Iran: Auch die Geistlichkeit ist schuld

Ajatollah Haschemi Rafsandschani empfängt immer wieder Delegationen aus den verschiedenen Gegenden des Irans. Kürzlich erschien bei ihm eine Delegation aus Desful, die über den Sittenzerfall (gemeint ist u.a. die Korruption) und die hohe Arbeitslosigkeit besonders unter Jugendlichen klagte.
Ajatollah Haschemi Rafsandschani ging auf ihre Klagen ein, und meinte, das sei eine Folge der achtjährigen Herrschaft der Vorgängerregierung (gemeint ist Präsident Ahmadineschad).
Einer der Gründe für den Zerfall der Sitten sei der Extremismus. Unter dem Vorwand des Schutzes der Sitten sei die Gesellschaft von Radikalen gelähmt worden. Gemeint sind hier Ajatollah Mesbah Jasdi, Ajatollah Dschannati und dergleichen. Rafsandschani sagt hierzu: „Im Namen der Sitte werden radikale Aktionen durchgeführt.“ (gemeint sind zum Beispiel Razzien gegen „unislamisch“ verschleierte Frauen).
Auch die hohe Arbeitslosigkeit führt er auf die drastische Verschlechterung der Wirtschaft in der Amtszeit von Präsident Ahmadineschad zurück. Dafür, dass dieser so lange sein Unwesen treiben konnte, macht er auch die Geistlichkeit verantwortlich: „Auch die Geistlichkeit muss man gerechterweise als schuldig bezeichnen, weil sie ihn (= Ahmadineschad) so hochgelobt haben. Und noch heute haben ihm viele die Unterstützung nicht entzogen.“
Wenn man sich fragt, welche Geistlichkeit denn Ahmadineschad unterstützt hat, fällt an erster Stelle der Religiöse Führer Ajatollah Chamene‘i ein, der die Wahlfälschung vom Juni 2009 samt der einjährigen Unterdrückungsphase voll und ganz unterstützte.
Rafsandschani stellt sich mit diesen Äußerungen auf die Seite der Kritiker des Regimes und gibt so Volksnähe vor. Er geht nicht hin, und kritisiert die Verurteilung seines Sohns zu zehn Jahren Gefängnis, sondern er sucht das Volk als Verbündeten, um die Macht der Gruppe um Ajatollah Chamene‘i zu beschneiden.

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