Fußballunruhen in Tabris (Iran)


Fußballstadion von Täbris nach dem Spiel Traktorsazi – Naft

Was ist geschehen? Am Freitag, den 15. Mai 2015, fanden im Iran zwei Fußballspiele statt, die den Fans viel bedeuteten. Eins in Tabris, wo die aserbaidschanische Mannschaft Traktorsazi (Traktorbau) gegen die Mannschaft Naft (Erdöl) spielte. Ein zweites in Isfahan, wo die Mannschaft Sepahan gegen Saypa spielte. Fußball gehört zu den Spielen, das auch den einfachen Mann auf der Straße zum Strategen werden lässt, nicht nur in Deutschland… So war bekannt, dass die Mannschaft Traktorsazi sich mit einem Unentschieden begnügen konnte, um iranischer Meister zu werden, falls das Spiel in Isfahan ebenfalls unentschieden ausging.
Zehn Minuten vor Spielende erhielt der Trainer der Mannschaft Traktorsazi von einer staatlichen Sportbehörde eine Mitteilung, dass das Spiel in Isfahan unentschieden ausgegangen sei. Er gab die Meldung an seine Mannschaft weiter und forderte sie auf, so zu spielen, dass sie kein Tor kassierten. Schon zu Beginn des Spiels stand in Tabris weder Internet noch Handy zu Verfügung, das Netz war tot. Nach Ende des Spiels stellte sich dann heraus, dass die Meldung der Sportbehörde falsch war und dass Traktorsazi nicht iranischer Meister geworden war.
Das brachte die Zuschauer in Tabris auf die Barrikaden. Sie zündeten Stühle an und Autos auf der Straße. Sofern die Meldungen aus Tabris zutreffen, kam es in Tabris mit seinen über 2 Millionen Einwohnern in allen Stadtteilen zu Straßenprotesten. Auch in Urumiye, einer anderen wichtigen Stadt mit kurdisch-aserbaidschanischer Bevölkerung kam es zu spontanen Protesten.
Die Lage ist so kritisch, dass selbst der iranische Präsident Hassan Rouhani erklärt hat, er werde den Vorfall untersuchen lassen und habe den Sportminister und den Sicherheitsminister damit beauftragt.
Allmählich bekommt die Islamische Republik Iran die Rechnung für die brutale Minderheitenpolitik, die sie seit 35 Jahren betreibt. Kein gutes Zeichen für ein friedliches Ende des Regimes.

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