Iran: Kampf der Turbane


Mehdi Haschemi verabschiedet sich vor dem Ewin-Gefängnis von seiner Frau

Kürzlich hatte Ajatollah Haschemi Rafsandschani in öffentlichen Erklärungen die Gegner des Atom-Abkommens mit dem Westen namentlich angegriffen. Er hob hervor, dass einige wie Ajatollah Mesbah Yasdi sich zur Zeit der Revolution auf dem Land verkrochen hätten und jetzt auf einmal alles zu sagen hätten. Damit bestritt er ihre Berechtigung, im Namen der Revolution aufzutreten.

Außerdem hatte eine Delegation unter Staatspräsident Hassan Rouhani ein Treffen mit dem Religionsführer Ajatollah Chamene‘i. Er legte ihm zahlreiche Belege über die massive Veruntreuung von Geldern durch den vorigen Staatspräsidenten Ahmadineschad und seine Regierung vor. Rouhani forderte, dass Ahmadineschad deshalb vor Gericht gestellt werden solle. Ajatollah Chamene‘i, der Ahmadineschad 2009 durch Wahlfälschung und massive Unterdrückung zu einer zweiten Amtszeit verholfen hatte, lehnte dies begreiflicherweise ab. Man kann davon ausgehen, dass Ahmadineschad im Falle eines Prozesses ihn auch belastet hätte, schließlich ist sein Sohn Modschtaba Chamene‘i nicht nur der Leiter des Sekretariats des Religiösen Führers, sondern auch einer der Organisatoren der Korruption im Staat.

Da Ajatollah Haschemi Rafsandschani seine Absicht kund getan hat, für die Mitgliedschaft im Expertenrat zu kandidieren – der Schritt zum Vorsitz wäre dann nicht mehr weit, ist die Inhaftierung seines Sohns Mehdi Haschemi als Schachzug der Gegenseite zu lesen, den Ajatollah zu diskreditieren. Denn sein Sohn wurde wegen Korruption zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Da die Justiz in der Hand des Religiösen Führers und seiner Anhänger liegt, wissen sie es zu verhindern, dass sie ins selbe Licht geraten.

Das ist die iranische Form von Wahlkampf.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email