Krieg in Jemen aus iranischer Sicht


Aufständische in Sanaa, vor dem „Tor des Jemen“

In Jemen ist etwa ein Drittel der Bevölkerung Anhänger des Saiditentums, einer islamischen Denkrichtung, die in Deutschland gern mit „schiitisch“ umschrieben wird. Es wäre voreilig, daraus eine ideologische Nähe zur iranischen Geistlichkeit zu folgern. Die Saiditen betrachten Ali, Hassan und Hossein als „Imame“, also als Vertreter des verstorbenen Propheten Mohammad, aber dann ist Schluss. Die unter den iranischen Schiiten als gültig betrachteten zwölf Imame lehnen sie ab. Auch vom Mythos des entschwundenen zwölften Imams, des Mahdi, halten sie nichts.
Eine jemenitische Sippe namens Huthi (th ist wie im englischen think zu sprechen) hat sich in den letzten zehn Jahren daran gemacht, die benachteiligten jemenitischen Saiditen hinter sich zu scharen, um mit diesem Rückhalt Machtpositionen im Land zu erobern. In dem Maße, wie die Europäer ihre Vertretungen in Jemen schlossen, baute nun der Iran seine Präsenz in Jemen aus. Sogar eine Flugverbindung zwischen Teheran und Sanaa richtete er ein. In der iranischen Zeitung „Dschawan“, die von den Pasdaran betrieben wird, wurde berichtet, dass der Iran die jemenitischen „Schiiten“ auch mit Waffenlieferungen unterstützt. Nachdem die Huthi-Bewegung die Hauptstadt erobert hat und im Februar 2015 das Parlament aufgelöst hat, ist für die Regierung von Saudi-Arabien das Maß voll. Sie hat beschlossen, 150.000 Soldaten in den Jemen zu entsenden. Damit will sie die Huthi-Bewegung an den Verhandlungstisch zwingen. Gegen eine derart hohe Militärpräsenz kann der Iran nichts ausrichten, der ja den Krieg in Syrien und im Irak – beide vor der Haustür – noch keineswegs zu Ende gebracht hat und derzeit in Lausanne noch Atomverhandlungen mit dem Westen führt. Angesichts der saudischen Verbündeten (USA und Westeuropa), für die der Eingang ins Rote Meer und damit die Verbindung zum Suez-Kanal ein wichtiger Transportweg zur Sicherung der Erdöllieferungen darstellt, ist damit zu rechnen, dass Saudi-Arabien in diesem Fall nicht nachgibt.
Für Jemen bedeutet das vermutlich einen ausgewachsenen Krieg.

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