Offene Worte zur Wirkung der Sanktionen

Ajatollah Hashemi Rafsandschani, Vorsitzender des iranischen Schlichtungsrates, war immer eine wichtige Figur für das Islamische Modell im Iran, besonders unter Chomeini, dessen rechte Hand er war, hatte er große Macht. Auch heute noch ist er einflußreich und sieht sich als Mittler zwischen dem fundamentalistischen und der reformistischen Flügel unter den Rechtsgelehrten im Iran.

Schon früh hatte Rafsandschani erkannt, das die anfängliche breite Zustimmung der iranischen Bevölkerung für das Islamische Modell mit den Jahren immer mehr schwand. Anders als Chamenei war er z.B. dagegen, dass im Jahr 2009 Ahmadinedschad durch den Religionsführer Chamenei an der Regierung gehalten wurde. Er sieht das islamische Modell in Gefahr und sieht es als seine Pflicht an, das Modell zu retten. In diesem Zusammenhang sind seine heutigen Worte bei einer Veranstaltung über iranische Geschichte in Teheran zu verstehen.

Deutlicher noch als früher kritisierte er die Position der Fundamentalisten bezüglich der internationalen Sanktionen. Während Chamenei und seine Anhänger gerne behaupten, dass die Sanktion nicht sonderlich schädlich seien, und im Gegenteil sogar Chancen wie die einer Unabhängigkeit von den westlichen Industriestaaten beinhalteten, dass sie gar den Iran stärken würden und auf vielfältige Art neue Wege eröffneten, sagte er, dass die Sanktionen die Situation der iranischen Bevölkerung ruiniert hätten. Dies betreffe sowohl die Mittelklasse als auch die Arbeiter. Er sagte, die Sanktionen hätten die Knochen des iranischen Volkes gebrochen. Nur die wenigen Leute, die die Macht und die Medien in der Hand halten, würden behaupten, dass die Sanktionen den Iranern nicht geschadet hätten. Diese Behauptung käme nicht aus dem Volk sondern würde nur von wenigen vertreten. Wissenschafler und Ayatollahs an der Spitze der Gesellschaft hätten Angst, die Realität zu schildern.

Als Beispiel nannte er die vielen bereits laufenden Unternehmens-Projekte, die aufgrund der Sanktionen nicht beendet werden konnten. Andere Projekte, die das Land ökonomisch nach vorne gebracht hätten, wurden gar nicht erst begonnen.

Viele würden behaupten, dass es nach der Scharia verboten sei, mit dem Westen überhaupt zu sprechen. Das sei falsch. Die Scharia erlaube es in der gegenwärtigen Situation mit allen Ländern zu sprechen und nach Problemlösungen zu suchen. Als Beleg führte er an, dass der Prophet selbst zu seiner Zeit sich entsprechend verhalten habe.

Gegen Ende meinte er, dass die Iraner einen Weg finden müssten, um mit der Welt in einen gemäßigten Dialog zu treten. Die Scharia würde dies erlauben.

Kommentar

Die Arbeitslosigkeit, die Unzufriedenheit und die Korruption sind derart angewachsen, dass die Herrschenden schon befürchteten, dass bei dem nächsten große Ausbruch nicht nur die Mittelschichten und Arbeiter auf die Straße kommen sondern auch die ärmsten Schichten. Für das islamische Modell wäre das sehr gefährlich. Deswegen versucht Rafsandschani sich auf der Seite des iranischen Volkes und der armen Schichten zu zeigen um dieses Modell zu retten.

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