Iran: Überzeugung statt Zwang

In der letzten Zeit wurde die Regierung von Präsident Hassan Rouhani mehrfach von Fundamentalisten kritisiert, sie vernachlässige die Durchsetzung des Gesetzes über „Anstand und Verschleierung“.
Anlässlich einer Feier zum Fastenbrechen im laufenden Fastenmonat Ramadan hat gestern Hassan Rouhani – und das als Geistlicher – vor Frauen klare Gegenposition gegen die terroristischen Anstandsprediger bezogen.
Laut der iranischen Nachrichtenagentur ISNA erklärte er bezüglich der Verfolgung „unislamisch“ gekleideter Frauen:
„Wenn wir jetzt auf der Straße eine Person verhaften, abführen und ein Verfahren gegen sie eröffnen, wird es damit besser?“
Und er fuhr fort: „Manche glauben, dass Verschleierung und Anstand vom Kopftuch, seiner Art und dem Stil, wie man es trägt, abhängen. Und wie sieht es mit Verschleierung und Anstand aus, wenn wir reden und einen Menschen anblicken? Es ist kein Zufall, dass die gesegnete Sure „Nur“ (Das Licht) da, wo von Anstand die Rede ist, bei den Männern anfängt!“

Können Sie jemanden mit Gewalt zwingen, zu fasten?
Auch ging er auf die Tradition des Fastens während des Ramadan ein, die im Iran mit brutaler Gewalt durchgesetzt wird. So wurden auch jetzt wieder Dutzende von Menschen zu Peitschenhieben verurteilt, weil sie z.B. in der Öffentlichkeit Schischa geraucht hatten, was ebenfalls als Verstoß gegen das Fastengebot gewertet wird.
Damit greift er direkt eine zentrale Doktrin der Islamisten an, die aus den Hadisen (Überlieferungen über Äußerungen und Handlungen des Propheten Mohammad) abgeleitet wird und mit dem Begriff „Amr be ma°ruf wa nahy as monker“ (Gebot, das Bekannte einzuhalten, und Unterbindung des Untersagten) umschrieben wird.
Dies dient den sogenannten Sittenstreifen dazu, angeblich islamische Sitten durch gewaltsame Übergriffe (Säureattentate, Verhaftungen, Morde) durchzusetzen.
Indem Hassan Rouhani auf die innere Überzeugung setzt und den äußeren Zwang als wirkungslos bezeichnet, setzt er sich deutlich von vielen einflussreichen Ajatollahs ab.
Er sagte: „Können Sie jemanden mit Gewalt zwingen, zu fasten? Er sagt dann, ich faste doch, und geht dann in ein anderes Zimmer und trinkt ein Glas Wasser.“

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