Iran: Tscharche Falak – das Himmelsrad

Es war einmal ein Schah von Persien, der es sich einiges kosten ließ, 2500 Jahre Monarchie prunkvoll zu begehen. Er lieferte damit den sichtbaren Beweis für die Kontraste zwischen arm und reich in seinem Land, und die Landflucht, die seine Agrarreform ins Rollen brachte, sowie die Slum-Bildung in den Städten lieferten die soziale Basis für eine Protestbewegung, die schließlich in der Revolution von 1979 mündete. Mit der Revolution kamen die Islamisten unter Ajatollah Chomeini an die Macht. Zuvor hatten sie noch lauthals verkündet, dass das Erdöleinkommen gerecht unter der Bevölkerung verteilt werden müsse. Aber mit dem gerechten Verteilen nehmen es die Islamisten nicht so genau.


Eine große Villa und ein halb zerfallenes Haus

Almosen geben – Ja, das ist religiöse Pflicht und wird an diversen religiösen Feiertagen wie dem Opferfest praktiziert, aber die Armen sollen doch bitte sehr auf ihren Plätzen bleiben. Die Milliarden-Einnahmen aus dem Erdölgeschäft haben auch ohne die Bevölkerung begierige Abnehmer gefunden, namentlich unter den Kindern der Ajatollahs und unter den Revolutionswächtern, den Pasdaran.

Charles Dickens in Teheran
Wie krass die Gegensätze heute im Iran sind, wie aussichtslos das Leben für Kinder ist, die in bestimmten Vierteln in bestimmten Gesellschaftsschichten aufgewachsen sind, schildert eine Fotoreportage der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur ILNA (Iranian Labour News Agency) vom 17. Juni 2015 (27. Chordad 1394).


Ein drogensüchtiger Mann in Frauenkleidern in Südteheran (in den Kleidern lassen sich Drogen besser transportieren)

Es geht immer noch tiefer
Dass man in einer Stadt wie Teheran mit 12 Millionen Einwohnern die verschiedensten Kontraste fotografieren kann, sollte man annehmen, auch in Europa und den USA würde man genügend Objekte für die Kamera finden. Was aus der Reportage aber deutlich wird, sind mehrere Punkte: Die Armut nimmt zu, auch unter der Regierung von Hassan Rouhani. Der Journalist befragt gezielt die Verkäufer von Fleisch sowie von Obst und Gemüse in den verschiedenen Stadtteilen Teherans, und dabei wird deutlich, dass die (kaufkräftige) Nachfrage nach Grundnahrungsmitteln auch im Vergleich zum letzten Jahr kräftig gesunken ist. In den ärmeren Vierteln wird Fleisch wenig gekauft, höchstens noch Hühnchen, auch Thunfisch ist noch einigermaßen preiswert, und das Brot ist so teuer geworden, dass sich eine fünfköpfige Familie von 15 dünnen Fladenbroten am Tag ernähren muss. Kartoffeln werden mitunter nur noch am Tag des Bedarfs gekauft, nicht auf Vorrat. Reis können sich viele nicht mehr leisten.


Ein heruntergekommenes Haus in Südwestteheran. Besonders Nachts halten sich hier viele arme Leute auf.

Und wovon leben sie?
Auch dem Journalisten stellt sich die Frage, wie die Menschen unter solchen Umständen noch überleben können. Es gibt eine Antwort, eine bedrückende. Mit Drogen. Sie werden gehandelt und konsumiert. Es gibt Stadtteile, wo dies in aller Öffentlichkeit erfolgt, wo die Leute im Park in Gruppen sitzen und sich die nicht unbedingt sterile Spritze rumreichen. Die Kindern erben diese Bräuche, sie kennen nichts anderes. Die Polizei ist hier nicht zu sehen. Das mag den Preis für die Drogen niedrig halten, das mag auch ein Indiz für die Beteiligung der Behörden am Handel sein, Tatsache ist jedenfalls, dass der ausufernde Konsum von industriellen Drogen (Heroin und Co.) noch lange die Entwicklung einer freien Gesellschaft behindern wird, falls es der Mehrheit einmal gelingt, die Diktatur der Islamisten abzuschütteln.

Eine halbe Drehung des Himmelrads
Die Revolution von 1979 hat tatsächlich einiges auf den Kopf gestellt. Der Schah musste fliehen, mächtige Militärs ebenfalls, die US-Botschaft wurde besetzt, Offiziere wurden hingerichtet, und neben der Geistlichkeit, die auch unter dem Schah nicht darbte, stiegen einige aus den unteren Schichten in den Slum-Vierteln nach oben. Aber es ist nichts geschehen, um das Rad zum Stoppen zu bringen, um allen eine Chance zu geben und die krassen Gegensätze zwischen den Ärmsten und Reichsten zu beseitigen. So steuert der Eselskarren der Mollas auf die nächste Revolution zu, und wenn sie nicht aufpassen, wird diesmal ihr Kopf unter die Räder kommen.


Ein Park in der Mitte von Teheran. Hier werden Drogen ge- und verkauft.

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