Irans Sanktionen: Das süße Paradies

Man mag sich fragen, wieso die Wirtschaft nach zwei Jahren Amtszeit von Präsident Rouhani noch immer nicht in Gang gekommen sind, wieso die Sanktionen noch immer in Kraft sind – von der einen Ausnahme abgesehen, dass bestimmte festgefrorene Gelder nun in den Iran überwiesen werden durften.
Die Wahl von Präsident Rouhani war zumindest auf der Seite seiner Wählerschaft mit der festen Hoffnung verbunden, dass er für ein Aufheben der Sanktionen und für einen spürbaren Wirtschaftsaufschwung sorgen würde.
Diese Hoffnung übersah einen wichtigen Punkt, der auch von den westlichen Verhandlungspartnern nicht unterschätzt werden sollte.
Es mögen 95% der iranischen Bevölkerung unter den Folgen der Sanktionen leiden, aber es gibt auch Gewinner.
Solange Sanktionen herrschen, können Waren, die benötigt werden, nicht auf normalem, legalem Weg importiert werden. Es werden umständliche Geschäfte erforderlich – Dreiecksgeschäfte ist das falsche Wort, so viele Ecken, wie da umschifft werden, hat der ganze Vatikan nicht, und bei diesen Geschäften verdienen einige Leute täglich Hunderttausende von Euro oder Dollars, dafür, dass sie vermitteln.
Ein Beispiel: Auch im Iran benötigen Krankenhäuser und Universitäten Reagenzgläser und Laborausrüstungen, um arbeiten zu können. Dank der Sanktionen können sie diese nicht einfach in England oder Kanada bestellen, sondern benötigen Vermittler, beispielsweise eine Firma in Pakistan oder Dubai, die die Ware bestellt. Von dort wird die Ware dann in den Iran gebracht. Was bei einer direkten Bestellung 25.000 Euro kostet, kostet so schnell 100.000 Euro.
Dass Menschen damit Geld verdienen, wäre noch nicht das Problem, man könnte ja sagen, das sind 5%, die restlichen 95% der Iraner können sich gegen die schon durchsetzen. In einer funktionierenden Demokratie könnte das vielleicht der Fall sein, aber nicht in einem System, in dem die Waffen der Revolutionswächter, die Revolutionsgerichte und ihre Henker herrschen. Und dummerweise sind diese 5% diejenigen, die entscheiden, was bei den Verhandlungen zwischen Iran und dem Westen passiert oder nicht, egal was Rouhani und sein Außenminister sagen mögen.
Modschtaba Chamene‘i, der Sohn von Ajatollah Chamene‘i, gehört zu den zentralen Figuren dieser schwarzen Wirtschaft, und viele radikale Geistliche wie Ajatollah Mesbah Jasdi oder Ajatollah Dschannati sind nicht einfach nur Scharfmacher, weil das ihre persönliche Ideologie sein mag, sondern weil die Scharfmacherei dafür sorgt, dass die Sanktionen erhalten bleiben und sie sowie ihre korrupten Schmuggelbrüder davon prächtig leben. Dem Volk predigen sie weiter das Paradies nach dem Märtyrertod, aber selbst haben sie sich schon hier ihr Paradies auf Erden geschaffen.

Autobahn ins Paradies
Ajatollah Mesbah Jasdi hat fürs Volk auch schnell einen neuen Weg ins Paradies eröffnet. Er erklärte: „Warum sollen wir vor den Sanktionen Angst haben? Das Volk kommt auch damit zurecht, nur einmal am Tag zu essen. Und wenn sie nur Brot zu essen haben, einmal am Tag und mit nichts drauf, dann können sie nachts besser schlafen und kommen dazu noch ins Paradies.“
Es versteht sich, dass diese Schicht von Privilegierten eine Aufhebung der Sanktionen der Sanktionen fürchtet und nicht die Sanktionen. Und weil sie nicht von den Wahlen abhängt, sorgt sie weiter dafür, dass die Sanktionen erhalten bleiben.
Erst wenn sie aus ihrem Paradies auf Erden vertrieben werden, kann sich das Los der Bevölkerung im Iran bessern.

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