine Stimme haben, eine Stimme verliehen hat. Frau Alineschad meint, dass dieser Preis eine gute Gelegenheit ist, die Stimme der iranischen Frauen bei europäischen Politikern zu Gehör zu bringen.

Die Kampagne „Heimliche Freiheit der iranischen Frauen“ hat im vergangenen Frühling damit begonnen, dass Massih Alineschad ein Foto von sich selbst ohne Schleier online gestellt hat. Sie hat dann weitere Frauen im Iran aufgefordert, ebenfalls Fotos von sich ohne Schleier aufzunehmen und an ihr zu schicken, damit sie auf Facebook hochgeladen werden. Die Facebookseite bekam immer mehr Followers und immer mehr Menschen sprachen über die Aktion.

Massih Alineschad richtete in ihrer Dankesrede, das Wort an Politikerinnen, die mit Delegationen in den Iran reisen. Sie sollten noch lauter über Zwangsverschleierung reden. Das wäre für sie der nächste Schritt nach ihrer Facebookaktion.

Der Preis würde ihr die Möglichkeit geben, diese Politikerinnen zu kritisieren. Einigen hätte sie direkt geschrieben und sie hätte folgende Antworten erhalten: Im Iran sei Verschleierung gesetzlich vorgeschrieben, man wolle das Gesetzt im Iran nicht brechen und man wolle den Iran nicht isolieren und man wolle mit dem Iran im Gespräch bleiben.

Frau Alineschad sagt dazu, dass ihre Antwort darauf wie folgt sei: „Wenn ihr meint, dass Verschleierung ein Gesetz sei, muss man wissen, dass Sklaverei auch ein Gesetz gewesen ist. So lange wir nicht gegen dieses Gesetz, das sich gegen viele iranische Frauen richtet, protestieren, verletzen wir deren Rechte. Außerdem, wenn iranische Regierungsvertreter ins Ausland reisen, verlangen sie, dass kein Alkohol serviert wird und dass islamische Werte und Gesetze eingehalten werden. Die europäischen Regierungsvertreter könnten genausogut verlangen, dass auch ihre menschlichen Werte eingehalten werden und bei offiziellen Besuchen im Iran die europäischen Frauen nicht verschleiert sein müssen. Im Gespräch mit westlichen Diplomatinnen habe ich deutlich gemacht, dass sehr viele politische Gefangene im Iran aus genau solchen Gründen inhaftiert seien. Man kann dazu nicht einfach schweigen.“

In Bezug auf die Frage der Isolierung des Irans sagte sie: “ Ich habe auch mit einigen Diplomaten gesprochen und gesagt, dass wir nicht den Iran isolieren wollen, sondern diejenigen isolieren wollen, die seit 35 Jahren Frauen zum Tragen des Hijab zwingen und ihre Rechte verletzen.“

Zur Kritik an ihrer Kampagne, die Zwangsverschleierung sei nicht das gegenwärtige Hauptproblem im Iran sagte sie: „An jedem Problem, an dem ich gearbeitet habe, bekam ich zu hören, das sei gerade nicht aktuell. Fünf Jahre lang habe ich an Akten zu Todesfällen in der Folge der Wahlfälschungen von 2009 gearbeitet. Mir wurde gesagt, dass sei nun vorbei, man müsse in die Zukunft schauen, man solle die Akten beiseite legen und die Leute hätten wichtigere Probleme wie z.B. die Wirtschaftsprobleme. Wer definiert, welche Probleme wichtig sind und welche nicht? Als Journalistin sage ich nicht, dass ich ein Thema vernachlässige, wenn ich ein anderes Thema als wichtig bezeichne. Die verschiedenen Themen können sich gegenseitig ergänzen. Außerdem geht es bei der Zwangsverschleierung nicht nur um ein Stück Stoff auf dem Kopf sondern um weitere Rechte der Frauen, die verletzt werden, z.B. dass Frauen ohne Schleier nicht studieren oder arbeiten können. Diese Kampagne hat es geschafft, dass vor allem die Frauen sich gründlich mit der Frage der Zwangsverschleierung auseinandersetzen.“

Zur Frage, was diese Facebookseite überhaupt für einen Nutzen habe, meinte sie: „Durch diese Preisverleihung wird deutlich, dass hier eine Bewegung zustande gekommen ist. Ich kann nicht behaupten, dass ich eine Welle ausgelöst habe, aber diese Facebookseite gab vielen Frauen, die sich von der Regierung unterdrückt fühlten, eine Stimme und hat sie alle zusammen gebracht. Wenn sie alle nebeneinander stehen, werden sie größer. Die Seite wurde ein Medium für alle, die kein offizielles Sprachrohr besitzen. Deswegen hat die Organisation für Menschenrechte und Demokratie als Hauptgrund für diesen Preis das Motiv „Eine Stimme für die die keine Stimme haben“ genannt.“

Eine weitere Einwand zur Facebookseite war, was das Adjektiv „Heimlich“ bei der Freiheit überhaupt für eine Bedeuting haben kann. Sie sagte: „Diese Kritik hat ihre Berechtigung, für Freiheit brauchen wir kein Adjektiv. Dieser Name der Seite spiegelt nur die Situation im Iran wider. Die Frauen wollen damit deutlich machen, dass sie Freiheit wollen und nicht eine heimliche Freiheit. Und wenn laut über Dinge gesprochen wird, die die Regierung nicht erlaubt, ist das nicht mehr heimlich.“

https://fa-ir.facebook.com/page.masihalinejad

Quelle: Deutsche Welle

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