Organ-Handel im Iran


Verkaufsanzeigen an einer Hauswand

In der Zeitung „Schahr-Ara“ (deutsch: „Stadtverschönerer“ oder „Zierde der Stadt“) aus Maschhad wurde in der letzten Ausgabe ein Artikel über eine Erscheinung veröffentlicht, die im Iran immer mehr um sich greift. Viele Menschen, die ihre Familie nicht mehr ernähren können, verkaufen ihre Organe, um sie noch eine Zeitlang über Wasser zu halten.
Entsprechende Hinweise und Telefonnummern kann man an Hauswänden finden oder auch im Internet. Im Internet muss man nur die entsprechenden Stichworte eingeben, z.B. forush-e qarine (Verkauf der Hornhaut), forush-e koliye (Verkauf der Niere) oder inzwischen auch forush-e cheshm (Verkauf des Auges) (in persischen Buchstaben), und schon erhält man eine lange Trefferliste.
Ein Journalist (oder eine Journalistin?) der Zeitung Schahr-Ara wollte der Sache auf den Grund gehen und vereinbarte ein Treffen mit einer Person, die ihr Auge verkaufen wollte. Es war eine 34-jährige Frau mit drei Kindern, die zuvor schon ihre Niere verkauft hatte. Sie meinte: „Was nützt mir das Auge, wenn ich meine Kinder nicht ernähren kann. Wissen Sie, was es heißt, von trockenem Brot zu leben?“
Die Nachrichtenagentur ISNA griff den Artikel auf, so dass das Thema jetzt auch in einer größeren Öffentlichkeit diskutiert wird.
Aber alle Diskussionen kommen nicht an einem Punkt vorbei: Die ruinierte Wirtschaft – wofür die Sanktionen genauso verantwortlich sind wie die staatlichen Diebe in der Zentralbank, in den bisherigen Regierungen, unter den Ajatollahs und bei den Pasdaran – hat die Bevölkerung in ein Elend getrieben, aus dem sie keinen Ausweg mehr findet. Manche mögen stehlen oder betrügen, andere verfallen den Drogen, die Ehrlichen zerstören sich selbst, indem sie ihre Organe verkaufen.
Ein Ende ist nicht abzusehen, denn noch immer ist keine wirtschaftliche Besserung in Sicht.

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