Landesweiter Protest der Lehrerinnen und Lehrer im Iran

Die Gewerkschaft der Lehrerinnen und Lehrer im Iran ruft für morgen, den 22.7.2015 (31. Tir nach iranischem Kalender), zu einem landesweiten Protest im Iran auf. Sie sollen sich in allen Städten vor den Einrichtungen der Bildungsverwaltung versammeln, in Teheran findet der Protest vor dem Parlament statt.

Die Forderungen der LehrerInnen wenden sich gegen die Privatisierung der Bildung. Sie verlangen, dass mindestens bis zum Abitur ohne Gebühren unterrichtet werden kann. Die medizinische Versorgung in den Schulen soll verbessert werden. Die Lohndiskriminierung von Frauen soll beendet werden. Überhaupt sollen die Löhne analog zur Inflation steigen. Das Bildungsbudget soll insgesamt erhöht werden.

Eine Forderung bezieht sich auf festgenommene Mitglieder der Gewerkschaft. Die Regierung hat nämlich versucht, die Bewegung einzuschüchtern, in dem sie wichtige Vertreter oder Organisatoren verhaftet hat. Die Protestierenden fordern nun deren Freilassung.

Kommentar von Ai Schirasi

  1. Die Bewegung der LehrerInnen im Iran ist sehr groß. Es handelt sich nicht um einen kleinen oder großen Betrieb mit ein paar tausend Beschäftigten sondern um etwa eine Million LehrerInnen, mit dem höchsten Organisationsgrad im Iran.
  2. Sie sind im ganzen Land vertreten, egal ob es sich um eine Großstadt oder um ein kleines Dorf handelt.
  3. Es sind sehr viele Frauen im Lehrbetrieb beschäftigt – das Verhältnis zwischen Mann und Frau ist etwa 50% – 50%.
  4. Sie haben mit der neuen Generation zu tun. 90% dieser Generation stehen dem islamischen Modell kritisch gegenüber.
  5. Indirekt stehen die LehrerInnen über die Schülerinnen und Schüler mit allen IranerInnen in Beziehung. In der Vergangenheit wurden Proteste der LehrerInnen nicht nur von SchülerInnen sondern auch von deren Eltern unterstützt.
  6. Die Gewerkschaft der LehrerInnen pflegt die gute Tradition, auch andere Gewerkschaften bei deren Kämpfen zu unterstützen.
  7. Während die iranische Regierung versucht, Schüler und Schülerinnen ausschließlich auf möglichst schnelle Lernen, Religion, Beten und Fasten auszurichten, fern von jeglicher Politik versuchen die LehrerInnen dagegen zu halten und ihre SchülerInnen auch für gesellschaftliche Themen zu sensibilisieren, sei es Atompolitik, Umweltschutz oder andere Sachen. Schüler und SchülerInnen zählen nicht zuletzt auch deswegen zu den politisch aktivsten Gruppen im Iran.
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