Iran: harte Zeiten für Musiker

Seit der Amtsübernahme der Regierung Rouhani bemühen sich die fundamentalistischen Geistlichen und ihr bewaffneter Arm, die Bassidschis, die Revolutionswächter, die Sittenwächter und die Polizei, ihre Sittenvorstellungen vermehrt mit Gewalt der Bevölkerung aufzuzwingen.
Ein beliebtes Ziel sind Konzerte, die von Schlägertrupps der Geistlichkeit überfallen werden, so dass sie nicht zustande kommen. Die Angreifer erhalten dabei auch Unterstützung durch die Polizei.
Dies wurde in einem Fall von Präsident Rouhani kritisiert, der erklärte, es sei die Aufgabe der Polizei, sich um die Einhaltung der Gesetze zu kümmern, und nichts anderes. Das trug ihm herbe Kritik seitens der Geistlichkeit ein.
Der stellvertretende Polizeichef des Landes, der hinter sich Rückendeckung spürt, ging an die Öffentlichkeit und meinte, die Polizisten hätten die religiöse Pflicht, einzuschreiten, wenn etwas gegen ihren – den islamischen – Glauben verstoße.
Ob ein Konzert gegen den Glauben eines Polizisten verstößt, entscheidet die Polizei.
In der Praxis muss es nicht so weit kommen. Eine beliebte Methode der „Sicherheitskräfte“ ist es, die Veranstalter anzurufen und ihnen mit Überfällen zu drohen, falls sie das Konzert nicht absagen. Das geschieht dann auch meist „aus gesundheitlichen Gründen“.
Im Fall der Musikgruppe von Saman Dschalili halfen die Drohungen allerdings nicht. Die Gruppe wollte in Chorram-Abad ein Konzert geben und hatte nicht vor, es abzusagen.
Darauf verboten die Sicherheitskräfte den Mitgliedern der Musikgruppe, Teheran zu verlassen, und hängten in Chorram-Abad vor dem Konzertgebäude folgendes Plakat auf:

„Wegen eines Unfalls der Musikgruppe von Saman Dschalili ist das Konzert dieser Gruppe bis auf weiteres abgesagt“
Und darunter: „Wer sein Eintrittsgeld zurück möchte, möge sich an den Musikverein des Ministeriums für religiöse Aufklärung wenden“.
Sprich: die Polizei verbietet den Musikern im eigenen Land zu reisen, sagt das Konzert auf eigene Vollmacht mit einer Lüge ab und bürdet die Kosten für die Absage dem Veranstalter auf (dem Musikverein des Ministeriums für Religiöse Aufklärung in Chorram-Abad).
Konzert in Chorram-Abad

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