Iran: Deutsche Außenpolitik im Schlepptau der Unternehmer


Im Schlepptau

Kaum wurde am Dienstag, den 14. Juli 2015, die Einigung zwischen dem Iran und den westlichen Staaten (G5+1) über die atomare Abrüstung und die Aufhebung der Sanktionen bekannt, hat sich eine 100-köpfige Delegation aus Deutschland aufgemacht, um im Iran Aufträge für die deutsche Industrie reinzuholen.

Am Sonntag, den 19. Juli 2015 flog eine Delegation aus Deutschland nach Teheran, die laut Angaben eines Korrespondenten der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur Seda wa Sima folgende Personen umfasst:

  • den stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Daimler AG,
  • den Leiter der Abteilung zur Produktion von Lastwagen und Bussen von Mercedes Benz,
  • den Direktor für internationale Beziehungen der Firma Volkswagen,
  • den Exekutivdirektor von BASF,
  • den Präsidenten des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) Reinhold Festge (Name aus deutschen Quellen),
  • den Vorsitzenden der „Nordafrika Mittelost Initiative der Deutschen Wirtschaft“ (ein Kind des BDI) sowie Exekutivdirektors (CEO) von Linde AG Wolfgang Büchele (Name aus deutschen Quellen),
  • den Exekutivdirektor und zugleich Vorstandsmitglied der GIZ (Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) GmbH (von der Bundesregierung finanziert),
  • den Präsidenten des BDI (Bundesverband der Deutschen Industrie) Ulrich Grillo (Name aus deutschen Quellen),
  • den Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) Eric Schweitzer (der einzige, der nur in deutschen Quellen, aber nicht im Bericht von Seda wa Sima erwähnt wurde),
  • den Exekutivdirektor der größten Tunnelbaufirma in Deutschland Herrenknecht AG (im Original als „größte Tunnelbaufirma Deutschlands“ umschrieben),
  • den stellvertretenden Exekutivdirektor von Siemens AG,
  • den Vorsitzenden der „Vereinigung Rohstoffe und Bergbau e.V.“ (VRB) Dr. Joachim Geisler, ein Vorstandsmitglied der ThyssenKrupp AG (Name aus deutschen Quellen),
  • den Generaldirektor für internationale Beziehungen der Daimler AG,
  • den Direktor des Schienentransportunternehmens Bombardier,
  • den stellvertretenden Direktor von Mannesmann AG,

insgesamt wohl an die Hundert Mann. Wir schreiben Mann, denn in der deutschen Industrie sind Frauen in Führungspositionen so selten anzutreffen wie unter den Ajatollahs im Iran.

Einmal mehr werden die Erdölvorräte des Irans die Geisel sein, die für diese Geschäfte in Beschlag genommen werden, denn die deutsche Presse schwärmt schon jetzt davon, dass der Iran dank dieser Schätze ja zahlungsfähig sei, sobald die Sanktionen aufgehoben werden. Man kann jetzt schon davon ausgehen, dass die Erdöleinnahmen nicht dazu dienen werden, die iranische Wirtschaft aufzubauen, sondern die deutsche.

Manche der oben zitierten Firmen sind auch aus dem Rüstungs- und Unterdrückungssektor bekannt, so Siemens, das die iranische Regierung mit den technischen Möglichkeiten ausgerüstet haben soll, den Standort von Handy-Trägern zu orten, was die Verhaftungen unliebsamer Kritiker sehr erleichterte. Wir berichteten am 17.10.2010: „Irans Helfershelfer: Nokia und Siemens vor Gericht
Und die Firma Krupp wird zusammen mit Skoda schon bei Franz Werfel „Die 40 Tage des Musa Dagh“ zitiert, als eine der Firmen, die die Armee der Jungtürken ausrüsteten, die dann die Armenier in den Verbannungstod trieb.

Auf eins kann man schon jetzt Wetten abschließen: Bald werden Berichte über Menschenrechtsverletzungen im Iran weitgehend aus den großen Medien in Deutschland verschwinden, denn das verdirbt nur das Geschäft.

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